Steven Harrison: Das alles ist Gewalt

 

f

Wer versucht, anders zu sein, tritt ein in einen Prozess der Zeit, was zu Anstrengungen, sich zu verbessern, und damit zur Trennung führt. Aus dieser Trennung heraus blicken wir auf die Welt da draußen. Und unsere Bemühungen, die Welt da draußen zu ändern, werden zur Ursache von Zufriedenheit oder Unzufriedenheit. Das alles ist Gewalt. Auf die Frage der Gewalt können wir uns nicht einlassen – mit all den Vorannahmen, die wir dazu mit uns herumtragen. Wir können uns nur mit unseren Vorannahmen herumschlagen. Aus Vorannahmen entsteht die Welt von Gut und Böse.

Wenn wir die Welt von Gut und Böse verlassen, befinden wir uns in der Energie und der Herausforderung von Kreativität. Wir könnten diese Energie mit den Attributen „zerstörerisch“ oder „schöpferisch“ oder „bewahrend“ versehen, aber wir können nicht wirklich sagen, wo der eine Aspekt beginnt und der andere endet.

Lasst uns nicht der Illusion aufsitzen, wir seien freier als die Welt. Wir sind die Welt. Wir stehen nicht außerhalb der Welt. Da ist kein Ort der Stille, der nicht auch gleichzeitig in Bewegung wäre. Ob wir uns nun in einem Kloster oder auf einem Schlachtfeld wiederfinden, wo auch immer, lässt sich die Frage stellen: Was ist das? Nichts als eine intellektuelle Frage, sondern als fühlendes In-mich-Aufnehmen der Energie einer Situation.

Die Energie des Lebens ist jenseits von Gut und Böse. Es ist dieser Energiefluss, der uns aus diesem Moment herausführt. Das, was als Nächstes kommt, kümmert sich kein bisschen um Gut und Böse – Gott sei Dank!

aus: Steven Harrison, „Was kommt?“

gSteven: „Wir könnten diese Energie mit den Attributen ‚zerstörerisch‘ oder ’schöpferisch‘ oder ‚bewahrend‘ versehen, aber wir können nicht wirklich sagen, wo der eine Aspekt beginnt und der andere endet.“ Da oben sind die drei hinduistischen Schwerenöter, die uns das die ganze Zeit einbrocken: Brahma, der schöpferische Aspekt, Vishnu, der bewahrende Aspekt, und Shiva, der zerstörerische Aspekt. Die drei gibt es auch in weiblicher Form, nicht dass da irgendwelche Beschwerden kommen! Die Schwierigkeit, wo das eine beginnt und das andere endet, haben wir natürlich auch etwa bei den Jahreszeiten oder sogar bei jedem Tag. Haben wir vielleicht sogar, bei allem, was in Erscheinung tritt?

„Und unsere Bemühungen, die Welt da draußen zu ändern, werden zur Ursache von Zufriedenheit oder Unzufriedenheit. Das alles ist Gewalt.“ Steven wollte sich auf die Frage der Gewalt nicht weiter einlassen, aber eigentlich hat er sie schon beantwortet. Jede Bemühung, die Welt zu verändern, ist Gewalt. Shiva ist der große Zerstörer, aber er ist nur ein unpersönlicher Aspekt dessen, was ganz aus sich selbst heraus geschieht. Änderungen, die von uns ausgehen, bezeichnet Steven jedoch als Gewalt. Da wir jedoch fast ununterbrochen dabei sind, könnte man uns als notorische Gewalttäter bezeichnen. Wenn man genauer hinsieht, geht es gar nicht um uns, sondern um die Ich-Vorstellung, die uns von allem trennt und eins ist mit einem permanenten Veränderungswillen. Da diese Ich-Vorstellung wie alles andere einfach geschieht, gibt es hier keine Bösen und Guten.

Steven sagt: „Lasst uns nicht der Illusion aufsitzen, wir seien freier als die Welt. Wir sind die Welt. Wir stehen nicht außerhalb der Welt. Da ist kein Ort der Stille, der nicht auch gleichzeitig in Bewegung wäre.“ Wir sind als Erscheinungen nichts als das, wodurch sich die unpersönlichen Energien von Brahma, Vishnu und Shiva ausdrücken. Die Idee, einen Ort der Stille aufzusuchen, um die Welt zu transzendieren, ist eine Illusion. Wie Steven sagt: „Wir sind die Welt.“ Und jeder angebliche Ort der Stille ist nichts anderes als Teil der Welt.
dAuf diesem Bildchen sehen wir Alexander, wie er dem Diogenes einen Wunsch frei stellt und dieser sich nur wünschte, Alexander möge ihm aus der Sonne gehen. Als Alexander Diogenes einlädt, ihn bei seiner Welteroberung zu begleiten, soll dieser nur ganz trocken nachgefragt haben, was Alexander danach zu tun vorhabe. Alexander soll geantwortet haben: Dann werde ich mich ausruhen. Daraufhin soll Diogenes gesagt haben: „Ich rutsch ein bisschen zur Seite. Du kannst dich auch sofort hier ausruhen.“ Alexander bestand jedoch darauf, erst die Welt zu erobern. Zu einem Ausruhen ist es nie mehr gekommen. Alexander überlebte seinen Sieg über die Welt nicht. Diogenes ist übrigens ein wundervolles Beispiel für ein Leben in der Welt, das zugleich nicht von der Welt ist, obwohl er noch so gar nischt von einem Jesus gehört hatte..

Diogenes trug selbst am helllichten Tag eine brennende Laterne mit sich. „Ich suche einen Menschen“, sagte er. Als er sehr alt geworden war, fragte ihn jemand, ob er noch immer darauf hoffe, einen Menschen zu finden. Er erwiderte: „Ja, deshalb habe ich immer noch die brennende Laterne mit.“

Osho

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Steven Harrison: Das alles ist Gewalt

  1. Alexandra schreibt:

    „Du kannst den Fluss nicht schieben“, soll der wundervolle Marc Twain gesagt haben. Fällt mir dazu so ein an diesem verschneiten Sonntagmorgen. Liebe Grüße und einen schönen Tag, Nitya!

    Gefällt 2 Personen

    • Nitya schreibt:

      Hastes denn schon ausprobiert, liebe Alexandra? Bei der derzeitigen Kälte kann man ja immerhin mal ein Stück Eis auf dem gefrorenen Fluss rumschieben und zwar dahin, wo man es haben will. Und der Fluss wird da einach nicht gefragt.

      Gefällt 1 Person

  2. fredoo schreibt:

    also … dann halt nicht versuchen , die welt zu retten ?
    hmmm
    abgesehen davon , das einem ja diese weltrettungsambitionen , seien sie im kleinen oder gar im

    großen , überfallen wie ein grippevirus , und da dann schlecht „nicht“ zu machen ist ,
    scheint mir eine betonung hilfreich …
    es ist nicht diese ambition selbst , die verstrickung erzeugt …. es ist die damit verbundene (erfolgs)intention in die zukunft hinein , die erst dieses verstricken erzeugt …
    kurz und knackig im „gerade eben“ auch mal kurz die welt gerettet , was solls …
    dann wieder im nächsten „gerade eben“ die auftauchende intension frei gelassen ( bei mir sagt es dann im inneren kommentar “ es obliegt den göttern“ ) … alles paletti …

    doch auch das kann … so … nicht gemacht werden , oder als haltung erworben oder übernommen werden …
    erst das einem zugemutete aufgesaugtwerden in das , was ich heute mal „das ewige“ nennen möchte , macht die haltung möglich , bzw. erzeugt sie quasi automatisch , da sich in diesem aufgesaugtwerden zweifelsfrei die einzige wirklichkeit (des „ewigen“) ergibt , und alles zeitlich „menschliche“ ( auch und gerade das „eigene“ ) sich als ein bedeutungsloses „entertainment“ erweist …
    gehört dann das „welt-retten“ auch mal wieder zum tagesprogramm … fein … warum nicht …
    doch wird da dann nicht mehr DIE welt gerettet , sondern „ich“ spiele als figur eines kosmischen spiels mal eben gerade das spiel „weltretten“ …

    so … und jetzt spiele ich gleich das spiel steuererklärung … 😀

    Gefällt 1 Person

  3. fredoo schreibt:

    ach … ich habs wohl übertrieben , mit der last des er-tragens der welt …
    bzw. die götter waren wohl etwas zu optimistisch mit ihrer dosis des mir zumutens …
    jedenfalls zwickt es zwischen irgendwelchen wirbeln im unteren rückenbereich …
    da ist dann schlecht „weltretten“ … oder ? … gerade ?

    Gefällt 2 Personen

  4. Alexandra schreibt:

    „Wer versucht, anders zu sein, tritt ein in einen Prozess der Zeit, was zu Anstrengungen, sich zu verbessern, und damit zur Trennung führt“. Wenn ich versuche anders zu sein, als ich bin, bin ich immer noch was ich bin, eben dann der anders-sein-wollende… aber ok, ertappe mich auch immer wieder dabei, anders ( natürlich besser) sein zu wollen als ich bin.aber wie bin ich denn nun eigentlich? Unsere kleine Asylantenkatze, die für zwölf Stunden bei uns ein warmes Plätzchen fand, bevor sie diese Welt dann doch verließ, weil der kleine Körper die Folgen des Hungers nicht schaffen konnte, bekam den Namen „pinu’u“, was da wohl „ich-bin-ich“ heißt. Seltsam, wie dieses Jahr so anfängt.
    Ach ich geb auf für heute und genieße den Schnee.

    Gefällt 1 Person

    • Eno Silla schreibt:

      loslassen ohne loslassenden
      waches sein inmitten der null
      inmitten des einheitskreises
      inmitten all der flüchtigen erscheinungen
      von plus bis minus

      ach mensch eno du bist
      wo willst du denn hin
      vergaloppierst dich in worten
      stoppe und schau dich um
      einfach dies inmitten der null

      Gefällt 3 Personen

    • Nitya schreibt:

      „Wenn ich versuche anders zu sein, als ich bin, bin ich immer noch was ich bin, eben dann der anders-sein-wollende… “

      Na ja, jetzt fiesele ich mal wieder rum. Da ist die Akexandra. In diesem Augenblick. Jetzt will die Alexandra eine bessere Alexandra sein. Wie du richtig schreibst bist du in diesem Moment eine „Anders-sein-Wollende-Alexandra“. Und dann trenn ich mal von dieser „Anders-sein-Wollenden-Alexandra“ den Inhalt ihres Wunsches anders zu sein. Also Alexandras Mindfuck. Dann ist das eine das eine und das andere das andere. Ähh oder wie ..

      Ich glaub, ich geb lieber auch auf und guck durch’s Fenster, wie die Leute draußen frieren, während ich’s schön warm habe..

      Gefällt 1 Person

      • Alexandra schreibt:

        Siehst du, Nitya, das kommt dabei raus, wenn ich zu viel Tee mit fridolin trinke. Da war der Spaziergang auf dem Meißner mit verschneiten Bäumen und verspielten Hunden doch genau das richtige um das Hirn zu entlasten. Und jetzt kann ich mich vorm Ofen mit einer Tasse Kaffee (!) mit deinem Gefiesel beschäftigen. Oder auch nur in die Flammen starren…

        Gefällt mir

  5. ananda75 schreibt:

    Selbst ich habe nun endlich beschlossen, die Welt doch nicht zu retten 🙂
    Soll sie sich selber retten oder nich, is mir jetzt egal 🙂

    in anderen Worten:
    nach über 50 Jahren durfte ich das Kreuz von den Schultern nehmen… puuuh *wischdenSchweißvonderStirn 🙂

    Alles Liebe ❤

    Gefällt 2 Personen

  6. ananda75 schreibt:

    eine(r) nach dem anderen gibt auf – das is doch klasse 🙂

    so kann sich alles wunder-bar ent-wickeln ohne dabei gestört zu werden 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Eno Silla schreibt:

      Ich habe die aufgabe
      aufzugeben
      ich gebe auf
      das ist die aufgabe
      die ich aufgebe

      auf dem postamt

      hahaha schönes spielzeug:
      wortbauklötze

      Gefällt 1 Person

      • ananda75 schreibt:

        guck an 🙂 das hab ich auch noch nicht gesehen 🙂

        übrigens:
        als ich meine ersten Bauklötze bekam,
        hab ich da nix draus gebaut, sondern alle aneinander gelegt, in eine Reihe, durch die ganze Wohnung –
        das war wohl mein erster Versuch, alles irgendwie in eine Reihe zu kriegen …
        Mein Gott, war das ein anstrengendes erstes halbes Jahrhundert Leben…. bis man dann mal langsam anfangen kann, es einfach 😉 zu genießen…

        Gefällt 1 Person

      • Eno Silla schreibt:

        „Mein Gott, war das ein anstrengendes erstes halbes Jahrhundert Leben…. bis man dann mal langsam anfangen kann, es einfach 😉 zu genießen…“

        Da kann ich nur zustimmen!!!

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s