Bankei Eitaku: die juckende Stelle erreichen

 

b

Ich stellte mich einem dieser Meister als Zen-Mönch aus Harima vor und sagte, ich sei von weither gekommen, um seine Unterweisung zu erhalten. Er erläuterte mir die Zen-Lehre. Als er damit fertig war, sagte ich: „Ich bin mir darüber im Klaren, dass es unhöflich ist, überhaupt zu sprechen, doch würde ich gern etwas sagen. Bitte seht mir die Ungezogenheit nach.

Was ich von Euch zu hören bekomme, ist sehr wahr. Es ist nicht so, dass ich damit nicht übereinstimmte. Dennoch ist das Gefühl, welches ich dabei habe, als kratzte man einen juckenden Fuß, ohne den Schuh auszuziehen. Man dringt nicht recht durch zu dem Jucken. Eure Lehren erreichen die Mitte nicht, das Mark.“

Erstaunlicherweise brachten ihn diese Worte nicht aus der Fassung. Er antwortete: „Natürlich. Es ist, wie Ihr sagt. Wir lehren andere auf die Weise, wie wir selbst unterwiesen wurden. Wir folgen einfach den Lehren früherer Meister, wie man sie in den Sūtras und Zen-Schriften findet. Zu unserer Schande muss gesagt werden, dass unsere Unterweisungen nicht auf wirklicher Erleuchtung fußen. Da wir nicht wahrhaft erleuchtet sind, kann es nur so sein, wie Ihr sagt: Unsere Belehrungen können die juckende Stelle nicht erreichen. Ihr wart imstande, dies zu durchschauen und mich als das zu erkennen, was ich bin. Ihr seid fürwahr kein Jedermann.“

aus: Bankei Eitaku, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“
kAch ja, solche Lehrer hätte ich mir mal gewünscht! Ich hätte mir damals in einer vergleichbaren Situation sicher schon wieder einen Verweis wegen Unterrichtssabotage eingehandelt. Nichts dergleichen berichtet der unvergleichliche „Meister des Ungeborenen“ Bankei Eitaku. Es juckt ihn am Fuß. Das ist großartig. Wen juckt denn heute überhaupt noch was? „Das juckt mich doch nicht“, war früher einer dieser coolen Lieblingssprüche geworden. Immer schöön cool, bloß keine Gefühlsduselei. Na ja, die Gefühlsdusler juckt eigentlich nur ihre eigene Befindlichkeit.

Aber davon ist Bankei Millionen Lichtjahre entfernt! Es juckt ihn am Fuß. Es hat ihn schon sein ganzes Leben am Fuß gejuckt. Und alle Kratzhilfen der Bescheidwisser konnten sein Jucken nur verstärken. So rannte er immer in der Gegend rum in der Hoffnung da draußen immer noch die ultimative Juckstillung zu erfahren. Aber dann, oh Wunder, fiel bei ihm der Groschen: „Da ist niemand, der mir geben kann, was mir wichtiger ist als mein Leben!“ Und es kostete ihn beinahe sein Leben. Kurz bevor er völlig abkratzte, passierte es: Er kapierte, dass seine ganze Schinderei, all die Übungen, dieser ganze Quälkram und all die klugen Texte also so was von idiotisch waren, dass man es gar nicht ausdrücken kann. Was war er doch für ein blinder Esel! Es war schon immer da, was er so verzweifelt gesucht hatte. Direkt „vor seinen Augen“! Und er konnte es nicht sehen, weil ihm seine Suche gnadenlos den Blick versperrt hatte. Das Ungeborene wird weder geboren noch kann es sterben. Es ist allgegenwärtig. Wenn es nicht da entdeckt werden kann, wo du in diesem Augenblick bist, kann es an keinem anderen Ort entdeckt werden.

l

„Sieh den, der sieht!“ Sieh, und wenn du gerade auf dem Klo sitzt oder als IS-Kämpfer dabei bist, einem Ungläubigen den Kopf abzusäbeln. Sieh einfach, und du wirst aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Bankei Eitaku: die juckende Stelle erreichen

  1. Alexandra schreibt:

    Das hört sich ja so an, als könnte ich mit meiner Suche das finden verhindern. Aber kann ich es nicht weder selbst herbeirufen noch verhindern? Was soll ich machen , wenn suche da ist? Ist es überhaupt suchen? Es ist anders als früher. Ich vergleiche es mal mit einem Hund, der eine Fährte aufnimmt. Erst ist das schnuppern in der Luft, das herumlaufen nach dem Motto „irgendwas muss da sein“, Fährte aufnehmen, Irrtümer bemerken. Dann sitzt der Hund vorm kaninchenloch und weiß, da isses drin. Und nun kann er warten, bis es rauskommt, Buddeln oder sonstwas.
    Ich fühle mich wie der Hund vorm kaninchenloch. Obwohl es immer wieder kurze Momente gibt, da WEISS ich es. Ohne verstand. Aber das sind Ultrakurze Momente.

    Gefällt mir

    • fredoo schreibt:

      Diese „kurzen Momente“ kennen wir alle … Sie konfigurieren sogar unser „normales (Er)Leben“ … sie sind nix besonderes , sondern sogar das normalste vom Normalen …
      dieser immer wieder auftauchende Moment , wo das MOMENT hinter dem Moment erscheint …
      Das Problem damit ist jedoch , dass dieser MOMENT absolut (im wahrsten Sinne des Wortes) leer ist , die weiße Leinwand hinter der Filmprojektion , also völlig ohne jegliches Atttribut …
      „Wissen“ können wir jedoch nur über Erinnerung.
      Jedoch ist die Erinnerung abhängig von Attributen … Nur Formen (=Attribut) , aneinandergereit zur Geschichte , macht Erinnerung möglich …
      Doch dieser immer wieder auftauchende MOMENT hinter den Momenten taugt nicht zur Erinnerung , da , wie gesagt , völlig attributlos .
      Daher wird er üblicherweise schlicht übersehen , nur als kurzes „Stolpern“ , „Tagträumen“ , „Absens“ , DejaVu“ oder „Verwirrung“ eingeordnet … Wobei damit eigentlich eher eine Art „Hilfsverbuchung“ einer plötzlich aufgetauchten unwörterbaren Leere stattfindet .
      Betont werden sollte noch dieses „Auftauchen“ … Es ist kein Auftauchen , wo etwas neues plötzlich herbeikommt , sondern ein „Auftauchen“ das induirekt geschieht , in dem das chronisch verdeckende kurz verschwindet . DA ist der MOMENT immer , war es immer , wird es immer sein …
      Was geschieht nun in diesem ominösen „Erwachen“ , das der Spirizirkus wie eine Art Monstranz feiert ?
      Letztlich überhaupt nix neues . Lediglich wird jetzt plötzlich das „Stolpern“ , die „Lücke“ , die „Leere“ bemerkt …. ( „bemerkt“ hier als halbwegs passende Vokabel , denn eine „richtige“ Vokabel gibt es nicht ) …
      Wahrscheinlich ist dieser Moment des MOMENTES einfach plötzlich einmal so lang , dass die „Hilfskonstruktion Stolpern“ nicht mehr glaubhaft ist … Aus dem mehr oder weniger gewohnten Ignorieren wird diesmal ein Bemerken …
      Wobei … dies „Bemerken“ bedarf einer Erleuterung …
      Denn das Attributlose dieses MOMENTES verhindert ja ein konkretes Etwas-Bemerken .
      Was wird da also bemerkt und statt des „eigentlichen“ erinnert ?
      Das ist nun tatsächlich etwas einzigartiges .
      Denn dieser erstmals „bemerkte“ MOMENT hinter den Momenten ist fürderhin unvergessbar und noch erstaunlicher unbezweifelbar !!!
      Ich habe lange gebraucht um dafür sowas wie einer verständliche Erklärung zu finden .
      Denn wie kann in einer bisdahin vollständig wandelbaren Welt plötzlich etwas unbezweifelbar sein ? … Diese Unbezweifelbarkeit ( man beachte die zwei =dual in der Vokabel ) ist das eigentliche Phänomen des „Erwachens“ , letztlich ist Erwachen = Unbezweifelbarkeit des einzig Vorhandenseins von Leere .
      Diese Unbezweifelbarkeit ( manche sagen auch Klarheit dazu ) lässt eine klare Hierarchie der „Wirklichkeit“ entstehen . DA ( und damit wirklich = wirkend ) ist (nur) dieses (leere) DA . Das „verdeckende“ ist Erscheinung , vergänglich wie Nebelschwaden . Ich nannte es damals ( und heute noch gerne ) das Gewusel … Teil dieses Gewusels ist auch fredoo , genau so empfunden … Er ist … auch … da , jedoch nur erscheinend , letztlich bedeutungslos … Dies ist die gravierende Verschiebung der inneren Bewertung , die dieser seltsame auftauchende MOMENT hinter allen Momenten auslöst … Vorher gab es nur die „Wirklichkeit“ des fredoo , der die „Wirklichkeit“ der Welt erfährt (+erinnert) … jetzt wurde unbezweifelbar DA ist dieses DA , und (zusätzlich) der Herr fredoo , der im Gewusel der Erscheinungen rumwuselt …
      Übrigens ( ich hab dazu dutzende von ebenfalls „Betroffenen“ befragt ) ist diese Verschiebung unisono … Mag dann als Dekoration zusätzlich noch die ein oder andere Bewertungsvariante dazu kommen … Dies ist jedoch immer aus dem individuellen kommendes Resumieren (!) und kein echter Hinweis auf diese aufgetauchte LEERE … letztlich kann niemand „etwas“ sagen über dieses mit „MOMENT hinter den Momenten“ nur hilfweise ausgedrückte „Nicht-Etwas“ … das der Mensch nur „bemerken“ kann , in dem da „etwas-Nicht-Etwas“ plötzlich unbeweifelbar wurde …

      ne menge Worte … wieder mal … über etwas was nur dem Staunen zugänglich ist …

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s