Osho: Der schöne Schein


oWer zu seinem Ursprung zurückkehrt,
findet den Sinn.
Wer jedoch nur dem schönen Schein nachjagt,
verfehlt den Ursprung.

Chien-chih Seng-ts’an

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Wer immer nur dem schönen Schein nachjagt, verfehlt die Quelle, denn die Außenwelt ist nur Schein. Der eine ist auf Reichtum aus, der andere auf Sex, wieder ein anderer auf Ansehen und Macht – und alle jagen sie dem schönen Schein nach. Und immerzu verfehlt ihr euch selbst, und immerzu lebt ihr im Traum. Wer seinen Ursprung verfehlt, der verfehlt alles. Er mag noch so viel in der Außenwelt erreichen, aber am Ende steht er mit leeren Händen da.

Denn das Eine, der Ursprung allen Seins, ist ihm entgangen. Er mag als steinreicher Mann sterben, aber innerlich stirbt er arm, bettelarm. Er mag der große Präsident eines Landes sein oder ein Kanzler, aber tief drinnen weiß er, dass er machtlos ist. Sein Tod ist der Beweis, dass er nur scheinbar Macht hatte; angesichts des Todes ist er machtlos, hilflos. Wahre Macht geht über den Tod hinaus – alles andere ist Impotenz. Sie mag ihn eine Zeit lang täuschen, doch der Tod beweist ihm, was sie wert ist. Vergesst nie, dass der Tod kommt, und der Tod kommt, und der Tod gibt den Ausschlag: Was der Tod entwertet, bleibt entwertet, und was der Tod bestätigt, bleibt bestätigt. Und das, was den Tod übertrumpfen kann, was sich als stärker als der Tod erweist, ist die Wirklichkeit. Das Wirkliche kann nicht sterben; das Unwirkliche stirbt tausend Tode.

aus: Osho, „Weder leicht noch schwer“

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„Der schöne Schein“ – also der muss keineswegs immer schön sein. Schein ist Schein, wie auch immer er erlebt wird. Die Außenwelt ist in ihrer Gesamtheit Schein, nur Schein. Das ist für die meisten Menschen völlig unannehmbar. Da hat einer nur noch ein paar Euro auf dem Konto oder nicht einmal mehr das und dann sagt ihm jemand: „Hey, sorge dich nicht! Das ist alles nur Schein!“ Und wenn dann der arme Hund protestiert und verzweifelt darauf hinweist, dass er demnächst auf der Straße sitzt, kommt jemand wie Osho mit seinem gesicherten Auskommen und 93 Rolly Royces daher und sagt: „Was der Tod entwertet, bleibt entwertet, und was der Tod bestätigt, bleibt bestätigt. Und das, was den Tod übertrumpfen kann, was sich als stärker als der Tod erweist, ist die Wirklichkeit. Das Wirkliche kann nicht sterben; das Unwirkliche stirbt tausend Tode.“ Also, dein Kontostand oder deine Schulden sterben tausend Tode, das Wirkliche, also ganz bestimmt nicht dein Kontostand oder deine Schulden, kann nicht sterben. Also im äußersten Fall wird nur dieser Körper Hungers sterben, aber das Wirkliche wird nicht sterben. Also wenn das nicht tröstlich ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Die Sache hat natürlich einen Haken. Das ist reine Theorie, reiner Mindfuck. Das Wirkliche west auch in jedem Tier herum und doch sorgt es dafür, dass es genug zu fressen hat und möglichst nicht selbst gefressen wird. Das haben die Tiere den Menschen einfach voraus, dass sie keine blöden Ideen im Kopf haben. Das Wirkliche wirkt durch sie, ohne dass die Tiere darüber reflektieren. Anders der Mensch. Er stellt Fragen und dann entwickelt er eine Theorie. Und dann kommt er zu dem Schluss: „Was der Tod entwertet, bleibt entwertet, und was der Tod bestätigt, bleibt bestätigt. Und das, was den Tod übertrumpfen kann, was sich als stärker als der Tod erweist, ist die Wirklichkeit. Das Wirkliche kann nicht sterben; das Unwirkliche stirbt tausend Tode.“ Das dürfte zwar richtig sei, solange es aber nur eine Theorie bleibt, kann nur Blödsinn daraus entstehen. Vielleicht wird der Mensch dann Zen-Schüler in Japan und läuft nur noch mit der Bettelschale herum. Ich habe gehört, dass sich die Zeiten geändert haben und bettelnde Mönche dort neuerdings verprügelt werden. Was macht der arme Kerl jetzt? Ist ja alles nur schäbiger Schein! Bleibt ihm nur der Hungertod. Die Raben, die von keinerlei Skrupeln geplagt werden, werden sich alsbald über dieses Festmahl hermachen und die Würmer auch. Macht ja nix. Das Wirkliche kann nicht sterben.

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Ein Zeichen wahrer Meisterschaft von Osho waren seine 93 Rolls Royces (oben ist nur  ein kleiner Teil der Rolls Royces-Flotte zu sehen), für die er ja weltweit Prügel bezogen hat. Dass das Wirkliche den schönen Schein mit Inbrunst genießen kann, sieht wie ein Widerspruch aus, ist aber keiner. Wer das nicht begreift, führt wahrscheinlich ein ziemlich erbärmliches Leben, aber auch dagegen ist absolut nichts einzuwenden.

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2 Antworten zu Osho: Der schöne Schein

  1. Marianne schreibt:

    Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche

    Gefällt 2 Personen

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