Leo Hartong: Alles ist immer das Eine


hBeim klaren Sehen geht es darum, das Konzept zu durchschauen, dass es ein getrenntes Individuum gibt, das sein Lebenswerk vollbringen muss. Die ganze Vorstellung, dass es ein „Du“ mit einem Leben gibt, der Wunsch es zu verbessern und still zu sitzen – das ist die Unruhe. Die Formulierung „Ich weiß intellektuell“ ergibt sich oft in diesem Kontext, und sie ist irreführend. Sie besagt: „Ich ‚weiß‘, dass ich nicht existiere.“ Wenn das verstanden ist, kann es kein „Ich“ mehr geben, das es weiß, was heißt, dass es dann nur (noch) Wissen gibt. Dieses Wissen wird vom Verstand gekannt und von ihm mit „ich weiß“ übersetzt. Erkenne, dass das „Ich“ in „ich weiß“ selbst nichts als ein Gedanke ist und realisiere, dass es ein Gewahrsein des Gedankens gibt, ohne ein „Du“, das das Gewahrsein bewirkt. Es ist einfach.

Zu sehen, dass dieses „Ich“ nichts als ein Gedankenobjekt im Gewahrsein-Das-Du-Bist ist, verdeutlicht, dass dieses „Ich“ niemals etwas getan hat. Alles ist immer das Eine. Es hat dich aus dem Nichts hervorgebracht. Es lässt das Herz schlagen, es erneuert die Zellen, es webt die Galaxien und ist von aller scheinbaren Aktivität frei, wie ein Spiegel, der von allem unberührt bleibt, was er mühelos reflektiert.

Diesem Einen kann vertraut werden. Es bedarf nicht der Hilfe eines nicht existierenden getrennten Wesens, damit ES funktioniert. Entspanne – wenn es möglich ist – und alles, was getan wird, wird getan – wie immer. Nur wird es nicht von einem Du“ oder „Ich“ erledigt. Wie es im Gebet heißt: „Dein Wille geschehe.“

aus: Leo Hartong, „Betrachtungen vom Spielfeldrand“

lDas ist schon schwierig mit den „Erklärern“. Es geht von Anfang an los: „Beim klaren Sehen geht es darum, …“ Ich muss mich ja an meine eigene Brust schlagen und bekennen, dass mir das auch immer wieder passiert, diese blöde Doziererei. Geht es um irgendetwas? Mein Gott, um alles und nichts. Für wen soll es denn um was gehen? Für „ein nicht existierendes getrenntes Wesen“ etwa? Oder für ES, das „die Galaxien webt“? Aber da gibt’s ja Gott sei Dank noch diese abstrakte Kategorie „Klares Sehen“. Es gibt keine Kategorie „Klares Sehen“, es sei denn ein nicht existierendes getrenntes Wesen mit Namen Leo Hartong hätte es scheinbar erschaffen. Ich könnte den ganzen Text vom Leo so durchfieseln und feststellen, dass jedes Wort, jeder Satz so was von fragwürdig ist. Und eigentlich möchte ich jetzt lieber aufstehen und nach meinen Eichhörnchen Ausschau halten. Aber die lassen sich um diese Uhrzeit ja noch nicht blicken und mir wäre es draußen viel zu kalt. Ich muss an die Rumi-Zeilen denken:

Was zu der Liebe Preis ich je ersann,
verstummte, als die Liebe selbst begann.

Da ist ja nicht nur ein Verstummen, sondern auch ein ziemlich heftiger Widerstand gegen das Lesen bzw. das Hören bzw. das Sprechen oder Schreiben. Gegen alle Worte. Es ist, als würde ich weggezogen vom Eigentlichen und hineingezogen ins Uneigentliche, ins Denken, in die Vorstellungen. Dabei geht’s doch nur um eines: „Spüren Sie’s?“

b

Wenn nicht,  kann man sich den ganzen Theoriekram in die Haare schmieren.

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5 Antworten zu Leo Hartong: Alles ist immer das Eine

  1. Ayni schreibt:

    Guten Morgen Nitya,
    Mann iss dat wunderbar !…… mit diesen deinen kommentierten Zeilen den Tag zu beginnen.
    Spürst Du Es ?!……..Das ist Alles.
    Die Wildgänse bei mir sind auch noch nicht wach, hmmm……
    ….& a propos Rumi und auch andere dieses Wesentliche nicht nur erkannt, sondern gelebt habenden intuitiven Seher sei hiermit gesagt : Ihr lebt für immer in meinem Herzen, denn derARTige, die sogenannte Welt hinter sich gelassene, Intuition mit Manifestation zum Wohle des Lebens und der Menschheit ist wortlos ewiglich.

    Dir einen inspirativen, intuitiven & gesunden Tag

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  2. Georg Alois schreibt:

    „Dein Wille g e s c h i e h t“

    Unterhaltung – was sonst?

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  3. Eno Silla schreibt:

    Gestern
    Ein sonniger Herbst Nachmittag
    Meterlange
    In der Sonne glitzernde
    Spinnwebfäden
    Schwebten
    Unendlich langsam
    Über dem Feld dahin
    An dessen Rand ich saß
    Spürend verstummt

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  4. Ingeborg schreibt:

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