Osho: Die letzte Wahrheit tut sehr weh

 

Die letzte Wahrheit tut sehr weh. Alles wird zum Schluss verschwinden, auch ich und du. Das einzige, was übrigbleibt, ist reines Bewusstsein. Und du bist nicht etwa daran angeschlossen – es gibt dich nicht mehr.

Diese Auflösung ist so tief und so endgültig, dass zuerst deine Persönlichkeit verschwinden muss, dann deine Individualität verschwinden muss, und was dann übrigbleibt, ist reine Existenz. Es klingt ein bisschen beunruhigend und besorgniserregend, weil du nicht die Erfahrung des Nicht-Seins kennst.

Überleg nur einmal … Vor diesem Leben warst du nicht. Hattest du da irgendwelche Sorgen, irgendwelche Angst? Nach diesem Leben wirst du nicht sein. Wozu also die Angst? Genau da wird Stille und Frieden herrschen, wo vorher Angst, Spannung und Verzweiflung wucherten. Sie werden sich alle aufgelöst haben, genauso wie sich ein Tautropfen im Ozean auflöst.

Deshalb lehrt Zen keine Selbstverwirklichung. Selbstverwirklichung ist ein viel niedrigeres Ziel. Zen lehrt dich das Höchste: Nicht-Selbst-Verwirklichung oder die Erkenntnis, dass die Auflösung im Ganzen der endgültige Frieden ist. Dein Wesen als solches ist Angst. Auf welcher Ebene du dich auch befindest, immer bleibt eine gewisse Angst. Du bist Angst, und wenn du willst, dass die Angst verschwindet, dann musst du bereit sein, selbst zu verschwinden.

aus: Osho, „Das Zen-Manifest“

OSHO Never Born Never Died
Only Visited this Planet Earth between
Dec 11 1931 – Jan 19 1990

Ein Hinweis auf das, was nie geboren wurde und nie sterben wird. Und dann gab es da für eine kurze Zeit eine Erscheinung wie ein kleiner Besuch in der Zeitlosigkeit.

Der alte Teich.
Ein Frosch springt hinein.
Platsch!

Ein Bild – gemalt von Bashô. Der alte Teich, Stille, Frieden. Dann die scheinbare Störung durch einen Frosch und das Geräusch, das der Frosch mit seinem Sprung ins Wasser erzeugt. Danach wieder Stille und Frieden, tiefer als zuvor.

„Zen lehrt dich das Höchste: Nicht-Selbst-Verwirklichung oder die Erkenntnis, dass die Auflösung im Ganzen der endgültige Frieden ist“, sagt Osho. Was ist das für ein Frieden, wenn niemand mehr da ist, der feststellen kann, dass da Frieden ist? Selbstverwirklichung bedeutet in diesem Zusammenhang vermutlich, dass da jemand erfolgreich an der Perfektion seiner Persönlichkeit gearbeitet hat. Ich könnte den Begriff ja auch so auffassen, dass jemand verwirklicht hat, dass er „das Selbst“ ist, was bedeuten würde, dass er als Persönlichkeit verschwunden ist. Aber das dürfte Osho hier nicht gemeint haben. Er spricht für mich ganz eindeutig von befristeter Zeit, vom beginnenden und endenden Leben, von einem Davor und einem Danach, also von Geburt und Tod. Vor deiner Geburt war da weder Persönlichkeit noch Individualität. Nach deinem Tod haben sich beide wie eine vorübergehende Erscheinung vollkommen aufgelöst. So sehr aufgelöst, dass dann niemand mehr da ist, der irgendetwas von Stille und Frieden berichten könnte. Da ist kein Ding mehr, nicht einmal in Form von Stille und Frieden, nur reine Potenzialität.

Deshalb sagt Osho: „Die letzte Wahrheit tut sehr weh.“ Tut sie wirklich weh? Weh kann sie nur tun, wenn sie ein Bild vom persönlichen Überleben zerstört. Als ich mich vor 11 Jahren mit einem Schlaganfall ins Bett legte und wartete, was da auf mich zukommen wollte, war da keine Vorstellung von dem, was da nach meinem möglichen Ableben passieren würde. Weder glaubte ich an die Auferstehung von den Toten, noch an Himmel und Hölle, noch an Reinkarnation, noch an  Oshos Vision, obwohl mir seine Version noch am nächsten war. Da ich an nichts glaubte, war da auch keine Angst. Es gab einfach keinen Grund, warum ich mich vor dem Tod fürchten sollte. Wenn überhaupt eine Sorge auftauchte, dann die, dass ich vielleicht halbseitig gelähmt und in vollständiger Abhängigkeit von der Hilfe anderer weiterleben müsste. Aber auch das war nur so ein vorüberziehender Gedanke.

Osho schreibt: „Auf welcher Ebene du dich auch befindest, immer bleibt eine gewisse Angst. Du bist Angst, und wenn du willst, dass die Angst verschwindet, dann musst du bereit sein, selbst zu verschwinden.“ Verschwinden, um keine Angst mehr haben zu müssen? Also nee, das hat er doch hoffentlich nicht so gemeint. Damals war da bei mir mehr so was wie Gleichgültigkeit, vielleicht auch ein bisschen Neugier auf das Unbekannte. Na ja, hätte ich damals den Löffel abgegeben, hätte ich vermutlich meine Neugier nicht mehr befriedigen können. Ich wäre vermutlich einfach sang- und klanglos verschwunden. Aber wer weiß. Ich kann da noch nicht aus einem reichen Erfahrungsschatz berichten. Osho lebte übrigens auch noch, als er das sagte.

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11 Antworten zu Osho: Die letzte Wahrheit tut sehr weh

  1. Inge schreibt:

    ‚Deshalb sagt Osho: „Die letzte Wahrheit tut sehr weh.“ Tut sie wirklich weh? Weh kann sie nur tun, wenn sie ein Bild vom persönlichen Überleben zerstört. Osho lebte übrigens auch noch, als er das sagte.‘ Sie tut also nur vorher weh… Lieber Nitya, genieße ich es…

  2. Eno Silla schreibt:

    Der alte Eno.
    Ein grummeln im Darm.
    Pups!

    (frei nach Bashô)

    • Nitya schreibt:

      Na ja, lieber Eno: Erst grummelt’s, dann pupst’s.
      Wo bleibt denn da die Stille. Bei dir is ja ständig was los.
      Sag ich mal so in Baschôs Namen.

  3. kopfundgestalt schreibt:

    Selbstverwirklichung: Ist ein solcher Blog nicht auch Selbstverwirklichung? 🙂

    • Nitya schreibt:

      Ich würde hier einen Unterschied machen wollen. Nach deiner Darstellung verwirklicht sich auch ein Baby. Eigentlich könnte ich auch sagen: Die Quelle von allem verwirklicht sich u.a. auch durch dieses Baby oder von mir aus durch diesen Nitya.

      In einer anderen Betrachtungsweise könnte gesagt werden; Jemand,de sich für unvollkommen hält, versucht sich durch durch Arbeit an sich selbst zu vervollkommnen, um sich so endlich zu verwirklichen. Beispiel: Die Arbeit des Freimaurers am rauen Stein.

      Es gibt bestimmt noch x andere Versionen, wie man Selbstverwirklichung verstehen will.

      • kopfundgestalt schreibt:

        Hast Du nicht Freude an dieser Deiner kreativen Kunst? Das ist doch ein sichereres Indiz! 🙂
        Wenn man sukzessive spürt: Ich kann es immer besser, das trifft meinen Nerv, das tut mir wohl?!

      • Nitya schreibt:

        Klar macht mir der Blog Spaß. Das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich ihn hab. Man könnte es also durchaus in deinem Sinn Selbstverwirklichung nennen. Ich verwirkliche mich halt gern als olle Sabbeltante.

  4. punitozen schreibt:

    Die letzte Wahrheit – eine weitere Mythe ?
    Ich weiß es nicht !
    Punito

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