Karl Renz: Alles ist „so tun, als ob“

 

Frage: Jeder tut so, als ob er glücklich wäre. Ist es das, was passiert?

Karl: Alles ist „so tun, als ob“. Sie tun so, als ob sie glücklich wären, und sie tun so, als ob sie unglücklich wären. Wenn du einfach aufhörst, so zu tun, als ob, und bist, was-du-nicht-nicht-sein-kannst, dann ist das alles. Dann bist du nichts von beidem. Dann ist das Neti-Neti, weder glücklich noch unglücklich, weil du nicht einmal weißt, was du bist und wie du bist. Und du musst nicht wissen, was du bist und wie du bist.

Das, was wissen muss, was es ist und dem einen Namen geben muss, ist ganz sicher der Definierende – und nichts ist für den Definierenden fein genug.

aus: Karl Renz, „Worry And Be Happy“

Darum habe ich sogar Erleuchtung
als das letzte Spiel bezeichnet.
Je eher du es fallen lässt,
umso besser.
Warum nicht einfach nur sein?
Warum unnötigerweise
hierhin und dorthin rennen?
Du bist, was die Existenz möchte,
dass du bist.
Entspanne einfach.

Osho

„Das, was wissen muss, was es ist und dem einen Namen geben muss, ist ganz sicher der Definierende – und nichts ist für den Definierenden fein genug“, sagt der Karl und ich musste gleich an Recep Tayyip Erdoğan denken, der anscheinend von einem Gekränktsein ins nächste Gekränktsein torkelt, weil ihm als Definierendem zwangsläufig nichts fein genug sein kann. Also nicht, dass jetzt jemand glaubt, das wäre nur bei Erdoğan so. Das geht jedem genauso, der meint, sich definieren zu müssen. Wenn mich jemand fragt, wie’s mir geht, komme ich immer ein bisschen in Verlegenheit, weil ich nicht weiß, was ich darauf antworten soll. Am liebsten würde ich sagen: „Mir geht’s“, um überhaupt geantwortet zu haben, aber damit fühlt sich mein Gegenüber irgendwie auf den Arm genommen. Mit „Danke der Nachfrage und selber?“ könnte ich mich vielleicht noch zu retten versuchen, aber das ist natürlich auch nur doof. Gibt es eine Brücke zwischen Definierern und Nicht-Definierern. Oh jetzt hab ich die Nicht-Definierer als Nicht-Definierer definiert. Wie komm ich bloß aus der Nummer raus?

Osho hat mal gesagt: „Trifft ein Stein eine Rose, wird immer der Stein den Sieg davontragen.“ Definierer sind wie Steine und die Nicht-Definierer haben nur ihre Offenheit dagegenzusetzen. Im Moment haben wir ja mit den Muslimen als Feindbild zu tun, aber eigentlich müssen wir wohl alle Religioten einbeziehen, alle, die behaupten, im Namen der Wahrheit zu sprechen. Sie alle ohne Ausnahme sind Definierer, sind Steine. Selbst „DAS“ ist irgendwie ein Etwas, ist etwas Definiertes, während „NETI-NETI“ jede Definition zurückweist und damit offen ist für Alles. „Warum nicht einfach nur sein?“, fragte Osho. Und Bodhidharma brachte es auf den Punkt mit „Offene Weite, nichts von heilig.“ Ohne jede Definition, ohne ein Ziel wie Erleuchtung oder ein neues türkisches Kalifat. Allen Ideologien, allen Religionen, allen Gläubigen geht es nur um Macht und um die Versklavung  ihrer Mitmenschen und der ganzen Natur.

Osho sagt:Du bist, was die Existenz möchte, dass du bist. Entspanne einfach.“ Hört sich das nicht wundervoll an? Schiller lässt den Tell sagen: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Und das ist die notwendige Ergänzung zu Oshos Hinweis. Klar ist das alles nur zum Todlachen. Aber das Lachen wird einem bald vergehen, wenn die Gläubigen über einen herfallen und einem den lachenden Kopf abschneiden. Und das bedeutet: Keine Toleranz gegenüber Intoleranz! Vergesst nicht: Bodhidharma war alles andere als ein Weichei. Immerhin hat er uns das Shaolin-Kloster hinterlassen mit seinem Shaolin-Kungfu, die Geburtsstätte des chinesischen Ch’an. Die Gläubigen dürfen gern in ihr stilles Kämmerlein gehen und dort zu wem oder was auch immer beten. Das ist ihre Sache. Aber sobald sie ihr Kämmerlein verlassen und die Welt im Namen von wem oder was auch immer retten wollen, dann gibt es nur eins: „Sag NEIN!“ Keine Toleranz gegenüber Intoleranz! „Tun wir so, als ob“ wir richtige Krieger wären. Sind wir es nicht?

 

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10 Antworten zu Karl Renz: Alles ist „so tun, als ob“

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Du schreibst u.a. : …Wenn mich jemand fragt, wie’s mir geht, komme ich immer ein bisschen in Verlegenheit, weil ich nicht weiß, was ich darauf antworten soll. Am liebsten würde ich sagen: „Mir geht’s“, um überhaupt geantwortet zu haben, aber damit fühlt sich mein Gegenüber irgendwie auf den Arm genommen. …..
    Dieses „Wiegeht`s !“ an sich ist eine Einladung dem Gegenüber zu entgegnen : “ Wie nimmst Du mich HIER-JETZT für wahr ? Die sich daraus ergebenen Reaktionen der Gegenüber – einfach
    „AAAH ! “
    Entweder Sie schauen irritiert , ob solch einer Frage , oder Sie sind mutig und sagen , wie Sie/ Er
    dich wahrnehmen . Zur Klärung i, mittels eines gedanklichen “ Selbstdialog “ , ist dem Punito
    das Tetralemma eine hilfreiche Entscheidungshilfe , den Kontakt zum Gegenüber zu vertiefen ,oder meines Weges zu gehen .
    Auf die Frage : “ Wie fühlst Du “ DICH heute ? “ gibt es erhellende Antworten . Probiere es mal
    aus , bei der nächsten Livebegegnung , wenn Du „Deines Weges “ gehst .
    Der Punito wird nächste Woche , mal wieder untersuchungstechnisch in die Narkose gelegt
    werden . Fragt mich Einer : “ Wie geht`s ? “ kann ich nur antworten : “ Mit Propofol , mein Lieber , mit Propofol ! “
    Jedenfalls , weil wer älter wird , wenig zu verlieren hat , ist das Leben eine Lust !
    Kein Mimikri , keine Floskelbildung – einfache , klare An und Aussagen .
    Keine Gehirnakrobatik , wenn etwas nicht verstanden oder erkannt wird .
    Ein einfaches Ja , ein simples Nein , mehr ist nicht zusagen .
    Wer hat`s gesagt , geschrieben ?
    Punito weiß es noch immer nicht !
    Bevor der Kaffee kalt wird , liebe Grüße an Dich
    und allen “ Ver-rückten „auf Deiner Seite .
    Punito
    P.S. : “ Ich wünsche Dir , das Du dich , bis auf die üblichen Alterszipperleiden , wohl und ausgegeglichen fühlst ! “

    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      einen wundervollen, großartigen Morgen! Bin grad erst aufestanden und brauche dringend meinen Guten-Morgen-Kaffee. Bis später also, ich melde mich wieder, wenn ich mein Gehirn wieder einigermaßen auf Vordermann gebracht hab, 🙂

    • Nitya schreibt:

      Also nach dem Kaffee:

      Du schreibst: „Dieses ‚Wie geht`s!‘ an sich ist eine Einladung dem Gegenüber zu entgegnen : ‚Wie nimmst Du mich HIER-JETZT für wahr?‘ Die sich daraus ergebenen Reaktionen der Gegenüber – einfach ‚AAAH !‘ Entweder Sie schauen irritiert, ob solch einer Frage, oder Sie sind mutig und sagen, wie Sie/ Er dich wahrnehmen.“

      Ach, lieber Punito, das ist mir irgendwie zu kompliziert. Dazu brauch ich noch’n paar Tassen Kaffee oder mir ist es auch dann noch zu kompliziert. „Wie geht’s?“ ist ja eigentlich nur ne Floskel, ein Ritual. Kein Mensch meint diese Frage ernst. Wenn ich jetzt ernsthaft antworten würde, z.B. indem ich meine diversen Zipperleins aufzähle, will der andere das in der Regel gar nicht hören. Wenn ich antworte: „Danke gut“, ist er meist völlig zufrieden. Da ich nicht das Bedürfnis habe, den anderen zu therapieren oder zu erleuchten, kann ich die Frage „Wie geht’s?“ auch einfach überspringen und gucken, was als Nächstes kommt. Wenn das interessant ist, werde ich verweilen, wenn nicht, mich vom Acker machen.

      Mittwoch in einer Woche werde ich auch mal wieder in den Schlaf geschickt. Da krieg ich mal wieder ein paar Implantate. Hat der Wolfgang Neuss nicht gebraucht, denk ich grad. Aber ich bin nicht so hart im Nehmen wie er. Dir wünsch ich jedenfalls mit dem Propofol ein erfreuliches Untersuchungsergebnis und ein Leben voller Heiterkeit!

      Herzlichst
      Nitya

  2. Ronny schreibt:

    „Warum nicht einfach nur sein?“ …warum eigentlich nicht?

    Verehrter Nitya, als ich mal 6 Wochen allein mit einer Katze auf der Insel war, hab ich eine Biografie vom Osholein gelesen – es war mir eine Freude an seinen Erzählungen teilzuhaben.

    An einer Stelle erzhält er wie es ins „Nirwana“ gesaugt und lange nicht mehr losgelassen hat,… *schlimm* 😉 …da gehen alle Vorstellen in den Arsch. Wenn du da rauskommst, geht dir selbst die Erleuchtung, am Wertesten vorbei;-)

    …und du bist Dankbar, einfach nur zu sein.

    Karl hab ein paar mal in Köln bei seinen Talks getroffen. In den Pausen war dann öfter mal in OshoCafe um die Ecke. Das fand ich eher iritierend. Denn da war nix mit einfach sein. Die Gespräche die ich dort immer wieder mibekommen habe, man schleppt das Ego, oder das innere Kind von einer Therapie zur nächsten, brüstet und bedauert sich – entspannt sich und rennt endlos seiner Geschichte hinterher
    So wird DAS letzte Spiel nur wieder gegen die 10.000 Spiele getauscht – und nicht zum Ende gebracht. Und nix mit einfach nur sein. So im groben mein Eindruck

    Naja, jedem Tierchen sein Pläsierchen.
    Das Bild von Osho, heute, wunderbar,-)
    Du bist, was die Existenz möchte, so is es

    • Nitya schreibt:

      Lieber Ronny,

      geh mir bloß mit „den Sannyasins“ weg. Das sind in aller Regel auch „Definierte“. Es ist ziemlich wurscht, womit sich da jemand identifiziert. „Du bist, was die Existenz möchte, dass du bist. Entspanne einfach.“ Nein, das ist nicht genug. Ich muss noch ein Sannyasin werden und Therapie machen und noch diesen und jenen Workshop erdulden und dann, dann werde ich sein, was ich sein soll. Auf jeden Fall bin ich jetzt ein Sannyasin und unter Freunden. Und Osho – den bete ich an, aber zuhören – na ja, der hat ja jeden Tag was anderes gesagt. Ich will auf jeden Fall erleuchtet werden und ich liebe Osho.

      Bloß so sein, wie die Existenz mich will, das will ich nicht.
      _________________________

      Die Anhänger von was oder wem auch immer sind die Schlimmsten.

      Na ja, die Existenz will auch das: Leute, die nicht so sein wollen, wie sie die Existenz haben will. Und so sind sie dann doch, wie die Existenz sie haben will.

      • Ronny schreibt:

        „Keine Toleranz“ ist immer schon meine Grundeinstellung, dass das zu Toleranz führt war mir nicht klar. Und zu verstehen ist das auch nicht wirklich.

        Eben bei meinem Lieblingstürken zum verspäteten Mittagessen gesessen. Nach dem Essen, setzt er sich zu mir, und wir kommen ins Gespräch, und er fragt: was ich von dem verrückten Erdogan halte. Meine Antwort darauf, „na, was soll ich wohl von einem Verrückten halten?“. Ende der Durchsage.

        Mir ist auch gerade auch mehr und mehr nach Kampfkunst. Wobei sich bei mir die Kampfkunst eher in der Arbeit mit der Motorsäge und Qi Gong äußert.
        Kampfkunst ist ja im Grunde nie gegen den Anderen – im Besten Fall ein lebendiger Hinweis auf DAS was Energie und Kraft ist, worin wir „den Kampf gegen…“ aufgeben können, und das was da ist zum Besten nutzen

        Je nach Geschmack, ist so leicht sich in den Weisheiten von einem Ramana, Ramesh, Ranjit, oder Osho als Freiheit, oder SEIN-an-sich, zu entdecken.

        Aber die Weisheit nimmt, auch in der Ignoranz, kein Ende. Diese eine Energie lebt sich auch durch, Hans meinen Nachbarn, Erdogan und alle die die mir gestohlen bleiben können. Leider…

        Das immer mal wieder vor Augen gefüht zu bekommen, da fallen die Bilder von, „wie es sein sollte“, „wie es sein könnte“, „was richtig und falsch ist“, etc…

        Toleranz, als: Alles ist gut. Da wirds mir immer wieder ein wenig anders, viel mehr liegt meiner Wahrnehmung nach, die Kraft darin die ich oben schon erwähnt habe, „den Kampf gegen…“ aufgeben und das was da ist zum Besten nutzen.

        Herzliche Grüße, Ronny

      • Nitya schreibt:

        Lieber Ronny,

        was für ein wundervoller Dialog mit deinem Lieblingstürken! „Eben bei meinem Lieblingstürken zum verspäteten Mittagessen gesessen. Nach dem Essen, setzt er sich zu mir, und wir kommen ins Gespräch, und er fragt: was ich von dem verrückten Erdogan halte. Meine Antwort darauf, ’na, was soll ich wohl von einem Verrückten halten?‘. Ende der Durchsage.“ Plötzlich gab es keinen „deutschen“ Ronny und keinen türkischen“ Lieblingstürken mehr, sondern nur noch Bewusstsein, das mit sich selbst sprach.

        Aber zur Toleranz will ich noch was sagen: Du schreibst: „Toleranz, als: Alles ist gut. Da wirds mir immer wieder ein wenig anders, viel mehr liegt meiner Wahrnehmung nach, die Kraft darin die ich oben schon erwähnt habe, „den Kampf gegen…“ aufgeben und das was da ist zum Besten nutzen.“ Für mich bedeutet Toleranz nicht „alles ist gut“, sondern: „auch wenn ich das anders sehe als du, werde ich dafür kämpfen, dass du die Dinge anders sehen kannst als ich.“ Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Trotzdem hat sie nie den Kampf „gegen“ aufgegeben. Und auch Bodhidharma nicht. Er erschlug eigenhändig die mörderische Bande, die ein Kloster belagerte. Das Leben lässt dir oft keine Wahl als auch gegen etwas zu kämpfen. Auch der Verteidiger kämpft gegen etwas. Deshalb schrieb ich: Keine Toleranz für Intoleranz. Toleranz diesem türkischen Verrückten gegenüber ist für den nur ein Zeichen von Schwäche. Und er hat recht damit. Die Bhagavad Gita hat das Thema ja auch sehr gut beschrieben.

        Herzlichst
        Nitya

  3. Alexandra schreibt:

    Borstiger, kantiger, wurschtiger, ehrlicher – so scheint mich die Existenz eher haben zu wollen als lieb,nett und freundlich … aber dafür auch innen offener, zarter, mitfühlender… und so kann sich die Seele langsam und still ganz von allein entfalten… einfach so

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