Poonja: Dieser Wunsch, frei zu sein

 

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Dieser Wunsch, frei zu sein, ist nur in sehr wenigen Menschen gewachsen. Frei in diesem Leben. In diesem Jahr. In diesem Monat. Jetzt. Dieses Verlangen entscheidet. Wie eine Motte, die sich in die Flamme verliebt und ohne jedes Zögern in sie stürzt. Ohne Anhalten oder Zurückhalten auf dem Weg. Wie viel Zeit, um zur Flamme selbst zu werden? Auf die Flamme zugehen, das ist die Entscheidung, frei zu sein … aufs Atman zugehen.

Das Atman verzehrt dich und schenkt dir ewiges Leben, ewiges Bewusstsein und ewige Glückseligkeit. Und niemand weiß das. Alle suchen im Außen und durch die Sinne. Was immer du siehst, wo immer du Name und Form erblickst, nichts ist wirklich wahr. Diese Namen und Formen werden dir niemals Frieden oder Liebe schenken. Was immer du in genussreichen Sinnesobjekten siehst, fühlst oder erfährst, wird dich letztendlich hungrig zurücklassen.

Das also ist die Entscheidung und die Unterscheidung. Mit dieser Unterscheidung, dieser Urteilskraft werden einige beschließen: „Ich will frei sein.“ Sie werden einen Lehrer finden. Der Lehrer ist in dir. Der Sadguru ist in dir. Dein Verlangen nach Freiheit bewegt sich auf diesen Lehrer zu, auf dieses Brahman.

aus: H.W.L. Poonja, „Sei still!“

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„Dieser Wunsch, frei zu sein, ist nur in sehr wenigen Menschen gewachsen. Frei in diesem Leben. In diesem Jahr. In diesem Monat. Jetzt.  Dieses Verlangen entscheidet“, sagt Poonja. Und dann bringt er das Beispiel mit der Motte, „die sich in die Flamme verliebt und ohne jedes Zögern in sie stürzt.“ Das Beispiel ist eine wichtige Veranschaulichung dessen, worum es geht. Da ist nicht das, was man üblicherweise unter „Wunsch“ und unter „Entscheidung“ versteht. Etwa: Ich wünsche mir ein neues Auto, aber ich warte noch mit dem Kauf, bis das neue Modell meiner Lieblingsmarke auf den Markt kommt. Eine Motte stellt alle diese Überlegungen nicht an. Sie nimmt Licht war und sie muss in die Quelle des Lichts hineinfliegen. Das ist kein netter Wunsch und auch keine kluge Entscheidung. Die Motte hat keine Wahl, sie muss. Goethe schrieb:

g

Sagt es niemand, nur dem Weisen
weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebend’ge will ich preisen,
das nach Flammentod sich sehnet
.

In derselben Weise ist in einigen wenigen Menschen das Verlangen gewachsen, frei zu sein, und dieses Verlangen steht auch schon für die „Entscheidung“, frei zu sein. Poonja spricht davon, dass das gewachsen ist und er nennt die Voraussetzung dafür: Die Fähigkeit zur Unterscheidung, die Urteilskraft. Wir erinnern uns vielleicht an Shankaras „Kleinod der Unterscheidung“. Auch er misst dieser Unterscheidungsfähigkeit höchste Bedeutung bei. Es macht also keine Sinn, wenn Satsanglehrer von ihren Schülern fordern: „Du musst frei sein wollen!“ Ich erinnere an Schopenhauers „Der Mensch kann zwar tun, was er will. Er kann aber nicht wollen, was er will.“

Hilfreich wäre vielleicht, vielleicht, vielleicht auf die Unterschiede aufmerksam zu machen, wie es Poonja beschreibt: „Alle suchen im Außen und durch die Sinne. Was immer du siehst, wo immer du Name und Form erblickst, nichts ist wirklich wahr. Diese Namen und Formen werden dir niemals Frieden oder Liebe schenken. Was immer du in genussreichen Sinnesobjekten siehst, fühlst oder erfährst, wird dich letztendlich hungrig zurücklassen.“ Das ist die eine Seite. Die Burg oben ist ein wunderbares Symbol für diese Haltung, ein wirklich eindrucksvolles Symbol für das Ego. Die andere Seite: „Das Atman verzehrt dich und schenkt dir ewiges Leben, ewiges Bewusstsein und ewige Glückseligkeit.“

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Letzteres zu hören nützt nicht viel – es sei denn, du liebst denjenigen, der das sagt und vertraust ihm vollkommen. Aber Ersteres kann man untersuchen und die Richtigkeit überprüfen: „Ich habe mein Leben lang im Außen gesucht – hat es mich je wirklich genährt und erfüllt?“ Gemeint ist damit nicht ein momentanes Gefühl der Befriedigung und Sattheit, dem bald darauf wieder ein erneutes Bedürfnis nach Befriedigung folgt. Ich sage jetzt nicht, was tatsächlich gemeint ist, weil das auch wieder nur Vorstellungen erzeugt. Es genügt ja schon, all das zu verwerfen, was sich als als leiderzeugend erwiesen hat. Dies führt zwangsläufig zu diesem „dies ist es nicht und das ist es nicht“. Neti – neti. Und wohin diese Unterscheidung und Feststellung führt, wird sich ganz von selbst erweisen.
b2

 

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12 Antworten zu Poonja: Dieser Wunsch, frei zu sein

  1. punitozen schreibt:

    ….. Ich sage jetzt nicht, was tatsächlich gemeint ist, weil das auch wieder nur Vorstellungen erzeugt.
    Vorstellungen wie “ Warte du Schweinehund , ich werde Dir die Gedärme rausreißen ! “
    erzeugen eben solche Vorstellungen – oder es macht “ AAHH ! “
    HIER- JETZT
    “ Mu “
    Punito

    Gefällt 2 Personen

  2. Zum Wunsch frei zu sein gehört meiner Ansicht nach auch der Unbill krank zu sein: Über das Thema Krankheit habe ich eben ein Interview mit einem Arzt hier entdeckt, das mich gut positiv anspricht und meines Erachtens auch zum Thema passt:

    oder hier
    https://kenfm.de/wolf-buentig/

    Gefällt 3 Personen

    • Nitya schreibt:

      Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger schleppte mich eine Freundin mal auf eine Zist-Fete. Die besondere Atmosphäre war sofort zu bemerken. „Therapeuten“ und „Patienten“ wuselten durcheinander und es wäre mir nicht möglich gewesen, sie von einander zu unterscheiden. Meine Freundin zeigte mir dann, wer hier als Therapeut arbeitete. Die Typen waren noch viel verrückter als die anderen Typen. Was mir aber auffiel, war, dass sie um ihre Verrücktheit zu wissen schienen, sie kein bisschen versteckten und sich darüber einfach nur schlapp lachten. Das hat mir richtig gut gefallen.

      Gefällt 1 Person

  3. Ayni schreibt:

    Nach immanentem & tranzendetem Erleben des „neti~neti“ Lebensgefühls möge mEINer Keiner UnMeinung hinzugefügt sein, daß Menschen das unBEschreibbare Potential des umgekehrten Werdens zum neuen Sein nicht BEsitzen,so doch als Geschenk empfangen dürfen.
    szs. ‚Ja Ja’….ad I…n…Finituum INCLU..in..senSItiVE gesundem Wahrnehmungsfilter.

    SoWohl „Der Mensch kann zwar tun, was er will. Er kann aber nicht wollen, was er will.“,
    als auch
    :http://statusmind.com/images/2014/12/Clever-Quotes-52690-statusmind.com.jpg

    wünsche Wohl+GeWahrSein

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  4. Eno Silla schreibt:

    Dieser Wunsch frei zu sein
    Keiner ist wie dieser
    Gerade jetzt
    Frei von dem einflüsternden Gedanken
    Des Freiseinwollens
    Dankbarkeit
    Die schönste Musik
    Die ich jetzt höre
    Der beste Mp3 Player
    Der beste Kopfhörer
    Der perfekteste Körper
    Den ich je besitzen werde
    Das schönste Licht
    Das Fenster der Küche
    Für diesen Moment
    Immer nur
    Dieses
    Hier
    Immer schwankend
    Taumelnd
    Weiß ich alles
    Bin ich alles
    Und es ist nichts

    Gefällt 2 Personen

  5. Ronny schreibt:

    …bin wieder Daheim, im hessisch Sibirien.

    Ich sach dir, die indische Märchenspiritualität – in dieser Pilgerstadt in der ich 3 Wochen weilte – ging mir mit der Zeit ganz schon auf den Senkel;-) Da bleibt einem nur Gelassenheit.

    Dafür war das Meer dort ein Traum,…

    Heut mal die Urlaubsbilder ein wenig geordnet, an dem Bild stehengeblieben

    Den Ochsen auf dem Marktplatz wollte ich dir senden, is doch einer der favourites

    Klasse Beitrag heute, Danke

    Gefällt 1 Person

    • Alexandra schreibt:

      Sieh an, sieh an, noch einer, der in Hessisch-Sibirien wohnt! Nicht zu fassen! Ist aber nicht zufällig in der Nähe von Bebra, oder, Ronny?

      Gefällt 1 Person

    • Nitya schreibt:

      Wie schön, mein Sohnemann ist wieder daheim!

      Lieber Ronny, ich hoffe, du hast dir keine Amöbenruhr in deiner Pilgerstadt angelacht und bist gesund und munter zurückgekehrt. In der Heimat wartet nämlich eine ziemlich beschissene Grippewelle auf dich. Da musst du richtig stark sein, wenn’s dich erwischen sollte.

      Ja, die Ochsen und Kühe auf den Straßen sind echt beeindruckend. Die atmen irgendwie ein ganz anderes Lebensgefühl. Sie sind wie eine ständige Erinnerung, das eigene Leben zu entschleunigen und die Langsamkeit wieder zu entdecken.

      Dass es dir im heimischen Sibirien jetzt wie im russischen Sibirien vorkommt, braucht einen nach deinen Wochen am Meer nicht zu wundern.

      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

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      • Ronny schreibt:

        Doch sowas in der Art hab ich mir angelacht, somit warś ein „beschissener“ Urlaub, und der Schönste mit dazu,…

        Vom Meer und den Tieren war ich sehr geistert.

        Diese Büffel sind der Hammer, so strong und und langsam wie die sich durch die Strassen bewegen. Überhaupt das da „alles“ frei rumläuft, Hunde, Affen, Kühe, Büffel…

        Gefällt 1 Person

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