Jean Klein: Sie müssen realisieren, dass niemand lebt


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Sie müssen realisieren, dass niemand lebt. Da ist nur Leben. Es ist die irrtümliche Überzeugung, dass es da eine lebendige Persönlichkeit gibt, die Sie dazu treibt, in Objekten nach Sicherheit zu suchen, dazu, ein Gefühl von Kontinuität aufrechtzuerhalten und zu versuchen, das Leben zu dominieren. Die Vorstellung, Täter Ihrer Handlungen zu sein, ist der eine und einzige Fallstrick, der Sie davon abhält, wirklich zu leben. Leben ist frei, ohne Angst, es folgt seinem natürlichen Kurs. Stimmen Sie sich auf das Leben ein, seien Sie eins damit.

Wir müssen unser psychosomatisches Feld kennenlernen, darauf aufmerksam werden, wie wir funktionieren, ohne zu versuchen, es zu ändern. Das bedeutet, dass wir den Tatsachen des täglichen Lebens ins Auge schauen, ohne zu versuchen, ihnen zu entkommen oder sie zu rechtfertigen. Wir sollten absolut zur Kenntnis nehmen, wie alle unsere Gedanken und Handlungen aus einem Zentrum kommen und Wahl beinhalten. Wir müssen auch von den Ergebnissen der Handlungen des trennenden, wählenden Verstandes Notiz nehmen. Auf diese Weise lernen wir uns selbst kennen, und da die Gesellschaft von uns nicht getrennt ist, lernen wir die Gesellschaft kennen. Wenn wir mit der unpersönlichen Position vertraut werden, tauchen neue Aspekte in der Situation auf, die von Meinungen, Vorlieben und Abneigungen verdeckt waren. Diese Ergänzungen verändern alles.

Für mich besteht Sadhana darin, die eigene Funktion kennenzulernen, den Tatsachen des Lebens ins Auge zu sehen.

aus: Jean Klein, „Nichts als Gegenwart“

vSieht aus, wie’n netter Kerl, der Jean Klein, ist er wahrscheinlich auch. Trotzdem hab ich beim Lesen seines Textes eine leichte Benommenheit verspürt. Hmm, hmm, stimmt doch, was er sagt: „Die Vorstellung, Täter Ihrer Handlungen zu sein, ist der eine und einzige Fallstrick, der Sie davon abhält, wirklich zu leben.“ Später sagt er dann: „Wir müssen unser psychosomatisches Feld kennenlernen, darauf aufmerksam werden, wie wir funktionieren, ohne zu versuchen, es zu ändern. Das bedeutet, dass wir den Tatsachen des täglichen Lebens ins Auge schauen, ohne zu versuchen, ihnen zu entkommen oder sie zu rechtfertigen.“ Wir sind also nicht Täter unserer Handlungen und gleichzeitig müssen wir kennen lernen, aufmerksam werden und dürfen nicht versuchen … Da wird ja mal wieder der Hund in der Pfanne verrückt! Ein Nicht-Täter soll tun. Ist euch das schon mal aufgefallen: In der sog. spirituellen Literatur wimmelt es nur so von solchen Double Binds?

„Für mich besteht Sadhana darin, die eigene Funktion kennenzulernen, den Tatsachen des Lebens ins Auge zu sehen“. sagt der Jean Klein. Und was sagt Bello? Nix. Macht der nämlich schon seit eh und je, „die eigene Funktion kennenzulernen und den Tatsachen des Lebens ins Auge zu sehen“ und zwar ohne das zu machen und dieses Nicht-Machen dann Sadhana zu nennen. Achtsamkeitstraining braucht er auch nicht, aber er bewacht zuverlässig das Haus, während Herrchen zu seinem Aufmerksamkeitstraining gefahren ist.

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15 Antworten zu Jean Klein: Sie müssen realisieren, dass niemand lebt

  1. Georg Alois schreibt:

    Alle woll’n nur Geschäfte machen, alles Händlerseelen. – Gestern war ich das erste mal auf so einer „Spiri-Seite“ und habe einen Schock bekommen. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung, was da heutzutage so abgeht. Durch Deine Videos, die Du hier manchmal rein stellst, habe ich auf „Jetzt-TV“ geklickt. …….Unfassbar……. Sag mal, diese Szene unterscheidet sich in ihrer Habsucht und Geschäftemacherei, in nichts, von z.B. dem Aktienmarkt und der Habgier der restlichen Gesellschaft.

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    • Nitya schreibt:

      Tja, mein lieber Georg Alois, Erwachsenwerden ist ein großer Schock. Wohl dem, der sich dabei die Kindlichkeit seiner Seele bewahren kann.

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    • Nitya schreibt:

      ich schrieb ja schon mal, ich könnte hier keinen Beitrag hinkriegen, wenn ich mir das bezahlen lassen würde. Das ist nicht meinem edlen Charakter, sondern meiner Konditionierung geschuldet. Das ist natürlich auch ein Dilemma. Eigentlich wollte ich ja Maler werden, aber ich hätte nie ein Bild verkaufen können. Wovon hätte ich also leben sollen? Ich hatte so die Idee, die halbe Woche auf dem Bau zu arbeiten und den Rest der Zeit meine Bilder zu malen. Haute irgendwie nicht hin. Vor allem nicht mit einer Frau. Also wurde ich Kunsterzieher und malte kein einziges Bild mehr. Und so etwas wiederholte sich immer wieder. Alles, was mir Spaß machte, durfte nichts mit Geld zu tun haben. Vielleicht wäre ich sonst noch Callboy geworden. Also – Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Das ist mein Schicksal. Halleluja!

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      • Georg Alois schreibt:

        Ich habe es ‚leider‘ mit „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ nicht hingekriegt. Mir stand immer meine Konditionierung mit: „Du kannst nicht zwei Herren dienen…“ im Wege. Und meine Hoffnung auf eine Einheitsrente hat sich als Pusteblume erwiesen.
        Trotz alle dem und alledem, ich möchte nicht einen Tag anders haben

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      • punitozen schreibt:

        …. Da wäre so ein Nitya , neben Herrn van Gogh , in bester Gesellschaft . Der hat auch kein Bild verkauft , 🙂

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      • ananda75 schreibt:

        Mir fällt dazu ein – als ich noch ziemlich jung war – Mitte 20 oder so – bekam ich von direkt mehreren „älteren Damen“ an’s Herz gelegt, niemandem umsonst Karten zu legen, Horoskope zu machen o.ä. – denn, wie sie sagten – die Menschen nehmen dich nicht ernst, wenn du nix dafür nimmst.
        Da hab ich mich dann auch dran gehalten, weil ich was hielt von diesen Damen.
        Mit der Zeit riss das immer mehr ein – ich wollte ja eh nicht unbedingt Geld, irgendeine Gegenleistung halt … und die wurden dann mit der Zeit immer kleiner – von meiner Seite aus.
        Und da hab ich das dann tatsächlich festgestellt – zumindest bei Fremden/ flüchtigen Bekannten… die Leute glauben wirklich, wenn es nix kostet isses nix wert.

        Inzwischen mach ich nix dergleichen mehr professionell.
        Und lebe in allem das freigiebige Geben – da mach ich mich selbst mit glücklich und es kommt eh immer jede Menge zurück.

        Blog ist für mich sowieso ganz was anderes.
        Da schreib ich ja zunächst mal für mich selbst.
        Ich lass der Ananda in mir freien Lauf und wenn ich dann mal nicht weiter weiß oder so,
        kann ich da nach gucken – Ananda weiß immer wo’s lang geht 😉

        Alles Liebe ❤

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    • Nitya schreibt:

      Also zur Ehrenrettung der Gescholtenen möchte ich noch anmerken, dass Indien mit seinen Satsanglehrern, dort als Gurus bekannt, anders umgegangen ist. Für jemanden, der seinen Guru gefunden hatte, war es selbstverständlich, diesem seine Dankbarkeit auszudrücken. Der Guru musste weder Betteln gehen noch Gebühren verlangen. Die Devotees waren dankbar, wenn der Guru ihre Geschenke annahm.

      In der westlichen Welt würde ein Guru vermutlich verhungern. Da die Spiris ein großes Bedürfnis haben, Erleuchtung zu erlangen, möchten sie auch den Weg gezeigt kriegen. Möglichst sofort und kostenlos. Das ist dann auch so etwas wie der Krämergeist der Schnäppchenjäger. „Sag mal, diese Szene unterscheidet sich in ihrer Habsucht und Geschäftemacherei, in nichts, von z.B. dem Aktienmarkt und der Habgier der restlichen Gesellschaft.“ Dann musst du also auch die habgierigen Spiris mit einschließen, lieber Georg Alois. Wer haben will, soll dafür zahlen, könnte ich sagen. Ich kann nicht haben wollen und dann dem anderen vorwerfen, dass er auch haben will. Unsere ganzen Beziehungen sind von diesem Habenwollen durchtränkt.

      Ich muss wieder an den alten Schrebergärtner aus meiner Jugend denken, der mir meinen Platten geflickt hat. Er machte mir das Geschenk und beschenkte damit sich selbst. Er wollte nicht einmal mein Dankeschön. Wer in diesem Bewusstsein lebt, für den ist diese ganze Habenwollerei einfach nur Kinderkram. Sag ich mal so.

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      • Georg Alois schreibt:

        Selbstverständlich bringen diejenigen, die haben wollen, dieses ganze Geschäftliche in Gang. Es ist mir auch, ehrlich gesagt, egal! Ich habe nur einen Schock bekommen, weil ich von diesen Ausmaßen nichts wusste.
        Ich bin „von Hause aus“ ein Flüchter! Diese Welt ist für mich immer noch so groß und nicht global, dass ich immer dort hin gehen konnte und kann, wo ich von dem ganzen Konsum-Trallala nichts mitbekomme, wenn ich nicht will. Als ich Deutschland vor einigen Jahrzehnten verließ, war mein Motto: ich mache einen Platzt frei für einen „Armutsflüchtling“ und gehe dort hin, wo er herkommt.

        „Ich kann nicht haben wollen und dann dem anderen vorwerfen, dass er auch haben will. Unsere ganzen Beziehungen sind von diesem Habenwollen durchtränkt.“

        Ja, so ist es. Und weil es so ist wie es ist………. kann ich nur stauen.

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      • punitozen schreibt:

        Lieber Nitya ,
        was die spirituellen Lehrer anbelangt , habe ich drei Spezies bisher ausgemacht .
        Typ 1 . Der gelehrte Gelehrte .
        Anzutreffen in Schulen als Religionslehrer/in verkleidet .
        Typ 2 . Der geleerte Gelehrte .
        Anzutreffen in esoterischen , auch christlichen Hauskreisen , alternativen
        Kultur-Cafe`s und andere lokalpolitischen Scenetreffs .
        Typ 3 . Der geleerte Geleerte .
        Alles Herren aus der , wie Freedo es formulierte , ersten Reihe .
        Diesen Typen wird alles Mögliche nachgesagt . An ihnen scheiden sich die Geister .

        irgendwie haben alle 3 Typen eines miteinander gemein : Sie sind wie jeder gewöhnliche Mensch , mehr oder minder , am globalen Geldverkehr beteiligt .

        Herzlichen Gruß
        Punito

        Von Einem ,der mir heute , an seinem Geburtstag im Kopf rumschwirrt :
        …….. “ Bitte vergebt mir – und vergesst mich! Wie lange schon spuken Jesus, Krishna und der Jaina-Heilige Mahavir in euren Köpfen herum – und es hat euch nicht geholfen. Besinnt euch auf euch selbst. Und nochmals – vergebt mir. Denn es wird euch sehr schwerfallen, mich zu vergessen ! “ ….
        OSHO
        .

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  2. Brigitte schreibt:

    Alle woll’n nur Geschäfte machen, alles Händlerseelen.

    Nicht alle. Es gibt einige, die sich von Jetzt-TV wieder verabschiedet haben und dort gar nicht mehr in Erscheinung treten oder nur noch selten. Aus welchen Motiven sei dahingestellt. Und was die „Spiri-Lehrer“ und deren Beweggründe angeht, wird es wie überall sein, es gibt solche und solche. Angebot und Nachfrage regeln das Geschäft. Wie könnte es im Spiriland anders sein. Übrigens, Devasetu hat diese Plattform auf Spendenbasis gegründet und ich glaube es war/ist ihm ein Herzensanliegen. Allerdings bezweifle ich, ob seine Unkosten damit gedeckt werden.

    Das kapitalistische Herrschaftssystem lebt von der Gewinnmaximierung und nimmt die verheerenden Folgen in Kauf, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Wir brauchen so wenig und doch sind wir hungrig nach immer mehr. Das ist im spirituellen Bereich nicht anders. Wir wollen wollen wollen, und wenns sein muss, auch noch die „Erleuchtung“. Das ist verrückt.

    Bei dir habe ich den Eindruck, dass du einen Weg für dich gefunden hast, dich davon zumindest weitgehend zu entkoppeln. Erzähl doch ein bißchen darüber, wenn du magst, würd mich freuen.

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  3. Georg Alois schreibt:

    Liebe Brigitte,
    ich glaube nicht, dass hier der richte Ort ist, um all das zu erzählen…….
    Nitya hat die Vokabel „Konditionierung“ ins Gespräch gebracht.
    Ich kann jetzt mit 67 Jahren sagen, dass ich nie eine andere Chance hatte, als all das zu tun was getan wurde.
    Edward Bach hat mal so wunderschön gesagt: „Unsere Seele ist vollkommen. Wenn wir auf sie hören, dann ist alles, was sie uns aufträgt zu unserem Besten……..ob es sich um den Wunsch nach einer weiteren Tasse Tee oder um eine völlige Umstellung sämtlicher Lebensgewohnheiten handelt, wir sollen den entsprechenden Weisungen unserer Seele bereitwillig gehorchen.“
    Und ich bin nun mal so gestrickt, dass ich immer nur auf meine Seele hören kann. Natürlich ist so eine Konditionierung schrecklich für die Familie, Verwandtschaft und Freunde, denn ich habe alle Erwartungen von denen enttäuscht. Ich bin Profi-Enttäuscher !
    Ich kann Dir aber sagen, es ist herrlich! Aber alles Reden nutzt nichts, es ist lediglich Unterhaltung, Zeitvertreib. Meine Erfahrung sagt mir, dass Bach recht hat. Er nennt es halt Seele.
    Die Sonne scheint und es ist windstill. Ich gehe jetzt in den Garten und werde eine große Gewächshaus-Folie über meine Dachkonstruktion spannen. Dann kann ich auch in der Regenzeit draußen sitzen.
    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir

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  4. fredoo schreibt:

    ich gehe jetzt in unsere Martinskirche … Bach … Weihnachtsoratorium … die 30 Euro Eintritt zahle ich gerne … 😀

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