Daniel Herbst: . Ich bin nicht mein eigenes Erklärungsmodell

daniel-herbstWir haben über alles eine Theorie, was sich denken lässt. Das Denken selbst ist alle Theorien! Wir haben Theorien darüber, was das Leben ist, was ein „wahrer“ Mensch ist oder der Mensch überhaupt, wie eine kindergerechte Erziehung auszusehen hat, was zu unserem Wohlbefinden beiträgt und was zu unserer Gesundheit, wie wir unser Leben sinnvoll gestalten und den Planeten „retten“ können. – Eigentlich müssten wir vollkommen glücklich sein – eigentlich, theoretisch. Denn spätestens hier stoßen wir wieder auf die Tatsache, dass Theorien bestenfalls eine Wirklichkeit abbilden, die es so nicht gibt und nicht geben kann. Warum nicht? Weil Theorien alles unberücksichtigt lassen, was ihnen nicht zuträglich ist und damit alles, was nichts mit ihnen zu tun hat.

Ganz anders „macht“ es die Wirklichkeit. Sie schließt immer alles ein und schaut nicht nur auf belanglose Details, die ich gerade für wichtig halte. Die Wirklichkeit hat keine „Arbeitsfelder“ und keine „Expertenteams“, sie ist das sich selbst bearbeitende Feld, das keinerlei Anleitung braucht. um in einer vollkommenen Präzision zu funktionieren.

Theorien brauche ich nur, solange ich einen Vorteil darin sehe, der Gegenwart des Lebens noch einmal entkommen zu können. Andernfalls ist es um mich geschehen. Ich habe keine Chance, mich des Lebens zu erwehren. Ich habe einfach keine Möglichkeit, mein eigenes Leben zu leben. Je früher mir das aufgeht, umso eher versinke ich in der Wortlosigkeit, die mir nicht eingebildet werden muss, weil ich sie selber bin. Ich bin nicht mein eigenes Erklärungsmodell. Ich bin überhaupt kein Modell und bedarf überhaupt keiner Erklärung.

aus: Daniel Herbst, „Lebenslänglich lebenslang“

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Das ist ein kybernetisches Modell. Der hochintelligente Ablauf biologischer Prozesse hat die Erfinder des Regelkreises darauf gebracht, die Erkenntnisse aus ihren Beobachtungen auf die Steuerung und Regelung von Maschinen, lebenden Organismen und sozialen Organisationen zu übertragen. Hatte ich schon mal drin. Das Ganze ist, wie gesagt, ein Modell, eine Theorie.

Daniel schreibt: „Theorien brauche ich nur, solange ich einen Vorteil darin sehe, der Gegenwart des Lebens noch einmal entkommen zu können. Andernfalls ist es um mich geschehen. Ich habe keine Chance, mich des Lebens zu erwehren.“ Ist das wahr? Klar haben die Erfinder des Regelkreises Lösungen für ganz konkrete Schwierigkeiten gesucht. Aber ist das, was hier als Modell gezeigt wird, nicht etwas, das ständig im Alltag geschieht? Beispiel Autofahren: Ich komme auf der Autobahn an eine Baustelle. Geschwindigkeitsbeschränkungen tauchen auf: 120 – 80 – 60 km/h werden als SOLL-Größe angegeben. Es liegt nun an mir mein Tempo herunter zu regeln auf die entsprechenden Vorgaben. Ansonsten drohen Bußgeldbescheid, Knöllchen oder gar Führerscheinentzug. Lauter externe „Störungen“, die auf mein Fahrverhalten Einfluss nehmen – oder nicht nehmen. Leben ist ständige Regelung, auch Anpassung genannt. Mein Körper macht es mir ununterbrochen vor, was das heißt.

Bezieht der Daniel seine Aussage überhaupt auf ganz konkrete Alltags-Situationen oder geht es ihm um sog. spirituelle Theorien? Also um Fragen wie „Wer bin ich?“ oder „Was ist erleuchtet?“ oder „Wie werde ich erleuchtet?“ oder vielleicht „Bin ich am Ende schon erleuchtet?“.
hDaniel schreibt: „Theorien lassen alles unberücksichtigt, was ihnen nicht zuträglich ist und damit alles, was nichts mit ihnen zu tun hat. Ganz anders ‚macht‘ es die Wirklichkeit. Sie schließt immer alles ein und schaut nicht nur auf belanglose Details, die ich gerade für wichtig halte.“ Hmm, wenn Wirklichkeit immer alles einschließt, dann schließt sie auch alle Theorien, Konzepte, Modelle, … ein. Das Regelungsmodell für eine Zentralheizung, ist in seiner Umsetzung eine sehr erfreuliche Angelegenheit, finde ich. Daniel schreibt weiter: „Die Wirklichkeit hat keine ‚Arbeitsfelder‘ und keine ‚Expertenteams‘, sie ist das sich selbst bearbeitende Feld, das keinerlei Anleitung braucht. um in einer vollkommenen Präzision zu funktionieren.“ Spätestens jetzt muss ich mich fragen, was der Daniel in diesem Kontext unter Wirklichkeit versteht? Offensichtlich nicht das, was im Gewahrsein erscheint. Und was meint er, wenn er sagt, dass das sich selbst bearbeitende Feld keinerlei Anleitung braucht. um in einer vollkommenen Präzision zu funktionieren? Wenn ich mir anschaue, was mir da über Syrien beispielsweise für Bilder und Berichte gezeigt werden, ist das die vollkommene Präzision des sich selbst bearbeitenden Feldes, die da sichtbar wird? Kann schon sein, aber aus dem begrenzten Blickwinkel eines Teils dieses Feldes, kann sich alles als absolut beschissen darstellen.

„Ich habe keine Chance, mich des Lebens zu erwehren. Ich habe einfach keine Möglichkeit, mein eigenes Leben zu leben. Je früher mir das aufgeht, umso eher versinke ich in der Wortlosigkeit, die mir nicht eingebildet werden muss, weil ich sie selber bin.“ Ja, da kann ich nur zustimmen. Mein Wehren und der Versuch „mein eigenes Leben“ zu leben, sind für mich darin eingeschlossen.

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6 Antworten zu Daniel Herbst: . Ich bin nicht mein eigenes Erklärungsmodell

  1. punitozen schreibt:

    ….Lieber Nitya ,
    ……Ganz anders „macht“ es die Wirklichkeit. Sie schließt immer alles ein und schaut nicht nur auf belanglose Details, die ich gerade für wichtig halte. Die Wirklichkeit hat keine „Arbeitsfelder“ und keine „Expertenteams“, sie ist das sich selbst bearbeitende Feld, das keinerlei Anleitung braucht. um in einer vollkommenen Präzision zu funktionieren.
    Mit dieser Aussage kann ich mich nicht identifizieren . Das kommt mir theoretisch-kopflastig vor , was Herr da so philosophiert . Ich mag zu blöd sein um seinen Anspruch an den Zuhörer zu genügen , aber ich sage mir heute : “ All- Jedes “ Leben ist Wirklichkeit ! “
    Herzlichst
    Punito

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  2. Keks schreibt:

    Die Wirklichkeit hockt ausserhalb vom Universum und hatte ein Expertenteam. Er war 5 Jahre jung, stopfte das Universum in eine Murmel, Murmel rutschte unters Bett und liegt da nun rum😐 Ab und zu hüpft der Experte im bett rum und dabei kommt der eine oder andere sich in der Murmel etwas durchgeschüttelt vor und fastelt vom Universum wie Fische Im Aquarium die meinen sie hätten irgendwas verstanden.

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  3. ananda75 schreibt:

    „Habe nun, ach! Philosophie,
    Juristerei und Medizin,
    Und leider auch Theologie
    Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
    Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
    Und bin so klug als wie zuvor!“

    einfach leben – Glück kommt🙂 – oder auch nicht 😆
    ist aber auf jeden Fall ein guter Anfang😉

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