Jean Klein: Von nun an ist es eine Erweiterung

 

kIn uns ist ein tief verwurzeltes Glaubenssystem, das auf der Einbildung basiert, dass alle Objekte und unsere Umgebung getrennt von uns sind, außerhalb. Trotzdem identifizieren wir uns mit dem Körper, den Sinnen und dem Verstand und erschaffen so eine getrennte Welt von ich und du. Anfänglich ist es sehr hilfreich, unsere Überzeugung voll auszureizen und unsere Gefühle, den Körper, die Gedanken und so weiter genauso für Objekte zu halten wie einen Baum, ein Pferd, einen Vogel. Das verschafft ein bisschen Raum in der irrationalen, engen Beziehung, die wir zum Körper-Verstand haben. Wir erkennen dadurch, dass unsere Gedanken, das Gedanken-Ich, Gefühle, Vorlieben und Abneigungen ebenso wahrnehmbare Objekte sind. Dieser Standpunkt führt uns von selbst dazu, zu erkennen, dass wir der Wissende sind, und die Vorstellung, eine Person zu sein, verliert an Bedeutung.

Die Vorstellung, dass unsere Umgebung aus einer Ansammlung von Objekten besteht, wird sich verwandeln. Das Objekt ist, wahrhaftig gesprochen, nicht länger ein Objekt; von nun an ist es eine Erweiterung,  ein Ausdruck des Wissenden, Bewusstsein. Dies ist das Ergebnis vollkommenen Verstehens, erfasst in einem Augenblick. Diese Erfahrung ist von einer völlig anderen Art als der analytische Prozess, der Schritt für Schritt vor sich geht.

aus: Jean Klein, „Nichts als Gegenwart“
rManchmal hab ich grad nix auf dem Zettel, greif mir das nächstbeste Buch, schlag es irgendwo auf und schreib ab, was der Zu-Fall mir da zugespielt hat, ohne irgendeine Ahnung davon zu haben, was mir dazu einfallen wird. Ich such ein Bild raus von Jean Klein, denke, der sieht aus, als ob er es geschafft hätte, lese nochmal, was ich abgeschrieben habe und denke, ja, das passt zu dem Gesicht. Ein erfolgreicher Coach, der seinen Schülern sagen kann, wie sie schaffen können, was er auch geschafft hat. Wir schaffen das, klar. Ich spüre in mir ein leise ungemütliches Gefühl, muss an Schule denken und an die Erfolgsversprechen der Politiker und der Werbefuzzis. Vielleicht bin ich gerade bloß mies drauf, geht mir durch den Kopf, und ich versuche, diesem bekannten Advaitalehrer, weiß der Geier warum, am Zeug zu flicken. Aber was soll ich machen, es ist einfach nicht ‚meins‘.

Jean Klein spricht dauernd von einem ‚Wir‘, was ich als unangenehmen Vereinnahmungversuch erlebe. „Wir wollen beten …“ – „Deutschland trauert um …“ – „Heute ist Wahlsonntag …“ und natürlich wollen wir alle wählen und zwar die einzig richtige Partei. Und irgendwann sitzen wir vielleicht im Altersheim und wollen brav unser Süppchen auslöffeln und anständig sterben. Wie man unschwer sehen kann, wurde ich durch dieses ‚Wir‘ schwer traumatisiert. Also, ich geh mal zugunsten des Herrn Klein davon aus, dass er von seinen eigenen Erfahrungen erzählt, wenn er schreibt: „Das Objekt ist, wahrhaftig gesprochen, nicht länger ein Objekt; von nun an ist es eine Erweiterung,  ein Ausdruck des Wissenden, Bewusstsein. Dies ist das Ergebnis vollkommenen Verstehens, erfasst in einem Augenblick.“

Na, dann steht ja der Aushändigung des Reifezeugnisses nichts mehr im Wege, verbunden mit der Erteilung der Lehrerlaubnis. Ich glaub, ich bin heut wirklich mies drauf. Also nehmt mein Geschreibsel um Gottes willen nicht ernst! Aber vielleicht komm ich ja auch noch drauf, was mich an dem Kerl heute stört. Es hat alles so was beamtenhaft Geregeltes an sich. Gleich kommt der Kultusminister und schüttelt dem Jean Klein die Hand und beide lächeln verständnisinnig. Poonja von gestern fällt mir ein: „Was immer wir sehen, was immer wir verstehen – es ist nichts als Unkenntnis.“ Der Kultusminister würde bei diesem Satz nicht mehr lächeln. Und Jean Klein?

fDer Herr Fredoo schrieb vorgestern:Nun ja … wenn es denn eine Antwort gäbe, die diese Frage [Wer ist da todtraurig?] beantworten könnte … der Herr „Jemand“ ist ja weiterhin auch als Herr Fredoo aktiv … das Dumme nur ist, dass ihm die Ausschließlichkeit und Wahrhaftigkeit seiner selbst abhandengekommen ist … es ist also sein Schicksal weiterhin in einer Art ‚Als Ob’zu leben … und in diesem ‚Als Ob‘ wird es ordentlich traurig für ihn, denn es fehlt ihm fürderhin der Trost der Illusion …“ Merkt ihr? In den Zeilen ist kein ‚Wir‘ zu finden. Da spricht jemand einfach von sich aus seiner Alleinheit heraus. Fühlt sich für mich sehr authentisch an. Keine Belehrung. Wie angenehm. So, nach diesen Fredoo-Zeilen mag ich nicht mehr zum Jean Klein zurückkehren, sonst fang ich bloß wieder an, weiter an ihm rumzumäkeln.

„Das Objekt ist, wahrhaftig gesprochen, nicht länger ein Objekt; von nun an ist es eine Erweiterung,  ein Ausdruck des Wissenden, Bewusstsein.“ – Jetzt bin ich doch nochmal zurückgegangen. Wer um Gottes willen ist der Wissende und was zum Teufel ließe sich da wohl erweitern? – So, aber jetzt, Schluss. Punkt.

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7 Antworten zu Jean Klein: Von nun an ist es eine Erweiterung

  1. Alexandra schreibt:

    Lieber Nitya, gestern Abend ging es mir wie dir. Mies drauf. Dann ist irgendwie alles sch…
    Neuer Tag, neues Glück. Mal sehn, was heut so kommt, oder?
    „Jean Klein spricht dauernd von einem ‚Wir‘, was ich als unangenehmen Vereinnahmungversuch erlebe.“ Naja, das tut der Steven Harrison auch ständig. Fühle mich dadurch oft bestätigt. Aber man taucht ein in oder unter in der Masse. Versuche gerade meine Masken zu sortieren. Puh, sind das viele! Und jede nimmt sich wichtiger als die andere. So ein Theater im Kopf!
    Wünsche dir einen angenehmen Tag heute! Liebe Grüße
    Alexandra

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  2. Michael schreibt:

    ich hoffe, „ein kleiner Stimmungsaufheller“ bei dem Schmuddelwetter:

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