Tschuang-tse: Der Kaiser und der Heilige

 

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Der heilige Herrscher Yau wollte das Reich an Freigeber abtreten und sprach: „Wenn Sonne und Mond aufgehen und man löscht die Fackeln nicht aus, so werden sie doch schwerlich gegen den Schein (des großen Himmelslichtes) aufkommen können. Wenn der Spätregen fällt und man wollte doch fortfahren mit Begießen und Bewässern, so würde das der großen Nässe gegenüber verschwendete Mühe sein. Wenn Ihr erst auf dem Throne seid, so wird das Reich in Ordnung sein, und ich sehe selbst, dass es verfehlt wäre, wenn ich noch weiter mich damit abgeben wollte. Darum bitte ich Euch, das Reich zu übernehmen!“

Freigeber sprach: „Ihr habt das Reich geordnet. Da nun das Reich bereits in Ordnung ist, so würde ich es nur um des Namens willen tun, wenn ich Euch ablösen wollte. Der Name ist der Gast der Wirklichkeit. Sollte ich etwa die Stellung eines Gastes einnehmen wollen? Der Zaunkönig baut sein Nest im tiefen Wald, und doch bedarf er Eines Zweiges nur. Der Maulwurf trinkt im großen Fluss, und doch bedarf er nur so viel, um seinen Durst zu stillen. Geht heim! Lasst ab, o Herr! Ich habe nichts mit dem Reich zu schaffen. Selbst wenn der Koch die Küche nicht in Ordnung hielte, wird doch der Opferpriester nicht seine Pokale und Schalen im Stiche lassen, um ihn abzulösen.“

aus: Tschuang-tse, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

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Da sucht der Kaiser einen vertrauenswürdigen Nachfolger für sein Reich, weil er seiner Meinung nach schon alles bestens geregelt hat und auf ihn noch weitere Felder warten, die seiner göttliche Regelung bedürfen. Also sucht er einen Mann, der seine bisherige Aufgabe übernimmt und wohl in seinem Sinn weiter führt. Der Mann, der das nun übernehmen soll, bedankt sich jedoch nicht untertänigst für das Vertrauen, sondern lehnt das „Angebot“ ab, das für ihn eher eine Zumutung zu sein scheint, und er schickt den „großzügigen“ Herrscher wieder nach Hause.

Zwei Hinweise gibt er dem Kaiser noch mit auf den Weg: Zum einen sagt er ihm, dass er nicht an irgendeinem Amt interessiert ist, das ihm nur irgendeine Würde einbringen kann. Ruhm und Ansehen interessierten ihn nicht. Und eine wirkliche Aufgabe wäre das nun wirklich nicht, da ja der Kaiser schon alles geordnet und festgelegt habe.

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Zum anderen weist er ihn darauf hin, dass er etwas zurücklassen müsste, was ihm ungleich wertvoller sei als die dämliche Würde eines Amtes. Er habe nichts mit „dem Reich“ zu schaffen, sondern halte es wie der Maulwurf: „Der Maulwurf trinkt im großen Fluss, und doch bedarf er nur so viel, um seinen Durst zu stillen.“ Ein Maulwurf könnte auch nichts mit so etwas wie „dem Reich“ anfangen. Für ihn ist die Menge Wasser, die er braucht, um seinen Durst zu stillen, vollkommen genug. Alles, was darüber hinausginge, wäre nur Ballast, der ihm das Leben schwer machen würde.

Dieser Vergleich mit dem Maulwurf beinhaltet den Hinweis für den Kaiser: „Schau doch dich an! Erst hast du dich jahrelang abgemüht, „dein“ Reich in Ordnung zu bringen und alle Dinge darin zu regeln, und nun brauchst du ein neues Aufgabenfeld, auf dem du glaubst, in noch höherem Maße Macht, Ruhm und Ehre ergattern zu können, und brauchst einen Idioten, der in deinem Namen dein Reich verwaltet. Ich bin doch nicht verrückt! Für mich ist der Maulwurf ungleich reicher als du, du armes, neurotisches Kaiser-Würstchen. So was darf man ja nicht laut sagen, wenn man noch ein Weilchen die Freuden des Lebens genießen will. Aber durch die Blume andeuten, das geht vielleicht.

pst

Sti-ill, sti-ill, still, weil’s Kindlein schlafen will!

 

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7 Antworten zu Tschuang-tse: Der Kaiser und der Heilige

      • punitozenzenpunito schreibt:

        Lieber Nitya , lieber Freedo ,
        Mich hat dieser nityasche Satz inspiriert : „Der Maulwurf trinkt im großen Fluss, und doch bedarf er nur so viel, um seinen Durst zu stillen.“
        Was den Kaiser anbelangt , suchte jener Herr einen Wasserträger zur Wahrung bestehender
        und zukünftiger Staatsgeschäfte .
        Da schaute Punito in Youtube und fand das Wasserträgerlied .
        Übrigens , lieber Freedo , wer hat`s erfunden ? Ein Zugereister , der in Nordhessen heimisch wurde ; Erich Storz ( 1927 – 2016 ) . Als ich mir den Text des Liedes “ reinzog “ , fragte ich mich , was hat den Texterinspiriert , in verklausulierter Form , dem Zuhörer auf eine herrschende Wasserverknappung hinzuweisen ?
        Also nix mit Suffkopp , wer arges denkt , u.s.w. ! 🙂
        Twittertrump will den Rüstungstat erhöhen , zu Ungunsten der Umweltministerien !
        Na , denn Prost !

        Punito

        P.S. http://www.water-forum.com/page_1.htm

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      • Nitya schreibt:

        Ich weiß gar nicht, was es am Faschingsdienstag gegen Suffköppe einzuwenden gibt?

        Außer dass man als oller Suffkopp seinen Namen ändert und dann wieder von dem armen Nitya freigeschaltet werden muss.

        Gefällt 2 Personen

  1. fredoo schreibt:

    die suffköppe mal wieder …

    Gefällt 1 Person

  2. punitozen schreibt:

    Ist Fasching , lieber NItya .
    das Namensdoppelgemoppel war ein Tippfehler . Punitozen bleibt ! 🙂
    Gegen Suffköppe habe ich nichts , war selber mal ein solcher . 🙂
    Punito

    Gefällt 2 Personen

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