Ramesh Balsekar: Wenn es Gottes Wille ist …


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Der Allgegenwärtige Gott nimmt keine Notiz von irgendwelchen Verdiensten oder Schwächen. WAS IST, ist immer vollkommen. Das Licht des Atman wird verdeckt von der Finsternis der Täuschung, doch so werden die Menschen in die Irre geführt.

aus: Krishna, „Bhagavad Gita“ [VI/15]

Dieser Vers zerschlägt mit allem Nachdruck das Konzept von einem Gott, der irgendwo über den Wolken schwebt und genau über alle Sünden und guten Taten eines jeden einzelnen Menschen Buch führt, so dass zu gegebener Zeit der einzelne bestraft oder belohnt wir. Ein solches Konzept entspringt ganz offensichtlich tiefster Unwissenheit. Solch ein Konzept kann nicht bestehen, wenn man zutiefst davon überzeugt ist, dass nichts geschehen kann, außer durch Gottes Willen. Wird Gottes Wille völlig akzeptiert, dann kann der eigene Wille nicht bestehen, somit kann es auch keine Frage von irgendwelcher Sünde oder irgendwelcher Verdienste geben.

Ein solches Konzept wird wahrscheinlich sofort die Frage aufwerfen: Wenn es Gottes Wille ist, dass ich einen Mord begehe, warum sollte ich dann dafür bestraft werden?! Die Antwort ist überraschen einfach: Es gibt kein „Du“, das bestraft oder belohnt  wird. Es war Gottes Wille und die Bestimmung dieses menschlichen Organismus, dass der Mord geschehen sollte, und es ist auch Gottes Wille und die Bestimmung dieses Organismus, für die Tat bestraft zu werden.

aus: Ramesh S. Balsekar, „Die Bhagavad Gita“ – eine Auswahl

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„Das Licht des Atman wird verdeckt von der Finsternis der Täuschung, doch so werden die Menschen in die Irre geführt“, sagt Krishna, und Jesus bei Johannes 1,5: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Es ist dieselbe Aussage.

Wenn alles, was geschieht, Gottes Wille ist, können wir Gott auch gleich ganz streichen und bei der schlichten Aussage bleiben: „Es geschieht, was geschieht.“ Ramesh sagt: „Wird Gottes Wille völlig akzeptiert, dann kann der eigene Wille nicht bestehen.“ Mit diesem Satz hab ich so meine Schwierigkeiten. Es spielt keine Rolle, ob akzeptiert wird, dass geschieht, was geschieht, oder ob das nicht akzeptiert wird. Es geschieht in beiden Fällen nur das, was geschieht. Ich habe auch meine Schwierigkeiten damit, dass im Falle des Akzeptierens der eigene Wille nicht bestehen kann. Wenn der eigene Wille auftaucht, dann ist genau das das, was geschieht. Ob dieser eigene Wille nur eine Vorstellung ist oder nicht, soll dabei erst einmal völlig außer Acht gelassen werden. Ich könnte mich anfreunden mit einer Aussage, dass mein Wille Gottes Wille ist oder das Gotte Wille mein Wille ist, aber das wäre auch nichts anderes als: Es geschieht was geschieht.

pppWenn ein Räuber meinen Weg kreuzt und irgendwas von wegen „Geld oder Leben!“ zischt, dann ist es das, was geschieht. Wenn ich dann meine Taschen leere und ihm gebe, was er verlangt, ist auch das das, was geschieht. Und wenn ich den Räuber ungespitzt in den Boden schlage, dann geschieht halt das. Genauso wie es gerade geschieht, dass ich angebe wie vier Pfund Rotz. Wenn ich diesen komischen Außerirdischen aus dem Spiel lasse, ist alles ganz einfach.

Und die Finsternis der Täuschung, von der Krisha hier was erzählt, ist einfach in der Vorstellung zu finden, dass da irgendwelche Entitäten unterwegs sind, wurscht ob Gott oder ich, die irgendetwas tun. Ich und Gott sind einfach nur zwei nette Gespenster.

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10 Antworten zu Ramesh Balsekar: Wenn es Gottes Wille ist …

  1. Georg Alois schreibt:

    Ob Du es glaubst oder nicht, lieber Nitya, Du bist Gott!
    Es gibt nichts außer Gott! Oder wie man es auch nennt.
    Das ist die absolute Freiheit! diese Einsicht! merkst Du es denn nicht?

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  2. fredoo schreibt:

    Ich mag auch lieber die „neutrale“ Variante …
    Die sprachliche Vorstellung Ich sei (=) Gott lässt mich innerlich schlucken …
    Was für ein unnötiger Ballast .
    Und welche Chance für das nur allzugern „ergreifende“ Ich-lein sich so richtig fett aufzublasen ,
    gar bis auf Gottes Größe … wow …
    Da fühle ich mich mit der sprachlich zurückgenommeneren Variante …doch ersichtlich wohler :
    „DA ist nur GOTT … und ich darf/kann es bemerken“ ….

    Gefällt 3 Personen

    • Brigitte schreibt:

      “ … und ich darf/kann es bemerken“
      Bleibt da noch einer übrig, der es bemerken könnte?

      Gefällt 1 Person

      • fredoo schreibt:

        da ist kein Bemerker … nur Bemerken …
        und … dies Bemerken ist bereits inhärenter Teil dessen , was da geschehend IST …
        und auch das … kann bemerkt werden …
        und immer heiter so weiter …
        (auch das nur so ausgedrückt , da es die schwächstmögliche Objektivierung unserer Sprache ist , zumindest die mir bekannte )

        😀

        Gefällt 2 Personen

      • Brigitte schreibt:

        Mag sein. An diesem delikaten Punkt scheiden sich wohl die Geister. Im Grunde war mein Einwand überflüssig. Was solls. Ich finds interessant, wenn ich wieder mal wie der Ochs vorm Berg steh und einfach keine Ahnung hab 😉

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  3. Georg Alois schreibt:

    Ist das nicht lustig, auch hier, political correctness.
    Und die ganze ……, ich bin’s ja gar nicht, mein Ego, oh Gott oh Gott, dieses Ego und dann spricht das auch noch……..

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    • fredoo schreibt:

      also … da muss ich mich doch verwahren … ich und „polticall correct“ … das geht ja nun gar nicht … 😀
      jedoch …
      geht es um beschreibendes hinweisen ( aufs eigentliche ) bin ich schon um möglichst korrekte formulierungen bemüht . und halte dies auch , in bewusstheit deren vergeblichkeit , durchaus für angebracht …
      man kann zwar mit diesen hinweisen kein „wissen“ vermitteln ,
      aber hoffentlich doch , ein wenig zumindest , die stets latente missverständlichkeit vermeiden … auch wenn dann womöglich nur ein deftiges „häää ?“ im kommentar erfolgt .

      ich selber erinnere ne ganze menge „hääs“ in meiner vergangenheit …
      nix fand ich im nachhinein je fördernder …
      ( denn jedes „hää ?“ beinhaltet ja ganz unverblümt die oft verborgene wahrheit über uns menschlein )

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  4. Michael schreibt:

    „Das Licht des Atman wird verdeckt von der Finsternis der Täuschung, doch so werden die Menschen in die Irre geführt“, sagt Krishna, und Jesus bei Johannes 1,5: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Es ist dieselbe Aussage.

    Scheint ja doch von Wert zu sein, wenn das Licht in der Finsternis scheint. Wir müssten im Dunkeln wohl die Klappe halten und wären komplett getäuscht?

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    • Nitya schreibt:

      Ich bleib mal ganz bei Ramesh: “ Es gibt kein „Du“, das bestraft oder belohnt wird.“

      Also ist da auch kein „Du“, für das irgendetwas von Wert sein könnte.

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