Swami Satyam Nitya: Freiheit ist nichts für euch

 

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Freiheit ist nichts für euch, meine Lieben, ganz besonders nichts für dich, Alexandra. Vielleicht wartet ihr noch eine Runde. Man muss vielleicht in 8,4 Millionen Spezies inkarnieren, bis man an den Punkt kommt, wo es einen nach Freiheit verlangt. Die Zeitspannen sind unterschiedlich. Manche Inkarnationen dauern Tage, manche Minuten, manche Stunden, manche viele Jahre. Alles in allem vielleicht fünfunddreißig Millionen Jahre für einen weiteren Zyklus, für noch eine Runde.

Kein Problem. Vergnügt euch noch einmal! Freiheit ist nichts für euch. Ihr seid hier am falschen Ort. Wir sind hier nicht auf dem Fischmarkt, meine Lieben. Ich gebe euch einen guten Rat: Wenn ihr Fische kaufen wollt, geht auf den Fischmarkt! Dieser Ort hier eignet sich nicht für euch.

Das ist eine sehr ernsthafte Sache. Ihr müsst ernsthaft sein. Eines Tages werdet ihr bereit sein. Entweder in diesem oder im nächsten Zyklus. Kein Problem. Wenn ihr sehr ernsthaft seid, wenn ihr in eurem Durst und eurem Verlangen nach Freiheit verbrennt, dann kommt zu mir! Wenn ihr Freiheit wollt, dann kommt zu mir! Ihr werdet Freiheit bekommen. Sofern ihr andere Begierden habt, kann ich euch nicht helfen.

aus: Swami Satyam Nitya, „Im Fieberwahn“

Na, hab ich dich ein bisschen aufgeschreck, liebe Alexandra und all die anderen Schlafmützen? Nein, keine Sorge, mir ist kein Ziegelstein aufs Hirn gefallen. Und beruhigt euch: Der Text ist auch nicht von diesem komischen Swami Satyam Nitya, sondern in geringfügig abgeänderter Form von diesem Herrn:

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So, jetzt habt ihr euern Dreck im Schächterle: Freiheit ist nichts für euch! Warum? Weil ihr in eurem Durst und eurem Verlangen nach Freiheit noch nicht verbrennt. Weil euch die Freiheit, zwischen dem Krimi im I. oder dem Dschungelcamp auf RTL zu wählen, bereits genügt. Sagt der Poonja jedenfalls so ungefähr. Und so ganz nebenbei: Falls ihr bis zur nächsten Chance erst noch in 8,4 Millionen Spezies inkarnieren müsst und das Ganze noch 35 Millionen Jahre dauern kann, das ist nun wirklich kein Problem. Amüsiert euch in der Zwischenzeit gut und vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. Poonjajis Segen ist euch gewiss. – Der kann gut segnen, der hat’s ja schon hinter sich.

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Also da gefällt mir der Rumi entschieden besser, wenn er ruft:

Komm, wer du auch seiest!
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,
komm nur,
und noch einmal: komm.

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Kürzlich hat der Ronny zu meinem Entzücken den Linji zitiert:

Lasst nur das Denken zu Ruhe kommen,
und sucht nicht mehr im Außen.
Was sich euch darbietet,
dem wendet eure Aufmerksamkeit zu;
vertraut dem, was gerade wirkt in euch,
und es wird nichts mehr geben,
worum ihr euch zu sorgen hättet.

„Sucht nicht mehr im Außen“, das deckt sich weitgehend mit Poonjas Aussage. Der Rest scheint mir sehr viel gemäßigter zu sein: „Was sich euch darbietet, dem wendet eure Aufmerksamkeit zu; vertraut dem, was gerade wirkt in euch.“ Also vergesst das mal mit dem Verbrennen im Feuer eures Verlangens nach Freiheit, das könnt ihr eh nicht hervorzaubern. Ich weiß nicht einmal, ob das für was auch immer irgendeine notwendige Voraussetzung sein soll. Wie schlicht ist doch daneben der Rat Linjis! – Wenn ich jetzt zu euch sage: Wendet jetzt für einen Moment eure Aufmerksamkeit eurem linken Fuß zu, so wird wohl kaum jemand ein Problem damit haben. Was sich euch darbietet, dem wendet eure Aufmerksamkeit zu – in diesem Moment also dem Fuß. So, und dann: „Vertraut dem, was gerade wirkt in euch.“ Was wirkt denn gerade in euch, während ihr eurem linken Fuß eure Aufmerksamkeit schenkt – und im nächsten Moment vielleicht dem kleinen Jucken hinter euerm Ohr? Dem vertraut. Was ja nichts anderes heißt als: Das isses jetzt. Und nu „wird es nichts mehr geben, worum ihr euch zu sorgen hättet.“ Nichts mit 8,4 Millionen Inkarnationen und  35 Millionen Jahren, einfach nur gucken, spüren. – Jetzt.

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Freiheit ist nur ein Wort. Linji sagt: „Lasst nur das Denken zu Ruhe kommen, und sucht nicht mehr im Außen.“ „Freiheit“ als Wort ist außen. Das Suchen im Außen ist nur das Ergebnis eines vorausgegangenen Denkprozesses, ist nur die Auswirkung der Idee, dass diesem Augenblick irgendetwas fehlen würde. Und genau deshalb empfiehlt Linji sich mit seiner Aufmerksamkeit dem zuzuwenden, was sich euch gerade darbietet. Das muss nicht herbeigezaubert werden, da muss nichts gemacht werden. Was sich euch darbietet, geschieht ganz von selbst.

Poonja: „Wenn ihr sehr ernsthaft seid, wenn ihr in eurem Durst und eurem Verlangen nach Freiheit verbrennt, dann kommt zu mir! Wenn ihr Freiheit wollt, dann kommt zu mir! Ihr werdet Freiheit bekommen.“ Genau das habe ich auch immer wieder von seinen Schülern gehört. Es ist der Lieblingsspruch aller Missionare. So werdet ihr zu Schafen gemacht, die glauben einen Hirten zu brauchen. Niemand kann euch helfen. Niemand muss euch helfen. Schaut einfach auf eure linke Hand, falls ihr sie nicht schon wie Jed McKenna abgehackt habt. Dann schaut halt ggf. auf den Armstumpf! Und dann „vertraut dem, was in euch wirkt.“ Wer dann noch Sorgen hat, bitte melden! Man kann übrigens auch auf seine Sorgen schauen wie auf den Armstumpf. „Hallo Sorge!“

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3 Antworten zu Swami Satyam Nitya: Freiheit ist nichts für euch

  1. Alexandra schreibt:

    Guten Morgen Nitya,
    Da hast du mir aber erst mal einen schrecken eingejagt! Ne, eigentlich nicht wirklich, denn da kommt gleich ein trotziges Stimmchen in mir auf bei solchen Worten! Und dann die Erleichterung! „einfach nur gucken, spüren. – Jetzt.“ Genau. Deshalb freue ich mich so darauf, mein pferdchen aus dem Mutterschutz holen zu dürfen und mit ihm zu „sein“. Deshalb liebe ich meine stillen kameraden so (Pferd und Hund). Sie zu verstehen, um sich mit ihnen zu verständigen muss man sehr achtsam sein. und ansonsten: „ich steh da und kann nicht anders“ so werde ich weiter tun, was mir so gegeben ist. Wie z. B. Hier deine Texte lesen! Und sie „sacken lassen“ oder drüber nachdenken…. ( weil des Hirn ja immer ein bisschen Futter braucht)
    Einen schönen Tag
    Herzlichst Alexandra

    Gefällt 1 Person

  2. Ingeborg schreibt:

    Gefällt mir

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