Linji: Wenn ihr das Heilige liebt und das Weltliche verachtet

erscheinungen

Verstricke dich weder
im Jagen
nach äußeren Erscheinungsformen,
noch in der Erfahrung
von Leere

Sosan

Nur ihr, Schüler des Weges, die ihr hier vor mir meiner Rede zuhört, könnt ins Feuer eintreten, ohne verbrannt zu werden, ins Wasser, ohne zu ertrinken, in die drei Höllenbereiche, als würdet ihr ein Gartenfest feiern, und in die Bereiche von hungrigen Geistern und Tieren, ohne deren Rache zu erfahren. Warum ist dies so? Wenn ihr das Heilige liebt und das Weltliche verachtet, dann werdet ihr im Ozean von Leben und Tod treiben und versinken. Täuschungen bestehen, weil sie von Gedanken abhängen. Wenn ihr im Nicht-Geist weilt, wird euch keine Verblendung stören. Ohne euch ums Unterscheiden oder Anhaften an Formen zu kümmern, werdet ihr unverzüglich den Weg erlangen.

Wenn ihr aber Einsicht durch Umherhetzen erlangen wollt, indem ihr diese und jene Methode anwendet, werdet ihr auch nach eurem Kampf über drei Asamkhya-Kalpa hinweg im Kreislauf von Leben und Tod enden. Es wäre besser für euch, ihr tätet gar nichts und bliebet einfach im Kloster in einer Ecke der Plattform im Lotussitz hockend.

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“

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Da hockt er also der arme Kerl in einer Ecke der Plattform im Lotussitz. „Linji hat gesagt, ich soll aufhören, Einsicht durch Umherhetzen erlangen zu wollen, indem ich diese und jene Methode anwende. Und nu?“ Ja, und nu?

Linji sagt: „Wenn ihr das Heilige liebt und das Weltliche verachtet, dann werdet ihr im Ozean von Leben und Tod treiben und versinken.“ Ansonsten „könnt ihr ins Feuer eintreten, ohne verbrannt zu werden, ins Wasser, ohne zu ertrinken, in die drei Höllenbereiche, als würdet ihr ein Gartenfest feiern, und in die Bereiche von hungrigen Geistern und Tieren, ohne deren Rache zu erfahren.“ Scheint sich zu lohnen zu kapieren, was der Linji da feststellt. „Wenn ihr das Heilige liebt und das Weltliche verachtet …“ Sosan ergänzt das noch mit dieser Empfehlung: „Verstricke dich weder im Jagen nach äußeren Erscheinungsformen, noch in der Erfahrung von Leere.“ Im Grunde geht es ja bei Linji und Sosan um dasselbe, ob das nun das angeblich Heilige bzw. die Leere ist oder das Weltliche bzw. die Erscheinungsformen.

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Verstricke dich nicht. Warum eigentlich? Verstrickung bedeutet Leiden. Kann es nicht auch Freude bedeuten? Ich nehme mal einen anderen Begriff: Hingabe. Ist Hingabe nicht auch eine Form von Verstrickung? Ich denke gerade an Basil, jenen Gegenspieler von Alexis Sorbas. Basil versucht offensichtlich wie „ein guter Buddhist“, sich in nichts zu verstricken, während Alexis Sorbas kein Fettnäpfchen auslässt. Als Basil dann doch dem Werben der Surmelina nachgibt und sich für eine Nacht auf sie einlässt, endet das in einer totalen Katastrophe, während die Abenteuer von Alexis Sorbas alle irgendwie glimpflich für ihn ausgehen. Osho schien nicht viel von dieser Verstrickung in die Nicht-Verstrickung zu halten. Er schwärmte geradezu von der Lebenslust des Alexis Sorbas. Feiere, sagte er, feiere alles. Und … sei der Buddha, der du bist. „Zorba the Buddha“ hieß sein Zauberwort. Buddha allein ist es nicht und Alexis Sorbas allein auch nicht. Aber wenn beides eins ist, dann ist das Leben ein einziges Fest.


Ich hab im Netz geguckt, ob es da ein Video über die Nataraj-Meditation gibt, die noch irgendwie den ursprünglichen Duft von Osho und Chaitanya Hari atmet. Das Einzige, was in etwa meiner Erinnerung entsprach, war dieses Video. Leider nur ein sehr kurzes Lehr-Video. Na ja, Geschäft ist Geschäft. Schließlich will man ja seine CDs verkaufen. Ich habe die Nataraj das erste Mal vor 36 Jahren im Purvodaya-Ashram erlebt. Das war wunderschön, die vielen rotgewandeten Mas und Swamis auf der grünen Dorfwiese, die diese herrliche Meditation tanzten. Ein wahres Fest.

 

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3 Antworten zu Linji: Wenn ihr das Heilige liebt und das Weltliche verachtet

  1. Georg Alois schreibt:

    Aber wenn beides eins ist, dann ist das Leben ein einziges Fest. !

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