Huang-po: Der Geist hat nirgends einen Ort

 

buddhaNiemals hat unsere Ch’an-Lehre, seit sie zuerst übermittelt wurde, gesagt, dass die Menschen nach Gelehrtheit streben oder sich Vorstellungen machen sollten. „Den Weg erforschen“ ist nur eine Redensart. Er ist ein Mittel, um auf frühen Entwicklungsstufen das Interesse der Menschen zu wecken. Tatsächlich ist der Weg nichts, das erlernt werden kann. Lernen führt zum Festhalten an Begriffen, und dies ist ein völliges Missverständnis des Weges. Überdies ist der Weg nicht etwas, das gesonderte Existenz besitzt. Er heißt der Mahāyāna-Geist, der Geist, der nicht im Inneren, im Außen oder in der Mitte zu finden ist. In Wahrheit hat er nirgends einen Ort. Der erste Schritt ist, sich der auf Wissen gegründeten Begriffe zu enthalten. Dies ist nötig, weil du, selbst wenn du dem Weg der empirischen Methode bis zum äußersten Ende folgen würdest, auch dort noch immer nicht imstande wärest, den Geist aufzufinden. Der Weg ist geistige Wahrheit, ursprünglich ohne Namen und Bezeichnung. Nur, weil die Menschen in ihrer Unwissenheit auf empirische Weise nach ihm suchten, erschien Buddha und lehrte sie, diese Methode der Annäherung aufzugeben. In der Befürchtung, dass niemand dies verstehen würde, wurde die Bezeichnung „Weg“ gewählt. Diese darf euch nicht zu der gedanklichen Vorstellung eines Weges führen. So heißt es: „Wenn der Fisch gefangen ist, kümmert uns die Reuse nicht mehr.“ Wenn Körper und Geist Unmittelbarkeit erreicht haben, ist der Weg gefunden und der Geist erfasst. Shramana wird genannt, wer zur ursprünglichen Quelle aller Dinge vorgedrungen ist. Die Frucht der Shramana-Stufe wird erlangt, indem man allen Ängsten ein Ende macht; sie wird nicht durch Bücherwissen erlangt.

aus: Huang-po, „Der Geist des „Ch’an“

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Kürzlich hat Hagen in seinem Blog die Frage gestellt, ob sich Freimaurerei und Gott vertragen. Der erste Beitrag hierzu war von einem ausgewiesenen Atheisten, der gleich in seinem ersten Satz klarstellte, was er davon hielt: „Um es vorweg zu nehmen – nach meiner Meinung, gar nicht.“ Und im Folgenden legte er seine Weltsicht dar, die man so oder ähnlich auch im Forum der Giordano Bruno-Stiftung des Michael Schmidt-Salomon finden könnte. Alles baute auf der Idee der Aufklärung und den hehren Prinzipien reiner Wissenschaftlichkeit auf. Mein Einwand, dass es dasselbe in Grün sei, ob ich an einen Gott im Himmel glaube oder an die Aufklärung, blieb leider ohne Antwort, obwohl er kurz vorher seine Lust an Streitgesprächen betont hatte. Und die von den Freimaurern so hochgelobte Brüderlichkeit ist halt auch nur ein Ideal, ist etwas, an das ich glauben will, als wäre es Realität. Zu guter Letzt bleibt dann eigentlich nur noch das Alleinsein. „Wer zur ursprünglichen Quelle aller Dinge vorgedrungen ist“, ist damit mutterseelenallein.

m„Der Starke ist am mächtigsten allein.“ Marcel Reich-Ranicki kommentierte diesen berühmt-berüchtigten Satz einmal so: „Dies hat Schiller den Tell sagen lassen, vielleicht, um zu zeigen, dass der tüchtige Schütze nicht sehr intelligent ist. Denn der Starke ist am mächtigsten, wenn er sich mit anderen Starken verbündet.“ Mir fallen zu diesem Satz die sieben Schwaben ein.“ Was nützte ihnen ihr geschlossenes Auftreten, wenn sie sich dabei gegenseitig nur in ihren Halluzinationen hochpushten und vor lauter Angst nur so schlotterten? Aber sie waren natürlich allesamt keine Starken. Nicht, dass sich der Starke nicht auch gelegentlich mit anderen verbünden könnte, aber er ist sich dessen bewusst, dass er sich dabei auf andere verlässt, auf die er sich im Ernstfall möglicherweise gar nicht verlassen kann. Also wird er nie die Verantwortung für sich an andere abtreten. Dies gilt ganz besonders für „den Weg“, den Huang-po hier erwähnt. Der sagte u.a.: „Der erste Schritt ist, sich der auf Wissen gegründeten Begriffe zu enthalten.“ Das kann ich nur für mich alleine. Und der von Seng-ts’an angesprochenen Meinungen sowieso. Und Huang-po fügt hinzu: „Shramana wird genannt, wer zur ursprünglichen Quelle aller Dinge vorgedrungen ist.“ Shramana ist jemand, der sich von allem enthält, was ihm den Weg zur Quelle versperrt und auf diese Weise sieht, dass er nie von der Quelle getrennt war.

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3 Antworten zu  Huang-po: Der Geist hat nirgends einen Ort

  1. Georg Alois schreibt:

    Das Spiel ist so angelegt, dass sich Individuen als getrennt lebend empfinden. Eigentlich ist es langweilig, das immer wieder zu wiederholen und in irgendwelche Begriffe zu quetschen.
    Da ist nur EINS!
    Und um Unterhaltung zu haben, hat es ZWEI erfunden. Eine unzählige Vielfalt, die sich in dem EINEN abspielt. Ist das nicht herrlich, diese geniale Erfindung, dieses Spiel mit sich selber…….?

  2. Nitya schreibt:

    Das müsst ihr euch mal angucken zum Thema Assad und Syrien!

    https://www.berlinjournal.biz/pater-daniel-maes-syrien-medienluege/

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