Seng-ts’an: der Grund für Verschiedenheit

Wirklich,
nur Ergreifen und
Verwerfen
sind der Grund
für Verschiedenheit.

aus: Seng-ts’an, „Hsin-Hsin-Ming“

Ergreifen und Verwerfen – beide stehen für ein Wollen bzw. Nicht-Wollen dessen, was nicht da bzw. da ist. Man könnte sagen, beides steht für eine Wegbewegung von da, wo ich bin, hin zu dem, wo ich nicht bin: „Dort, wo ich nicht bin, dort ist das Glück.“ Eine meditative Haltung, ich habe extra nicht Meditation geschrieben, bedeutet, einfach mit dem zu sein, was da ist. Ob es dafür einer formellen Meditation bedarf oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.

w„Wirklich, nur Ergreifen und Verwerfen sind der Grund für Verschiedenheit“, sagt Seng-ts’an. Wenn ich das auf Meinungen beziehe, etwa die Meinung, dass Trump besser für uns alle sei als Hillary bzw. umgekehrt, dann haben wir es mit zwei verschiedenen Meinungen zu tun, was ja an und für sich noch kein Problem ist. Gut, du bist für Hillary, ich bin für Trump und der Sanders wäre mir am liebsten gewesen. Wenn diese Meinungen jedoch vom Glauben an die Richtigkeit der eigenen Meinung getragen werden, werden wir einen Glaubenskrieg bekommen. Wenn Seng-ts’an an anderer Stelle betont, wie wichtig es sei, sich seiner Meinungen zu enthalten, dann meint er vermutlich genau das.

bOder doch nicht? Geht er weiter und will sagen, dass dieser ganze Meinungslärm im Kopf nur dafür sorgen soll, dass wir nicht da sind? Ich begebe mich ja so gut wie gar nicht mehr unter Menschen. Spätestens sobald ihre Zahl die Zahl Eins übersteigt, sehe ich mich in aller Regel einem endlosen Geplappere über alles und jedes ausgeliefert. Ich wundere mich immer wieder, mit welcher Hingabe dieses Plappern von den meisten Leuten betrieben wird, während ich eigentlich nur Ausschau nach einem Fluchtweg halte. „Dort, wo ich nicht bin, dort ist das Glück“, denke ich zwar nicht gerade, aber bestimmt: „Nischt wie wech!“ Man könnte sagen, das steht ganz sicher für eine Wegbewegung von da, wo ich bin, hin zu dem, wo ich nicht bin. Sollte ich jetzt also ausharren und mit stoischer Gelassenheit schweigend ausharren und so den Plappermäulern zeigen, was wahre Größe ist? Bei dieser Interpretation tauchen doch leise Zweifel auf. Ist denn mein „Nischt wie wech“ nicht der Ort, an dem ich gerade bin, und verrate ich nicht durch mein stoisches Verweilen gerade diesen Ort?

Oder ist vielleicht sowohl mein stoisches Verweilen wie mein „Nischt wie wech!“ nichts anderes als das Geplappere in „meinem eigenen Kopf“? Und nu? Plappern lassen oder Plappern abstellen? Lass plappern, Kumpel! Sonst plapperst du nur noch mehr. Ramesh Balsekar: „Wen kümmert’s?“f

Habt ihr vielleicht auch ’ne Meinung zu bieten?
Na, dann plappert mal schön.

 

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5 Antworten zu Seng-ts’an: der Grund für Verschiedenheit

  1. Elwood schreibt:

    Solange ich nicht glaube, ich als „Unverblendeter“ vor diesen ganzen Verblendeten weglaufen zu müssen, habe ich kein Problem mit dem Weglaufen. Wer will schon mit seinem Nachbarn zusammen baden. Wenn dies doch passiert, kann man ja ruhig seine Meinung vertreten oder auch nicht. „Wen kümmert’s?“
    Is meine Meinung…..

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  2. Ayni schreibt:

    …ein Sinn im Leben ist es,
    ALLES möglichst WICHTIG
    und
    NICHTS völlig ERNST
    zu nehmen,
    …mit dem ZIEL,
    JUNG zu STERBEN
    und das
    SO SPÄT WIE MÖGLICH!😉
    enjoy your life…

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  3. Ayni schreibt:

    „Wen kümmert’s?“
    Wie?! „wech!“
    What ?! shAIls schon
    hmmmm…schon möglich
    ergreifEND verWERfEND
    point out

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