cuius regio, eius religio – Zeit, mit dem Quatsch aufzuhören

 

Wessen das Land, dessen (ist) die Religion.
Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555,
nach dem der Landesfürst die Konfession der Untertanen bestimmte

Bloß, damit wir mal ein gewisses Verständnis dafür bekommen, was im politischen Bereich unter Religion verstanden wird. Vor diesem Hintergrund ist auch folgender Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland zu sehen.

GG Art. 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

66 Art. 5

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

GG Art. 7

(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.

Während Art. 4, 3 sich ausdrücklich auf die (vom Staat auf Glaubwürdigkeit überprüfte) Gewissensfreiheit des Einzelnen bezieht, ist dies vor allem bei Art. 4, 2 und Art. 7 keineswegs klar. Was versteht das GG unter „ungestörter Religionsausübung“? Geht es hier um die Freiheit des Einzelnen, in seinem stillen Kämmerlein sein Gebet zu wem oder was auch immer zu verrichten und von mir aus am Freitag Fisch zu essen oder geht es hier um organisierte Religionen, deren sichtbarer Ausdruck ihre sog. Gotteshäuser sind?

Abraham, Stammvater aller Kopfabschneider,
verstümmelt seinen Sohn Isaak
und will ihn auf Befehl seines Gottes schlachten.

„Befehl“ ist Befehl.

Provozierend gefragt: Darf etwa ein IS-Kämpfer bei seiner Religionsausübung in Form des Kopfabschneidens nicht gestört werden? Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 macht deutlich, dass es nie um das mögliche Verhältnis des Einzelnen zum Göttlichen ging, sondern dass Religion als reines Machtinstrument betrachtet wurde und wird. Im Augenblick erleben wir geradezu ein Comeback der von mir hoffnungsfroh fast schon totgeglaubten Religionen. Der Islam heizt uns allen gerade richtig schön ein. Ging es eben noch um die Frage, warum überhaupt der ganze Schnickschnack, scheint es jetzt vorzugsweise nur noch darum zu gehen, welcher Schnickschack der bessere ist. Mutti Merkel  hat uns ja  schon wieder in die christlichen Kirchen getrieben. Was das wohl werden soll? Ein Religionskrieg?
Soll doch jeder glauben, was er will. Das geht mich nichts an. Aber es geht auch keinen anderen was an, was ich glaube oder nicht glaube. Dies ist die Grundlage dafür, dass Religion in welcher Form auch immer aus dem öffentlichen Leben verschwindet. Dies geht noch viel weiter als die bloße Trennung von Kirche und Staat. Wenn wir uns zu den Werten der hart erkämpften Aufklärung bekennen wollen, dann gibt es keinen anderen Weg. Die Bekämpfung eines militanten Islam ist nur möglich, wenn wir auch den christlichen Glauben im eigenen Land zur absoluten Privatsache machen. Dass mir eine Bundeskanzlerin empfiehlt, in die Kirche zu gehen, zeigt, wie weit wir uns schon von den Werten der Aufklärung verabschiedet haben. Und dass irgendwelche perversen Religioten straffrei ohne jede medizinísche Notwendigkeit an den Geschlechtsteilen von Kindern herumschnibbeln dürfen, zeigt, wer in unserem Land schon wieder das Sagen hat. Von den Geschlechtsteilen ist es dann nicht mehr weit zu den Köpfen der sog. Ungläubigen. Die Christen in unserem Land haben ja im Umgang mit Ketzern, Hexen, Heiden und sonstigen Ungläubigen bereits reichlich Erfahrung sammeln dürfen.

Um wahrhaft gerecht zu sein,
muss eine Regierung
die Zustimmung und das Einverständnis
aller Regierten haben.
Sie kann kein anderes Recht
über meine Person und mein Eigentum haben als das,
welches ich ihr gewähre.

Henry David Thoreau

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu cuius regio, eius religio – Zeit, mit dem Quatsch aufzuhören

  1. ananda75 schreibt:

    Nee , – das Problem liegt natürlich – sowieso immer NICHT bei uns ! sondern ganz einfach darin, dass die Moslems keine Trennung von Staat und Kirche haben.
    Wir hatten ja den 30-jaehrigen Krieg,, wir haben alles richtig gemacht und solange das oberste Prämisse bleibt, dass wir nie was verkehrt machen, weil wir nach wie vor die Herren der Welt sind, seh ich ziemlich schwarz für Entwicklung jedweder Art.

    Gefällt 2 Personen

  2. fredoo schreibt:

    Na klar … die institutionalisierten Religionen sind nix anderes wie ein Salon auf der Titanic an dessen Tür „Rettungsboot“ steht …
    Und doch … erfüllt es zumindest die Funktion Trost , wenn andere Rettung nicht erkannt werden kann …
    Darin , in dieser Trostfunktion , will ich jedoch auch den Nutzen von Religion beschränkt sehen.
    Wenn sich die Tröster zum Erklärer und noch übler zum Bestimmer aufschwingen , dann sind Grenzen überschritten und ein deftiges auf die Fingerklopfen geboten.

    Gefällt 2 Personen

  3. fredoo schreibt:

    folgend : … und dass den Religionen im gesellschaftlichen Kontext nach wir vor eine Bestimmerfunktion zugemessen wird , und sich da Christentum und Islam letztlich nur graduell unterscheiden , zeigt um so deutlicher , wie unwissend und trostbedürftig die Menschheit in tuto ist …

    Gefällt 1 Person

  4. punitozen schreibt:

    Dazu fällt mir ein –
    Samstage und Waschtage sind Eintopftage . 🙂
    April , April !
    Punito

    Gefällt 1 Person

  5. Alexandra schreibt:

    Ach naja, den Einfluss der Kirche auf den Staat finde ich jetzt nicht so gravierend. Jeder darf in unserem Land glauben was er will. Und er darf die Parteien mit dem c vorne wählen muss er aber nicht. Und selbst wenn er die wählt überprüft keiner die Religiosität des Wählers. Obwohl ich den Religionsunterricht auch aus dem Grundgesetz nehmen würde. Und dass die Religionsausübung keinerlei Beschränkung unterworfen ist finde ich ebenfalls bedenklich.
    Aber ich frage mich die ganze Zeit, was steht hinter dem Wahnsinn, den Menschen mit oder ohne Religion betreiben. Gestern sah ich ein Bild, das mich noch mehr gruselte, als deine abgeschlagenen Köpfe. Eine nackte Frau, die von Männern im wahrsten sinne des Wortes geschächtet wurde. Weil sie einen nichtmuslimischen Mann geheiratet hat. Mir ist immer noch schlecht davon. Was treibt Menschen dazu, so hasserfüllt und grausam zu werden? Das kann man nicht einfach mit einem glauben an irgendeinen Gott begründen. Die Verbrechen im stslinismus und nationalsozialismus hatten nichts mit irgendeinem Gott zu tun. In Nordkorea wirst du schon hingerichtet, wenn du einen Liebesfilm guckst. Wo ich hinsehe Wahnsinn. Im Moment kann ich nicht an die liebe dahinter glauben. Und an das eine Bewusstsein ,aus dem das alles kommt. Wozu der Mensch? Wozu dieser irrsinnige glaube an die Trennung dessen was wir sind? Ist nicht die Suche nach Gott diesem trennungsgedanken entsprungen? Ohne Menschen wäre die Erde wirklich besser dran. Heute kann ich mich grad an nix erfreuen. Da kommen mir die Blumen im Garten nur wie eine Ablenkung vor.
    Aber: ist denn das, was ich nicht direkt erlebe sondern nur durch Medien erfahre genau so wirklich wie das .fühlbare“ leben , was ja auch nur ein Traum zu sein scheint?

    Gefällt 1 Person

    • fredoo schreibt:

      Ach Alexandra … es ist so gut verständlich , was dich da bewegt …
      Ich kann Dir weder Trostpflaster noch Anti-dot für diesen Wahnsinn anbieten …
      Ich kann nur aus Eigenem berichten , dass ich entdeckt habe , dass eine erstaunliche Dosis „WahnsinnsEinschätzung“ aus dem mir selber damals noch unbemerkten eigenen Glauben an – und Hoffen auf – eine perfekte , unwahnsinnige Welt kam .
      Also das „wahnsinnigste“ an meinem „Wahnsinn“ war die wahnsinnige Erwartung oder Hoffnung auf eine unwahnsinnige Welt !

      Nun wäre es lediglich anders „wahnsinnig“ , auf eine zu „machende“ Änderung dieser eigenen Nicht-mehr-Wahnsinns-Erwartung zu hoffen .

      Was da bleibt , ist wohl nur , neugierig und achtsam all diesen Wahnsinn und auch (!) die eigene Wahnsinnseinschätzung geduldig und gelassen zu beobachten …
      und darauf zu vertrauen , dass das Leben eine merkwürdige Qualität hat …
      Es liefert in jeder Problematik bereits (keimhaft !) deren Lösung mit … Auch im Wahnsinn
      … ( will ich doch hoffen )
      😀

      Gefällt 3 Personen

  6. Alexandra schreibt:

    Mehr brauchst doch eigentlich nicht.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s