Balsekar: Glück liegt in der Annahme des Polaritätsprinzips

 

ramesh-balsekar

Der menschliche Verstand-Intellekt ist es, der den natürlichen Zusammenhang der Gegensätze als Tatsache des Lebens ablehnt. Leben und Tod werden zu Leben vs. Tod; gut und böse werden zu gut vs. böse. Und so wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl. Der Mensch ist von frühester Kindheit darauf ausgerichtet worden, zu wählen und das eine dem anderen vorzuziehen. Aber es ist eine Tatsache, dass das Böse nicht getilgt und Krankheit nicht samt und sonders eliminiert werden kann. Wenn eine Krankheit besiegt ist, tritt sehr schnell eine andere an ihren Platz. Das Glück liegt in der Annahme des Polaritätsprinzips, darin, zu akzeptieren, dass die zusammengehörenden Gegensätze die Grundlage des Universums und der im Universum stattfindenden Bewegung bildet.

aus: Ramesh Balsekar, „Zen und Tao im Licht von Advaita“

p„Gut und böse werden zu gut vs. böse und so wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl“, sagt Ramesh. Und wie das so meine nervige Art ist, stelle ich auch diese Aussage in Frage. Was Ramesh da sagt, klingt für mich nach einem Zusammenhang: Weil der menschliche Verstand-Intellekt den natürlichen Zusammenhang der Gegensätze als Tatsache des Lebens ablehnt, wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl.

Gestern hatte ich das Video mit dem Eichhörnchen reingestellt. Das Eichhörnchen bemerkte die Gefahr und hatte (theoretisch) die Wahl, sitzen zu bleiben und sich fressen zu lassen oder alles zu tun, um seine Haut zu retten. Das Eichhörnchen wählte die zweite Version. Offensichtlich empfand es die erste Version als die schlechtere und die zweite als die bessere. Lehnte es nun den natürlichen Zusammenhang der Gegensätze als Tatsache des Lebens ab? Das ist natürlich Käse. Mal abgesehen vom Fehlen des menschlichen Verstand-Intellekts – hätte sich das Eichhörnchen auch nur den Bruchteil einer Sekunde solch philosophischen Betrachtungen hingegeben, hätte es damit den sicheren Tod gewählt. Ich vermute, auch ein Mensch in einer vergleichbaren Situation hätte, falls er nicht völlig bescheuert gewesen wäre, ähnlich spontan wie das Eichhörnchen reagiert.

„Und so wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl.“ Ich lasse mal den Anfang des Satzes weg, dann wird für mich ein Schuh draus: Das Leben ist ein andauernder Prozess der Wahl und zwar für den Menschen wie für das Eichhörnchen in gleicher Weise. Der Unterschied zwischen Mensch und Eichhörnchen liegt für mich darin, dass sich das Eichhörnchen nicht einbildet eine Wahl getroffen zu haben, während der Mensch genau unter dieser Einbildung leidet.

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6 Antworten zu Balsekar: Glück liegt in der Annahme des Polaritätsprinzips

  1. Georg Alois schreibt:

    „………, während der Mensch genau unter dieser Einbildung leidet.“
    Und nur das ist das Problem. Sollte doch eigentlich nicht so schwierig sein, das zu kapieren, oder?
    Oder wäre es den Menschen dann zu langweilig?

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  2. Marianne schreibt:

    Super, dass das Eichhörnchen so einen guten Instinkt hat! Gott-sei-Dank funktionieren unsere menschlichen Instinkte in echten Überlebens-Situationen meistens auch noch gut!
    Wenn ich allerdings in Situationen, wo es weder um Überleben geht, noch wirkliche Gefahr oder Verhungern droht, instinktiv handle, dann kommen da meistens etwas sonderbare Aktionen dabei heraus …

    „Von Deiner Geburt bis zu Deinem Tod, wird Dein Leben beherrscht von Illusionen. Täglich versuchst Du am Futtertrog Deinem Nächsten mit den Ellbogen zuzusetzen. Manche treiben ihre Illusionen sogar so weit, sich ein langes und glückliches Leben zu erhoffen.“ (Kodo Sawaki)

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  3. ananda75 schreibt:

    Ich denke, es ist gut, eine Wahl zu haben in dem Sinne, nicht Mustern/ Automatismen/ Selbst-Läufern, erworben in früheren Erfahrungen, zu unterliegen.
    Das ist ein guter Anfang 😉
    Allerdings ist jede Wahl Illusion, da wir eh nicht vorher wissen, was hinterher dabei raus kommt.
    Insofern ziehe ich das „einfach tun“ vor – ohne mir viel Gedanken zu machen, die eh zu nix führen.
    So auch mit der Polarität – ein guter Anfang, die zu akzeptieren – innerhalb dieser Form des Seins.
    Das ist aber nicht die einzige Form des Seins – Die Reise geht weiter – In’s wort- und weg-lose weite Land… 😉

    Alles Liebe ❤

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    • fredoo schreibt:

      hmmm … werte Ananda … die Reise kennt wohl nur die Version „PolaritätsPrinzip“ … egal wohin besagte Reise auch führen mag … Denn nur so kann Bewegung also Reisen stattfinden ……
      Das weglose wortlose weite Land ist das , auf / in dem all diese Reisen (als Erscheinung / Ereignis ) stattfinden …
      Jedoch … ist dies „Land“ selbst völlig ziellos … kennt also , in sich selbst , auch keinerlei Polarität …
      Polarität entsteht immer erst dann , wenn der Eindruck von Bewegung ( also auch Ziel ) entsteht …
      Als Bild dazu … eine Seifenblase … im Kern unbewegter Raum … auf ihrer Hülle , schillernde Bewegung … beides , erst beides macht eine Seifenblase aus …

      Die „Reise“ kann also nie dahin führen …
      Es kann sich lediglich während des Reisens ein Bemerken ergeben , niemals woanders gewesen zu sein , niemals woanders hinzukommen , als da , wo man bereits DA ist .

      (zuviel Schokolade vom Nikolausi , da kommt fredoo leicht ins schwafeln …)

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      • ananda75 schreibt:

        Lieber Freedo,

        Ich glaub, das is anders… noch befinden wir uns in diesem Land der Polarität.
        Da können wir uns zwar viel erzählen, dass gut und böse nicht existiert und alles gleich-gültig ist,
        das ändert aber nix daran, dass die Sonne ständig auf- und untergeht, wir geboren werden und sterben usw…
        In diesem Leben ist Bewegung – sonst kämst du nie zu deiner Schokolade 🙂
        Und in diesem Leben reisen wir – in einem anderen können wir ja nicht, wir sind ja in diesem.
        Klar – es gibt hier schon verschiedene Realitäten – mit rosa Elefanten oder ohne rosa Elefanten.
        (hab ich heut grad so im Kopf als Beispiel, hat aber nix mit Elefanten zu tun
        https://ananda75.wordpress.com/2016/12/08/unser-gehirn-das-unbekannte-wesen/ )
        Das ist wohl das, was du meinst, mit dem reisen und der Seifenblase, wenn ich dich recht verstehe…

        Die Frage ist aber, also die Frage, die ich meine, wohin wir von hier aus gehen mit dem, was wir Tod nennen – dann geht die Reise weiter und dann kann sie, vermute ich, in ein anderes Land gehen.
        Muss aber nicht – kann auch sein, dass wir wieder in diesem Leben landen…
        Das ist es, was mich beschäftigt in diesem Leben.
        Alles ist immer nur Vorbereitung auf das nächste…das ist die Reise, die ich meine…

        Alles Liebe ❤

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  4. punitozen schreibt:

    Von diesen Gut-Bösespieldenken habe ich mich verabschiedet .
    Alles was mir entgegenkommt ist so wie es ist .
    Was das Thema Krankheit anbelangt habe ich , in diesem Geschehen , die Freiheit
    mich für oder gegen einen Arztbesuch zu entscheiden .
    Im Prozess der Gesundung mache ich mir keine Gedanken darüber , ob oder wann die nächste
    Erkrankung mich heimsucht .
    Zumindest kann ich für mich beanspruchen Glück gehabt zu haben . 🙂
    Punito

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