Daniel Herbst: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach

 

g„Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“ – wer hat sich das nur ausgedacht? Denn natürlich ist es genau anders herum. Der Geist fühlt sich überlegen, wenn er den Körper für seine eigenen Projektionen leiden lässt. Natürlich geht alles vom Geist aus, was er im Körper sieht und was er dem Körper unterstellt.

Der Körper hingegen tut, was er immer tut. Er tut, wozu er da ist. Er gleicht aus, er heilt, er bringt wieder ins Gleichgewicht, was aus dem Lot geraten ist. Der Körper hat nur ein Interesse – das Leben. Seine Aufgabe besteht darin, lebendig zu sein. Wenn er diese Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, wird er vollständig zurückgenommen.

Das, was auftaucht und einen Körper „sieht“, ist eine Reflexion, die selbst aus dem Leben kommt, sich aber nicht als das Leben erkennt. Für diese Reflexion sieht es so aus, als würde der Körper vor ihr erscheinen. „Ich“ sehe meinen Körper und „ich“ nehme meinen Körper wahr. Ich halte mich für wesentlich und den Körper für unwesentlich und schwach. Ich glaube an mich und das Himmelreich und an die Unvollkommenheit von allem, was geboren ist.

Einen solchen Unsinn kann sich nur der Geist ausdenken, der Angst vor dem Leben hat. Und diese Angst ist durchaus berechtigt. Schließlich hängt seine Existenz von einem Körper ab, den er für schwach hält. Dabei zeigt sich das Leben durch den Körper – und wenn dem Geist etwas heilig sein sollte, dann diese Transparenz und nicht seine eingebildete Transzendenz. Die Transzendenz, die sich der Geist einbildet, kann von ihm deshalb nicht erreicht werden, weil es in der Transzendenz keine Einbildungen gibt!

aus: Daniel Herbst, „Lebenslang lebenslänglich“

bManchmal haut so’n Text ja voll rein. Der hier von Daniel zumindest bei mir. Ich fühlte mich richtig ertappt. Ja, ja, der Körper. „Ich bin nicht mein Körper.“ – „Alles was ich wahrnehmen kann, kann ich nicht sein, weil es ein Objekt der Wahrnehmung ist, die ich bin.“ Ich kann es ja leugnen so viel ich will, aber ich bin nun mal auch verseucht mit unserer christlich-abendländischen Kultur und ihrer Körperverachtung. In meiner Jugend tat ich alles, um diesen Körper möglichst schnell von diesem irdischen Jammertal zu befreien. Bundesjugendspiele – was für ein Graus! Sport ist Mord und Sportler sind sowieso alle doof und Fußballspieler ganz besonders und es ist eine Frechheit, wieviel Raum die heute im Fernsehen für sich beanspruchen. Das Einzige, was mir Spaß machte, war das Wasser. Aber bitte ohne Stoppuhr!
sAm Freitag war ich das zweite Mal bei Claus Warner, Inhaber des Instituts für Quanten-Medizin in Siek bei Ahrensburg. Er arbeitet vorzugsweise mit dem Oberon-Gerät und das seit vielen Jahren. Dieses Oberon-Gerät guckt dir rein bis in die Mitochondrien und sogar in die DNA. Da kann ich mir dann das schön zu Gemüte führen, wohin mich die Missachtung des Körpers über das ganze Leben hinweg gebracht hat.

„Ich halte mich für wesentlich und den Körper für unwesentlich und schwach“, denkt der Geist, sagt der Daniel. Damit ist schon klar, welcher Geist da gemeint ist: Der mentale Bereich. Und klar, wenn dieser arme Körper die Zeche zahlen muss für die Geringschätzung durch das Denken, dann übersieht der Geist halt ganz, dass er mitsamt dem Körper verschwinden wird. Schließlich ist das Mentale Teil des Körpers. Oder er übersieht es nicht und das Verschwinden mit dem ganzen Körper ist ihm auch einfach nur gleichgültig. Manchmal denk ich, dass ich damals im Bunker oder davor oder danach einen Hau weggekriegt habe so wie viele Kriegskinder. Wenn man ganz existenziell mitkriegt, dass es jeden Moment vorbei sein und man es nicht verhindern kann, kriegt man vielleicht so eine Gleichgültigkeit dem Tod gegenüber. Daniel sagt: „Die Transzendenz, die sich der Geist einbildet, kann von ihm deshalb nicht erreicht werden, weil es in der Transzendenz keine Einbildungen gibt!“ Das bedeutet nicht, dass es keine Transzendenz gibt. Daniel spricht vom Geist, vom Denken, von Einbildungen, nicht von der Transzendenz.

„sagt man …“

 

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20 Antworten zu Daniel Herbst: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach

  1. Ayni schreibt:

    Guten Morgen, lieber Nitya…..

    „…und dann….“
    lIebt die formlose Form vice versa Ihr Förmchen als Tempel.
    …..& wenn nicht, evtl. nochmal in den Sandkasten setzen und der Förmchenbande einen Besuch erweisen .So ein inneres Kind bewirkt ja durchaus Wunder, die gar keine sind, weil angeborenes Potential.

    DANKE DIR für einen intuitiv beginnenden Sonntag

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    • Nitya schreibt:

      Guten Morgen, liebe Ayni,

      also mein Tempel wird heiß und innig geliebt. Das ist ja das Schlimme, weil er, wäre er ein Wesen, „faule Sau“ genannt werden müsste. Aber das macht ihm gar nichts aus. Ein Kardiologe und Sportarzt forderte mich auf, endlich mal zu joggen und dergleichen mehr. Als ich ihm sagte, ich bin fett, faul und gefräßig, ob er da noch Hoffnung hätte, fiel ihm die Klappe runter und er musste grinsen. Jedenfalls gab er jeden Versuch auf, mich zu bessern. Ach ja, mein inneres Kind – das wird jeden Tag ausgiebig geknuddelt.

      Au ja, im Sandkasten spielen! Hast du Lust?

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      • Ayni schreibt:

        Er, der androgyne Ayni zitiert aus Deinem Blog,den er so innig liebt & hofft,auch Das macht Dir gar nichts aus: „Wenn nach tausendjährigem Schlaf alle Kinder erwachen, ob große oder kleine, dann sehen sie, dass diese Welt das Paradies ist, so wie es ist. Zu sein ist bereits eine Unendliche Geschichte, krank – nicht krank – zwei – nicht zwei – lebendig – tot, das sind die Märchen, die das Eine als Zwei spielt mit einer solchen Hingabe, und da es nicht sterben kann, spielt es noch heute.“
        Das Eine hat sich einen unerschütterlichen Sandkasten gebaut, um sich Selbst zu erkennen im darauf stehenden Hologramm seines materiellen Seins…..so spielen Wir denn & dann auch immer mit. Geschickt eingefädelt & ge?ickt eingeSCHädelt.

        Ach ja >>>>besser schlemmen als verschle/immbessern.

        Alles Gute, Wahre, Schöne

        Wenn’s nicht ( apropos „faule Sau“) so aufwendig wäre, spielt man heute anscheinend so mit Sand ?! :

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      • Nitya schreibt:

        Oh, hab ich doch glatt den androgynen Ayni zur Frau gemacht. Na ja, beim Sandkastenspielen ist alles erlaubt. Mach ich sie, die Ayni, halt ganz schnell wieder zum androgynen Ayni.

        Hey Ayni, da hast du dir aber ein paar hübsche Zeilen von der hübschen Selma rausgesucht. Klar spielen wir als die Gespielten immer mit, ob wir wollen oder nicht. Wollen macht entschieden mehr Spaß, aber wer kann sich das schon raussuchen?

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  2. ananda75 schreibt:

    “ In meiner Jugend tat ich alles, um diesen Körper möglichst schnell von diesem irdischen Jammertal zu befreien.“ – jaaaaa…. ich konnte das auch ohne Bunker…. oder war es noch der Bunker meiner Ahnen in mir drin?…. nu hab ich ja auch eine gute Freundin mit Namen Astrologie – Ich rede ohne vorher zu denken? Ich hab Merkur im Schützen, kann ich gar nix für🙂 Selbst-zerstörerische Tendenzen? Leute, ich bin Doppel-Skorpion, ich muss das so machen🙂
    Dagegen steht eine meiner großen Lieben mit Namen Yoga🙂 – und das hat ja nu ganz klar auch körperliche Aspekte, was mein großes Glück ist😉 – und die Kauffrau in mir macht aus allem eine Misch-Kalkulation – Yga und rauchen, Obst-Joghurt und Tiefkühl-Pizza… und damit wären wir mal wieder bei meiner Mama angekommen, die mir beigebracht hat:
    Du musst dich damit wohl fühlen.
    Der Wohlfühl-Aspekt❤
    den mag ich besonders gerne🙂

    Einen wohligen Sonntag dir❤
    Ananda

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    • Brigitte schreibt:

      ahh, hier scheinen ja noch mehr von diesen niedlichen Tierchen rumzukrabbeln. Gell, Marianne, du doch auch? Die finden auch da hin, wo kein Loch ist. Dunkelheit komm zu mir. Alles und nichts, stirb und werde, Phönix aus der Asche. Sonne, Venus, Merkur, Saturn im Skorpion mit Fische-Aszendent, wenn das nix is..;) Leben, wo ist dein Stachel?

      Wie sagte doch einst die wunderbare Pema Chödrön so gradgenau:

      “Ganz und gar lebendig zu sein, ganz und gar Mensch und wirklich wach zu sein, bedeutet, unaufhörlich aus dem Nest geworfen zu werden. Voll und ganz zu leben bedeutet, sich ständig im Niemandsland zu befinden, jeden Augenblick völlig neu und frisch zu erleben. Wahres Leben ist die Bereitschaft, immer wieder aufs neue zu sterben. Das ist Leben vom Standpunkt des Erwachens. Tod hingegen ist der Wunsch, an dem, was man hat, festzuhalten und sich von jeder Erfahrung bestätigen und auf die Schulter klopfen zu lassen, weil man alles so schön im Griff hat.“

      Let’s go!

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    • Nitya schreibt:

      Oh mein Gott, ein luftiger Steinbock ist in ein Skorpionnest geraten! Das gibt mir den Rest. Das überleb ich nicht.

      Liebe ananda75, du meinst also: „das Interessante an diesen Tierchen ist, dass die sich immer irgendwie ungefragt zusammen finden … da muss irgendwo ein Nest sein…“ Also ich kann mir das nur so erklären, dass die wehrhaften Skorpione beschlossen haben, den wehrlosen luftigen Steinbock gegen alle seine Feinde zu verteidigen. Also das finde ich jetzt eine prima Idee. Ich bin ganz gerührt.

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      • ananda75 schreibt:

        Du ziehst sie offensichtlich an, zumindest die Weibchen 😉
        Nein, das ist kein An-Näherungs-Versuch
        Ja, das ist ein Kompliment – Skorpion-Weibchen sind normalerweise recht wählerisch😉

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      • Nitya schreibt:

        Wie hätte man denn – nur mal so beiläufig gefragt – so ein Skorpion-Weibchen-Kompliment aufzufassen? Wenn ich mich recht erinnere, gehören die Skorpione zu den Spinnentieren, die bei Lust und Laune die armen Männchen mit Genuss verspeisen.

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      • ananda75 schreibt:

        nee nee nee – das ist die Schwarze Witwe, EINE Spinnen-Art, das hat mit Skorpionen gar nix zu tun

        also ich so als Skorpion – ich kann schon böse stechen, das tu ich aber nur äußerst selten, inzwischen fast gar nicht mehr –
        da ich glaube, dass, wenn mir einer was tut, der andere zu bedauern ist – da muss ich gar nix machen, alles fällt jedem selbst auf seine eigenen Füße und wer anderen schadet, hat selbst ein Problem – jeder lebt auf eigene Rechnung und wenn ich mich räche, hab ich das auf meiner Rechnung
        also – von mir gibt’s so schnell nichts zu befürchten😉

        ein Skorpion-Kompliment ist nach meiner Ansicht eher so aufzufassen,
        dass der Skorpion dir erst Komplimente macht, wenn er sich das gut überlegt hat und ganz bestimmt keine leeren/ falschen/ einschmeichelnden
        wenn du einen Skorpion-Freund hast, ob Männlein oder Weiblein, dann hast du jemanden, auf den du dich verlassen kannst –
        auch in dem Sinne, dass, wenn er was gegen dich hat, er dir das auf jeden Fall von vorne sagt und dir ganz bestimmt nicht das Messer in den Rücken haut

        so seh ich das jedenfalls

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      • Nitya schreibt:

        Dein Wort in Gottes Ohr.
        Ich hab da schon andere Erfahrungen gemacht.
        Aber es gibt ja auch solchene und solchene Steinböcke.
        Warum sollte es nicht auch solchene und solchene Skorpione geben?

        Kennst du den: Ein Skorpion bittet einen Frosch, ihn auf seinem Rücken hinüber ans andere Ufer zu bringen. Der Frosch sagt: „Bin ich blöd? Wenn ich dich hinüberbringe, wirst du mich stechen und ich muss sterben.“ Der Skorpion antwortet: „Also jetzt denk mal nach. Wenn du untergehst, dann muss ich mit dir untergehen. Das wär doch ganz schön blöd von mir. Findste nicht?“ Dem Frosch leuchtet diese bezwingende Logik ein und so treten die beiden ihre Reise an. Plötzlich sticht der Skorpion zu. „Warum?“ röchelt der Frosch noch. Und schon im Untergehen hört er noch den Skorpion: „Das ist halt meine Natur!“

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      • ananda75 schreibt:

        ich kenn auch eine Skorpion-Frau, die is der Horror, falsch, verlogen, hinten rum und boshaft
        die zweite Zeile könnte jetzt lauten:
        die is aber auch doof wie Brot
        alternativ:
        ein ganz armes Wesen, kommt überhaupt nicht klar mit sich und ihrem Leben
        oder…
        ich hol jetzt das mit dem Entwicklungs-Stand aus der Tasche … *grins

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      • Nitya schreibt:

        Also damit sich niemand von den Wassertierchen über das seltsame Verhalten von diesem Nitya wundert: Ich bin eine trockene Wüste, über der der Sturm tobt. Nix im Wasser, also absolut gar nix.

        Aber ist das nicht genau die Heimstätte der Skorpione? Also da muss ich mich über gar nix mehr wundern.

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      • ananda75 schreibt:

        mir gefällt’s hier🙂

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      • Brigitte schreibt:

        mach dir nix draus, lieber Nitya;) „wir“ verwässern, äh bewässern dich von zeit zu zeit, wenn not am mann😀

        Auf der ganzen Welt
        gibt es nichts Weicheres
        und Schwächeres als Wasser.
        Und doch in der Art,
        wie es dem Harten zusetzt,
        kommt nichts im gleich.
        Laotse

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      • Nitya schreibt:

        Wasser kann zu einer klirrenden Eiswüste werden, während der Wind als mildes Lüftchen dich umschmeicheln kann. Und was wäre das hier alles ohne Mutter Erde? Kommt also immer drauf an, in welchem Zustand sich so ein Element gerade befindet. Wenn wir noch die Kraft des Feuers dazunehmen, haben wir alles im Zusammenhang und sehen, dass jedes für sich ohne die anderen Elemente nicht existieren kann.

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      • Brigitte schreibt:

        Deine betörende Weisheit lässt nichts zu wünschen übrig;-) YES,I love this blog!

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    • Marianne schreibt:

      ahh, hier scheinen ja noch mehr von diesen niedlichen Tierchen rumzukrabbeln.

      Meine „Wasser-Tierchen“ zieht es immer mal wieder stark zu ihrem Element – habe mich gestern während eurem Stell-dich–ein hier in einer Therme entspannt …🙂

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  3. Keks schreibt:

    Wer mich nicht mag sollte mich nicht essen, denn meine Atome im fremden Körper können stressen. Die stressen sogar mich wenn ich aufwache und es ist nicht so, dass ich gerne darüber lache.
    Fertig gereimt.

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