Leo Hartong: Hier kocht der Verstand noch selbst

 

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Dir fehlt zum Suchen oder Nichtsuchen nicht die Kraft, weil es kein solches Wesen wie ein „Du“ gibt, das kraftlos ist. Es gibt nur das Eine, das als alles erscheint. Das schließt auch den Verstand, ein mögliches Ich-Gefühl und eine Feedbackschleife, die nicht angehalten werden kann, mit ein. Wenn man erkennt, dass sie nicht gestoppt werden kann, wird normalerweise nach Lösungen gesucht. Allerdings kann das auch als Einladung begriffen werden, herauszufinden, ob da wirklich jemand ist, der es anhalten kann. Wenn nicht, dann gibt es niemanden, der einer solchen Lösung bedarf.

Wenn das untersucht wird, wird vielleicht entdeckt, dass derjenige, der sich durch den Gedankensstrom gestört fühlt, selbst ein Gedanke in diesem Strom ist. Es könnte sich herausstellen, dass der Wunsch, diese Schleife zu beenden, eben diese Schleife ist. Jedes Bemühen, es jetzt nicht mehr verändern zu wollen, ist immer noch dieselbe Schleife. Hier arbeitet der Verstand am Verstand und das ist so effektiv, wie Feuer mit Benzin zu bekämpfen.

Kann etwas getan werden? Vielleicht kann erkannt werden, dass DAS, was sich als Konzepte im Verstand und als Sterne am Firmament darstellt, kein Konzept ist, das mitbekommen werden müsste. ES ist nichts, das „jemandem“ geschieht, aber es passiert gegenwärtig. ES ALS „du“. ES ist, was „du“ bist, egal welche Gedanken gerade da sind. Aus der Schleife herauskommen zu wollen, ist die Schleife. Ist es vielleicht möglich, diesen Doublebind zu durchschauen?

aus: Leo Hartong, „Betrachtungen vom Spielfeldrand“

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„Es gibt nur das Eine, das als alles erscheint.“ Bis morgen tausendmal abschreiben! Wie oft zum Teufel muss denn das noch gesagt werden, bis dieses Konzept durch die dicke Wand all eurer Millionen Konzepte durchdringt. – He, das war ein Witz! – Als ob es um irgendwelche Konzepte ginge und wenn sie noch so sehr wahr zu sein scheinen! Ein Konzept bleibt bis in alle Ewigkeit das, was es ist, ein Konzept.

Was immer du zu tun oder zu lassen vorhast, beruht auf irgendeinem Konzept. Aber du tust natürlich eine ganze Menge ohne Konzept, zum Beispiel atmen. Das sag ich jetzt, damit keiner auf die Idee kommt, alle Ideen zu verdammen und nur noch ohne Konzept zu handeln, also ganz spontan und absolut authentisch. Einen Versuch wäre es ja vielleicht wert. Aber ich sage gleich: Es ist absolut wurscht. Wir hängen allesamt schon immer am Angelhaken und können soviel herumzappeln, wie wir lustig sind. Mit Konzept, ohne Konzept, wollend oder nicht wollend oder gar nix wollend, wir hängen allesamt schon immer am Haken.
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6 Antworten zu Leo Hartong: Hier kocht der Verstand noch selbst

  1. fredoo schreibt:

    Mir war es hilfreich … Konzept nicht zu verdammen , sondern als durchaus hilfreiche Dekoration zu sehen … ( aber halt in sich selbst als singuläres Konzept nicht bedeutsam , sondern nur … dekorativ ) …
    Anscheinend ist es für uns Mensch notwendig , um Leben lebendig wahrzunehmen … ( und vor allem auch als (!) lebendig wahrzunehmen ) , … dass da auch Dekoration zu erscheinen hat …
    Diese Konzeptreihungen des Alltags , sich direkt an jeden Atemzug anschließend , dann als eine Art Pirouette der Wahrnehmung zu sehen , und damit dann in Betrachtung eher die Virtuosität der Pirouette zu bewundern , als ihre jeweilige (Bedeutungs)Form , war und ist mir recht hilfreich …

    • Nitya schreibt:

      Na ja, warum überhaupt etwas verdammen? Die auftauchenden Konzepte kümmern sich eh herzlich wenig um unsere Verdammung. Wenn alles Ausdruck der Einen Quelle ist, dann eben auch alle Konzepte und überhaupt alles, was gerade erscheint. Und nachdem, wie so schön gesagt wird, der Lotus aus dem Schlamm wächst, wären wir ganz schön bescheuert, den Schlamm zu verdammen. Du hast das ja richtig fein poetisch ausgedrückt mit den Pirouetten der Konzeptreihungen – so gesehen kann man sie aus vollem Herzen genießen.

  2. Brigitte schreibt:

    Da hat der Leo ein feines Konzept hinterlassen. Wunderbar! Trotz aller Konzepte geschieht alles wie von selbst. Nichts muss rausgelassen werden. Ist das nicht erstaunlich … wow! Trotzdem ist es nicht notwendig, alle Konzepte wie das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es gibt durchaus hilfreiche Konzepte, die man nutzen kann. Völlig unpersönlich entfaltet sich Leben ganz spontan, aus dem Nichts. Das Leben ist ein gigantisches, großartiges EVENT. Magie pur. Man darf es sogar in vollen Zügen genießen;).

  3. gabrielehappe schreibt:

    Genau! Zappelei an der Angel. Lange dachte ich, ich kann mir wenigstens die Angel aussuchen…Tja.

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