Eugen Roth: Schütteln

 

eugen-roth

Auf Flaschen steht bei flüssigen Mitteln,
Man müsse vor Gebrauch sie schütteln.
Und dies begreifen wir denn auch –
Denn zwecklos ist es nach Gebrauch.
Auch Menschen gibt es, ganz verstockte,
Wo es uns immer wieder lockte,
Sie herzhaft hin- und herzuschwenken,
In Fluß zu bringen so ihr Denken,
Ja, sie zu schütteln voller Wut –
Doch lohnt sich nicht, daß man das tut.
Man laß sie stehn an ihrem Platz
Samt ihrem trüben Bodensatz.

Eugen Roth, Gedichte

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Aus lauter Freude, dass mir gestern mal wieder der Eugen Roth über den Weg gelaufen ist, gibt’s ihn heute noch einmal, diesmal sogar mit einem nicht  verstümmelten Vers. „Auch Menschen gibt es, ganz verstockte …“ Wer kennt das nicht! Also ich kenne das von klein auf, und sagt bloß nicht, dass ihr das nicht kennt! Mein Vater war verstockt, meine Mutter war verstockt, meine Brüder und Schwestern waren verstockt, die Lehrer in der Schule natürlich und die Präfekten im Internat, später dann die Mädchen und Frauen, ach ja, die Frauen, ich lass mal ganze Heerscharen aus, unsere Politiker, also im Grunde fast jeder andere. Und ja, man sollte sie alle vor Gebrauch so gründlich durchschütteln können, dass sie alle so werden, wie sie sein sollten. Also meiner unbedingt maßgeblichen Meinung nach.

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Eugen Roth sah das in seiner unendlichen Weisheit anders. Er sagt:

Man laß sie stehn an ihrem Platz
Samt ihrem trüben Bodensatz.

Immerhin tröstlich, dass Eugen Roth mir den trüben Bodensatz bestätigt. Aber offensichtlich zweifelt er am Erfolg aller Schüttelbemühungen. Und wenn ich mal ausnahmsweise ganz ehrlich bin, muss ich ja zugeben, dass all meine Schütteleien nicht wirklich irgendetwas bewirkt haben. In der Volksschule haben wir öfters zu solchen hoffnungslosen Kandidaten gesagt: „Dumm geboren und nix dazu gelernt.“ So konnten wir wenigstens unsere eigene Position retten.

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Da oben sind drei absolute Egoisten abgebildet. Eric Frank Russell mit seinem Spruch: „Kümmere dich um deinen eigenen Scheiß!“ (MYOB), Byron Katie mit ihrer Frage: „Um wessen Angelegenheiten kümmerst du dich schon wieder?“ und Max Stirner mit seinem Aufschrei: „Was soll nicht alles meine Sache sein!“ Wem die drei zu obskur sind, kann sich gern bei Buddha, Jesus und ich weiß nicht wem bedienen. „Liebe dich selbst!“

Ich weiß gar nicht, warum sich die Leute so aufregen über Trumps „America first!“? Das ist auch nichts anderes als der dezente Hinweis darauf, dass jeder, verdammt noch mal, erst mal seine eigenen Angelegenheiten in Ordnung bringen soll, bevor er sich um die Angelegenheiten auch der anderen kümmern kann. Wer diese Abfolge umzudrehen versucht, tut weder sich noch den anderen einen Gefallen. Hilfreich kann nur sein, wer dazu in der Lage ist. Fromme Sprüche kann jeder absondern und sich dann für seine angebliche Menschenfreundlichkeit auf die Schulter klopfen. Die anderen, die nicht dieselben frommen Sprüche klopfen, werden dann tüchtig geschüttelt, falls sie nicht, wie einige besonders edle Menschen bereits sinnieren, ermordet werden. Eine Bombe im Weißen Haus könnte da ein gottwohlgefälliges Zeichen setzen. Nein, die besonders edlen Menschen – wie der so gebildete ZEIT-Herausgeber Josef Joffe etwa – würden sich dabei natürlich nie die Hände schmutzig machen. Aber man wird ja wohl noch darüber sinnieren dürfen, was alles so passieren kann und was es doch für feine Möglichkeiten gibt, gegen diesen Mordbuben Trump vorzugehen.

 

Man laß sie stehn an ihrem Platz
Samt ihrem trüben Bodensatz.

Sagt er so, der Eugen Roth. Und ich füge hinzu: Vielleicht ist der Bodensatz bei den anderen Flaschen ja gar nicht so trübe. Vielleicht bin ich ja die Flasche mit einem besonders trüben Bodensatz?

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14 Antworten zu Eugen Roth: Schütteln

  1. Georg Alois schreibt:

    Wunderbar, lieber Nitya!
    Muss mich leider ein paar Tage in Deutschelande aufhalten….., aber mit diesen Worten im Sinn, überstehe ich das auch noch.
    Einen schönen Tag wünsche ich Dir!

    Gefällt 1 Person

  2. fredoo schreibt:

    der mensch dünkt sich , er wär allein ,
    dass er im universum schwebt .
    spürt zwar , das kann wohl doch nicht sein .
    fest im kokon der traum ihn webt ,
    doch möcht er gerne sicher sein .
    weil er dazu nach höh`rem strebt ,
    fällt er erneut , noch tiefer , rein …

    (ein fredoo-pöhm , gerade eben 😀 )

    Gefällt 3 Personen

  3. punitozen schreibt:

    ….Ich weiß gar nicht, warum sich die Leute so aufregen über Trumps „America first!“?…
    Wäre Deutschland , Deutschland über Alles für die Leut `
    anregender ? 🙂

    „Der Faschismus wird auch heute noch, infolge des politischen Fehldenkens, als eine spezifische Nationaleigenschaft der Deutschen oder der Japaner aufgefaßt. Der Faschismus ist eine internationale Erscheinung, die sämtliche Körperschaften der menschlichen Gesellschaft aller Nationen durchsetzt. —
    ( Wilhelm Reich )

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      my home is my castle. „My home über alles.“ Ich weiß, wo der Kühlschrank steht und was ich machen muss, um meine 25°C zu haben, ich hab mir alles so eingerichtet, dass es meinen Bedürfnissen entspricht. Ist daran irgendetwas faschistisch? Wenn die Hillary etwa Libyen von Gaddafi „befreien“ lässt, ist das Faschismus und nicht „America first“ im Sinne von Trump. Oder hab ich da irgenwas falsch verstanden?

      Gefällt mir

  4. Michael schreibt:

    In Holland sieht man es nicht ganz so verbissen mit Trump, eher mit Humor.

    Ansonsten wird zu prüfen sein, ob sich die Vorurteile gegenüber dem Guten wirklich bestätigen. Aber zu diesen Vorurteilen hat er ordentlich beigetragen. Selten jemanden erlebt, der so bösartig über Andere herziehen kann ( vielleicht mich ausgenommen ). Ansonsten ist bisher ja noch nicht so viel passiert. Die Auslieferung des mexikanischen Drogenbosses an die USA direkt zum Amtsantritt lässt vermuten, dass hinter den Kulissen ein Deal zwischen den USA und Mexiko läuft. Ich lasse mich überraschen

    Der Würfel

    Ein Würfel sprach zu sich: „Ich bin
    mir selbst nicht völlig zum Gewinn!

    Denn meines Wesens sechste Seite,
    und sei es auch Ein Auge bloß
    sieht immerdar statt in die Weite,
    der Erde ewig dunklen Schoß.“

    Als dies die Erde, drauf er ruhte,
    vernommen, ward ihr schlimm zumute.

    „Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel,
    weil dein Gesäß mich just bedeckt!
    Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
    sobald du dich hinweggefleckt.“

    Der Würfel, innerlichst beleidigt,
    hat sich nicht weiter drauf verteidigt. 🙂

    http://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/%e2%80%9eits-gonna-be-great%e2%80%9c-niederlande-pr%c3%a4sentiert-sich-trump-mit-genialem-satirevideo/ar-AAma4hb?li=BBqg6Q9&ocid=mailsignout

    Gefällt 1 Person

  5. Baboji schreibt:

    Max Stirner ist doch nicht obskur 😉

    Gefällt 1 Person

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