Liä Dsi: Sorge und Kummer verändern nichts


gDen weißen Prinzen hatten seine Gedanken an Aufruhr überwältigt. Er kam von Hofe zurück und stand da, auf seinen umgekehrten Stab gestützt. Die Zwinge drang in sein Kinn ein, so dass das Blut zur Erde floss, und er merkte nichts davon.

Die Leute von Dscheng hörten es und sprachen: „Wer sein eigenes Kinn vergisst, was wird der nicht vergessen?“

Wenn die Gedanken hingenommen sind, so zeigt es sich am Benehmen. Der Fuß stolpert über Stümpfe und Löcher, und der Kopf rennt gegen Bäume, und man merkt es selber nicht.

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom quellenden Urgrund“

Dein Los ist gefallen, verfolge die Weise.
Der Weg ist begonnen, vollende die Reise,
Denn Sorge und Kummer verändern es nicht.
Sie schleudern dich ewig aus gleichem Gewicht.

Vorspruch zu Liä Dsi, Buch VIII

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Dieses Thema reklamieren Coachs, Psychotherapeuten, Pfarrer, spirituelle Lehrer usw. in gleicher Weise für sich. Sorge und Kummer scheinen den Menschen so zu begleiten wie ihn sein Schatten im Sonnenschein. Der zitierte Vorspruch könnte mit einem Schlag die beratenden und unterstützenden Berufe arbeitslos machen, weist er doch darauf hin, dass Sorge und Kummer nicht das Geringste an deinen Schwierigkeiten verändern können: „Dein Los ist gefallen, verfolge die Weise, der Weg ist begonnen, vollende die Reise.“ Wer also gehofft hat, seine Probleme durch professionelle Hilfe loszuwerden, wird sehr bald enttäuscht werden. Seine Probleme wird er also wahrscheinlich so nicht loswerden, aber vielleicht seine Sorgen wegen seiner Problem? Ihr kennt alle den Spruch: „Anstatt über die Dunkelheit zu jammern, zünde ein Licht an!“ Im sog. demokratischen Amerika ist es gerade total in, über die Dunkelheit zu jammern, während das sog. republikanische Amerika über das geile Licht jubelt, das ihnen da wider Erwarten geschenkt wurde. Trump zerstört unser humanistisches Wertesystem und führt uns in den Untergang, Trump ist unser aller Retter. Trump, Trump, Trump –  anstatt ein Licht anzuzünden. Sorge und Hoffnung sind die gleiche Selbsttäuschung.

Wir können von Sorge und Hoffnung so hypnotisiert werden, dass wir nicht mehr wahrnehmen können, was jenseits von Sorge und Hoffnung einfach ist: „Den weißen Prinzen hatten seine Gedanken an Aufruhr überwältigt. Er kam von Hofe zurück und stand da, auf seinen umgekehrten Stab gestützt. Die Zwinge drang in sein Kinn ein, so dass das Blut zur Erde floss, und er merkte nichts davon.“ … und er merkte nichts davon.
m„Du sollst nicht merken“ ist ein Buchtitel der verstorbenen Psychoanalytikerin Alice Miller. Dass sie selbst in bemerkenswerter Weise oft nicht merkte, was um sie herum vorging, sollte uns alle bescheiden machen in der Beurteilung anderer. Wer merkt schon, was er nicht merkt? Der weiße Prinz in Liä Dsis Geschichte war so in seine Sorgen und Ängsten involviert, dass er nicht einmal merkte, dass er in seiner Unachtsamkeit gerade dabei war, sich mit der Zwinge seines Stabes den Hals zu durchbohren. Das ist ein ziemlich drastisches Beispiel, das Lis Dsi da gewählt hat, wenn wir uns aber den Zustand der Welt betrachten, eigentlich genügt ja schon in den meisten Fällen der eigene Zustand, dann müssten wir eigentlich unschwer erkennen können, dass Liä Dsis Beispiel gar nicht so drastisch ist.

„Den weißen Prinzen hatten seine Gedanken an Aufruhr überwältigt.“ Existenzängste, Eifersucht, Einsamkeitsgefühle, Gier, Hass, Neid, … all dies beruht auf Gedanken, denen total geglaubt wurde und die dadurch zur einzigen Realität geworden zu sein scheinen.

tWer nicht merkt, wie sein Kinn durchbohrt wird, ob der wohl noch irgendwas merkt, wenn ihn so’n Typ fragt: „Spüren Sie’s?“

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