Uwe Schade: Wenn das Leben an sich selber leidet


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In Deinem Spiel erscheinen Möglichkeiten
Dein Denken erkennt diese Möglichkeiten
Dein Streben ergreift diese Möglichkeiten
Dein Leben wird abhängig von diesen Möglichkeiten .

Deine Gedanken ruhen sich aus
Wenn sie von einem Buch geführt werden
Wenn sie von einem Spiegel amüsiert werden
Wenn sie in einer Aufgabe diszipliniert werden
Wenn sie in einen Traum entlassen werden
Deine Gedanken ruhen sich aus
Wenn sie von dir nicht festgehalten werden .

Wenn das Leben an sich selber leidet
Heilt sich das Leben
Schiebt sich eine Vorstellung dazwischen
Bleibt Dein Leiden steril .

aus: Uwe Schade, Die Harmonie der Welt

Uwe Schade wechselt in seinen Versen zwischen einem Du und einem Nicht-Du hin und her. „Dein Spiel, Dein Denken, Dein Streben, Deine Gedanken, Dein Leiden“. Im dritten Vers ist dann wieder von „dem Leben“ die Rede und von „einer Vorstellung“. Das erschwert vielleicht ein wenig das Verstehen.

Wieder einmal vermeidet Uwe Schade jede Aufforderung. Jede Aussage ist eine Feststellung: „So ist es.“ Jede Aussage ist ein wuchtiger Donnerschlag. Friss Vogel oder stirb! Aber auch das soll keine Aufforderung sein, das zu fressen, was Uwe Schade dir in deinen Fressnapf gekippt hat. Das Leben lebt sich auf seine Weise und über dein Streben und Festhalten rollt das Leben einfach hinweg wie ein Tsunami. Dein Streben und Festhalten sind nur eine Fata Morgana.

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Uwe Schade ist völlig amoralisch, so amoralisch wie das Leben selbst. Wenn er schreibt: „Dein Streben ergreift diese Möglichkeiten / Dein Leben wird abhängig von diesen Möglichkeiten“, dann bedeutet das nicht, dass du nicht streben oder nicht abhängig sein sollst. Auch das Streben und das Abhängig-Sein sind Ausdruck des einen, ungeteilten Lebens. Wenn Uwe Schade schreibt: „Deine Gedanken ruhen sich aus / Wenn sie von dir nicht festgehalten werden“, sagt er damit nicht, dass du deine Gedanken nicht festhalten sollst. Deine Gedanken kommen und gehen und sind damit einfach in Ruhe, es sei denn, dass durch eine Idee des Eingreifen-Müssens, das Gefühl entsteht, in Unruhe geraten zu sein. Und wenn Uwe Schade sagt: „Wenn das Leben an sich selber leidet / Heilt sich das Leben / Schiebt sich eine Vorstellung dazwischen / Bleibt Dein Leiden steril“, so will er damit nicht sagen, dass du dir deine Vorstellungen verkneifen sollst. Er macht nur auf die Folgen aufmerksam: Dein Leiden bleibt steril. Möglicherweise wird dadurch auch die Heilung erschwert.

Der gesamte Text Uwe Schades, „Die Harmonie der Welt“, ist keine Diskussionsgrundlage. Er lädt einfach ein, sich in ihn hineinfallen und seine Wirkung entfalten zu lassen.

 

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2 Antworten zu Uwe Schade: Wenn das Leben an sich selber leidet

  1. wuffgeng schreibt:

    Du bleibst unvergessen in meiner Erinnerung…

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  2. Ayni schreibt:

    Immer wieder nicht nur lesenswert.

    Gefällt mir

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