Steven Harrison: eine Feuerprobe für die Echtheit der Liebe

 

Wir begegnen der Liebe in den dümmsten Momenten, und oft stellt sie sich quer zu den etablierten Beziehungen unseres Lebens. Wir können versuchen, die Liebe abzutrennen oder ihren Ausdruck einzuschränken – oder wir wechseln kurz entschlossen den Partner. Aber es gibt auch die Möglichkeit, die gesamte energetische Bewegung transparent und offen zu gestalten, sie als Energie anzunehmen und sie als solches wertzuschätzen und sich ihr nicht als Persönlichkeit entgegenzustellen. Wenn diese Liebe real ist, dann wird sie sich mit jedem Teil unseres gegenwärtigen Beziehungsgeflechtes verbinden und sich nicht in Konkurrenz dazu stellen. Wie wäre es, wenn wir die neue Liebe, der wir begegnet sind, direkt in unser bestehendes Leben hineinnehmen und allen vorstellen, die unser Leben teilen? Das verspricht für alle Beteiligten eine interessante Reise zu werden. Es wird eine Feuerprobe für die Echtheit der Liebe sein.

Das Fließen der Liebe ist das Fließen von Transformation. Jeder, der sich diesem Strom überlässt, sei von vornherein gewarnt, dass er alles verlieren wird, selbst das, von dem er nicht einmal wusste, dass er es zu verlieren hat. Die Liebe zerstört uns, um aus der Asche etwas vollkommen Neues zu erschaffen. Liebe ist das Medium aller, die den Mut haben, sich in dieser Energie zu begegnen – ein großes Herz, geformt aus einem gebrochenen Herzen. Liebe umfasst das gesamte Herz, den Geliebten, das Romantische, das Gebrochene, das Verwüstete, und das Kraftpotential von dem, was als Nächstes kommt.

aus: Steven Harrison „Was kommt?“

Steven Harrison schneidet hier für viele ein heißes Thema an. Man könnte es auch „freie Liebe“ nennen, um die es ihm geht, und behaupten, dass eine Liebe, die nicht frei ist, nicht das Recht hat, sich überhaupt „Liebe“ zu nennen. Normalerweise wird Liebe als etwas dargestellt, das engstens mit Beziehung verbunden ist. Und mit Beziehung ist üblicherweise Ausschließlichkeit gemeint und das für alle Ewigkeit oder wenigstens – „bis dass der Tod uns scheidet“. Wer kennt das nicht, wenigstens einmal im Leben, an die große, ewige Liebe mit diesem einen Menschen geglaubt zu haben? Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, als mir damals meine Angebetete diesen Text einer unbekannten Dichterin aus dem 12. Jahrhundert vortrug:

Dû bist mîn, ich bin dîn:
des solt dû gewis sîn;
dû bist beslozzen in mînem herzen,
verlorn ist daz slüzzelîn:
dû muost och immer darinne sîn.

Geschrieben wurde das Gedicht von einer Nonne an ihren Geistlichen Vater, der das Gedicht wohl anders auffasste, als es gemeint war, und sich dafür eine kühle Abfuhr einhandelte. Hätte mir damals zu denken geben können, wenn ich darum gewusst hätte. Als mir meine Göttin dann auch noch zur Gitarre dieses Minne-Lied aus dem späten Mittelalter sang, war es völlig um mich geschehen:


Na ja, wie alle Träume, sorgte auch dieser Traum für ein Erwachen mit all dem Schmerz und Herzeleid, den derartige Träume nun mal geradezu zwangsläufig zur Folge haben. Und in die Zeit der 68er passten derartige Träume sowieso nicht mehr und wurden fürderhin auch tunlichst vermieden.

Meint Steven Harrison das, was in den 68er-Folgejahren als „Offene Ehe“ oder „Polyamory“ gepriesen wurde, wenn er schreibt: „Wenn diese Liebe real ist, dann wird sie sich mit jedem Teil unseres gegenwärtigen Beziehungsgeflechtes verbinden und sich nicht in Konkurrenz dazu stellen. Wie wäre es, wenn wir die neue Liebe, der wir begegnet sind, direkt in unser bestehendes Leben hineinnehmen und allen vorstellen, die unser Leben teilen?“ Wohl kaum. Es geht ihm vermutlich nicht um irgendwelche politischen Arrangements in dem Sinn, dass möglichst viel Freiheit für mich dabei herausspringt bei weitestgehendem Ausschluss eigener Verletzung. Nachdem „alle Freiheit für mich, keine für dich“ nicht funktioniert hat, wäre das dann ja ein vielleicht doch noch realisierbares Modell?

Nein, all das scheint Steven Harrison nicht zu meinen. Er spricht von der Echtheit der Liebe und will damit wohl zum Ausdruck bringen, dass echte Liebe nichts mit einem Geschäft, nichts mit einem Handel zu tun hat. Noch einmal das, worum es ihm wirklich geht: „Das Fließen der Liebe ist das Fließen von Transformation. Jeder, der sich diesem Strom überlässt, sei von vornherein gewarnt, dass er alles verlieren wird, selbst das, von dem er nicht einmal wusste, dass er es zu verlieren hat. Die Liebe zerstört uns, um aus der Asche etwas vollkommen Neues zu erschaffen. Liebe ist das Medium aller, die den Mut haben, sich in dieser Energie zu begegnen – ein großes Herz, geformt aus einem gebrochenen Herzen.“ Hier hört der Spaß auf und die ganze unverbindliche Herumtändelei. Hier geht es um den ganzen Einsatz: Alles oder nichts. Rumi hat es so gesagt: „Fragst du: ‚Was ist Liebe?‘, sage ich: ‚Den Eigenwillen aufzugeben.'“ Liebe ist grenzenlos, ist offene Weite, das Ich-Gefühl kennt nur Gartenzäune, nur meins und deins. Das irgendwie zusammenbringen zu wollen, ist völlig aussichtslos, ist wohl auch nicht die Absicht von Steven. Er sagt: „Liebe umfasst das gesamte Herz, den Geliebten, das Romantische, das Gebrochene, das Verwüstete, und das Kraftpotential von dem, was als Nächstes kommt.“ Wenn Steven sagt, das sei eine Feuerprobe für die Echtheit der Liebe, heißt das nicht, dass das machbar wäre oder dass er empfiehlt, sich da hineinzustürzen. Wenn der Eigenwille verschwunden ist, gibt es die Illusion einer Wahl nicht mehr. Dann passiert, was passiert, auch wenn das von außen betrachtet nur das Torkeln von einer Katastrophe in die nächste Katastrophe zu sein scheint.

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22 Antworten zu Steven Harrison: eine Feuerprobe für die Echtheit der Liebe

  1. ananda75 schreibt:

    So is das aber auch mit der Liebe an sich, nicht nur mit der Liebe zu einem Menschen
    Wenn man da einmal rein rutscht – klar, es ist ein Prozess, man liebt nicht von einem Tag auf den anderen alles und jeden – aber wenn man da einmal Ja zu gesagt hat, wenn man das will, der Prozess in Gang kommt…

    „Das Fließen der Liebe ist das Fließen von Transformation. Jeder, der sich diesem Strom überlässt, sei von vornherein gewarnt, dass er alles verlieren wird, selbst das, von dem er nicht einmal wusste, dass er es zu verlieren hat. Die Liebe zerstört uns, um aus der Asche etwas vollkommen Neues zu erschaffen. Liebe ist das Medium aller, die den Mut haben, sich in dieser Energie zu begegnen – ein großes Herz, geformt aus einem gebrochenen Herzen.“

    genau so ist das 🙂
    und da guck ich doch grad aus dem Fenster und da leuchtet der Himmel aber dermaßen rosa-rot-orange – siehste – das is Liebe 🙂 … unter anderem… 😆

    Alles Liebe ❤

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    • Nane schreibt:

      Eigentlich gehts darum aus dem polaren Gedusel auszusteigen.
      Ein ganzer Mensch werden/sein.
      Das ist das innere Feuer, der Phönix.
      Und dann muß man sich auch nicht mehr anderen Menschen „stellen“, denn da ist dann keine Abhängigkeit mehr. Hat nur nix mit Lieben zu tun.

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      • ananda75 schreibt:

        Auch dir Alles Liebe ❤
        auch wenn du meinst, darum geht es nicht 🙂

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      • Nane schreibt:

        Liebe Ananda75
        Es geht wirk-lich nicht um Liebe. Unabhängigkeit bedeutet einen Entwicklungszustand.
        Den wünsch ich dir. Das ist etwas innerliches. Frieden. Erschaffen aus Erfahrung, tiefer innerlicher Erfahrung.
        Die Liebe reibt sich auf, der Geist nicht.
        🙂

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  2. Nane schreibt:

    Ja, es ist eindeutig dem Autor sein Thema.
    Vielleicht gibts ja auch mal Poesie von ihm, so a la Goethe.
    Irgendwie mögen das Männer.

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    • Elwood schreibt:

      Sagt es niemand, nur dem Weisen
      weil die Menge gleich verhöhnet:
      Das Lebend’ge will ich preisen,
      das nach Flammentod sich sehnet.

      Gefällt 4 Personen

      • Nane schreibt:

        The Fire Inside. Komisch daß es dafür „gefällt mir“ – Funktion gibt.
        Überhaupt geht so ein „gefällt mir“ nur mit bestimmtem Anmeldekonto.
        Also doch keen Göthe 😉 Auch wenn er Farben so liebte.

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      • Nitya schreibt:

        Vielleicht findest du es ja auch komisch, dass es für dein Geschwurbel kein „gefällt mir“ gibt. Wie du unschwer feststellen wirst, hat niemand für deine Weisheiten aus dem 8. Chakra heraus und für deine priesterlichen Aufgaben ein gesteigertes Interesse. Und was meine Person betriff: Ich bin gaaanz weit unten und weiß deine heiligen Ergüsse so gar nicht wertzuschätzen – oder auf gut Deutsch gesagt: Du gehst mir auf den Sack.

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      • ananda75 schreibt:

        Ach Nitya, das les ich jetzt gerne 🙂 – ich hatte gestern auch so einiges auf der Zunge, aber is ja nicht mein Blog und dann dachte ich mir – sie/ er hat ja eh gewonnen – hat mehr Chakras als ich 😆

        Einen schönen Tag dir ❤

        Gefällt 1 Person

      • Nitya schreibt:

        Du Arme, auf wieviele Chakras hast du es denn bisher gebracht?

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      • ananda75 schreibt:

        Chakras? was ist das? Charas kenn ich 😆

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  3. Elwood schreibt:

    Wollen kann nicht mit Wollen…
    Haben nicht mit Haben…
    Wissen nicht mit Wissen…
    beendet werden..
    Liebe IST….
    ohne Werden…

    Gefällt 4 Personen

    • ananda75 schreibt:

      so ist es … aber irgendwas war da… ich wurde eindeutig irgendwo in mir drin gefragt… is schon länger her… ich hab gesagt „Ja, ich will“ – so geht das bei all den Menschen verrschieden… gell 🙂

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      • Nane schreibt:

        Ananda, sein.
        Ist die Polarität innerlich aufgehoben (Konditionierung in hoheren Schichten auflösen). Die hohen Schichten sind aber in einem selber. Sind in Wechselwirkung mit dem außen.
        Alles ist Spiegelung. Bist du im 8.Chakra, bis du im hohen bist, gibts viele Dinge zu tun.

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  4. Nane schreibt:

    Liebe Ananda75
    Es geht wirk-lich nicht um Liebe. Unabhängigkeit bedeutet einen Entwicklungszustand.
    Den wünsch ich dir. Das ist etwas innerliches. Frieden. Erschaffen aus Erfahrung, tiefer innerlicher Erfahrung.
    Die Liebe reibt sich auf, der Geist nicht.
    🙂

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