Karl Renz: Kein Lehrer und Schüler, nur Fragen und Antworten


karl-renzIch habe keinen persönlichen Lehrer gehabt. Und um auf das aufmerksam zu werden, was sich nicht in der Zeit befindet, wird nichts von dem benötigt, was sich im Rahmen des Zeitlichen befindet. Es ist immer ein spontanes Erwachen ohne Notwendigkeit. Es wird auch als göttlicher Unfall bezeichnet.

Es erkennt sich selbst, nicht aufgrund dessen, was kommt und geht, sondern trotzdem. Die Frage danach, ob es wichtig oder unwichtig ist, ist damit hinfällig. Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne. Es verwirklicht sich selbst im Verlieren und Finden. So gesehen ist es Lehrer und Schüler und erteilt sich selbst immer absolute Lektionen.

Das Selbst enthüllt sich sich selbst gegenüber in seiner Omnipotenz. Im ewigen Jetzt. Ein Schüler kooperiert mit einem Lehrer auf die Art, wie eine Frage die Antwort schon beinhaltet. Aus der Wunschlosigkeit erhebt sich in der Zeit ein Wunsch, der sich durch seine Erfüllung auflöst, so wie auch jede Frage durch die Antwort aufgelöst wird. Das ist das karmische Gesetz des Bewusstseins. Also, kein Lehrer und Schüler, nur Fragen und Antworten.

aus: Karl Renz in einem Interview

Kein Lehrer und Schüler, nur Fragen und Antworten. Man könnte auch sagen: Ebbe und Flut oder Entspannung und Anspannung. Karl nennt es das karmische Gesetz des Bewusstseins. Er sagt: „Und um auf das aufmerksam zu werden, was sich nicht in der Zeit befindet, wird nichts von dem benötigt, was sich im Rahmen des Zeitlichen befindet. Es ist immer ein spontanes Erwachen ohne Notwendigkeit.“ Ich würde bei dem Fehlen der Notwendigkeit ein Fragezeichen machen, einfach weil ich nicht weiß, ob das stimmt. Karl spricht vom karmischen Gesetz des Bewusstseins. Das heißt für mich, dass auf den Tag die Nacht folgt, folgen muss, auf den Winter der Sommer, auf den Krieg der Frieden, auf den Hunger die Sättigung. Alle Polaritäten sind in Wahrheit immer eins.

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Wenn manche Menschen den Mund aufmachen oder „zu den Tasten greifen“, niemand greift ja heute noch zur Feder, wenn man das Gesprochene hört oder Gelesene liest, hat man leicht den Eindruck, hinter einem Jauche-Fass herzulaufen. Gut gepflegte Jauche kann ja in Maßen durchaus ein guter Dünger für den Boden sein, doch ungepflegt und im Übermaß auf die Felder ausgebracht, macht sie die Wiesen, den Boden, das Grundwasser, die Bäche und Seen kaputt. Und wenn man den Segen gar voll abkriegt, fühlt man sich nicht zu Unrecht voll beschissen. Aber auch dies kann als Teil der Polarität gesehen werden. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten. Manche nennen ja sogar ihre Scheiße „Liebe“. Osho: „Priester und Politiker sind die Mafia der Seele.“ Erich Mielke: „Ich liebe euch alle!“ In Anerkennung der Verdienste dieses aufrechten Stasi-Ministers nenne ich bisweilen klammheimlich in meiner schwarzen Seele einen Blog, der auch nicht weiß, wo er mit seinem vielen Dünger hin soll, „Erich-Mielke-Blog“. Nachdem, wie ein Zen-Pfaffe unjüngst erzählte und damit seinen eigenen Düngerauswurf zu rechtfertigen versuchte, selbst der Buddha Wörter wie „Schleimfresser“ und „Dummkopf“ benutzte, erlaube ich meiner schwarzen Seele noch ganz andere Begriffe in das All zu schleudern. Da ich weder Buddhist noch Pfaffe bin, habe ich da keine Hemmungen. Sollen sich doch die Buddhisten mit „Rechter Rede“ abquälen. Leider wird unterdrückte unrechte Rede allzu leicht zu stinkender Jauche. Huch- ich scheine mich gerade richtig in Rage zu reden. Enneagramm Neuner gehören zu den Wut-Typen. Also, wird  Zeit, die gurdjieffsche Stopptechnik in Anwendung zu bringen.

Karl schreibt: „Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne. Es verwirklicht sich selbst im Verlieren und Finden. So gesehen ist es Lehrer und Schüler und erteilt sich selbst immer absolute Lektionen. Das Selbst enthüllt sich sich selbst gegenüber in seiner Omnipotenz.“ Es enthüllt sich im Scheißer und im Beschissenen. Das ist für die meisten Menschen schwer zu verdauen. Der Scheißer sieht nur den Beschissenen und der Beschissene nur den Scheißer. Das Ganze nennt sich Dualismus. Das festzustellen, hilft aber niemandem wirklich und das Spiel kann ewig so weitergehen. „Das Rad der Wiedergeburten“ wird das auch gerne genannt – hilft aber auch nicht weiter. Hilft überhaupt etwas weiter? Muss denn etwas weiterhelfen?

yin-yang

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4 Antworten zu Karl Renz: Kein Lehrer und Schüler, nur Fragen und Antworten

  1. Brigitte schreibt:

    Lieber Nitya, habs grad entdeckt und mags nicht vorenthalten, – schon die kurzen Textabschnitte sind so ein Genuss und einfach unwiderstehlich🙂 – : Das neue Buch von Daniel Herbst: Ramesh Balsekar „Zen und Tao im Licht von Advaita – Reflexionen über Huang Po und Lao Tzu“😉

    »Erfrischend direkt und mit der heiteren Gelassenheit des wahren Weisen hält Ramesh Balsekar allen übereifrigen Erleuchtungssuchern den Spiegel vor. Stundenlang auf dem Meditationskissen zu sitzen ist keine Garantie für erweitertes Bewusstsein! Wer dagegen zu spontanem Handeln findet und unverkrampft dem Leben seinen Lauf lässt, der wird empfänglich für das Ganze des Universums und für echte Erfüllung.
    Dieses Buch zeigt, wie das Bewusstsein völlig mühelos auf allem, was gerade geschieht, zu ruhen vermag. Ob der Alltag Freuden oder Probleme bringt – in der Gegenwart der Wahrheit fühlt sich jeder Mensch gelöst und in Frieden.»

    Ramesh Balsekar

    Gefällt 2 Personen

  2. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Manch “ bunter Ego-Vogel “ kann sich bei seiner “ Erleuchtungsblümchenpflege “ ganz hübsch überdüngen ! 🙂
    Möge ein jeder sein Selbst “ studieren “ zur Durchschau der Grenzen , wie sollten wir sonst die Unbegrenztheit unserer Identität erfahren ?
    Herzlichen Gruß
    Punito

    Gefällt 1 Person

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