Drugpa Künleg: keine weiteren Umstände

 

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Zu dem vereinbarten Zeitpunkt erreichte Drugpa Künleg Adzoms Haus und klopfte an die Tür. Das Mädchen antwortete ihm, er solle draußen warten, sie hätte ihre Schärpe noch nicht angelegt.

„Ah! Du wartest also schon auf mich“, sagte er. „Wir brauchen aber keine weiteren Umstände zu machen.“ Und er legt sie gleich auf der Türschwelle nieder und machte Liebe mit ihr. Danach brachte sie ihm Dschang und verwöhnte ihn mit allem, an was er Gefallen fand; er blieb für einige Tage bei ihr, und als er schließlich wieder aufbrechen wollte, flehte sie ihn an, für immer bei ihr zu bleiben.

„Weil dein unterer Lotus eine feste Knospe ist, werde ich für neun Tage zu dir zurückkehren“, versprach er ihr. Für neun weitere Tage, weil du alle Stellungen beherrschst, und noch einmal neun Tage lang werde ich dich besuchen, weil du ein gutes Herz hast.“ Mit diesem Versprechen verließ er sie.

aus: Drugpa Künleg, „Der heilige Narr“

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Noch einmal diese hundsgemeine Frage von Kodo Sawaki: „Alles redet von Liebeshochzeiten, aber ist das nicht eine ziemliche Gefühlsduselei? Geht es nicht letztlich doch nur um Schwanz und Möse? Warum sagt bloß keiner, dass er sich in eine Möse verliebt hat?“ Ich muss gerade an das Betttuch mit besticktem Schlitz an passender Stelle denken, das Rosaura in ihrer Hochzeitsnacht in dem Film „Bittersüße Schokolade“ auf das zukünftige Ehebett ausgebreitet hatte, hoffend, ihren Ehemann gleich darunter empfangen zu können und schwanger zu werden. Der aber träumte von seiner geliebten Tita und tauchte einfach nicht auf. Es gibt kaum einen Bereich, der so verheuchelt und verlogen ist wie der Sex – na ja, Politik natürlich und Religion und … ich glaub, ich hör jetzt lieber auf. Drugpa Künleg hatte mit dieser ganzen verkorksten Lügerei nichts am Hut. Wenn ihm ein Mädchen oder eine Frau gefiel, dann wollte er sie ohne weitere Umstände sofort vernaschen. Also wie ein Rüde, wenn er die Witterung einer läufigen Hündin aufnimmt. Da gibt’s dann kein Halten mehr. Er sollte allerdings vorher nicht zu viel Dschang getrunken haben.


„Aber wir sind doch keine Tiere!“ höre ich schon den einen oder anderen empörten Aufschrei. „Stimmt“, würde ich da sagen, „wir sind verlogener.“ Der große tantrische Meister Drugpa Künleg ist so aufrichtig wie ein Hund. Immer wenn wir uns ein Gebot basteln, wissen wir, dass es uns am Inhalt des Gebotes mangelt. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ ist, abgesehen davon, dass sich keine Sau dran hält, ein wundervoller Hinweis. Im Gewahrsein erscheint so dies und das. Und wer ist unser Nächster? Schon mal daran gedacht, dass das in erster Linie „wir selbst“ sind? Aber anstatt einfach bei dem zu bleiben, was da auftaucht, verdrängen, verleugnen, verschleiern oder verdrehen wir es und reden falsch Zeugnis wider „uns selbst“ und damit auch wider allen Nächsten zweiter Ordnung. Wenn Osho von den Priestern und den Politikern als der Mafia der Seele spricht, dann denke ich sofort an den Obermafioso Verstand. Priester und Politiker sind auch nur Projektionen des Verstands.

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Worin unterscheidet sich jetzt eigentlich dieser Drugpa Künleg von einem Hund, falls er sich überhaupt unterscheiden sollte. „Doch“, würde ich ganz frech behaupten, „er unterscheidet sich. Nicht in seiner Aufrichtigkeit, wohl aber in seiner Bewusstheit.“ So kann sich jeder fragen, ob er schon die Aufrichtigkeit eines Hundes erreicht hat oder die Bewusstheit, die ein Hund ist, wenngleich sie dem Hund nicht bewusst sein mag. Du bist wie der Hund eine Manifestation des Noumenons, aber aller Voraussicht nach ohne seine Aufrichtigkeit und ohne jede Bewusstheit darüber, dass du Bewusstheit bist.

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17 Antworten zu Drugpa Künleg: keine weiteren Umstände

  1. Georg Alois schreibt:

    „Du bist wie der Hund eine Manifestation des Noumenons, aber aller Voraussicht nach ohne seine Aufrichtigkeit und ohne jede Bewusstheit darüber, dass du Bewusstheit bist.“
    Jo Baby jo! Sonst wäre es dem Noumenon zu langweilig. Ha, haaaa! Also, weiterhin gute Unterhaltung!

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  2. punitozen schreibt:

    Drugba Künleg in seiner ursprünglichen , natürlichen Sexuallust , einfach : “ Aaahhh ! “ 🙂

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    • Nitya schreibt:

      Heute von den Oshis gekriegt:

      Frage: „Ich habe eine tiefe, liebevolle Beziehung zu meinem Mann, fühle mich aber gleichzeitig zu jemand anderem hingezogen.“

      Osho: „Es gibt zwei Dinge, die du nicht vergessen solltest. Das erste ist: Liebe wächst nur in tiefer Intimität und in tiefem Vertrauen. Wenn du deine Partner von A zu B, von B zu C wechselst, dann ist das, als würdest du dein Sein von einem Platz zum anderen verpflanzen. Du wirst nie Wurzeln schlagen – der Baum bleibt schwach und anfällig.
      Um stark zu werden, braucht man tiefe Wurzeln, und sich tief zu verwurzeln, braucht Zeit. Und für die Liebe reicht selbst die Ewigkeit nicht aus, denn, vergiss nicht, die Liebe kann wachsen und wachsen und wachsen. Sie hat einen Anfang, aber kein Ende. Betrachte die Liebe also nicht als etwas Oberflächliches, sie ist nicht nur eine Beziehung. Durch Liebe kannst du dein ganzes Wesen entdecken. Sie ist heilig.

      Aber im Westen ist sie sehr profan geworden, sie hat fast ihre Bedeutung verloren. Sie wurde immer stärker sexualisiert und körperbezogen, sehr oberflächlich und beiläufig. Ich habe tatsächlich Angst, dass der Westen die Liebe vollkommen verliert. Die Menschen vergessen vielleicht, dass es etwas gibt, worin man innen ohne Ende wachsen kann.“

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  3. ananda75 schreibt:

    Liebe und Sex sind zwei Paar Schuhe
    Sex ist nicht gleich Liebe
    Sex kann alles mögliche sein… kann Liebe sein, kann aber auch Aggression sein…
    Ehrlichkeit könnte eine Menge Mistverständnisse vermeiden… dazu muss man das aber auch erst mal selbst auseinander halten können – was will ich denn nu?
    Die „Sexuelle Revolution“ erscheint mir wie, bei jeder Befreiung von Zwängen und Ängsten, wie das Pendel, das erst mal zu wild ausschlägt
    Vorher gab’s ja ein paar Jahrhunderte lang das Problem, das junge Menschen nicht einfach durften wie sie wollten – also waren sie alle ganz doll verliebt und haben geheiratet – die Begeisterung war dann mit Erfüllung der Triebe schnell vorbei…
    Auch jetzt noch passiert das ja oft –
    Einer will mit dem anderen in’s Bett, denkt aber ‚das kann ich doch jetzt nicht einfach so sagen‘ und erzählt was von roten Rosen statt dessen – Problem vorprogrammiert
    Ehrlichkeit, Offenheit und wissen, was man will… würde helfen…

    Alles Liebe ❤
    kein Stress nich – bin voll angezogen 😆

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  4. punitozen schreibt:

    Die „Sexuelle Revolution“ erscheint mir wie, bei jeder Befreiung von Zwängen und Ängsten, wie das Pendel, das erst mal zu wild ausschlägt ..
    Der Begriff “ Sexuelle Revolution verweist auf das von Wilhelm Reich verfasste Werk
    “ The Sexual Revolution “ . In Deutschland 1966 unter dem Titel “ Die Sexualität im Kulturkampf “
    veröffentlicht .
    https://ia800807.us.archive.org/0/items/Reich_1936_Sexualitaet_im_Kulturkampf_2te_k/Reich_1936_Sexualitaet_im_Kulturkampf_2te_k.pdf

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    • ananda75 schreibt:

      Hallo Punito,

      Danke für die Info 🙂
      Da bin ich nicht belesen drin, aber wir haben das ja gemacht, gell 😉
      Wenn ich an meine „Jugend“ denk, so grob gerechnet von 15 -35 – nicht unbedingt nur ich persönlich… also, öööh – ich fand das schon ziemlich revolutionär gegenüber so manchen Generationen davor…
      Gelesen haben wir auch, sehr viel sogar 😉

      Lieben Gruß ❤

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    • Nitya schreibt:

      Es wurden nur die Zwänge ausgetauscht.

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    • Nitya schreibt:

      Er hat ja vollkommen recht, der Wilhelm Reich, nur hat er möglicherweise nicht genug betont, dass Leute, die bereits durch die Gesellschaft programmiert wurden, nicht von jetzt auf gleich eine sexuelle Revolution erfolgreich hinkriegen. Der Kopf ist immer noch derselbe. Und da kippt das dann halt von einem Extrem ins andere. Wilhelm Reich hatte nie etwas mit dieser fühllosen Rammelei am Hut, die oft von den verklemmten Bürgerkindern als sexuelle Rvolution verkauft wurde. Aber was solllten die machen, mehr war einfach nicht drin. Man sagt, wenn du eine Dame erziehen willst, brauchst du dafür drei Generationen. Das gilt erst recht für das, was Wilhelm Reich anstrebte. Herausgekommen ist nur ein Pendelschlag, der sich schon längst wieder in die Gegenrichtung bewegt. Aber so war es bisher mit allen Revolutionen. Nichtsdestoweniger ist Wilhelm Reich immer noch ein Leuchtfeuer, das viele inspirieren könnte. Hoffentlich dann aber im Sinne Wilhelm Reichs.

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      • ananda75 schreibt:

        Ich denke, es ist ein natürlicher Verlauf der Dinge/ der Menschen durch Extreme zu gehen, Erfahrungen zu machen … guck, der – wirklich schöne – Osho-Text oben … und – wie an anderer Stelle schon mal erwähnt – die damals noch „Sannyasins“ machten ja über viele Jahre die Mehrheit meines Freundes- und Bekannten-Kreises aus… waren ja Vorreiter… zumindest in meinem persönlichen Umfeld
        und das war ja nun auch nicht alles lieb- und gefühllos, möchte ich mal noch bemerken

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      • Nitya schreibt:

        Reichsche Körperarbeit und eine Verfeinerung lusterzeugender Reize sind halt immer noch zweierlei. Wenn ich mir anschau, was bei uns alles als Tantra verkauft wurde, na ja, was soll ich dazu sagen? Tantra ist, wie das Osho in seinem feinen Buch „Tantra, die höchste Einsicht“ aufgezeigt hat, halt in allererster Linie eine geistige Haltung.

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  5. Michael schreibt:

    „Es gibt kaum einen Bereich, der so verheuchelt und verlogen ist wie der Sex – na ja, Politik natürlich und Religion und … ich glaub, ich hör jetzt lieber auf.“

    Ich überlege gerade, ob dieses Thema wirklich so vorheuchelt usw. ist? Ich kann ja nur von mir reden. Ich bin mir schon bewusst, dass sich vieles um Schwanz und Möse dreht. Aber bin ich so unfrei, dem nachzugehen wie der Hund oder besser – will ich das? Ich hätte so einen Stress mit meiner Liebsten – da habe ich einfach keinen Bock drauf – ein guter Schauspieler wäre ich auch nicht.
    Ich denke die Bibelgesetze wie: du sollst nicht begehren deines nächsten Weib waren nicht vordergründig moralisch sondern zielten eher auf den sozialen Frieden ab.
    Was man sich so erzählt, kommt es ja in der „der sogenannnten freien Liebe (freier Sex)“ immer wieder zu heftigen Komplikationen und Verletzungen der Beteiligten. 😉

    Ja, Liebe ist eigentlich immer frei und sie erscheint in vielen Formen………

    P.S. Ich freu mich schon wieder auf die hinduistischen Tempel —– Wochenende gehts los

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    • Nitya schreibt:

      „Aber bin ich so unfrei, dem nachzugehen wie der Hund oder besser – will ich das? Ich hätte so einen Stress mit meiner Liebsten – da habe ich einfach keinen Bock drauf – ein guter Schauspieler wäre ich auch nicht.“

      „Angst vor der Liebsten“ ist das frei?

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      • ananda75 schreibt:

        so, wie die Damen in’s Yoga-Center rennen nur für ihren „Knack-Po“ und die Buddhas die Gartenzwerge ersetzen – so isses – da machste nix 🙂

        Wünsche dir einen wunder-schönen Tag ❤

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  6. Inge schreibt:

    Auf meiner Fahrradtour heute fuhr einer ständig neben mir her: Drugpa Künleg (vorher nie gehört). — Keine weiteren Umstände, sagt er zu dem Mädchen und kommt sofort zur Sache. Danach verwöhnte sie ihn und fleht ihn an zu bleiben. Woraufhin er das Versprechen abgibt für drei mal neun Tage wieder zu kommen und gibt dafür drei Gründe an…– Das findet ihr ehrlich? Jetzt will ich mal nicht zu ernst werden aber ich nenne das männlichen Hochmut. Und ich nenne das Prägungen (beider Seiten) der üblichen (üblen) Art in diesen männlich geprägten Gesellschaften. Mir kommt das Beispiel eines mäandernden Flusses in den Sinn, der gerade gemacht wird, aus dem und dem Grund. Das ist doch viel ehrlicher,oder? So, Nitya und alle anderen, das war eine echte Herausforderung, danke!

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    • Nitya schreibt:

      Wir alle sind Kinder unserer Zeit und unserer Sozialisation, liebe Inge. Wir können natürlich das Verhalten von Menschen anderer Kulturkreise und Zeiten mit den Maßstäben unseres Kulturkreises und unserer Zeit beurteilen, aber was ist damit gewonnen? Wenn ich die Geschichte des Drugpa Künleg lese, kann ich darin keinerlei Gewalt erkennen. Das Mädchen wollte ganz offensichtlich, dass alles so geschah, wie es geschah. Das ist jetzt ein sehr hinkender Vergleich (andere Zeit, andere Kultur): Schau dir mal an, wie kreischende Mädels das Hotel eines Popstars belagern und nichts mehr wollen, als eine Nacht mit ihrem Idol zu verbringen. Ist das männlicher Hochmut? Der kann natürlich dabei entstehen, hat aber zunächst nichts mit dem Verhalten der Mädels zu tun. Der Lama Drungpa Künleg war ein absoluter Star. Ehrlichkeit hat übrigens nichts mit Wohlverhalten zu tun. Die Hunde in dem Video sind absolut ehrlich. Sie zeigen sich, wie sie sind. Uns muss ihre Ehrlichkeit nicht gefallen, Aber das ist eine andere Kiste.

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