Rumi: suche stets nach deinem inneren Wesen

 

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Wie kommt es
zu einer wirklichen Verbindung zwischen Menschen?
Wenn das gleiche Wissen
eine Tür zwischen ihnen öffnet.
Suche in jenen,
mit denen du zusammen bist,
stets nach deinem innersten Wesen.
Wie Rosenöl aus Rosen trinkt.
Selbst auf dem Grab eines Heiligen
legt ein Heiliger Gesicht und Hände nieder
und nimmt Licht auf.

Maulana Jalaluddin Rumi

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Na ja, der Rumi halt. 1207 – 1273  gab’s eben noch keine Smartphons. Heute hätte er in jedem öffentlichen Verkehrsmittel sehen können, wie gut bei uns die Verbindung zwischen Menschen klappt. Das ist natürlich nur ein ausgesprochen müdes Witzchen, über das niemand lachen kann, denn außer eines an Oberflächlichkeit kaum noch zu überbietenden, nichtssagenden Blablas findet da nichts statt, schon gar nichts von dem, was Rumi unter einer „wirklichen Verbindung zwischen Menschen“ versteht. Und was er darunter versteht, kann man aus seinen wenigen Worten vielleicht erahnen. „Selbst auf dem Grab eines Heiligen legt ein Heiliger Gesicht und Hände nieder und nimmt Licht auf.“ Na, erzähl das mal den jungen Ladies, die im Bus  auf Ihr Allerheiligstes starren! Die werden dich für total beknackt halten, reif für die Klapse.

Ich muss gestehen, ich habe kein Smartphon. Ich habe ein sog. Seniorenhandy mit extra großen Tasten, das ich so gut wie nie benütze. Aber für den Fall, dass ich mal auf der Autobahn eine Panne habe, könnte es ganz nützlich sein. In meiner Kindheit hatten wir kein Telefon zu Hause. Notfalls lief man zur Telefonzelle. Ansonsten schrieb man sich Briefe oder besuchte sich. Na ja und zu Rumis Zeiten gab es überhaupt kein Telefon, man sprach miteinander auf der Straße oder auf dem Marktplatz, besuchte sich und musste beschwerliche Reisen unternehmen, wenn man einen weit entfernten Freund treffen wollte.

Hat die Art, mit der wir kommunizieren, irgendetwas mit der Qualität der Verbindungen zwischen Menschen zu tun? Mir fällt aus alten Tagen das didaktische Prinzip der „Kindgemäßheit“ ein, später umgetauft auf den furchtbaren Begriff „optimale Passung“. Wir kennen aus der Tierhaltung den Begriff „artgerecht“. Eva Herman fällt mir ein, die für ein Aufwachsen der Kinder in einer möglichst heilen Familie ist und ein zu frühes Abschieben der Kinder in eine Kinderkrippe vermutlich für nicht artgerecht und kindgemäß hält. Aber die Eva gilt ja als Nazitusse und als absolut rückwärtsgewandt. Aber wir leben nun mal in einer globalisierten Welt und müssen uns nolens volens an sie anpassen. Optimale  Passung eben. Zum Beispiel so: Wir sterben nicht mehr ganz altmodisch zu Hause, sondern übergeben unseren Leib lieber in die Hände von Fachleuten. Dr. med. Matthias Thöns beschreibt uns in bewegten Worten, welche Segnungen da auf uns zukommen können:


Von der Wiege bis zur Bahre sind wir also bestens versorgt. Mein Gott, wie weit haben wir uns von uns selbst entfernt! So weit, dass kaum noch jemand fähig und willens ist, Rumis Worte in seinem Herzen zum Klingen zu bringen.

„Wie kommt es zu einer wirklichen Verbindung zwischen Menschen? Wenn das gleiche Wissen eine Tür zwischen ihnen öffnet. Suche in jenen, mit denen du zusammen bist, stets nach deinem innersten Wesen. Wie Rosenöl aus Rosen trinkt. Selbst auf dem Grab eines Heiligen legt ein Heiliger Gesicht und Hände nieder und nimmt Licht auf.“

Was meint Rumi mit dem gleichen Wissen? Wieso soll ich im Zusammensein mit dem anderen nach meinem innersten Wesen suchen und nicht nach seinem? Und was soll das für eine Geschichte sein, dass ein Leichnam, als Lebender heilig oder nicht, in seinem Grab Licht ausstrahlt – ist das physikalisch zu erklären?

Also ich seh‘ mich nicht als Fragen-Beantworter. Die Arbeit will ich niemandem wegnehmen. Ich würde mich wirklich wie ein Dieb fühlen. Und wer keine Lust hat, diese Fragen in sein Herz sinken zu lassen, der hat halt keine Lust. Dann würde es auch nichts bringen, wenn ich hier das Gscheiterle spiele.

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Die Frage, die bei mir auftauchte, war vor allem die: Hat das „Artgerechte“ irgendeine Auswirkung auf das menschliche Bewusstsein? Damit bin ich natürlich ganz bei der Behauptung von Karl Marx: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ (Karl Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 9.) und bei Zhuang Zis Geschichte vom Ziehbrunnen und dem Maschinenherz.

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9 Antworten zu Rumi: suche stets nach deinem inneren Wesen

  1. Michael schreibt:

    „Was meint Rumi mit dem gleichen Wissen? Wieso soll ich im Zusammensein mit dem anderen nach meinem innersten Wesen suchen und nicht nach seinem? Und was soll das für eine Geschichte sein, dass ein Leichnam, als Lebender heilig oder nicht, in seinem Grab Licht ausstrahlt – ist das physikalisch zu erklären?“

    Vielleicht weil der andere ein Spiegel ist im Sinne eines: Was von dir erkenne ich in mir, also als mein innerstes Wesen wieder? Wo sind wir durch diese Erkenntnis nicht getrennt und eher wie Rosenöl und Rosen?

    Zu dem Leichnam habe ich noch weniger Ideen. Mir fällt dabei nur C.F.v. Webäcker ein, der Ende der 60er Jahre am Grab von R. Maharshi stand und folgendes geschah:
    „Im Jahr 1969 reiste Weizsäcker durch Indien und hatte im Ashram von Sri Ramana Maharshi in Tiruvannamalai ein spirituelles Erlebnis, in dem „alle Fragen beantwortet waren“ und dessen Substanz nach eigenen Worten immer bei ihm war.“
    Ein individuelles Mysterium – kann ich glauben, muss ich aber nicht.

    In der Regel sind wir Menschen an Gräbern eher mit unseren Emotionen beschäftigt, die der Verstorbene in uns hervorruft. Ich sehe auch da keinen Widerspruch – das würde ich durchaus als „Licht aufnehmen“ bezeichnen.

    Einen schönen sonnigen Tag!

    Du hast hier auch immer „schwere“ Nüsse zu knacken. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. ananda75 schreibt:

    Ich verweigere auch
    Ich nenn meins Notfall-Handy, so’n kleines Schwarzes 😉
    Nehm ich mit in Urlaub z.B. als Uhr, Wecker und notfalls kann man auch mal damit telefonieren

    Was ich aber habe sind Verbindungen mit Menschen, die ich noch nie gesehen habe 🙂
    „Gleiches Wissen“… interessanter Gedanke…
    Ja – wenn man die gleichen Bücher gelesen hat, fällt mir dazu direkt ein, das hilft schon ungemein…
    Wenn man eine ähnliche Geschichte hat…
    Tatsache ist auf jeden Fall:
    Im Blog bin ich auf ein paar Menschen getroffen, mit denen BIN ich verbunden
    … klar, inzwischen telefonieren wir, schicken Päckchen und so… aber die Verbindung, die war da, auch als wir uns noch nicht getroffen hatten
    Und… ich muss das nicht in Worte fassen, erklären, verstehen, benennen..
    Ich kann mich einfach daran erfreuen 🙂

    Einen lieben Gruß dir ❤

    Gefällt 1 Person

  3. becky schreibt:

    Das mit dem Leuchten können Dolmen sein, Anastasia schreibt davon.
    Das Bewußtsein, das sich erfahrenwollende ist im Zustand der Absicht.
    Als Handy hab ich auch ein altes, hab aber für nebenbei zum üben mit 5 Euro-Guthaben noch ein 50 Euro – Smartphone. Das Smartphone mit zum „touchen“ ist mir viel zu gefährlich, ständig öffnet sich was, weil ich nur mal kurz drankomm. Viel zu viele Funktionen.

    lg 🙂

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  4. Alexandra schreibt:

    Also ich habe ein Smartphone, na und? Ist manchmal ganz praktisch.
    Aber mir macht das Zugemülle, (auch das mediale) was auch bei mir vorhanden ist, immer mehr zu schaffen. Und es behindert wirkliche Verbindung… schafft Trennung (jedenfalls scheinbar). macht auch einen aggressiveren Ton möglich, Dinge werden da manchmal gesagt, die sagt man keinem ins Gesicht. Aber da muss man ja nicht mitmachen. Kenne auch viele, die facebook ablehnen, aber ich finde, alles ist immer so, wie das, was ich draus mache.
    Aber wirkliche Verbindung… manchmal habe ich das Gefühl, die kommt beinahe bei meinen Tieren am meisten auf. Da muss man genau hinsehen, hinspüren. Worte sind fehl am Platz. Und die brauchen nix außer Futter, Nähe und Auslauf. Das kommt dem Gärtner aus der Geschichte schon recht nahe. All der ganze Gedankenscheiß fällt bei denen einfach weg. Und trotzdem sind es Persönlichkeiten…

    Gefällt 1 Person

  5. punitozen schreibt:

    ….. Wir sterben nicht mehr ganz altmodisch zu Hause, sondern übergeben unseren Leib lieber in die Hände von Fachleuten……
    Ach nee , lieber Nitya . Zum Sterben gehe oder fahre ich nicht ins Krankenhaus .
    Altmodisch , postmodern sozusagen werde ich mich zuhause “ vom Acker “ machen .
    Sollte ich zu schwach sein – sorgt mein juristischer Beistand für schnelle Abhilfe eines Dauerleiden .
    So ein Nierenversagen -ja das hat was , wenn`s ums Loslassen vom Läbben geht .
    Nun erfreue ich mich des heutigen Tages und atme , wie gehabt ein und aus .

    Herzlichen Gruß
    Punito

    Wenn du dich selbst erkennst, löst sich dein Ich-sein auf, und du erkennst, daß . du und Gott ein und dasselbe sind

    Muyhiddin Ibn Arabi

    Gefällt 2 Personen

    • ananda75 schreibt:

      Lieber Punito,

      Ich hatte ein Nieren-Versagen.
      Ich bin wieder wach geworden aus dem Koma, aber die Tage, solange es nicht klar war, zu welcher Seite ich rauskommen würde – auch „bewusstlos“ kriegt man einiges mit und ich kann – unter anderem, aber das andere gehört hier nicht her – berichten:
      Das macht dem Körper gar keinen Spaß, so ein Nieren-Versagen.
      Vielleicht solltest du es lieber mit Herz-Stillstand versuchen, ich könnt mir vorstellen, das geht schneller 😉

      Alles Liebe ❤
      Ananda

      Gefällt 1 Person

      • punitozen schreibt:

        9 Tage nix- und dann wurde es seltsam irgendwie , „neulich im Koma “ 2013 .
        Das erste was ich mitbekam – Schneetreiben vor der Intensivstation . 🙂
        L.G.
        Punito

        Gefällt 1 Person

      • ananda75 schreibt:

        echt nix?
        interessant – ich hatte alles mögliche … 10 Tage lang… bis zu dem Gedanken „Jetzt bist du über den Berg“ , da ging’s dann wieder los – oh je – jetzt musst du wieder selber entscheiden, essen, den ganzen Kram halt ;-)…guck an – so verschieden kann’s einem gehn… aber eins haben wir gemeinsam:
        wir leben doch noch 🙂
        find ich gut 🙂

        Gefällt 1 Person

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