Bodhidharma: OFFENE WEITE – NICHTS VON HEILIG

 

bOFFENE WEITE – NICHTS VON HEILIG – gibt es denn noch mehr zu sagen? Eigentlich ist das schon zu viel. Das, was ist, ist. Punkt. Ende. Aus. Amen.

Aber nein, wir müssen das ja verstehen. Und wir müssen uns schützen. Und es ist sowieso nichts, wie es sein sollte. Also muss ich die Kontrolle über alles gewinnen, um es besser zu machen, als es ist. Ich. Tut ja sonst keiner. Jedenfalls nicht so, wie es sein sollte. Eine geniale Idee, das doch noch alles zum Besten zu wenden, ist die Gründung einer Religion. Wurscht welche, sag ich mal gleich vorweg. Es muss auch keine Religion in engerem Sinn sein. Jede in irgendeiner Weise organisierte Glaubens- oder Weltanschauungsgemeinschaft ist damit genauso gemeint. Eine, an der man im Augenblick gar nicht mehr vorbeizukommen scheint, ist der Islam. Hamed Abdel Samad, Sohn eines sunnitischen Immams, Politikwissenschaftler und Autor, versucht, in dem folgenden Interview auf die besonderen Schwierigkeiten einzugehen, für die speziell der Islam steht. Die meisten der hier geschilderten Probleme, lassen sich jedoch auch bei allen anderen Religionen und organisierten Glaubens- oder Weltanschauungsgemeinschaften entdecken. Wir hier im angeblich christlichen Abendland sind die Letzten, die sich ihre Hände in Unschuld waschen und auf die Muslime herunterschauen dürften. Da muss ich nur an meine allerchristlichste Internatszeit denken. Ich zitiere Jean-Jaques Rousseau: „Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.“


Ach ja, bevor das jetzt allzu sehr auf die Religionen und die organisierten Glaubens- oder Weltanschauungsgemeinschaften eingeengt wird, sie alle sind natürlich nur Mittel zum Zweck. Letztlich geht es um den wahnsinnigen Versuch, das, was ist, zu kontrollieren. Dies schließt das menschliche Streben nach der Herrschaft des Menschen über den Menschen ein. Dieses Streben hat seine Wurzel in der größten Glaubensgemeinschaft aller Zeiten: Der Glaubensgemeinschaft der Egomanen. Es geht nicht um „die da oben“ und „die da unten“. „Die da oben“ waren nur die etwas gerisseneren Egomanen als „die da unten“.

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Egomanen sind oben und unten zu finden und beide Gruppen sind nicht wirklich frei, beide Gruppen sind Sklaven ihrer Egomanie. Dies nur eine Krankheit zu nennen, wäre ziemlich beschönigend. Es ist der blanke Wahnsinn. Alle Freiheitsbewegungen, die diese Wurzel übersehen, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Entweder der Mensch erkennt, was Bodhidharma erkannt hat, nämlich dass da nur offene Weite ist und nichts von heilig und schon gar nicht das Heilige Ego, oder er wird sich selbst und die Welt zerstören.

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Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten.
Jean-Jaques Rousseau

Nur mit einer politischen Revolution und dem Geschrei von „Liberté, Égalité, Fraternité“ oder mit „Allahu akbar!“ ist es nicht getan. Die der französchen Revolution folgende Zeit der Aufklärung ist auf halbem Weg stecken geblieben. Bodhidharma ist den Weg „bis zu Ende gegangen“. Aber das war ja auch nur ein religiöser Spinner. Nein, war er nicht. Er war ein Aufklärer, hinter dem sich unsere europäischen Aufklärer einfach nur verstecken können. Unsere Bildungsschicht, unsere Intellektuellen wollen das nicht wahrhaben. Über Spiritualität glauben sie als Erben der Aufklärung hinausgelangt zu sein. Jetzt sind sie entsetzt über einen zerstörerischen, islamistischen Extremismus, können nur darüber ihre grenzenlose Verachtung zeigen und fühlen sich absolut hilflos. Dabei starren sie nur in die Fratze ihres eigenen Spiegelbildes, in die Fratze eines Egomanen. Ob unser Bildungsbürgertum, unsere Politiker und Bürokraten sich in der egomanischen Fratze des IS wiedererkennen können? Ich seh da schwarz – die Farbe des IS.

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5 Antworten zu Bodhidharma: OFFENE WEITE – NICHTS VON HEILIG

  1. Inge Petersen schreibt:

    „Dabei starren sie nur in die Fratze ihres eigenen Spiegelbildes, in die Fratze eines Egomanen. Ob unser Bildungsbürgertum, unsere Politiker und Bürokraten sich in der egomanischen Fratze des IS wiedererkennen können?“
    Was würde sich verändern, wenn sie es könnten? Sie würden den Terror nicht mehr bekämpfen, da sie es ja selbst sind? ich stell mir grad vor, die Kampfhandlungen der Bildungsbürger, Politiker und Bürokraten würden eingestellt werden, ab sofort. Der Terror würde weitermachen, er will ja gewinnen. Weiter kann ich nicht vorausdenken. Wohl aber kann ich mich meinen eigenen, verborgen gehaltenen Unterdrückungs-Geschichten zuwenden. Sie überhaupt erst einmal anschauen wollen.
    Inzwischen kann ich froh sein über alles „Schwarze“ in mir, das sich zeigen will. Oh, radikal sein tut gut!

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    • Nitya schreibt:

      Radikal sein tut gut!

      Liebe Inge, ja. Und radikal sein, ist ja nichts anderes, als ehrlich zu sich zu sein.
      Ich weiß nicht, was geschehen würde, wenn die eine Seite erkennen würde, dass sie nicht besser als die Gegenseite ist, und ihre Kampfhandlungen einstellen würde. Ich habe ein großes Verstandnis für den Kampf derjenigen, die seit Jahrhunderten ausgebeutet und wie absolute Untermenschen behandelt wurden. Wir, der Westen, hätten eine Menge wieder gut zu machen und könnten nicht erwarten, dass „die Gegenseite“ sofort die Waffen niederlegt. Aber eigentlch geht es ja gar nichtum Politik und um „wenn wir, dann müssen die auch“. Es geht genau darum:“ Inzwischen kann ich froh sein über alles „Schwarze“ in mir, das sich zeigen will.“

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