Bankei: Ist das nicht eine unschätzbar wertvolle Lehre?


bEine Gruppe von Reisenden, eine Bergkette durchwandernd, wird durstig, und einer von ihnen macht sich allein auf den weiten Weg ins Tal, um Wasser zu holen.  Es ist nicht leicht, aber endlich findet er Wasser und nimmt welches mit, um es seinen Kameraden zu trinken zu geben. Jene, die nun trinken, ohne sich irgendeiner Mühe unterzogen zu haben, stillen die ihren Durst nicht ebenso wie der eine, der das Wasser holte? Wer sich aber nun weigert zu trinken, weil er meint, es sei nicht recht – dessen Durst kann nicht gestillt werden.

Mein eigenes Ringen war ein Irrtum aufgrund des Umstandes, dass ich keinen Meister traf, der einen klaren Blick besaß. Dennoch gelang es mir irgendwann, den Buddha-Geist aus eigener Kraft zu entdecken. Seither spreche ich den Menschen von ihrem eigenen Buddha-Geist, damit sie ihn erkennen, ohne durch solche Mühsal gehen zu müssen – so wie jene Leute Wasser trinken und ihren Durst stillen, ohne es selbst suchen zu müssen. Du siehst also: Ein jeder hat Zugang zum eingeborenen Buddha-Geist und kann inneren Frieden finden, ohne sich unangebrachten Kasteiungen zu unterziehen. Ist das nicht eine unschätzbar wertvolle Lehre?

aus: Bankei Eitaku, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen Geist“

„Wer sich aber nun weigert zu trinken, weil er meint, es sei nicht recht – dessen Durst kann nicht gestillt werden.“ Bankei hätte hinzufügen sollen, dass sich fast alle Reisenden geweigert hatten, zu trinken, weil sie meinten, es sei nicht recht. Das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Und weil die Trinkverweigerer so stolz auf ihre heroische Tat waren und sind, haben sie sich dieses Erkennungsmerkmal zugelegt: Das Rakusu, von Fredo auch fröhlicherweise „Lätzchen“ genannt und die Rakusuträger „Lätzchenträger“.

rManche dieser Trinkverweigerer fliegen um die halbe Welt, um in irgendeinem Kloster ihre Verweigerungshaltung zu vertiefen, nicht ohne alle Welt vorher von ihrem verdienstvollen Tun in Kenntnis zu setzen und es gibt sogar solche, die schicken solchen Töffeln wie mir, die meinen, sie könnten einfach ungestraft Wasser saufen, anonym ein Buch, dass sie über ihr Fehlverhalten aufklären und ihnen den rechten Weg weisen soll. Also solltet ihr jemals einem Lätzchenträger begegnen, geht ihm lieber aus dem Weg, um ihn nicht ernsthaft zu erzürnen und ihn damit nur zu größerem missionarischem Eifer zu ermuntern.

Bankei lag noch ganz auf der Linie von Ikkyû Sôjun (also dem echten), Linji Yixuan und den alten Ch’an-Patriarchen. Aber was Buddha nicht gelang, ist auch ihm nicht gelungen. Seine „unschätzbar wertvolle Lehre“ wird von der geistigen Beschränktheit der sog. Schüler einfach schon im Vorfeld abgeblockt. Das mag man nun bedauern oder die freundliche Vermutung zelebrieren, dass anderenfalls das fröhlich kosmische Spiel der Göttin Maya nicht mehr stattfinden könnte, und das wäre doch wirklich jammerschade. Kein Drama mehr, nix Aufregendes, … das wäre ja irgendwie wie kein Krimi mehr in der Glotze.

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Fall kein Krimi in der Glotze kommt, empfehle ich als Bettlektüre den Beitrag von Ronny.

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5 Antworten zu Bankei: Ist das nicht eine unschätzbar wertvolle Lehre?

  1. punitozen schreibt:

    ….. Manche dieser Trinkverweigerer fliegen um die halbe Welt, um in irgendeinem Kloster ihre Verweigerungshaltung zu vertiefen, nicht ohne alle Welt vorher von ihrem verdienstvollen Tun in Kenntnis zu setzen …….
    Lieber Nitya ,
    wenn Jene , wie du beschreibst ,auf dieser Weise zur “ tiefen Einsicht gelangen werden “ ,
    haben sie doch im nachinein , ob ihrer „Umstandswauwauallüren “ viel zu lachen .
    Herzlichen Gruß
    Punito

    Gefällt 2 Personen

  2. Eno Silla schreibt:

    Also, ich erinnere mich, dass mir vor langer Zeit regelmäßig ein Lätzchen umgebunden wurde. Vor dem Essen, ich sollte mich wohl nicht bekleckern… Heute verzichte ich darauf, natürlich bekleckere ich mich regelmäßig, alles hat eben seinen Preis. Vielleicht wird es mal wieder eine Zeit geben, da mir ein Lätzchen umgebunden wird, gegen das ich mich nicht wehren kann, wer weiß das schon… Na, dann sei es so… Jedenfalls wäre es ziemlich blöd, wenn es kein Drama und keine Aufregung mehr geben würde, vor allem in Krimis und anderen Filmen. In meinem Lebensfilm bin ich nicht mehr so scharf drauf. Was die unschätzbar wertvolle Lehre von Bankei anbelangt, so ist sie ja nur für den/die/das unschätzbar wertvoll, der/die/das diesen unschätzbaren Wert erfahren hat. Ganz blöd, wärs doch, wenn ein bisheriger Lätzchenträger, nach dem Lesen dieses Textes sein Lätzchen ablegen würde, und allen verkündet auch ohne Lätzchen Buddha Geist zu besitzen, weil das doch der gute Bankei so gelehrt hat, sozusagen doppelt angeschmiert, einfach ein neues Lätzchen umgelegt… Worauf will ich eigentlich hinaus? Mist, hab den Faden verloren. Na egal, ein wenig mehr Blabla wird euch auch nicht schaden. Jedenfalls, mit oder ohne Lätzchen, sind wir nicht immer wir selbst, wie auch immer unser Lebensfilm beschaffen sein mag – unschätzbar wertvoll?

    Heut kam ich an unserer „Elbphilharmonie“ vorbei. Die untergehende Sonne färbte das Gebäude so fantastisch goldgelb, sonst ist es silbergrau:

    Gefällt 2 Personen

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