Jed McKenna: Ich habe wahrlich NICHTS gewonnen


wReduziert man „Verschollen“ auf seine allegorische Struktur und denkt sich alles weg, was nach Chucks Rettung geschieht, so hat man ein leistungsstarkes Instrument zur philosophischen Untersuchung zur Verfügung. Chuck Noland wurden seine Anhaftungen genommen, doch das war nie gewollt. Er wurde gewaltsam aus einem Gefängnis befreit, in dem er rundum zufrieden gewesen war. Jemand schmuggelte die rote Pille in seinen Drink, und er erwachte außerhalb einer Matrix, von der ihm nie bewusst gewesen war, dass er sich darin befand. Er will nur eins, nämlich zurück, aber er kann nicht. Er ist aus seinem eigenen Leben ausgesperrt, nicht wirklich tot und nicht wirklich lebendig.

Wer will schon auf Dauer hilflos in einem uferlosen Meer ausgesetzt werden? Wer will schon für den Rest seines Lebens durch den leeren Raum taumeln? Niemand natürlich. Was ist der Zweck von Zwecklosigkeit? Wie kann man nichts wollen? Worte, die dem Buddha zugeschrieben werden, sind oftmals lügenhaft, aber es gibt eine prägnante Ausnahme, nämlich das prägnante Zitat am Anfang dieses Buches: „Ich habe durch die vollkommene Erleuchtung wahrlich nichts gewonnen.“ Diese Aussage ist wie eine optische Täuschung. Sie lässt sich auf zwei Arten deuten, wobei die weniger offenkundige die richtigere ist. Es geht nicht so sehr darum, dass er nichts gewonnen hat, sondern darum, dass er nichts gewonnen hat.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

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Sorry, dass es heut mal wieder ein bisschen mehr Text ist. Gestern stolperte ich in Facebook über zwei Äußerungen, die gut zum Thema passen, wie ich finde. Holger Vogt schrieb:

Warum in spirituellen Gemeinschaften – und insbesondere im Parimal – der Bewusstseinsstand besonders niedrig ist! Osho hat es beschrieben, schon vor langer Zeit! Die Individualität und die persönliche Verantwortung wird aufgegeben – zugunsten eines (Pseudo-)WIR! Wir – vom Parimal – sind der Meinung … (Parimalrat). Osho hat davor gewarnt, aber davon will im Parimal niemand was wissen! Lieber schön kuschelig … ‚es war schon immer so‘!
Ich habe mit hochkarätigen (OSHO-) Therapeuten gesprochen, die es mir bestätigten. Nicht lernfähig und sehr hohes Maß an Unbewusstheit! Stattdessen: Rechthaberei, Ausschluss, Machtausübung, funktioneller Seminarhausbetrieb und Desinteresse, bzw. Arroganz! Dies ist nicht nur im Parimal so, sondern zwangsläufig in allen spirituellen Zentren! Osho hat es sehr genau und ausführlich beschrieben! Er hat davor gewarnt und abgeraten!

Und Michel Pauli schrieb dazu:

.. Gemeinschaften sind nur von tribalen Gesetzten gesteuert – alles nur Marionetten einer uralten Sozialdynamik – spielen immer die INTEGRATIONS & EXTEGRATIONS-Spiele .. der große Unterschied zwischen einem OBERGORILLA wie OSHO und irgendeiner anderen lebendigen KULTFIGUR ist, dass er sich dessen wohl bewusst war (!) und begriffen hat, dass ein Meister von seiner Konsequenz und seinem Charisma überall aus Neid und Angst ausgeschlossen werden würde; da blieb ihm die Wahl zwischen spirituellem Einsiedlertum oder seine eigene SIPPE zu bilden, um seine Integrität zu wahren .. wobei ich sicher bin, dass auch in seinen ASHRAMS die gleichen Gesetze wüteten .. doch die ‚Meuterei‘ konnte er wohl dadurch verhindern, dass er sich auf einen absolut unerreichbaren Thron setzten ließ und sich als Gravitationszentrum des ganzen Kultes UNENTBEHRLICH machte ..

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Jed McKenna schreibt: „Chuck Noland erwachte außerhalb einer Matrix, von der ihm nie bewusst gewesen war, dass er sich darin befand. Er will nur eins, nämlich zurück, aber er kann nicht.“ Im Gegensatz zu Chuck Noland hatte der Buddha wahrlich etwas dazu gewonnen: Nichts. Und er wollte auch nicht zurück, weil er den unschätzbaren Wert dieses Nichts erkannt hatte. Deshalb sprach er auch von einer vollkommenen Erleuchtung. Trotzdem haben Chuck Noland und der Buddha eine Gemeinsamkeit: Beide waren vollkommen EINSAM. Der eine gezwungenermaßen, der andere „freiwillig“.

kHolger Vogt beschreibt das sehr schön: „Osho hat davor gewarnt, aber davon will im Parimal [Gut Hübenthal] niemand was wissen! Lieber schön kuschelig … ‚es war schon immer so‘!“ Hört sich  an, als würde Holger hier die „Gammas“ nach der soziodynamischen Rangstruktur von Raoul Schindler beschreiben, also ganz normale Menschen. Lieber schön kuschelig und wenn es nur ein Wilson aus dem Film „Cast Away“ ist, der dem Chuck Noland die Illusion vermitteln muss, nicht einsam zu sein. So kann er sich noch einmal vor diesem, wie er fühlt, grauenvollen Nichts retten. Lustig, wie Michel Pauli den Trick des „Obergorillas“ Osho beschrieben hat, sich durch seine Schüler nicht in deren unbewusste Kuscheligkeit ziehen zu lassen.

Jed McKenna schreibt: „Wer will schon auf Dauer hilflos in einem uferlosen Meer ausgesetzt werden? Wer will schon für den Rest seines Lebens durch den leeren Raum taumeln? Niemand natürlich. Was ist der Zweck von Zwecklosigkeit? Wie kann man nichts wollen?“ Wer dennoch irgendwie in dieses Nichts geraten ist und den Geschmack, den Duft der Einsamkeit erlebt hat, will mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zurück in das Gefängnis des Kuscheligen.

osho

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5 Antworten zu Jed McKenna: Ich habe wahrlich NICHTS gewonnen

  1. Nitya schreibt:

    Na wenn sich da nicht einer zu früh freut.

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  2. Georg Alois schreibt:

    Lieber Nitya, Deine „Antwort“ einfach wunderschön! So kann der Tag beginnen!
    Und Gott lachte……….

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  3. ananda75 schreibt:

    öööh …. ich fühl mich nicht hilflos in diesem uferlosen Meer…. entweder meint der ein anderes Meer oder ich mein ein anderes Meer …. 😆
    grau-envolles Nichts – Ja🙂 – ich mag grau🙂

    Als ich noch sehr jung war hatte ich eine Freundin – Französin der Sonder-Klasse – schön, intelligent, Traum-Frau-Freundin🙂 – die sagte einmal zu mir „grey suits you“ – das hat natürlich voll eingeschlagen – wenn die das sagte… 😆 aber auch jetzt noch – ein paar Jahrzehnte ist grau eine meiner bevorzugten Farben –
    und was geht über einen so richtig schönen grauen Tag🙂
    Wenn sich die Wände des kuscheligen Gefängnisses ( sehr schöner Ausdruck) aufzulösen beginnen…

    Einen schönen Tag dir – egal, welcher Farbe😉

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  4. gabrielealt schreibt:

    Hallo Nitja, deine Seite wurde mir empfohlen und sie entspricht genau dem Roman den ich zu lesen suche, leider ist mir der Inhalt noch unbekannt, nicht intellektuell aber “ich” ist eben noch voll im Gange.
    Ich liebe die Einsamkeit, mit Tieren ist es nicht so, aber Menschen, sind sehr anstrengend, obwohl ja alles das gleiche ist und doch wenn ich sie meiden kann, tue es auch, denn dieses alleine Empfinden ist eben noch nicht.
    Sofort wäre ich bereit nichts zu berühren, mich in nichts aufzulösen, natürlich sagt das mein Verstand, aber scheinbar hat er keine Lust mehr auf diese Spielchen, aber was hilfts der kann eh nix ändern kommt wie es kommt, danke für deine Seite und Jed Mc Kenna habe ich geliebt zu lesen

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  5. Georg Alois schreibt:

    Da gibt es einen Trick! Ich bin im Laufe meines Lebens auch zu einem Misanthropen mutiert, aber seit über 20 Jahren lebe ich im Ausland und habe mich erfolgreich geweigert, die Sprache des Landes zu lernen. Immer wieder werde bedrängt, dass ich doch die Sprache lernen soll. Und meine Antwort ist dann immer: Ich habe absolut keine Lust mehr, mir den ganzen Scheiß auch noch in dieser Sprache anzuhören, die Probleme sind doch immer und immer die gleichen, es sind immer nur Wiederholungen und ich habe schon alles bis zum Erbrechen diskutiert, jetzt ist endlich mal Schluss!
    „Ich spreche übrigens fließend dummes Zeug“

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