Ramesh Balsekar: Was muss ich tun?


bDer gewöhnliche Inder glaubt aufgrund seiner Konditionierung, dass ohne persönlichen Einsatz und harte Arbeit nichts erreicht werden kann – und im täglichen Leben verhält es sich auch so. Wenn es jedoch um Erleuchtung geht, muss er alles vergessen, was er gelernt hat. Er muss verstehen, dass es keinen qualitativen Unterschied zwischen Freude, Arbeit und Meditation gibt. Wahre Stille und wahres Glück beruhen nicht auf willentlichen Anstrengungen, die das Glück als die Freuden des Lebens missversteht, sondern im Erkennen, was Selbstverweilen ist. Das Selbstverweilen wird nicht durch ein Individuum erreicht. Es stellt sich von selbst ein, wenn der Mind frei von Konzepten wie „richtig“ und „falsch“, annehmbar und nicht annehmbar und ähnlichen Gegensätzen ist. Selbstverweilen oder Erleuchtung ist unser natürlicher Zustand. Er muss nicht durch persönliche Anstrengung erworben werden. Alles persönliche, willentliche Bemühen stärkt nur das Ego, das „Ich“, das selbst das Hindernis ist, das unseren ursprünglichen Zustand überlagert. Mehr noch: Das wirkliche und vollkommene Verstehen dieser Tatsache ist alles, was für den Suchenden notwendig ist.

Wenn das Verstehen wahr und vollständig ist, wird die Frage, die den Suchenden gemeinhin plagt, als Witz erkannt. Die Frage ist: Was muss ich tun, um vollkommen einzusehen (und nicht nur intellektuell zu verstehen), dass ich nicht der Handelnde bin? Da du nicht der Handelnde bist, gibt es nichts, was du tun kannst. Es kann nur geschehen, wenn es aufgrund deines Schicksals / Gottes Willens / des Kosmischen Gesetzes geschehen soll.

aus: Ramesh Balsekar, “ Zen und Tao im Licht von Advaita“

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Ich muss mal wieder seriös werden, sonst glaubt noch jemand, dies sei kein spiritueller Blog. Isser unter uns gesagt auch gar nicht. Was soll das überhaupt sein – „spirituell“? Die ganzen Pappnasen, die zunehmend als spirituelle Wegweiser durch die Gegend laufen, erinnern mich einfach allzu sehr an meine evangelisch-lutherischen Internats-Erfahrungen. Da hab ich echt ein Trauma abgekriegt. Der wirklich sehenswerte Spielfim „Katharina Luther“, den die ARD am Montag ausgestrahlt hat, brachte mir noch einmal den ganzen Wahnsinn dessen, was sich spirituell nennt, in Erinnerung. Die einen üben Macht aus, weil sie die Stärkeren sind, die anderen, weil sie die Schwächeren sind, andere sind reicher oder ärmer, klüger oder dümmer, spiritueller oder völlig unbeleckt von spirituellen Höhenflügen, … der Versuch, Macht über andere und anderes zu erlangen, kann von jeder Position aus geschehen.

Gewundert hat mich diese Passage in dem Ramesh-Text: „Der gewöhnliche Inder glaubt aufgrund seiner Konditionierung, dass ohne persönlichen Einsatz und harte Arbeit nichts erreicht werden kann – und im täglichen Leben verhält es sich auch so. Wenn es jedoch um Erleuchtung geht, muss er alles vergessen, was er gelernt hat.“ Wieso denn das? Ist es nicht absolut wurscht, ob es um Erleuchtung geht oder um den American Way of Life? Wie kann es den American Way of Life geben, wenn es keinen Handelnden gibt? Der Knackpunkt in dem ganzen Wahnsinn ist doch die simple Einsicht, die Ramesh so auf den Punkt zu bringen versuchte: „Da du nicht der Handelnde bist, gibt es nichts, was du tun kannst. Es kann nur geschehen, wenn es aufgrund deines Schicksals / Gottes Willens / des Kosmischen Gesetzes geschehen soll.“ Ramesh sagt das an die Adresse eines „Ich“, das reine Annahme ist. Und die Formulierung „Schicksal / Gottes Wille / Kosmisches Gesetz“ beruht auch auf einer Annahme. Aber irgendwie muss Ramesh das ja verbalisieren, um was es ihm geht. Das Blöde ist dabei halt immer, dass, wie Shankara es gesagt hat, alle Worte dem Unbefreiten nutzlos sind, da sie nur Vorstellungen erzeugen.“ Das Ich ist nur eine Vorstellung und das „ich“ bin nicht der Handelnde ebenso. Und wen nennt Shankara einen Unbefreiten? Na den halt, der glaubt, der Handelnde oder nicht der Handelnde zu sein.

Was soll daran bitteschön spirituell sein? Einfach überprüfen, ob das stimmt, dass es da tatsächlich etwas gibt, was „ich“ zu „sich“ sagt und meint, der Handelnde zu sein. Danach überprüfen, ob das wahr ist oder nur eine Annahme. Noch einmal, wie das Leo Hartong kürzlich ausgedrückt hat: „Die einfache Verschiebung der Perspektive entspringt dem Glauben, dass es jemanden gibt, der das Denken, Sehen und Fühlen bewirkt, statt der Verwirklichung, dass da nur Denken, Sehen und Fühlen IST. Was muss z.B. getan werden, damit Gedanken aufsteigen? Zeigen sie sich nicht von selbst? Kenne ‚ich‘ ‚meinen‘ nächsten Gedanken, bevor er erscheint? Kennt der ‚Ich‘-Gedanke die Gedanken oder sind sie einfach bekannt, wenn sie da sind?“ Was soll an dieser Untersuchung besonders spirituell sein? Da ist einfach nur Nüchternheit.

Aber muss ich das wirklich überprüfen? Byron Katies „The Work“ machen, Ramanas Selbsterforschung, …? – Was für ein Witz! In dem Moment, in dem gesehen wird, dass alles ganz aus sich selbst heraus geschieht, verschwinden alle diese verrückten Fragen.

„Und was muss ich machen, um das sehen zu können?“

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15 Antworten zu Ramesh Balsekar: Was muss ich tun?

  1. Brigitte schreibt:

    hehehe… was für ein cooler Beitrag … fast so abgefahren wie Pulp Fiction 😀 😉

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  2. ananda75 schreibt:

    Die Katharina Luther hab ich auch mitgekriegt 🙂
    Obwohl ich keinen Fernseher hab und mich auch nie dafür interessiere, was kommt im Programm Es hat sich so ergeben – ganz „zufällig“ durch ganz was anderes … hab’s mir gestern Abend sehr gerne bei ARD im Internet angeguckt

    Und was musste ich jetzt machen, um das sehen zu können?
    hmmm…. wo fing das an?
    Irgendwo bei Adam und Eva oder so … und dann ergab sich so eins aus dem anderen… 😉


    Mein Lieblings-Smiley 🙂

    Lieben Gruß in’s Wochenend ❤

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  3. Alexandra schreibt:


    Und so machen es die Finnen!☂️👠

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  4. Alexandra schreibt:

    Die Katharina habe ich mir auch angeschaut. Mir gefällt ihr Eigensinn. Ein kleÜber Kontraounkt zum 500-jährigem Reformationsgeseiere.

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  5. Nane schreibt:

    Dem Inder geht es doch nur ums „Formloswerden“, also ohne Konditionierung sein.
    Läßt er den physischen Körper los, wo landet er dann? Entweder ist er frei und entscheidet selbst oder er geht in die Re-Inkarnation unfreiwillig, da unbewußt. Unbewußt, da er sich seinen Stammtisch aussucht, daß was er kennt. Viele Gurus treffen sich dann auf selber Ebene.

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  6. Nane schreibt:

    Ihm geht es darum, sich nicht mehr als Objekt zu sehen. Wo also will er nach dem Tod sein? Das wirft er doch mit dem Text auf. Der Tod impliziert die Wiedergeburt, da der Schleier nicht zur Seite geschoben wird. Die Aufmerksamkeit liegt darauf, kein Objekt mehr sein zu wollen. Nur was ist er dann? Er ist dann das, was er sich programmiert hat. Dort bleibt der Inder stecken, in der alten Gedanken/Gefühls-Welt. Beiseitedrängen ist ja nicht aufgehoben, im Sinne von wegsein, gelöscht. Im Gegenteil, alles wird gespeichert. Deswegen kommt er dann auf die Ebene, die er abgespeichert hat als Programm. Und bei den Gurus/Religionen sind es dann diese Ebenen.

    Selbst wenn es so gesehen wird, daß alles nur Projektionen einer Idee ist, so gibt es dann die Idee-Ebenen, Stammtisch eben. Das Programm ist ja nicht gelöscht.

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    • Nitya schreibt:

      Wo hast du das nur her, dass du wissen kannst, um was es dem anderen geht?

      Ramesh sagt: „Wenn das Verstehen wahr und vollständig ist, wird die Frage, die den Suchenden gemeinhin plagt, als Witz erkannt.“

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      • Nane schreibt:

        Nitya, der Autor philosopiert genau, um was es ihm geht. Darauf habe ich mich bezogen. Du meinst ja, es geht um nichts. Du kannst ja ein anderes Verständnis haben 😉

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  7. punitozen schreibt:

    Die einen üben Macht aus, weil sie die Stärkeren sind, die anderen, weil sie die Schwächeren sind, andere sind reicher oder ärmer, klüger oder dümmer, spiritueller oder völlig unbeleckt von spirituellen Höhenflügen, … der Versuch, Macht über andere und anderes zu erlangen, kann von jeder Position aus geschehen.

    Jawohl , verehrtester Nitya !
    Da mögen etliche Spiris deinen Gedankengang erhaben abnicken ,
    und schon sind sie voll drin im Dilemma .
    Ist ja auch nicht schön , die eigene Selbstlosigkeit als Ausweichmanöver
    des “ Menschen ohne Stand “ ( ICH-EGO ) zu erkennen ,
    Gute Werke , wie Luther es mal formuliert haben soll , haben keinen Namen .
    Dies war eine Möglichkeit dem spirituellen Getue der römisch-katholischen Kurie
    den Spiegel vorzuhalten .
    Schaut ein Punito in den Spiegel – sieht er noch immer , Tag um Tag ein Staubansammeln .
    Dann er er sich : “ Mein Lieber , Gestern Staub , heute Staub , was Morgen ist , mal schauen !“

    Herzlichen Gruß
    PUNITO

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  8. Inge schreibt:

    „Was für ein Witz! In dem Moment, in dem gesehen wird, dass alles ganz aus sich selbst heraus geschieht, verschwinden alle diese verrückten Fragen“. Und doch gibt es die entsprechenden Bücher, Weisheiten, Gurus, Blogs… auf die sich die Fragen beziehen. Wer hatte nochmal das Beispiel mit der Motte und dem Licht? Im Normalfall wünsche ich mir keine Motten, doch wenn es welche gibt stelle ich eine Kerze ins dunkle Zimmer …sie kann nicht anders (letzten Endes), doch ohne bizarre Tänzchen scheint es es nun mal nicht zu gehen.

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  9. fredoo schreibt:

    der Irrtum vieler „Kritischen“ ist es , sich ein entweder-oder vorzustellen.
    also entweder Teilhabe oder aber abgeklärte Ent-Rückung …
    doch wie ich beobachten kann entsteht dies … so … halt nicht.

    als junger Bursche bin ich knapp an der Extremhaltung der RAF und ihrer Konsequenz vorbeigeschrammt . nachdem ich bereits die ersten Polizeiautos angesteckt hatte und die Atmosphäre einer Knastzelle „genießen“ durfte , fanden es die Götter passend , mich dann doch in die friedlicheren Gefilde von Meditation samt Sinnsuche und folgender Familiengründung und Existenzgründungen zu führen.
    Dies erzeugte eine jahrzentelange Phase in der ich mehr damit befasst war „hübsche“ Produkte zu „designen“ , die dafür notwendigen Angestellte zu finden , und Bilanzen Bankkompatibel aufzuhübschen , als eine kritische Haltung zu Gesellschaft und Herrschaft zelebrieren.
    Trotzdem blieb mir auch in dieses Zeit dieses rebellisch duftende Misstrauen gegen „die da oben“ .

    nachdem es den Göttern gefiehl , auch diese Zeit passieren ( = vorbei gehen ) zu lassen , und auch die Suche nach einem „warum det janze“ plötzlich zu einem lang andauernden Gelächter führte , sollte man meinen , dass jetzt so eine Art still akzeptierende Altersweisheit einsetzen würde …
    Jedoch … kein entweder – oder … sondern ein sowohl als auch …

    gerade im Wissen um „det janze“ , dass ja nur „weiß“ das nix „besitzend“ zu wissen ist , ist diese „Kritiksucht“ massiv gewachsen . Der Duft des Jetzt gerade ist erfüllt von schnellem Wandel , Es duftet dabei aus allen Poren der Ereignisse nach extremster Kulmination , und ich , als passioniert „Hinschauender“ spüre eine „große“ Zeit wie es das I Ging formuliert .
    Eine „große Zeit“ meint nicht Duldsamkeit oder Ignoranz … Eine „große Zeit“ benutzt die wache Aufmerksamkeit des „Edlen“ … nicht in dem dieser „sein Ding“ macht , sondern in dem er sich zum Werkzeug dieser „großen Zeit“ bestimmt sieht …

    es ist nur ein Tanz der Formen … letztlich (!) bedeutungslos irrelevant …
    jedoch gleichfalls voller dynamischer Lebensfreude , also Freude für das tanzende Objekt-Subjekt an diesem Tanz der Formen …
    und so wie ich mich als alter Knacker noch immer zum groove der good old funk-mukke bewegen muss , so fühlt sich meine „rebellisch-kritische“ Haltung gerade in der heutigen „großen Zeit“ aufs beste „im Spiel“ … denn genau dafür wurde ich ( als Form ) einst als Eigen-Art ausgestattet und weiter entwickelt … jetzt darf diese Eigen-Art mitwirken , mit genau ihrer eigentümlichen Eigen-Art der rebellisch duftenden Kritikbereitschaft …
    bestens eingebettet in die völlige Bedeutungslosigkeit jeder „eigenen“ Handlung , sich beglückt findend , auch als Form mit tanzen zu können …

    Gefällt 2 Personen

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