Bin ich ein Heide?

 

Heiden sind allesamt Nazis, so ein völkisch gesinntes Gesocks, Rassisten, ewig Gestrige, die irgendwie immer noch in der Scheiße des dritten Reichs hängen und nicht mitgekriegt haben, dass die Zeit der Nationen endgültig Vergangenheit ist, dass Globalisierung die einzige Rettung für das ausufernde Bevölkerungswachstum ist,… mal ganz davon abgesehen, dass sie weder an JHWH noch an Gott oder Allah glauben, sondern allenfalls an die Typen aus irgendwelchen nordischen Götter- und Heldensagen usw. usw.

Überzeugungen sind dazu da, in Frage gestellt zu werden. Nicht um neue Überzeugungen daraus zu basteln, sondern um durch das Infragestellen jedwede Überzeugung als grundlegend ungesichert zu betrachten. Also ein Krieg lässt sich mit dieser Haltung weder verhindern noch gewinnen. Aber vielleicht kann man sich auf diese Weise der Wahrheit annähern, falls es diese überhaupt geben sollte. Die Frage nach dem Nutzen solcher Betrachtungen, ist dabei überflüssig wie ein Kropf.

Also ich sag mal, ich bin ein Heide. Ich nehme jedenfalls an, dass mich die Vertreter der drei abrahamitischen Religionen so nennen und entsprechend ihrer angeblichen oder tatsächlichen Glaubensvorstellungen behandeln würden. Wenn ich mich selbst frage, was ich bin, könnte ich die Frage gar nicht beantworten. Ich bin halt. Ich könnte höchstens versuchen zu sagen, was ich nicht bin. Ich fang mal damit an, dass ich kein Anhänger der drei abrahamitischen Religionen bin. Bin ich ein Weißer? Na gut, ich sag mal Ja. Bin ich ein Deutscher? Na ja, ich bin in Bonn geboren, mein Vater ist aus Essen, meine Mutter aus Berlin, auch die Groß- und  Urgroßeltern – alle in Deutschland geboren. Ich spreche Deutsch, bin hier sozialisiert worden, also ja, man könnte sagen dass ich ein Deutscher bin. Ich bin kein Franzose, kein Holländer, kein Pole, kein … bin ich ein Europäer? Na jedenfalls bin ich kein Afrikaner, kein Asiate und auch kein Marsmensch. Wenn ich mich schon festlegen soll, würde ich also ganz arglos sagen, dass ich wohl ein Deutscher bin.

Hab ich ja schon mal erzählt, dass ein Gentest herausgefunden hat, dass ich väter- und mütterlicherseits ein Kelte bin, was mich als einem alten Asterix-Fan absolut nicht wundert und irgendwo klammheimlich gefreut hat. Die Kelten, insbesondere die irischen mit ihren Druiden waren halt schon ein besonderes Völkchen und anders als die ollen Germanen viel weniger imperialistisch-hierarchisch und viel weniger im dualistischen Denken verhaftet. Na ja und dann kam Cäsar, sah und besiegte bei Alesia den gallischen Feldherrn Vercingetorix,  was für die Festland-Kelten weitgehend das Ende ihrer Macht bedeutete. Ein paar Jahrhunderte nach Cäsar kamen dann die inzwischen abrahamitischen Römer und zerstörten mit Feuer und Schwert die Reste der noch vorhandenen indigenen keltisch-germanischen Kulturen.

Heute fragen wir uns schon nicht einmal mehr, ob der Islam zu Deutschland gehört. Ob das Christen- und Judentum zu uns gehört, ist schon lange keine Frage mehr. Auweia, jetzt lande ich doch noch bei den Nazis, wenn ich so weiter mache. Die abrahamitischen Religionen stehen für einen ausgeprägten geistigen Dualismus, der langsam aber sicher die ganze Welt erobert hat und dabei ist, diese zu zerstören. Letztlich geht es genau darum und nicht um Rassismus, Fremdenhass, Nationalsozialismus, völlig idiotische Nebenkriegsschauplätze und anderen Schwachsinn. Finden wir wieder zurück zu einem Nondualismus, wie er, um im Lande zu bleiben, bereits bei den keltischen Druiden vorzufinden war, oder entfernen wir uns immer weiter davon und enden in geistiger Umnachtung und einer völligen Zerstörung der Natur? Die nonduale Haltung wird nicht möglich sein durch irgendeine x. Missionierungswelle, sondern nur durch den Erkenntnisprozess möglichst jedes Einzelnen. Und zu diesem kann niemand gezwungen werden. Er findet statt oder nicht, und wenn nicht – dann gute Nacht Mutter Erde. Und wie es im Moment aussieht – es schaut düster aus.

Gestern bin ich über ein Video gestolpert: „NWO WELTPOLITIK ★ Die spirituelle Rolle Deutschlands und wie sie seit Langem bekämpft wird“, ein Vortrag von dem Anthroposophen Axel Burkhart. Also ich hab’s nicht so mit Rudolf Steiner, aber man kann sich ja mit der von Axel Burkart angesprochenen Thematik auseinandersetzen.


Ich will nur einen Punkt herausgreifen, weil er gut zu dem von mir eben erwähnten Gedanken passt: Die von Burkart geforderte Priorität des Spirituellen gegenüber dem Politischen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater nach dem 2. Weltkrieg den Verfall des Anstands in Deutschland beklagte. Da waren die Amis mit ihrem Kaugummigekaue, ihren Beinen auf dem Tisch, ihrer grässlichen Negermusik, ohne jede Würde und Bildung, Goethe, Schiller, Lessing, Bach, Beethoven, … gingen ihnen einfach am Allerwertesten vorbei. Soweit mein Vater.

Nun, für uns Heranwachsende bedeutete das alles zunächst einmal viel mehr die Befreiung von der geistigen Enge und Bevormundung durch die alten Nazis und die Pfaffen und so machten sich die, die man später die 68er nannte, auf den Weg in einen neuen Morgen. Heute als alter Sack muss ich meinem Vater irgendwie ein wenig recht geben. Die Oberflächlichkeit in unserem Land ist kaum mehr zu ertragen. Das was sich uns einmal als Freiheit dargestellt hatte, entpuppte sich zunehmend als neue Unfreiheit und eine völlig geistige Verwahrlosung. Ich muss nur an unsere Fernsehprogramme denken oder an die Dauerberieselung mit Werbung. Von Politik zu reden, will ich erst gar nicht anfangen. Irgendwie scheinen alle auf den nächsten Krieg, einen neuen Messias, auf Harmagedon oder den Weltuntergang zu warten, damit dieser gegenwärtige unerträgliche Zustand ein Ende finden kann, falls man nicht einfach nur stumpfsinnig so vor sich hindümpelt. Ich stimme also Axel Burkart völlig zu, wenn er der Spiritualität absolute Priorität einräumt. Dass die Welt mal wieder am deutschen Wesen genesen soll … na ja, ich lass das mal. Ich wiederhole also nochmal: Finden wir wieder zurück zu einem Nondualismus, wie er, um im Lande zu bleiben, bereits bei den keltischen Druiden vorzufinden war, oder entfernen wir uns immer weiter davon und enden in geistiger Umnachtung und einer völligen Zerstörung der Natur?

 

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4 Antworten zu Bin ich ein Heide?

  1. Peter schreibt:

    …wie treffend, lieber Nitya. Sehr, sehr gut das Zeitgeschehen gespiegelt. Danke!!!

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  2. Alexandra schreibt:

    Der Mensch popelt sich aus den Religionen immer das raus, was er gerade für adäquat hält. Lethednlich ist es immer die Angst vor dem Tod, vor dem verlassen- werden, die Mensch religiös werden lässt. Und dann kommt, gerade im christentum aber wohl jetzt auch im islam der Missionsgedane hinzu. Schließlich will man ja nicht, dass andere in der Hölle landen, also in der ewigen Trennung von Gott. Was für ein Schrott. Aber das habe ich auch mal geglaubt. Und bin dafür auf die Straße gegangen. Aber irgendwie war das immer halbherzig. Bis mir klar wurde: so ein Gott wäre ein sadist! Also trennte ich mich von dieser gottesvorstellung, obwohl am Anfang schon noch die Angst da war: ob ich wohl jetzt nach dem Tod in die Hölle komme? Kommt mir heute völlig abgefahren vor. Aber ich kann ein bisschen nachvollziehen, was Menschen da so antreibt. es werden immer ganz bestimmte Stellen aus den „heiligen Schriften“ exorbitant Betont. Warum diese und nicht andere? Z.b. „Macht euch die Erde untertan“ und „seid fruchtbar und mehret euch“ allein diese Aussagen hatten und haben bis heute verheerende Folgen. Unsere mennonten im Dorf nehmen das noch sehr ernst. Andere stellen werden dagegen außer Acht gelassen. Mit dem glauben an einen „großen“ Gott ( außerhalb von uns) wurden immer Machtstrukturen gefestigt. Diese haben dann eigentlich mit der Suche nach dem göttlichen nichts mehr zu tun. Sie festigen Bande, schaffen Trennung, das chrsitentum ist durch Paulus sehr stark römisch geprägt. Die Römer hatten keine monotheistische Religion, waren aber sehr machtbesessen. Wo ist da ursache, wo Wirkung? …
    Mensch sucht sich, wie jedes Lebewesen immer den bequemsten, den Weg mit dem größtmöglichen Wohlgefühl heraus. Leider oft ohne an die Folgen zu denken. Da waren die Indianer weiser als unsere Gesellschaft. Nur leider hat es Ihnen nichts genützt. Ich muss wohl in einer meiner vorigen Leben ein Indianer gewesen sein…

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