Karl Renz: Alles, was du definierst, ist Trennung


kIhr alle seid DAS, essentiell. da ihr das Ich vom „Ich“ seid, das Ich bin vom „Ich bin“ und das ich bin so und so von „ich bin so und so“. Du bist immer DAS, was Existenz selbst ist, DAS, was das Herz von allem ist, was ist und nicht ist.

So gesehen bist du DAS, was Leerheit ist und du bist DAS, was Fülle ist. Aber du bist weder Leere noch Fülle. Also sei DAS, da du es nicht nicht sein kannst. Durch alles, was du versuchst, kannst du nicht verlassen, was du bist. Es hat keinen Vorteil und keinen Nachteil, hier, dort oder da zu sein.

Egal, welchen Vorteil du dir versprichst und egal wer dir erzählt hat, dass das wie „Gewahrsein“ oder etwas Besonderes ist, immer wenn du dich irgendwo festmachen willst, trennst du dich von der Fülle. Alles, was du definierst, jede deiner „göttlichen“ Ideen ist Trennung. Aber du kannst dich von dir selbst nicht trennen. Es ist nie etwas passiert! Halleluja!

aus: Karl Renz: „Eight Days in Tiruvannamalai“
malaEs ist sehr schwierig, einen Sannyasin zu definieren und umso mehr, wenn du meine Sannyasins definieren willst. Grundlegend ist Sannyas eine Rebellion gegen alle Strukturen, deshalb die Schwierigkeit es zu erklären. Sannyas ist eine Art und Weise, das Leben unstrukturiert zu leben. Sannyas bedeutet einen Charakter zu haben, der charakterlos ist.

aus: Osho, „Was ist Sannyas?“

Das da oben ist meine Mala. Meine? Klar. Schließlich bin ich Sannyasin. Bin ich Sannyasin? So’n Quatsch! Natürlich bin ich kein Sannyasin. Und Osho war ein Meister, der kein Meister war und über den ganzen Zirkus gelacht hat. Ich hab das früher fast wie einen Makel empfunden, dass ich nie das war, was ich angeblich war. Ich war Sohn, ich war Vater, ich war Konfirmand, ich war konfessionslos, ich war Freimaurer, ich war Ehemann, ich war Ehebrecher, ich war SPDler und Gewerkschaftler, ich war Kunsterzieher und Fortbildungsleiter, ich war Therapeut, ich war Boxer, ich war Kriegsdienstdienstverweigerer, ich war Hilfsarbeiter, ich war Schlaganfall- und Herzpatient, ich war Sängerknabe, ich war Klavierspieler und Trompeter, ich war Säufer, ich war Kettenraucher, … aber ich war nie, was ich war. Das waren alles Rollen, die ich für eine gewisse Zeit angeblich freiwillig oder nicht freiwillig übernommen hatte.

fWenn in Hamburg der HSV spielt oder FC St. Pauly und die Fans mit ihren Schals und T-Shirts massenweise zum Stadion pilgern, sind das lauter Marsmenschen für mich. Oder die frommen Gemeindemitglieder, wie sie aus der Kirche strömen. Oder meine Kollegen in der Schule. Das waren richtige Lehrer und ich musste immer verbergen, dass ich mich nie als Lehrer fühlte oder später als Therapeut. Irgendwie bin ich so’n richtig vaterlandsloser Geselle. Nicht dies, nicht das und dann wieder doch. Wenn ich mir dann so’n richtigen Meister angucke, also jemanden, der ganz seine Rolle geworden ist, auch wenn er sagt, dass er DAS oder was auch immer ist, rieselt mir eher ein kalter statt ein heiliger Schauer den Rücken runter.


Karl  sagt: „Alles, was du definierst, jede deiner ‚göttlichen‘ Ideen ist Trennung. Aber du kannst dich von dir selbst nicht trennen. Es ist nie etwas passiert! Halleluja!“ Für diese Aussage könnte ich Karl die Füße küssen. Na ja, muss nicht sein. Gott sei Dank kann ich mich nicht von mir trennen! „Immer wenn du dich irgendwo festmachen willst, trennst du dich von der Fülle“, sagt Karl und ich kann ihm nur aus ganzem Herzen zustimmen. Ich kann mich einfach nicht definieren, und wenn ich es mache, kann ich dabei ums Verrecken nicht ernst bleiben und krieg einen Lachanfall nach dem anderen. Halleluja!

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Karl Renz: Alles, was du definierst, ist Trennung

  1. alexandra schreibt:

    Guten Morgen, Herr Exkollege,
    Hat mich auch schon immer gestört, dieses „ich bin Lehrer“. Ich sage viel lieber „ich arbeite als…“ wer weiß, was morgen ist? Ich muss das nicht bis zum bitteren Ende machen. oder doch? Werd ich sehen. Dir einen schönen Tag noch. Ich begebe mich gleich erst mal zu „meiner“ kleinen rasselbande…

    Gefällt mir

  2. Georg Alois schreibt:

    Halleluja !
    Danke!

    Gefällt mir

  3. fredoo schreibt:

    komme gerade von der h-moll messe des herrn bach …
    gestern bei uns in der martinskirche aufgeführt mit barockorchester und großem chor …
    wer da diesen barocken klangverquirrlungen folgt und in die fast magischen trance dieser töne gefallen ist , wird sich wohl auch seltsam unverortbar finden …
    es gehört für mich zu den größten genüssen dieser weltlichen welt …
    mich selbst zu verlieren in der fülle dieser musik …
    wie seltsam erleichternd …

    Gefällt mir

  4. Brigitte schreibt:

    GEIL !!
    Trotz diesem ganzen unglaublich-verrückt-schrecklich-schönen Schauspiel wünschte ich, der Humor ginge uns niemals aus. Mir ist heute nach Bukowski…

    Diese öden Scheißer
    Die Toten kommen angerannt und
    halten quer zur Laufrichtung
    Reklameschilder für Zahnpasta hoch
    die Toten sind besoffen
    in der Silvesternacht
    zufrieden an Weihnachten
    dankbar am Erntedankfest
    gelangweilt am 4. Juli
    untätig am Tag der Arbeit
    ratlos an Ostern
    albern im Krankenhaus
    nervös bei jeder Geburt;
    die Toten kaufen sich Socken und Unterhosen
    und Gürtel und Teppiche und Vasen
    und Couchtische
    die Toten tanzen mit Toten
    die Toten schlafen mit Toten
    die Toten tafeln mit Toten.

    Die Toten kriegen Hunger
    sobald sie einen Schweinskopf sehen.

    Die Toten werden reich
    die Toten werden toter.

    Diese öden Scheißer.

    Dieser Friedhof
    über der Erde.

    Ein Grabstein für den
    ganzen Schlamassel, und darauf
    gehört die Inschrift:
    Menschheit, du hattest
    von Anfang an nicht
    das Zeug dazu.

    Charles Bukowski

    Gefällt mir

  5. Georg Alois schreibt:

    Das Leben ist schön!
    oder kennst du ein schöneres?

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s