Ramesh Balsekar: der Weise verfolgt nie seine Vorlieben


Das Leben ereignet sich seit unvorstellbarer Zeit als Fluss, der dem Kosmischen Gesetz der Natur entspricht.

Der Weise nimmt das, was des Weges kommt, als Teil des natürlichen Lebensflusses an. Er ist mit dem, „was-ist“ deshalb glücklich und zufrieden, weil er weise genug war, niemals seine Vorlieben oder andere Vergnügungen zu verfolgen.

aus: Ramesh Balsekar, „Zen und Tao im Licht von Advaita“

In meiner letzten dienstlichen Beurteilung als Fortbildungsleiter stand in dem vom Kultusministerium herausgegebenen Programm u.a. das Thema „Kommunikation“ und „das didaktische Prinzip des Fundamentalen“ auf der Tagesordnung. „U.a. „heißt, dass da noch eine Menge anderes Zeugs stand, das ich aber einfach wieder von der Tagesordnung strich, weil ich der Auffassung war, dass man sich nur ernsthaft mit den beiden Themen auseinandersetzen konnte, wenn man sich für die wirklich wichtigen Themen genug Zeit nahm und den ganzen Kram nicht nur theoretisch abhandeln wollte. Ich bekam für das, was ich da abarbeitete eine 1 und für das, was ich eigenmächtig wegließ, eine 6. Dazu erhielt ich die Belehrung, dass es nicht in meinem Ermessen stehe, kultusministerielle Anordnungen in Frage zu stellen. Als ich anschließend gefragt wurde, wie ich nach dieser Belehrung, den Seminartag richtig hätte gestalten müssen, antwortete ich: „Genauso, wie ich ihn gestaltet habe. Wir können nicht lehren, wie Unterricht gestaltet werden müsse und uns selbst nicht daran halten.“ Das war dann der Anfang vom Ende meines Beamtendaseins. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf diesen Kindergarten.

So, lange Rede kurzer Sinn: Ich bin vollkommen einverstanden mit dem ersten Satz von Ramesh: „Das Leben ereignet sich seit unvorstellbarer Zeit als Fluss, der dem Kosmischen Gesetz der Natur entspricht.“ Und ich ergänze: Und das ohne jede Ausnahme. Es gibt nur den Fluss des Lebens.

So, und jetzt bin ich nicht mehr einverstanden. Ramesh sagt nun: „Der Weise nimmt das, was des Weges kommt, als Teil des natürlichen Lebensflusses an. Er ist mit dem, was-ist‘ deshalb glücklich und zufrieden, weil er weise genug war, niemals seine Vorlieben oder andere Vergnügungen zu verfolgen.“ Schon allein der Begriff „der Weise“ geht mir gegen den Strich. Und auch die von Ramesh genannte Bedingung dafür, dass er jemanden für einen Weisen hält. Ich nehme nur den entscheidenden Hinweis: „Ein Weiser verfolgt niemals seine Vorlieben oder andere Vergnügungen.“ Befinden sich Vorlieben oder andere Vergnügungen etwa außerhalb des Lebensflusses? Sind wir da nicht schon wieder mitten in Gut-Schlecht-Beurteilungen gelandet, mitten in dem, was die Religionen „Sünde“ nennen, mitten in dem, was uns armen Würstchen dann ein Leben lang Schuldgefühle machen soll? Auch Vorlieben oder Vergnügungen „kommen des Weges“! Deswegen musste ich an meine letzte Beurteilung denken. Es hat etwas von diesem „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ Erinnert euch noch mal an Oshos Tantra-Text vom Dienstag. Niemals seine Vorlieben oder andere Vergnügungen verfolgen, führt nur zu dieser unseligen Persönlichkeitsspaltung.

Vielleicht hab ich ja Glück und Fredoo liest diesen Beitrag und erhellt meinen Sinn. Vielleicht steh ich ja auf der Leitung? Kann man nie so genau wissen. Aber wie auch immer: Ich werde weiterhin meine Vorlieben und Vergnügungen verfolgen. Dann bin ich halt kein Weiser für Ramesh. So what?

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16 Antworten zu Ramesh Balsekar: der Weise verfolgt nie seine Vorlieben

  1. fredoo schreibt:

    Leider schon sehr spät und ich muss morgen früh zum Zahnarzt 😦 … Ramesh benutzte der Begriff Jhani , der dann mit der Weise (irrig , wie ich auch meine ) übersetzt wurde …
    Jhani meint den „Wissende“ … also den , dem ein „AHA“ zugemutet wurde … und dann erst gar nix mehr „weiß“ …
    So ist auch sein Satz zu verstehe “ er folgt nicht seinen Leidenschaften ..
    nicht in dem Sinne , dass er nicht mehr so handelt „als ob“ auch er noch Leidenschaften hätte , sondern dass er „erkannt“ hat , was ist = AHA … und das Resumee (Jhani ) dann die Obsoletheit jeder (!) Regung , jedes Impulses erfasst … halt auch der zuvor so „bindenden“ Leidenschaften … damit wird der „Jnani“ nicht leidenschaftlos … sondern vom Los (!) der Leidenschaft befreit … Es entfällt die Bindung , das erlebte Unausweichliche Zwanghafte (einer Leidenschaft ) wird zum rein „energetischen“ Ereignis einer Handlung , die „leidenschaftliche“ Dekoration annimmt ….

    So jetzt aber ins Betti , Kraft tanken , denn mein Dottore will mir leidenschaftlich nen Zahn ziehen , der mir ne Menge Leiden schaft …

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Fredo, ich drück dir die Daumen, dass deine Zahn-Leiden schaft mit dem heutigen Tag erst einmal wieder beendigt wird. Nach meiner Erfahrung wird sich ja bald mal wieder ein anderer Zahn zu Wort melden. Ja ja, lass fahren dahin …

      Ob deine Interpretation der Worte von Ramesh so von Ramesh abgenickt werden würde, kann ich natülich nicht wissen. Jedenfalls gefällt mir deine Version sehr gut. Da hätte ich nichts zu meckern gehabt.

      Bin neugierig, ob du dem Dottore dein „AHA“ zumuten wirst, wenn der Zahn daußen ist. 😉

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    • Ayni schreibt:

      Fühle mich soeben wie ‚üb~erfahren‘ von SprAC!-!e.
      I_Ieb’Ersetzungen wie sie in keinem Buche stehen.

      A book can teach you, a conversation can assure you,
      a poem can seduce you, a genius can inspire you,
      but only you can save yourself.
      ~ Anthony Anaxagorou

      Do free freedo

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  2. Alexandra schreibt:

    Guten Morgen Nitya,
    Du warst aber auch ein Revoluzzer! Wie kann man den Anweisungen des Kultusministeriums nicht folgen!wo die doch nur gutes im Sinn haben… ich bin froh, dass die mir nicht so auf die Finger schaun. Und auch sonst keiner … so kann ich ziemlich rumwurschteln wie ich will. Natürlich nur innerhalb gewisser Parameter. Aber die machen mir im Moment noch nicht zu schaffen… trotzdem freue ich mich jetzt erst mal auf die Ferien…
    Alles Gute für deinen zahnarztbesuch, Freedo!

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  3. Alexandra schreibt:

    Manche nehmen das sehr Ernst, das mit dem ohne verlangen sein… und machen sich da schön was vor. Aber wenn sie es so brauchen…. jeder wie er will…
    http://www.stern.de/neon/purity-bewegung-in-den-usa—dear-lord–keep-her-pure–7389492.html

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  4. Eno Silla schreibt:

    Ist Ramesh B. ein Weiser, bzw. ein Jhani? Bist du, die/der du dies liest irgendetwas Derartiges?
    Udo P. würde sagen: „Es wird immer so sein, wie du glaubst, das es ist!“
    Irgendwann war ich sicherlich mal auf der Suche nach sogenannten Weisen, weil ich glaubte, dass die mir etwas zu vermitteln hätten, von dem ich meinte, in meiner Verwirrung, dass es mir fehlte.
    Vielleicht plapperte Ramesh B. auch einfach nur munter drauf los, einfach so, weil er nicht anders konnte. Ist ja auch egal, den kann niemand mehr fragen. Mir geht es jedenfalls so. Ich plappere einfach so drauf los, offensichtlich kann ich nicht anders, sonst würde ich es doch wohl nicht machen, welchen Sinn sollte all dies Geplapper denn haben? Hoffentlich ist es wenigstens annähernd unterhaltend… Was solls, da müsst ihr jetzt durch, die ihr dies lest. Ist Eno jetzt ein Weiser oder ein Jhani? Wie immer kommt mir da ganz spontan die Antwort: Ja und Nein. Glaube ich ein Weiser zu sein, bin ich offensichtlich ein Narr. Glaube ich ein Narr zu sein, bin ich möglicherweise weise (oder ein noch größerer Narr) – irgendwie ist es doch immer etwas von Allem. Alles in Allem! 🙂

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    • fredoo schreibt:

      da hat herr eno durchaus recht …
      und es ist wohl auch so , dass das , was der „davorne“ sagt , aus ihm/ihr herausplappert …

      und doch ist da ein „jhani“ … jedoch nicht aus des jhanis gnaden , sondern aus seiner funktion innerhalb einer gruppe von menschen heraus …
      so fällt doch auf , wie viel von dem , was die ollen channis so von sich gaben , auf dem kontext „hier patriarch – dort erwartungsvölle mönche“ basiert .
      dieser kontext „hier der davorne – dort seine erwartungsvollen besucher“ bringt auch bei herrn ramesh ein „jhani“ hervor ( wohl gar nicht so selten , zu dessen eigener verblüffung ).
      So wurde er einst gefragt , ob er „erleuchtet“ wäre … seine antwort darauf „es mag schon sein , dass mich der ein oder andere für erleuchtet hält … meine frau pflegt mir dann lächelnd den mülleimer in die hand zu drücken“ … ( und er hatte eine wunderbare frau , eine „indische dame“ mit dem charisma natürlicher aristokratie … er selber war ja körperlich eher ein hühnerbrüstiges bürschle )
      es gibt keinen guru , keinen weisen , keinen jhani , keinen patriarchen , keinen erwachten , keinen erleuchteten , keinen sucher , keinen schüler , keinen mönch ….
      nur kontakt und beziehungen zwischen menschen , die derartige >funktionsfiguren für eine gewisse zeit an einem gewissen ort erscheinen lässt … oder halt auch nicht …

      Gefällt 5 Personen

    • Eno Silla schreibt:

      PS: Es hat sich herausgestellt, dass es gut ist, zu nehmen was des Weges kommt. Wenn es dann noch meinen Vorlieben entspricht – umso besser! Gleich schwinge ich mich (so Gott will 🙂 ) auf den Drahtesel und genieße eine meiner Vorlieben und Vergnügungen, nämlich relativ frei und unbelastet durch die Landschaft zu gleiten mit offenen Sinnen. Dabei nehme ich die Dinge wie sie kommen. Schaue ich aber in den Himmel, dann sehe ich, dass da viele viele Kondensstreifen schachbrettmusterartig, regelmäßig jeden Ansatz eines blauen Himmels durch langsames Ausbreiten milchig verschleiern… Damit bin ich überhaupt nicht glücklich und zufrieden, da frage ich mich, ob an der Verschwörungstheorie Chemtrails nicht doch was dran ist… Ganz unweise: Eno.

      Gefällt 3 Personen

  5. fredoo schreibt:

    Yep … ich habe auch so ne Karte … Ramesh war begeisterter Bodybuilder … wahrscheinlich weil er , wie er selber andeutete ohne dies ein ziemlicher Hänfterling gewesen wäre … Als ich ihn kennenlernte … so gegen 1992 hatte sich der Hänfterling bereits wieder durchgesetzt , und Sharda , seine Ehefrau , erstrahle in ihrer reifen Schönheit einer Hindufrau .

    Gefällt 1 Person

  6. punitozen schreibt:

    …..“ Schon allein der Begriff „der Weise“ geht mir gegen den Strich……
    Sehr weise , lieber Nitya , sehr weise !!!
    Ääätsch
    Punito

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  7. Inge schreibt:

    nur ein kleiner Test wg. neuer Daten…

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