Leo Hartong: Kein Warten wird es näher bringen

 

mKein Grund zu verzweifeln, wenn du Worte wie „es passiert, wenn es passiert“ liest. Alle Worte sind nichts als Hinweise auf DAS, wie es ist.

Der einzige „Shift“ der nötig ist, ist einzusehen, dass nichts geschehen muss, damit DAS ist, wie es ist. Die Präsenz, die sich des Lesens dieser Worte gewahr ist, kommt und geht nicht. Alles erscheint darin, einschließlich der Vorstellung eines „Ichs“, das noch nicht „da“ ist. DU bist der Gewahre Kontext, in dem alles erscheint. Das Warten auf den Shift wird anstrengungslos von jemandem gesehen, der nicht wartet; ES ist einfach.

Dreh dich um, weg vom Beobachteten, hin zum Beobachten. Das Beobachten kann ebenso wenig Objekt für sich selbst sein, wie Licht auf sich selbst scheinen kann. Das hindert das Licht oder das Beobachtende-Gewahrsein allerdings nicht daran, weiterhin zu leuchten.

DU BIST dieses Selbstscheinende-Gewahrsein, dem diese Worte erscheinen. Jetzt tauche tiefer, dann wird klar, dass Gewahrsein und seine Objekte ein und dieselbe Präsenz sind, ebenso wie Objekt und Form nicht getrennt werden können. Diese Selbst-Entstehende, Selbst-Beobachtende, Selbst-Scheinende Präsenz ist alles, was ist. SIE erscheint sich selbst als scheinbar getrennte Punkte des Bewusstseins, aber DAS, was in und als diese Punkte „ICH BIN“ sagt, ist das Eine-Selbst-Das-Du-Bist. Kein auch noch so langes Warten wird es näher bringen, da ES keine Erfahrung ist, sondern das nicht-erfahrbare-Erfahren selbst.

aus: Leo Hartong, „Betrachtungen vom Spielfeldrand“


Unwillkürlich musste ich beim Lesen des Textes vom Leo an dieses wunderbare Video denken, das wir ja schon ein paarmal hier drin hatten: „Krümel und Lulatsch erklären ‚Hier und Da'“. Der ‚Kleine‘ entspricht dem spirituellen Sucher. Er ist ‚hier‘ und möchte ‚da‘ sein. Wenn er dann ‚da‘ ist, muss er sich belehren lassen oder stellt selbst fest, dass er immer noch ‚hier‘ ist. Irgendwann kapiert er vielleicht, dass es dieses ‚Da‘ nicht gibt, sondern immer nur dieses ‚Hier‘. Na, dann kann er aber ein Fass aufmachen und ne Fete schmeißen.

zZaZen (chin. Zuo Ch’an) sei die Haltung, hab ich vorhin gelesen, mit der der Buddha vor gut zweieinhalb Jahrtausenden erwacht sei. „Gut, dass er nicht auf dem Klo erwacht ist“, war so’n lausiger Gedanke, der dabei in meinem nichtsnutzigen Hirn aufstieg, und ich stell mir dabei ein einwöchiges Retreat vor. Ich weiß, ich bin ein bisschen pubertär. Aber vielleicht hat dieses Sitzen doch einen gewissen Sinn. Wer sitzt, ist zwangsläufig ‚hier‘, wer geht, geht von ‚hier‘ nach ‚da‘. Letzteres könnte einen auf dumme Gedanken bringen. Andererseits könnte einen auch die Sitzerei auf dumme Gedanken bringen, aber das ist ja schon wurscht, weil einen alles auf dumme Gedanken bringen kann, also mich jedenfalls. Wer sitzt, könnte zum Beispiel auf den Gedanken kommen, dass das ‚Hier‘ nur da ist, wo er sitzt.

Leo sagt: „Alles erscheint darin, einschließlich der Vorstellung eines ‚Ichs‘, das noch nicht ‚da‘ ist.“ Das aber vielleicht ‚da‘ sein wird, wenn das ‚Ich‘ lange genug wartet, bis es reif geworden ist für den großen Big Bang. Da kann das ‚Ich‘ natürlich lange warten und sich den Arsch platt sitzen, der Big Bang popt schon von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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17 Antworten zu Leo Hartong: Kein Warten wird es näher bringen

  1. Georg Alois schreibt:

    Lieber Nitya,
    über das Unaussprechliche sprechen, daraus lässt sich vorzüglich eine Religion machen.
    Ich versuche auch immer wieder meine Freundin zu erklären, sie ist auch so eine „Arsch-platt-Sitzerin“, Vipassana Meditation, dass, wenn es dann realisiert wurde, was dann??? Was erwartet ihr???
    Ich glaube es wurde auch mal hier im Block darüber berichtet, dass man dann wieder „zurück kommen“ muss. Zum Wasser holen und Holz hacken. Ja dann nehmt doch gleich die Abkürzung! Vergeudet nicht eure Zeit! mit dem was man eh nicht benennen kann. Um was geht es denn? Sorgenlos leben. Und wer oder was hindert euch daran?

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    • Nitya schreibt:

      Ach, lieber Georg Alois,

      lass sie doch sitzen. Auch sie ist eine göttliche Manifestation. Ich wundere mich ja auch immer wieder, was da so aus dem göttlichen Urgrund hervorquillt, aber da ist das Sitzen ja noch eine der harmlosesten Manifestationen. Wer sitzt, sündigt nicht oder nur so’n bisschen. Und wenn das Sitzen einfach Spaß macht und gar nichts anderes soll, als einfach Spaß zu machen, dann … jedem Tierchen sein Pläsierchen halt.

      Und Zeit vergeuden – hmm, ist das überhaupt möglich?

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      • Elwood schreibt:

        Ich glaub beim ollen Dogen es auch schon mal gelesen zu haben, das man beim sitzen aus dem „Karma“ fällt oder so ähnlich. Aber geht das überhaupt?
        Mit meiner Schnauze heißt das: – beim sitzen geh ich meinen Mitmenschen wenigstens nicht auf den Sack! – Außer denen, die die Erwartung haben, dass der Abwasch sofort erledigt werden muss. Aber dass ist ja deren Karma – oder auch nur so ein Wort.
        Jeder denkt so oder so müsste es sein……..

        Sawaki Rôshi: Es muss so sein, doch es kann so sein wie es will. Nichts muss auf irgendeine bestimmte Weise sein, doch es muss in der höchsten und besten Weise so sein, wie es ist.

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      • Georg Alois schreibt:

        Muss was korrigieren…… Meditation ist eine super Erfindung! Ich wollte nur sagen, dass diese Erwartung auf Erleuchtung, nicht unbedingt zum Ziel führt. Und deswegen muss ich immer so lachen, wenn meine Freundin dann immer noch verzweifelt oder leidend ist. Aber natürlich kann man machen nischt! Ist halt ihr Weg.
        Das Sitzen bei der Meditation habe ich schon lange aufgegeben. Meditation ist Teil meines Alltags. Das will ich mal erklären. Wenn irgend ein Problem auftaucht, meistens ist es technischer Art, da ich ständig an irgendetwas arbeite. Also, ein Problem taucht auf, es wird formuliert und dann nicht mehr daran rum denken. Und immer wieder geschieht das Wunder ( so sehe ich das halt) plötzlich, kann auch Tage dauern, ist die Lösung da. Ich staune so oft, denn ich käme meistens nicht von alleine drauf. Ich kann Euch gar nicht erzählen, wie der Alltag dann Spaß macht.
        Von Albert Einstein habe ich mal gehört, dass er so ähnlich mit seinen Probleme umging. Er schrieb das Problem bzw. formulierte die Aufgabe, auf einen Zettel und hing ihn an die Wand, und dachte nicht weiter darüber nach. Und dann plötzlich………… da kam die Lösung quasi aus dem Nichts…..

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      • ananda75 schreibt:

        das kenn ich auch – Frage formulieren – Thema vergessen – Antwort kommt
        aber könntest du die Frage einfach so vergessen, wenn du nie meditiert hättest?
        bedarf keiner Antwort diese Frage – jeder muss seinen Weg gehen, darum geht’s und nicht darum, jemandem auszulachen oder sich zu erheben über andere 🙂
        und im Übrigen sitzt man sich während der Meditation nicht den Arsch platt 😆 es sei denn, du meditierst auf dem Sofa

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    • ananda75 schreibt:

      ich bin auch ein Fan vom Sitzen – Warum?
      Weil mir das einfach gut tut
      Weil ich mit dem Durchananda des Lebens und in mir drin besser klar komm
      Weil ich besser schaffe bei mir zu bleiben
      Abgelatschte Rede, das mit dem „bei mir bleiben“? – nein, für mich über-lebenswichtig

      und warum eine Abkürzung nehmen?
      und vor allem – wohin?
      ist doch vollkommen egal, wie jemand seine Zeit verbringt, wenn er/ sie selbst nur damit klar kommt
      Sorgenlos leben – klar – eigentlich ganz einfach – aber so leicht ist das nun auch nicht, das dauerhaft und zufrieden hinzukriegen
      es geht ja nicht um einen kurzen Erleuchtungs-High-Fly a la Eckhart Kolle-Leser, die dann für den Moment „alles verstehen“ und „alles ist gut“ – wie durch die rosarote Brille der Verliebtheit betrachtet und eh man sich verguckt – Patsch – da isses wieder, das Leben…

      Alles Liebe ❤

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  2. ananda75 schreibt:

    Hi Nitya,

    Ich liebe es auch, das Hier und Da – einfach genial !

    Lieben Gruß ❤

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  3. Ayni schreibt:

    „Letzteres könnte einen auf dumme Gedanken bringen.“
    :http://www.jarofquotes.com/img/quotes/51e9cc034595432aaf0f0bfd36b61d8c.jpg
    Evolution führt vom Einfachen zum Komplizierten.
    Devolution führt vom Komplizierten zum Einfachen.

    Munay

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  4. fredoo schreibt:

    ich bin mir da gar nicht so sicher …
    ob da tatsächlich kein Nutzen im Bemühen ist ?
    auch oder gerade weil ich das auch so gern im virtuellen Klugscheissen so verkünde …
    Könnte ja sein , dass der „Nutzen“ nicht im „nützen“ sondern in dessem Gegenteil liegt ?
    also … dass sich die Nutzensuche quasi selbst ein Bein stellt , und in ihrem Scheitern ,
    was meist schockartig geschieht ( je intensiver gesucht wurde , um so schockiger womöglich ? )
    und sich dann eine Art Riss in der „Dauer-Filmprojektion“ ermöglicht ?
    könnte sein , der Mensch muss reingelegt werden , vom eigenen Schicksal ,
    da er ansonsten schön pflichtgetreu die erworbene Art der Wahrnehmung weiterführen würde ? …
    Sind dann die Ratschläger und Davornesitzer womöglich eher Reinleger und Fallensteller als hilfreiche Be-Lehrer von zu erwerbendem ?
    Ist es dann womöglich völlig egal was da „be-lehrt“ wird ?
    Hauptsache es beinhaltet das Potential zum ordentlich heimtückisch reingelegt werden ?

    nun ja , ich bin mir da nach wie vor kein Deut sicherer …
    kann jedoch konsidieren , dass die , die mir in meiner Geschichte davornesitzend begegnet sind ,
    anscheinend ihren ReinlegerJob ganz gut erledigt haben …
    Ob nun bewusst oder eher zufällig … vermag ich noch immer nicht zu sagen …

    Gefällt 2 Personen

    • ananda75 schreibt:

      Hi Freedo,

      Heimtückisch – nee, so würd ich das nicht nennen, aber mein Vorne-Sitzer amüsiert sich auch immer köstlich, wenn er mir mal wieder erfolgreich ein Beinchen gestellt hat.
      Ich formuliere das absichtlich so verniedlichend, denn ich fühle mich durchweg gut aufgehoben und die lustigen Sachen, die er manchmal mit mir macht, als immer liebevoll

      Alles Liebe ❤

      Gefällt 1 Person

    • Nitya schreibt:

      „Ob nun bewusst oder eher zufällig … vermag ich noch immer nicht zu sagen …“

      Dann hältst du es also für möglich, dass es bewusste Reinleger geben könnte? Ursache und Wirkung? Ist es nicht vielmehr doch so, dass es einfach geschieht, wenn es geschieht? Du könntest genauso über eine Baumwurzel stolpern und mit der Nase exakt in Hundescheiße landen und völlig entzückt aufspringen und rufen: „Aahhh, so ist das! So einfach! Ich lach mich tot!“ Hat dich jetzt die Baumwurzel bewusst reingelegt oder die Hundescheiße?

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    • Ayni schreibt:

      Imma wieDa BIGgER trigger.
      „…..also … dass sich die Nutzensuche quasi selbst ein Bein stellt , und in ihrem Scheitern….“
      …was ein Hirn doch so denken vermag……wUnDerBar.

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