Karl Renz: Das Selbst ist reines Selbst

 

karl-renzDas Selbst genießt sich ununterbrochen, indem es das Selbst ist. Damit genießt das, was das Selbst ist, auch die Ungenießbarkeit dessen, was nicht das Selbst ist. Ja wirklich, du kannst die vollkommene Harmonie niemals stören. Sie kann durch nichts gestört werden. Und das, was gestört werden kann, ist nicht das Selbst. Das, was (das) Selbst ist, kümmert sich zu keiner Zeit um das, was nicht (das) Selbst ist. Das Selbst passt nicht auf, was sich als Selbst entfaltet. Das Selbst ist reines Selbst – und es ist selbst absolute und vollkommene Glückseligkeit und damit die Abwesenheit jeder Idee davon, was das Selbst ist oder nicht ist. Das ist das vollkommene Glück, und darin besteht die Perfektion des Selbst, dem nichts angetan werden kann. Es kann nicht vernichtet werden, und mit ihm kann nichts angestellt werden, weil es sich dabei nicht um ein Objekt in der Zeit handelt, das du bewegen oder nicht bewegen kannst. Damit läuft es immer wieder auf den Punkt hinaus: Sei vor dem, was Raum und Zeit sind. Erkenne oder erfahre einfach, dass das, was du bist, von dem nicht berührt oder verändert wurde oder werden kann, was wahrnehmbare, phänomenale Schatten sind.

aus einem Interview mit Karl Renz

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Mir kam der Text schon kürzlich in die Quere, aber ich habe mich gedrückt, irgendwas dazu zu schreiben. Mir fiel einfach nichts dazu ein. Ich kann ja nicht ständig den Shankara-Spruch zitieren. Okay, das Selbst ist einfach das Selbst. Und ob das Selbst sich nun ununterbrochen genießt, indem es das Selbst ist, ist eine kühne Behauptung, die nur das Selbst bestätigen könnte.

„Damit genießt das, was das Selbst ist, auch die Ungenießbarkeit dessen, was nicht das Selbst ist.“ Aha, es gibt also auch etwas, was nicht das Selbst ist. Sagt jedenfalls der Karl. Wie er sich aus dieser Behauptung  wohl wieder rauskriegt? „Das, was gestört werden kann, ist nicht das Selbst.“ Ich hab neuerdings schon wieder Wasser in den Beinen, sodass ich kaum noch in einen Schuh reinkomme. Das stört mich ganz gewaltig. Also mein Doc verschrieb mir ein Diuretikum, das ich gegen meine Herzschwäche vorübergehend nehmen solle, um meinem Herzen die Arbeit zu erleichtern. Weil mich das wirklich nervt, in keinen Schuh mehr vernünftig reinzukommen, hör ich auf meinen Doc. Aber bevor ich jetzt allzu sehr abschweife und hier meine Alterswehwehchen ausbreite, zurück zur Sache: Das Wasser in den Beinen ist nicht das Selbst, weil es mich stört. Alles klar? Oder doch nicht? Vielleicht stimmt das ja gar nicht, was der Karl da von sich gibt?

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Von sich geben tut der Kerl auch dies: „Das, was Selbst ist, kümmert sich zu keiner Zeit um das, was nicht Selbst ist.“ ‚Selbst first‘ oder wie? Hat’s wohl nicht nötig, sich darum zu kümmern, wie ich in meine Schuhe reinkomme, der feine Pinkel? „Es [das Selbst] kann nicht vernichtet werden, und mit ihm kann nichts angestellt werden, weil es sich dabei nicht um ein Objekt in der Zeit handelt, das du bewegen oder nicht bewegen kannst.“ Sag ich ja, feiner Pinkel, und ich kann sehen, wo ich mit meinen Objekten, äähhh Füßen, bleibe. Und jetzt kommt’s: „Damit läuft es immer wieder auf den Punkt hinaus: Sei vor dem, was Raum und Zeit sind. Erkenne oder erfahre einfach, dass das, was du bist, von dem nicht berührt oder verändert wurde oder werden kann, was wahrnehmbare, phänomenale Schatten sind.“ Also mit dem „vor dem“ steh ich ja auf dem Kriegsfuß. Da gefällt mir Tilopa besser, wenn er sagt: Mahamudra liegt jenseits von Hingabe und Weigerung. Meine Füße als „wahrnehmbare, phänomenale Schatten“ finde ich meinen Füßen gegenüber, die mich mein ganzes Leben getreulich getragen haben, ziemlich despektierlich, aber sei’s drum … ooch Mööönsch, ist doch sowieso klar wie Kloßbrühe, aber irgendwas in mir scheint sich zunehmend zu weigern, noch irgendwas Gewichtiges von mir zu geben. Langsam kann ich nur noch rumalbern.

bAlso wenn ich mir so’n Fuß von Buddha anguck, hätte sich sein Selbst vielleicht doch ein bisschen um diesen phänomenalen Schatten kümmern sollen. Ganz so dick sind meine Treter nämlich noch lange nicht. „Damit genießt das, was das Selbst ist, auch die Ungenießbarkeit dessen, was nicht das Selbst ist.“ Na, dieses Selbst soll mir mal im Dunkeln begegnen! Meine süßen Füßchen sind nicht ungenießbar. Gut zubereitet mit Pfeffer, Salz, Paprika und Knoblauch schmecken sie bestimmt ganz köstlich!

(Was es nun wirklich mit den wahrnehmbaren, phänomenalen Schatten auf sich hat, wird erst morgen der staunenden Öffentlichkeit preisgegeben.)

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7 Antworten zu Karl Renz: Das Selbst ist reines Selbst

  1. Michael schreibt:

    Guten Morgen Nitya,

    ist ja alles auch eine Geschmackssache. Ich kann mit dem Karl wenig anfangen. Der kommt mir immer so wie ein Dampfplauderer vor – redet die Leute richtig schwindelig. Ein wirkliches Gespräch kommt da m.E. nicht zustande. Er ist der Vortragende und Wissende. Da stehe ich nicht so drauf. Ich brauche da einfach mehr Zeit, nachzudenken. Wie hat es mal ein österr.Philosoph schön ausgedrückt: „Du muss dich der Idee e r l e b e n d gegenüberstellen können, sonst gelangst du unter ihre Knechtschaft.“

    Was soll das denn genau sein, das Nicht-Selbst. Und dann: reines Selbst und absolute Glückseligkeit… was sind das für Versprechungen?
    Triffst du den Karl unterwegs, töte Ihn. 😉

    Ich würde auch nicht von der Wahrheit v o r oder j e n s e i t s von irgend etwas sprechen wollen.
    Ich glaube, sie ist auch i n n e r h a l b der Welt oder öder phänomenalen Schatten, so wie Tropfen und Meer oder Punkt und Kreis oder Individualität und Gattung sich immer wieder umstülpen – aber das ist nur meine Vorstellung und mein Glaube.

    Grüße an die Füße und gute Besserung! 🙂

    Einen lieben Gruß
    sendet
    Michael

    • Nitya schreibt:

      Lieber Michael,

      die Füße grüßen ergebenst zurück. Was den Karl betrifft, der hat ja des Öfteren gesagt, dass sowieso jedes Wort eine Lüge ist, und sich damit bereits selbst getötet. Du darfst das alles nicht so ernst nehmen. Das, worum es geht, kannste eh nicht in Worte packen. Was die Glückeligkeit betrifft, kannste die als Versprechen sehen und dich ärgern oder als Karls Wahrheit, die nur für ihn gilt, oder dich selbst fragen: „Michael, wie geht es eigentlich dir mit der Glückseligkeit? Biste eigentlich glückselig oder nicht?“ Du kannst natürlich auch sagen: „Scheiß auf die Glückseligkeit! Ist ja alles nur Blabla!“

      Was das Selbst und das Nicht-Selbst betrifft, haste natürlich recht: Alles Blabla. Worte halt. Und das Wort ist nicht das Ding, für das es steht.

      Liebe Grüße
      Nitya

  2. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Also wirklich , “ DASH wäscht so weiß – weißer geht`s nicht ! “ plärrte es in meiner Kindheit aus dem “ Volksempfänger “ in Uromas Küche . Damals habe ich es nachgeplappert . Ob es stimmt ?
    Ich weiß es HEUTE auch nicht . So geht`s mir mit der Selbstdefinition von Renzens Karl .
    Es sei denn – er redet “ kantisch “ beeinflußt , vom ewigen metaphysischen Selbst .

    So`n oller NItya , nicht nur dickköpfig eigenwillig , auch noch dickfüßig ?
    Gegen ersteres kannste nischt machen , aba bei zweetens : “ Der Kardiologe lässt herzlichst grüßen . Im Zustand derLauerstellung , wartet der gute Mann darauf , das das durch nicht ungetrübte Selbst des Nitya in seiner Praxis vorstellig wird . Kann er warten – oder kann er warten ?
    Einen schönen Sonntag Dir
    Punito

    • Nitya schreibt:

      Mich hat mal ein Kardiologe gefragt, ob ich Ärzte nicht mag. Ich sagte: „Ja, mag ich nicht.“ Daraufhin grinste er und sagte: „Ich auch nicht.“

      Lieber Punito, als alter Sesselfurzer hasse ich Sport und erst recht den Sport beim Kardiologen, der einen auf seinem Fahrrad zu Höstleistungen anspornt, schlimmer als früher die Sportlehrer. Heute habe ich meine dritte HCT gesxchluckt und hab wie Beine wie ne Primaballerina. Ein Kardiologe hätte mir nach dem ganzen Quälkram auch nix anderes verschrieben. Also derKardiologe kann im Zustand der Lauerstellung ruhig noch ne Weile warten.

      Hab auch du einen feinen Sonntag auf deinen hoffentlich feinen Beinen!
      Nitya

      • punitozen schreibt:

        Lieber Nitya ,
        Ich werde Morgen eineVerabredung beim Kardiologen wahrnehmen . Der gute Mann hat mir letzten Jahres sehr geholfen . Nach der Bypass-O.P. war es vorbei mit dem ganzen
        Medikamentenkram , der mir vorherzur Stabilisisierung des Herz und Kreislaufsystem . verschrieben wurde Nun brauche ich am Mittag nur noch eine Prise ASS 100 in Tablettenform einnehmen und eine Tabl. zur Reduzierung der Blutfettwerte .
        Ansonsten gehe ich einmal in der Woche in die „Herzsportgruppe für 90 Minuten –
        was mir auch nicht gerade Jubelschreie ausstoßen lässt .
        Einsicht hat mich dahingeführt , den Arsch hochzukriegen 🙂 . Jetzt kann ich wieder ungehindert frei durchatmen .
        Leichtfüßigen Sonntag
        Punito

        P.S. Habe ich auf You Tube entdeckt :

      • Nitya schreibt:

        Also mal abgesehen davon, lieber Punito, dass „Herzensweisheiten“ von einem gewissen Kim McMillen stammen sollen und nicht von unserem hochverehrten Charly Chaplin, kann ich nur sagen: Was mich betrifft, liebe ich mich wie Sau. Ich liebe mich halt auf meine Weise und du dich auf deine Weise. Ich würde z.B. nie ASS 100 und Tabletten zur Reduzierung der Blutfettwerte nehmen, dafür liebe ich mich so sehr, dass ich seit Jahren mein rein pflanzliches Strophanthin genieße. Bei meinen Herzinfarkten vor sechs Jahren sind weiß der Geier wie viele Herzmuskelzellen bei mir abgestorben. Soviel ich weiß, ist es bisher den Kardiologen nicht gelungen, die Regeneration der Herzmuskelzellen hinzubekommen. Also muss jeder von uns mit soviel noch intakten Herzmuskelzellen über die Runden kommen, wie ihm noch geblieben sind. Ein Vergleich zwischen uns beiden ist daher nur nach einer entsprechenden Untersuchung möglich. Ich tu mein Bestes und du auch. Und mein Bestes ist und war mein Leben lang: „Sport ist Mord.“ Also werde ich auch weiterhin fröhlich in meinen Sessel furzen.

        Meinen Glückwunsch für dich, dass du wieder frei durchatmen kannst!

  3. Alexandra schreibt:

    Selbstliebe
    Als ich mich selbst zu lieben begann,
    gab ich allem was in mir ist
    die Erlaubnis zu sein.
    Kein Gedanke, kein Gefühl mehr,
    das als verachtenswert
    weggesperrt werden muss.
    Denn alles taucht nur auf
    und vergeht wieder,
    wenn ich es nicht
    in meiner Angst gefangen halte.
    Alles loslassen können
    bedeutet wahre Freiheit,
    wahres Vertrauen.
    Und was anderes könnte das sein
    als völlige Hingabe
    an das Leben
    an mich selbst
    an Gott.

    Hier mein Gedicht, frei nach Charlie Chaplin oder wer auch immer das Original verfasst hat.
    Alles Gute euren Herzen und Füßen!
    Alexandra

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