Osho: Handeln ist Antworten, wenn es notwendig ist

 

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Ich habe nie ein Buch geschrieben. Ich kann es nicht! – für wen denn? Wer wird es lesen? Solange ich denjenigen, der es lesen wird, nicht kenne – solange niemand die Situation dafür herstellt – kann ich nicht schreiben. Für wen denn auch? Ich schreibe nur Briefe, denn dann weiß ich, dass ich an jemanden schreibe. Dieser ‚jemand‘ mag irgendwo in den U.S.A. leben, das ist egal, denn sobald ich ihm einen Brief schreibe, wird daraus etwas Persönliches: das Gegenüber ist da. Während ich schreibe, hilft mir das beim Schreiben. Ohne ihn ist es nicht möglich; es ist ein Dialog.

Das verstehe ich unter Handeln. Sobald ihr fort seid, verschwindet auch augenblicklich alle Sprache aus mir. Es kommen keine Worte mehr, sie werden nicht gebraucht. Und so muss es auch sein. Solange du läufst, benutzt du deine Beine, aber sitzt du auf einem Stuhl, wozu dann noch die Beine bewegen? Das wäre Wahnsinn! Wenn ein Dialog stattfindet, muss man reden; wenn es die Situation erfordert, muss man handeln – aber das lass besser das Ganze entscheiden. Du darfst nicht der entscheidende Faktor sein, du darfst keine Entscheidung treffen. So kann es zu keinen Karmas kommen, so gehst du unberührt und frisch von Augenblick zu Augenblick. Die Vergangenheit stirbt jeden Augenblick von allein, und die Zukunft wird neu geboren, und du begegnest ihr so taufrisch wie ein Neugeborenes.

aus: Osho, „Tantra – die höchste Einsicht“

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Ich wurde schon gefragt, warum ich nicht endlich ein Buch schreibe. Das Einzige, was ich dazu sagen kann, ist, dass da kein Impuls in mir aufgetaucht ist, das zu tun. Warum auch um Gottes willen? Blog ist okay, ein Buch würde mich nur stressen und ich würde nach ein paar Seiten wieder damit aufhören. Da ich mich auch nicht als Lehrer fühle und mir kein bisschen nach Schülern ist, hab ich mir mit Zitaten aus diesem oder jenem schlauen Buch beholfen. Osho sagt: „Dieser ‚jemand‘ mag irgendwo in den U.S.A. leben, das ist egal, denn sobald ich ihm einen Brief schreibe, wird daraus etwas Persönliches: das Gegenüber ist da. Während ich schreibe, hilft mir das beim Schreiben. Ohne ihn ist es nicht möglich; es ist ein Dialog.“ Ich füge hinzu: Dieser jemand kann auch schon ein paar Jahrtausende tot sein. Er ist immer noch als Gegenüber brauchbar, er kann mir immer noch einen Impuls liefern, der irgendwelche Antworten hervorlockt, er kann immer noch der Stein sein, der in den See geworfen seine Kringel hervorzaubert.

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Osho sagt: „Solange du läufst, benutzt du deine Beine, aber sitzt du auf einem Stuhl, wozu dann noch die Beine bewegen? Das wäre Wahnsinn! Wenn ein Dialog stattfindet, muss man reden; wenn es die Situation erfordert, muss man handeln – aber das lass besser das Ganze entscheiden. Du darfst nicht der entscheidende Faktor sein, du darfst keine Entscheidung treffen.“ Mein Kardiologe fällt mir wieder ein: „Bewegung oder Siechtum.“ Oder der Spruch: „Wer rastet, der rostet.“ Im Augenblick habe ich im rechten Knie eine Arthrose vom Feinsten. Osho behauptet also: „Sitzt du auf einem Stuhl, wozu dann noch die Beine bewegen? Das wäre Wahnsinn!“ Hab ich mir auch immer gedacht, und das hab ich jetzt davon. Hätte ich bloß nie auf den Kerl gehört! (Hab ich gar nicht. Ich bin einfach ’ne faule Sau.)
e1Aber eigentlich wollte ich jetzt nicht die faule Sau zu Tode reiten, sondern mich auf die eben zitierte Aussage von Osho stürzen: „Solange du läufst, benutzt du deine Beine, aber sitzt du auf einem Stuhl, wozu dann noch die Beine bewegen?“ Er sagt dies, weil er auf Folgendes hinaus will: „Wenn ein Dialog stattfindet, muss man reden; wenn es die Situation erfordert, muss man handeln – aber das lass besser das Ganze entscheiden.“ Wenn ein Dialog stattfindet … Fritz Perls hat gesagt: „Verantwortung ist die Fähigkeit zu antworten.“ Also nix mit Pflicht-Erfüllung! Warum betont er das so? Alles in der Natur antwortet, alles in der Natur befindet sich in einem ständigen Dialog. Sogar das Wasser antwortet auf den Stein, der gerade hineingeworfen wird. Nur der Mensch … noch einmal die Rilke-Worte: „Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um.“ Und Osho sagt: „Lass besser das Ganze entscheiden. Du darfst nicht der entscheidende Faktor sein, du darfst keine Entscheidung treffen.“ Im Fluss des Tao antwortet alles auf alles. Der menschliche Verstand wählt einen winzigen Ausschnitt aus, den er für wichtig hält, und wird dadurch unfähig als Teil des Ganzen mit dem Ganzen im Dialog zu sein.

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13 Antworten zu Osho: Handeln ist Antworten, wenn es notwendig ist

  1. Georg Alois schreibt:


    einen schönen Sonntag wünsche ich Euch!

    Gefällt 4 Personen

  2. Marianne schreibt:

    Handeln, wenn sich Aufgaben stellen …
    Woran erkenne ich, ob sich mir die Aufgabe stellt, ein Buch zu schreiben? Mir der Frage schlage ich mich schon des Längeren herum.
    Es ist ja nicht so, dass irgendwelche Verlage auf mich zukommen und mir das händeringend nahe legen…
    Wenn du dich dazu noch aufraffen könntest, lieber Nitya, dann wäre das natürlich schon ein Motivations-Schub … 😉

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne,

      die Frage ist ganz leicht mit einer Gegenfrage zu beantworten. Wenn dein Haus brennt, stellst du dir dann die Frage, was eine Aufgabe in der Situation ist?

      Den von dir gewünschten Motivationsschub kann ich dir leider nicht liefern. Du weißt ja: Ich bin ’ne faule Sau und ohne jden Ehrgeiz. Brauchst du einen Motovationsschub, wenn dein Haus brennt?

      Mach’s dir gemütlich und genieße den Sonntag. Das Haus brennt nicht.

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  3. Inge schreibt:

    oh wie bin ich froh, dass es diesen Blog gibt – und nicht auch noch ein Buch! Ein Buch käme mir hier vor wie eine halbe Leiche, es würde alles, was hier zu finden ist schmälern. Nichts gegen geschriebene Bücher. Aber wenn mir jemand sagt ‚ich habe ein Buch geschrieben‘ sinkt mein Blutdruck augenblicklich auf (gefühlte) 0

    Gefällt 1 Person

    • punitozen schreibt:

      Liebe Inge ,
      begegnen sich 2 Psychologen auf der Strasse .
      Fragt der Eine nach dem Wohlbefinden des Anderen um danach
      über seine Alltagserlebnisse ausführlich zu berichten .
      20 Minuten später sagt er : “ Jetzt habe ich die ganze Zeit von mir geredet .
      Jetzt rede einmal von Dir . Wie gefällt Dir denn mein neuestes Buch , was vorigen
      Monat veröffentlicht wurde ? “
      Einen schönen Sonntag
      Herzgruß
      Punito

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Inge,

      die Wahrscheinlichkeit, dass ich dazu betragen werde, dass dein Blutdruck auf (gefühlte) 0 absinken wird, liegt genau bei (gefühlter) 0.

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  4. Michael schreibt:

    Schönes Rilke Zitat!

    Gefällt 1 Person

  5. Gabi schreibt:

    Satyamnithya Wilhelm, du bist der Schärfste. Hab ja schon überlegt, wie ich dich nach Berlin locken könnte, um einen Vortrag zu halten. Ein fauler Antiguru, ein Nichtheilsbringer, einer, der keine Antworten liefert sondern nur am eigenen Denktanz teilhaben lässt. Bestenfalls noch ein gepflegtes: „Spürt ihr’s…..“ und das mit deinem Sean Connery Flair, das wäre doch mal was…

    Gefällt 2 Personen

    • Nitya schreibt:

      Hihi, mit Speck fängt man Mäuse. 🙂

      Liebe Gabi, der scharfe Satyamnitya Wilhelm gluckst vergnügt vor sich hin. Einen Vortrag halten! Das hätte dem gerade noch gefehlt zu seinem Glück. Ne Molle mit Korn könnte ihm ja wieder mal schmecken, Die letzte hat er in einem kurzen Intermezzo als Westberliner Bürger vor mehr als 50 Jahren genossen. Ne Molle statt einesVortrags könnt er sich ja vielleicht noch vorstellen, aber’n Vortrag – nee, nee, nee. Da guckt er lieber seinen Eichhörnchen zu.

      Sean Connery Flair – nee, also so wat. Damit kriegste ihn ooch nich!

      Aber’n zartes Küsschen soll ick dir aufdrücken, hatter jesacht.

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    • Elwood schreibt:

      Wah, einen Vortrag von Nitya?
      Würde vieleicht alle doch ziemlich vewirren….
      Und dann noch im Sean Connery Flair…
      Cool….

      „I see nothing inside, except my own perplexity“ Zadoz

      Gefällt 1 Person

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