Mansūr Hallādsch: Dir gebührt der Preis für das, was du tust

 

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Hier sind deine Diener,
die sich versammelt haben,  um mich zu töten
aus Eifer für deine Religion und im Streben nach dir.

Verzeih ihnen und sei ihnen gnädig;
denn wenn du ihnen den verhüllenden Schleier weggezogen hättest wie mir, so würden sie das nicht mit mir tun.

Und wenn du mir dasselbe verdeckt hättest wie ihnen,
so wäre ich nicht in dieser Prüfung.

Dir gebührt der Preis für das, was du tust,
und dir gebührt der Preis für das, was du willst.

Abū l-Mughīth al-Husain ibn Mansūr al-Hallādsch

aAl-Hallādsch ist berühmt-berüchtigt für seinen staunend-jubelnden Ausruf: „Anā l-ḥaqq“, was soviel heißt wie: „Ich bin die (göttliche) Wahrheit.“ Wir erinnern uns an die überlieferten Worte von Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Al-Hallādsch wurde für seine Erkenntnis, die er immer wieder laut herausschrie, gefoltert und auf eine besonders sadistische Weise hingerichtet

Bestimmte Erkenntnisse kann man gar nicht oft genug wiederholen, denn – wer weiß – manchmal geschieht dadurch das Wunder, dass die Erkenntnis eines anderen zur eigenen Erkenntnis wird. Im Augenblick möchte ich noch einmal Adi Shankara zitieren:

Alle Worte sind dem Unbefreiten nutzlos,
da sie nur Vorstellungen erzeugen;
alle Worte sind dem Befreiten nutzlos,
da er sie nicht benötigt.

Al-Hallādsch (857 – 922) geht es um genau das, was Adi Shankara (788 – 820) schon so klar auf den Punkt gebracht hat. Statt vom Befreiten und vom Unbefreiten spricht er vom verhüllenden Schleier, der im einen Fall weggezogen und im anderen Fall nicht weggezogen wurde. Weggezogen von ihm, den Al-Hallādsch mit „du“ anspricht. Wüssten wir nicht von Al-Hallādschs „Anā l-ḥaqq“, könnten wir annehmen, er würde von einer göttlichen Entität sprechen, die getrennt von allen menschlichen Entitäten nach Gutsherrenart auf diese Einfluss nimmt. So aber können wir davon ausgehen, dass er – wie Fariduddin Attar – weiß, dass der Weg von Gott  zu Gott führt bzw. wie es Gabi Happe gestern dankenswerter Weise auf Facebook zitierte: „Das Meer bleibt immer das Meer, egal welcher Philosophie der Tropfen folgt.“ (Attar) Ob befreit oder nicht befreit, ob mit oder ohne Schleier, das Meer bleibt immer das Meer.

„Verzeih ihnen und sei ihnen gnädig“, sagt Al-Hallādsch, was natürlich Quatsch ist, wenn derjenige, der verzeihen und gnädig sein soll, gleichzeitig derjenige ist, der verschleiert bzw. vom Schleier befreit.

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6 Antworten zu Mansūr Hallādsch: Dir gebührt der Preis für das, was du tust

  1. Ingeborg schreibt:

    Na endlich, seit Wochen warte ich auf die Geschichte von Mansur und weiß nicht mal
    wieso.😊

    m

  2. punitozen schreibt:

    Wenn Gott die Summe ist aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, das unendliche Eine, dann umfasst Gott alle Zeit und allen Raum, denn es ist nichts außer Gott. Der Mensch konnte nur in und nach diesem Bilde erschaffen sein, denn es gibt außerhalb nichts, wo der Mensch hätte erschaffen werden können. Er wird erhalten in diesem Bilde Gottes selbst, so wie unsere Gedanken in unserer Vernunft existieren und als ein wesentlicher Teil von ihr. Nicht nur ist der Mensch erschaffen in diesem Bilde Gottes, oder enthalten in der Allheit Gottes, er ist auch aus der Essenz der göttlichen Natur selber gemacht und ihr gleich. Wenn die Ursache Gott ist, so ist die Wirkung Gott in Manifestation.
    …aus Leben und Lehren der Meister im Fernen Osten

    …. so auch bei Mansūr Hallādsch !

    L.G.
    Punito

  3. Nitya schreibt:


    Wenn de das mal mitgemacht hast, weißte nicht mehr, ob du Mänchen oder Weibchen bist!
    Scheiß-Aufklärung!

    • Alexandra schreibt:

      Also ich seh da nur Männer. 😉Da fühle ich ja im Kurs in wundern als „Gottes Sohn“ eher angesprochen… aber wieso scheiss Aufklärung??

      • Nitya schreibt:

        Liebe Alexandra,

        leider hat der Punito jetzt wieder „vorgesagt“.
        Versuch doch einfach mal, deine Fragen selbst zu beantworten:
        „Wie könnte dieser komische Nitya das wieder gemeint haben, dass es einen Sinn ergibt? Häng nicht am Wort. Ich bin sehr für die Aufklärung. Wieso sag ich in diesem Zusammenhang „Scheißaufklärung“? Aber nu hat’s der Punito ja schon gesagt.

    • punitozen schreibt:

      „Heut ist Reigen, Tanz ist, Tanz ist, Tanz!
      Licht ist heut und Glanz ist, Glanz!
      Abschied von Verstand ist, vom Verstand,
      Weil die Liebe ganz ist, ganz ist, ganz.“
      ( Rumi )

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