Meine Mutter hat gesagt …

 

„Meine Mutter hat gesagt, nimm dir keine Bauernmagd, nimm dir eine aus der Stadt, die ’ne schlanke Taille hat.“ Stammt nicht von meiner Mutter, sondern von meinem Vater, der das alte Liedchen aus den Spinnstuben gerne vor sich hin trällerte, wenn er gut aufgelegt war. Danach entspann sich dann immer wieder mal eine Diskussion darüber, ob er denn gekriegt hätte, was er sich anscheinend gewünscht hat. Aber so eindeutig war meine Mutter wohl keiner Kategorie zuzuordnen, sodass derartige Familiengespräche unter großem Gelächter meist ausgingen wie das Hornberger Schießen.

Heute sehen Frauen ja häufig völlig anders aus als beispielsweise damals meine Mutter. Ich weiß ja nicht, ob die Mütter ihren Söhnen heute noch denselben Rat mit auf den Lebensweg geben wie die Mütter aus der Steinzeit, aber wenn ich mir da das neue Cover von „The New Yorker“ mit Tomer Hanuka’s „Spring Awakening“ (oben ein Ausschnitt) von dieser Woche betrachte, kann ich nur sagen: „Gott sei Dank hatte ich noch so ne richtig altmodische Mutter!“ Meine Mutter schwärmte noch oft von ihren Schwangerschaften, den Geburten und dem Stillen ihrer Kinder. Wenn ich mir das Bild oben betrachte, denke ich mir: „Bei der Katze kann ich mir das noch vorstellen, aber bei diesem eigenartigen Wesen da oben versagt meine Phantasie. Aldous Huxleys „Schöne Welt und die Retortenbabys“ fallen mir dazu ein. Also dieser Dame würde nicht einmal dieses angebliche Sexmonster Donald Trump in den Schritt fassen wollen, wie das „The New Yorker“ mit an vorderster Front immer wieder unterstellt hat.

Coolness ist angesagt. Oh Mann, ist das ne Schaufensterpuppe oder ein Fall für ’nen Psychiater? Dieser leere Gesichtsausdruck macht mich ganz krank! Aber vielleicht hat sie ja Huang-po’s Leere nur falsch interpretiert? Ich weiß noch, als wir damals dran waren mit einem Tanzkurs, die Damen vom Nachbar-Gymnasium wahren alle aus sog. gutem Hause. Mit denen machte unser Gymnasium seit Menschengedenken den Tanzkurs. Ich war damals Klassensprecher und überzeugte die Jungs in meiner Klasse davon, dass wir mit den blasierten Weibern keinen Spaß haben werden. Wir suchten uns also eine Schule aus, an der es noch „ganz normale“ Mädchen gab und nicht solche Vorboten des Neuen Zeitalters. Also mit „ganz normal“ meine ich menschliche Wesen, die noch irgendwie Herz und Verstand besaßen und nicht nur gut angepasste, leere Puppen waren.

Also lebt ihr noch oder wohnt ihr schon – etwa in einem so gemütlichen Heim wie dem hier abgebildeten? Hier hab ich noch was Hübsches.  Ich weiß ja nicht, ob das bunte Hand-Band noch mehr verborgende Buchstaben hat und vielleicht BELOVED oder LOVED ONE heißen soll, LOVED allein oder noch ein I davor? Jedenfalls erspart einem so ein Handband möglicherweise diese ganze lästige Lieberei. Wer braucht denn sowas schon – Liebe? Bringt nix wie Ärger.


Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

ach ja, Brüderchen Brecht

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4 Antworten zu Meine Mutter hat gesagt …

  1. punitozen schreibt:

    …Coolness ist angesagt. Oh Mann, ist das ne Schaufensterpuppe oder ein Fall für ’nen Psychiater? Dieser leere Gesichtsausdruck macht mich ganz krank! Aber vielleicht hat sie ja Huang-po’s Leere nur falsch interpretiert? …
    Hat Sie , hat Sie nicht , hat Sie ? Ich weiß es nicht . So ein grausames Gewerbe sucht und findet sich seine Opfer frühzeitig , aber sieh selbst :

    Noch interessiert an einer Modelkarriere ? Hier nun die Tipps :
    https://www.pixolum.com/blog/modelbusiness/model-werden-10-tipps-von-einer-modelagentur

    Jetzt noch ein wenig Catwalk-Sound aufgelegt –

    und schön geht`s los im Showgeschäft . ( WARNUNG ! Nicht hinschauen – wegschauen und wenn Hinschauen , schnellstens verdrängen ! )
    https://www.welt.de/vermischtes/prominente/article11887631/Isabelle-Caro-ein-Model-als-Darstellung-des-Todes.html
    Merke : Man muß auch Opfer bringen !

    Oder ist ein Magermodel ZEN- inspiriert ?
    Ich weiß es nicht
    Punito

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