Bankei Eitaku: Nun seht, wie gut Ihr sie annehmt!

 

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Als Bankei einmal während einer Winterklausur im Sanū-ji in der Provinz Bizen Darlegungen gab, strömten aus Bizen und Bitchū Laien und Priester in großer Zahl zusammen, um ihn zu hören. In einer Ortschaft namens Niwase in Bitchū gab es einen großen Tempel der Nichiren-Sekte, dessen Hauptpriester, ein hochgelehrter Mann, von der Gemeinde zutiefst verehrt wurde. Bankeis Name war zu der Zeit schon weithin bekannt, seine Lehre allgemein geachtet, und so kamen auch die Anhänger des Nichiren-Priesters zu den Zusammenkünften. Der Priester, dem dies gar nicht recht war, sagte zu seinen Leuten: „Ich habe gehört, dass Bankei gar nicht wirklich erleuchtet ist. Ginge ich hin, so könnte ich ihm eine Frage stellen, die er nicht zu beantworten wüsste. Ich könnte ihn mit einem Wort zum Schweigen bringen.“

Tatsächlich erschien er dann bei einer der Zusammenkünfte. Ganz im Hintergrund stehend, sagte er mitten in Bankeis Darlegung mit lauter Stimme: “ Die Leute hier hören Euch zu und glauben, was Ihr sagt. Von einem wie mir kann man jedoch nicht erwarten, dass er den Grundaussagen Eurer Lehre zustimmt. Wie wollt ihr mich retten, wenn ich eure Lehre nicht annehme?“ Bankei erhob seinen Fächer und sagte: „Würdet Ihr bitte ein wenig näher treten?“ Der Priester trat vor. „Komm bitte noch ein wenig näher“, sagte Bankei. Wieder tat der Priester ein paar Schritte. „Nun seht, wie gut Ihr sie annehmt!“ sagte Bankei. Wie betäubt und ohne ein weiteres Wort zu sagen, zog der Priester sich zurück.

aus: Meister Bankei, „Die Lehre vom Ungeborenen“

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Ich habe die Geschichte schon einmal erzählt. Ich hoffe, ihr verzeiht mir, wenn ich sie noch einmal erzähle, aber sie passt so gut zu der Story von Bankei und dem Nichiren-Priester. Vor vielen Jahren war ich einmal Teilnehmer in einem Seminar, das in einem Haus in der Innenstadt Hamburgs stattfand – ich glaube im vierten oder fünften Stockwerk. Der Seminarleiter löste bei mir mit seinen ständigen Anweisungen immer mehr Widerstand aus. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich machte ihn deswegen an. Aber der Typ blieb ganz gelassen und befahl mir bloß so ganz beiläufig: „Los, spring aus dem Fenster!“ Für einen Augenblick war da nur totale Stille. Dann wieherten und prusteten wir beide los vor Lachen und ich war sofort wieder mit meinem Widersacher versöhnt. Anweisungen können befolgt werden oder auch nicht. Aufgrund meiner autoritären Erziehung fehlte die zweite Möglichkeit in meinem Programm. Kein Wunder, dass ich wütend wurde. Programme sind halt nur blöd und lernunfähig. Gestern fragte Osho: „Seid ihr vielleicht eine Art Roboter?“ Die Anweisung des Seminarleiters, aus dem Fenster zu springen, machte mir schlagartig klar, wie sehr ich mit meiner Wut roboterhaft reagiert hatte. Das ist eine wundervolle Gelegenheit, sich mal wieder schlapp zu lachen.

Die Geschichte mit Bankei und dem Nichiren-Priester ging leider nicht so lustig aus. „Wie betäubt und ohne ein weiteres Wort zu sagen, zog der Priester sich zurück.“ Aus seinem Erleben heraus, hatte er den Bankei, auf dessen Anziehungskraft er total neidisch war, herausgefordert und dabei kläglich versagt. Wie ein geprügelter Hund schlich er sich von dannen. Ihm schwante vermutlich, dass er die bisherige Verehrung seiner Gemeindemitglieder durch seine Niederlage nun vollkommen verloren hatte.

Zur Ehrenrettung des Nichiren-Priesters darf ich vielleicht sagen, dass er mit schwierigen Voraussetzungen zu kämpfen hatte. Das war eine totale Zwickmühle für ihn. Er war der verehrte Platzhirsch. Plötzlich kriegt er diese berühmte Konkurrenz. Seine Schäfchen laufen ihm schon davon. Wenn er sie nicht ganz verlieren will, muss er kämpfen. Er hat keine Wahl, seine Gene oder sein Ego, also die sind da unerbittlich. Also setzt er alles auf eine Karte. Erst klopft er große Sprüche und verbaut sich damit selbst jedes Aussitzen des Problems. Dann überlegt er sich eine bauernschlaue Frage und reibt sie dem Bankei triumphierend unter die Nase: „Wie wollt ihr mich retten, wenn ich eure Lehre nicht annehme?“ Aber Bankei, dieser Schweinehund, fällt nicht auf den blöden Trick rein und lockt stattdessen den armen Priester gnadenlos in eine ganz gemeine Falle. Und der, dusselig wie er ist, tappt voll rein. Die Falle schnappt zu und anstatt zu lachen und dem Bankei für den geilen Trick zu loben, zieht er gedemütigt den Schwanz ein und verkrümelt sich wie ein begossener Pudel. Wahrscheinlich hat er das Land verlassen und sich einen neuen Namen zugelegt. „Sei dir selbst ein Witz, der dich erheitert!“ wäre hier sehr hilfreich gewesen. Aber, wenn man so ein hoher Herr ist, scheint das besonders schwer zu sein. Schließlich hat man einen Ruf zu verlieren.

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7 Antworten zu Bankei Eitaku: Nun seht, wie gut Ihr sie annehmt!

  1. Elwood schreibt:

    Bei guter Pflege verheilt die Wunde super…..

    Gefällt 2 Personen

  2. Eno Silla schreibt:

    Nur mal so in die Runde geworfen, ein anderer Blick auf:

    Gefällt 2 Personen

    • Eno Silla schreibt:

      weiß jemand, wer der mann da ist? ganz unspirituell, meine ich, natürlich ist klar, dass niemand weiß, wer was ist oder nicht ist, zumal es ziemlich fraglich ist, ob es einen niemand oder jemand überhaupt gibt. und weil wir das ja geschnallt haben, können wir ja auch so tun als ob da jemand wäre. dann erleben wir, wie genial es ist unendliche blickwinkel zu haben, unendliche möglichkeiten. dann stürzen wir uns in das spiel und spielen einfach mit, so gut wir können und wenns wirklich anfängt richtig klar zu werden, dann mit mehr und mehr freude…
      ach, wißt ihr was, ich will überhaupt nicht mehr wissen, wer der kerl da oben ist!

      Gefällt 2 Personen

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