Steven Harrison: Die Wirklichkeit ist nicht die Realität

 

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Vielleicht sollten wir uns besser an die Wissenschaft halten, die uns vormacht, sie selbst sei objektiv. Die Wissenschaft ist nichts weiter als ein machtvolles Glaubenssystem, was stets daran erkennbar wird, wenn sie von anderen mächtigen Glaubenssystemen angegriffen wird. Schauen wir uns jemanden an, der an die biblische Schöpfungsgeschichte glaubt, wenn er mit jemandem diskutiert, der die Darwin’sche Evolutionstheorie verteidigt. Es zeigt sich, dass in beiden Lagern ein leidenschaftlicher Glaube die antreibende Kraft ist.

Wo können wir also die Wirklichkeit finden? Wir können sie nicht fassen, ohne in das Relative zu fallen. Wir können sie nicht wahrnehmen, ohne sie auf grob-vereinfachende Annäherungen unseres Körper/Verstand-Mechanismus zu reduzieren, der die Wahrnehmung einer scheinbaren Realität erzeugt, aber nicht das Erkennen von dem hervorbringen kann, was wirklich ist. Wir können die Wirklichkeit nicht ohne unsere emotionalen Konditionierungen fühlen, die unsere gesamte psychologische Geschichte mit sich im Schlepptau führen. Schlussendlich müssen wir uns eingestehen, dass wir die Wirklichkeit nicht finden können, ganz egal, wie hart wir daran arbeiten. Weil das, was sucht, alles, was es findet, einordnen wird – von den kleinsten Elementen der Quantenebene bis hin zur Makro-Ebene der Archetypen.

Da dieses Unbekannte, das wir Realität getauft haben, immer relativ bleibt, ist es nicht notwendig, nach Realität zu suchen – wir stecken schon mitten drin in den Schleiern der Relativität. Das, was außerhalb der Dualität unserer relativen Realität steht, das ist die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist nicht die Realität und sie ist auch nicht relativ. Und sie ist auch nicht das Wort „Wirklichkeit“.

aus: Steven Harrison, „Was kommt?“


„Schlussendlich müssen wir uns eingestehen, dass wir die Wirklichkeit nicht finden können, ganz egal, wie hart wir daran arbeiten“, sagt Steven Harrison. Wir kennen vermutlich alle Wittgensteins Aussage „Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“ Max Stirner nannte das, was sich nicht sagen lässt „Spuk“. Nun halten sich nur wenige an Wittgensteins Feststellung und füllen ganze Bücher mit Spukgeschichten, indem sie ewig und drei Tage über das, was sich nicht sagen lässt, herumschwadronieren. Sie tun dies nicht ohne Grund, wollen sie doch das Absolute herunterziehen in das Relative, um andere ihrem Willen zu unterwerfen. Die Priester sprechen von göttlichen Geboten und der Erbsünde, die Politiker von irgendwelchen Werten und Menschenrechten. Wenn wir ihre Taten untersuchen, können wir unschwer feststellen, dass das alles für ihr eigenes Tun und Lassen nicht die geringste Bedeutung hat.

„Wo können wir also die Wirklichkeit finden? Wir können sie nicht fassen, ohne in das Relative zu fallen.“ Was hindert uns also daran, diesen ganzen Spuk einfach loszulassen und uns mit dem Relativen zu begnügen? Eine Maus läuft auf der Suche nach Futter herum, eine Katze läuft auf der Suche nach Futter herum, die beiden begegnen sich. Beide müssen sich in ihrer Relativität behaupten. Das, was wir Wirklichkeit nennen, spielt für ihr Bewusstsein überhaupt keine Rolle. Die Maus wird sich nicht auf irgendwelche Tierrechte berufen und die Katze würde sich ggf. auch nicht im Geringsten davon beeindrucken lassen. Für beide spielt der ganze Spuk, mit dem sich Menschen herumschlagen, überhaupt keine Rolle.

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Donald Trump sagt: „America First“ und alle regen sich auf. „So ein Egoist!““ ist noch das Freundlichste, was über ihn verbreitet wird. Er scheint der reinste Beelzebub zu sein. Wenn man sich fragt, was eigentlich sein Verbrechen sei, stößt man unweigerlich darauf, dass er sich weitgehend weigert, sich irgendeinem Spuk zu unterwerfen. Ein Lieblingswort von ihm ist das Wort „Deal“. „Ich will meinen Vorteil, ich habe kein Problem damit, dass du deinen Vorteil willst. Lass uns zu einem für beide Seiten annehmbaren Deal kommen!“ Er spielt mit offenen Karten. Und die Bushs, Clintons, Obamas? Sie faseln von Demokratie und westlichen Werten, manche sogar mit der Bibel in der Hand, und morden, plündern, brandschatzen, vergewaltigen wie die schlimmste Mafia. Wer ist hier der Beelzebub?

fInformationen schwirren durch die Gegend und es gibt kaum eine Möglichkeit, sie zu überprüfen. Was mich gerade besonders berührt ist dieser unverhohlene Hass, der uns da von vielen Politikern entgegenschlägt. Putin und Trump scheinen der Ausbund der Hölle zu sein. Diese konzertierte Hassaktion wirft tausend Fragen auf und wenn man dann Geschichten wie in diesem Beitrag liest, hält man die darin enthaltenen Aussagen nicht mehr für unmöglich.

Steven Harrison sagt: „Wir stecken schon mitten drin in den Schleiern der Relativität.“ Und genau mit diesen Schleiern müssen wir zurechtkommen. Jede Maus muss das, nur wir bilden uns ein, dem irgendwie entkommen zu können. Und wenn wir unsere Gegner schon nicht mit Gewalt bezwingen können, so hoffen wir doch, sie mit unseren Spukgeschichten kastrieren zu können. Ich muss Trumps Entscheidungen keineswegs gut finden, aber ich schätze seinen weitgehenden Verzicht auf Spukgeschichten. Egon Bahr war von derselben Ehrlichkeit wie Trump, wenn er sagte: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie und Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten.“

 

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4 Antworten zu Steven Harrison: Die Wirklichkeit ist nicht die Realität

  1. Alexandra schreibt:

    In meinen Augen ist Trump immer noch ein Vollpfosten, der meines Erachtens auch nicht auf Spuk und Spuckgeschichten verzichtet. Sollte aber an dem Pizzagate was dran sein und er das aufdecken, bekommt er meinen Beifall. Wir werden sehen. Ich finde das, was „da draußen“, jenseits meiner Sinne geschieht oder auch nicht geschieht mittlerweile so verrückt , so undurchschaubar, dass ich gar nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Existiert die Welt, wenn überhaupt, nicht sowieso nur da, wo ich sie wahrnehme? Konstruiere „ich“ alles in meiner Fantasie? Wenn man nicht ganz verrückt werden will an und in dieser verrückten Welt hilft anscheinend nur eins: zum Ursprung finden. Alles sonst: ein (Alb)Traum!? Kein Wunder, dass so viele erwachen wollen!

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  2. Georg Alois schreibt:

    Neulich wurde hier in einem Kommentar ein Satz gesagt, der so ähnlich lautete: „Wenn wir wissen, dass wir in einem Spiel eine Rolle spielen müssen, dann suchen wir uns doch wenigstens eine Rolle aus, die uns Spaß macht!“

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  3. fredoo schreibt:

    wissenschaft objektiv ? … irgendwie schon … objektiv = an die vorstellung von objekten gebunden …

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