Daniel Herbst: Das ist es, was ich empfinde

 

daniel-herbst

Ich freue mich, am Leben zu sein! Ich freue mich, dass ich mich denken darf, aber durch jedes Nachdenken über mich selbst verliere ich mich. Dabei kann ich nicht verloren gehen, weil ich sowieso verloren bin! Ich bin das Verloren sein, das sich durch Reflexion selbst erkennen will. Und eben das ist vollkommen unmöglich. Und weil es unmöglich ist, träume ich von mir. Ich träume mich. Als dieses und als jenes und auch als alles andre. Dabei bin ich nur in mir selbst zu Hause – als dieser Traum, der sich fortwährend selbst träumt.

Ich bin glücklich, wenn sich keine oder nur glücklich machende Gedanken denken – und das obliegt nicht mir, obwohl es allein mir obliegt. Das ist wirklich wahr, ohne die Wahrheit zu sein. Denn in Wirklichkeit tauche ich erst gar nicht vor mir auf! In Wirklichkeit weiß ich nicht einmal, dass es mich gibt! In Wirklichkeit bin ich einfach, ohne dadurch zu einem anderen zu werden. Das ist die herrliche Wirklichkeit meiner selbst.

Ich beweine mich selbst für immer, gerade jetzt.
Weil ich so schön bin, so tief, so klar und so verwirrt!
Ich bete mich an!
Ich bin zutiefst von mir durchdrungen!
Das ist es, was ich empfinde,
wenn ich etwas empfinde.
Eine unendliche Liebe für mich selbst.
Für jedes Geschöpf! – Einfach für alles, was ich bin.
Und gerade jetzt ist mir vollkommen klar, dass ich alles bin.
Niemand kann das aushalten.

aus: Daniel Herbst, „Lebenslänglich, lebenslang“

k

„Gespräch ist wechselseitige Selbstdarstellung“, hatte ich schon einmal den Gestalt- und Familientherapeuten Walter Kempler zitiert. In einem Buch ist ein Gespräch nicht möglich, wohl aber eine Selbstdarstellung in Form eines Selbstgesprächs. Daniel Herbst bietet hier kein spirituelles Konzept an, sondern das, was er empfindet, wenn er etwas empfindet. Empfindet, denn: „Durch jedes Nachdenken über mich selbst verliere ich mich.“ Und so können wir nicht mit dem Daniel diskutieren über richtig und falsch, sondern uns einfach nur von seinen Worten anmuten lassen und schweigen. Möglicherweise löst das veröffentlichte Selbstgespräch eines anderen bei uns ein Selbstgespräch aus und auch wir verzichten auf jedes Nachdenken über uns selbst und gehen ganz in unser Empfinden und möglicherweise in den Ausdruck dieses Empfindens.

In Zeiten, in denen es hier schon mal heftig zur Sache oder nicht zur Sache ging, sondern in erbarmungslosen Diagnosen über irgendwelche anderen hergezogen wurde, bat ich schon einige Male zu sog. Ich-Botschaften zurückzukehren und damit aufzuhören, fast nur noch Du-Botschaften abzusondern. Daniel zeigt uns hier auf eine wunderbare Weise, wie Ich-Botschaften aussehen könnten. Ich kann über die Empfindungen eines anderen nicht diskutieren, kann keine Diagnosen oder Bewertungen dazu abliefern – na ja, da hab ich vielleicht zu viel  versprochen, manche schaffen selbst das.

Niemand muss das ähnlich empfinden wie Daniel. Ich kann das alles ganz bei Daniel lassen und dennoch löst es etwas bei mir aus oder auch nicht. Bei mir hat es offensichtlich ein Empfinden ausgelöst, sonst hätte ich es gar nicht hier reingestellt. Ich habe mich über Daniel und sein Selbstgespräch sehr gefreut und war ihm dankbar, dass er mich daran teilnehmen ließ. Zwischendurch war da immer wieder ein Nicken. Ja, so oder so ähnlich kenne ich das auch. „In Wirklichkeit weiß ich nicht einmal, dass es mich gibt!“ Ich weiß es auch nicht. Und dann scheine ich es wieder zu wissen. Es ist einfach schön das Auftauchen der unterschiedlichsten Empfindungen mitzuerleben. Das Bedürfnis, mich endlich einmal wirklich kennen zu lernen ist längst Vergangenheit. Da ist nur noch dieses Auftauchen und Verschwinden von Empfindungen.

Und was ist jetzt die Lehre aus dem Gesagten? Keine Lehre.

s

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Daniel Herbst: Das ist es, was ich empfinde

  1. Georg Alois schreibt:

    Da ist nur noch dieses Auftauchen und Verschwinden von Empfindungen.

    Gefällt mir

  2. Chris schreibt:

    Auch , ich bin dem Daniel verfallen und schaue, kontempliere und meditiere täglich über seine wunderbaren Videos auf youtube . schaut euch dieses doch mal an wenn ihr wollt . ich finde es unbeschreiblich . https://www.youtube.com/watch?v=fBHZJWFW0H4

    Gefällt 2 Personen

  3. Eno Silla schreibt:

    Ich empfinde, ich bin, ist nicht alles darüber hinaus Unsinn, oder nicht mal das?
    Keine Ahnung, immer wieder keine Ahnung was ist oder nicht ist…
    Wahrscheinlich ist es einfach, singt der Herman:
    Herman van Veen – Keiner hat gesagt

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s