Jed McKenna: Maya erkennen heißt, sie zu zerstören


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[Das Mortimer J. Adler-Buch] lehrte mich, dass es zwei Arten von Verstehen gibt: Verstehen zwecks Erfolg und Verstehen zwecks Leben. Verstehen zwecks Erfolg bedeutet, der Herde zu folgen. Verstehen zwecks Leben bedeutet, der Vernunft, den Tatsachen, und deinem eigenen Kopf und Herzen zu folgen, egal wohin sie dich führen. Verstehen zwecks Leben ist da ein völlig anderes Bemühen, und zwar eines, dem ich in hohem Maße den Vorzug gebe. Es zeigt mir, dass diese beiden Pfade auseinanderlaufen, dass es, wie Frost sagt, darauf ankommt, den Pfad zu wählen, auf dem weniger Leute unterwegs sind, und ich kann heute sagen, ja, genau so ist es.

Kurz gesagt, Mortimer J. Adler machte mich mit Maya bekannt. Er zeigte mir, wie man sie erkennen kann, und sie erkennen heißt, sie zu zerstören.

Das klingt, als gäbe es aus einer simplen Einsicht eine Menge zu lernen, aber das haben Einsichten und der Prozess des Nichtswerdens so an sich. Es ist wie die Nadel, die einen Luftballon zum Platzen bringt, der Funke, der eine Explosion auslöst, der Windstoß, der ein Kartenhaus zum Einsturz bringt, oder der erste Riss, der den Dammbruch bewirkt. Das ist der folgenschwere Unterschied, den ein einziger Klick unserer geistigen Wählscheibe bewirken kann. Wann hast du dich das letzte Mal rundum revolutioniert? Wann geschah es das letzte Mal, dass du dich völlig frisch, neu und mit weit geöffneten Augen wiederfandest?

aus: Jed McKenna: „Spirituelle Dissonanz“

 
Ein Stich, und es macht BUMM. Und der ganze aufgeblasene Kram fliegt in die Luft. Ich muss mal wieder an meinen alten Lehrer Heinz Butz und seinen Auftrag denken, unseren „Blick aus dem Fenster“ zu malen. Ich hab die Geschichte, glaub ich, schon mal erzählt. Mein Blick aus dem Fenster fiel auf eine heruntergekommene Häuserwand. Der Putz bröckelte teilweise ab, überall waren Risse, die ursprüngliche Farbe war kaum noch zu erahnen, teilweise war die Wand vermoost, die Spuren des Kriegs waren noch erkennbar, …na ja, ich machte mir eine Eitempera und legte los. Also abgekauft hätte mir mein Werk bestimmt niemand. Am nächsten Tag sollten wir unsere Arbeiten vorlegen. Au weia, dachte ich, als ich die Arbeiten der anderen sah. Sehr gekonnte Architekturzeichnungen, ein schmissiger Strich, boahh, dahinter konnte ich mich mit meiner Kleckserei wirklich verstecken. Zu meiner völligen Überraschung blieb Heinz Butz bei meiner Arbeit stehen und sagte anerkennend: „Das ist wirklich sehr authentisch.“ Ich habe ihn später des Öfteren erlebt, wenn er zornig wurde, weil wieder mal jemand mit einer „schmissigen“ Arbeit imponieren wollte. Das wichtigste Kriterium für Butz war Authentizität. Erfolg schien ihn nicht im Geringsten zu interessieren.

bJed McKenna: „Verstehen zwecks Erfolg vs. Verstehen zwecks Leben. Verstehen zwecks Leben bedeutet wahrnehmen, bedeutet intuitives fühlen im jeweiligen Augenblick. Verstehen zwecks Erfolg bedeutet, der Herde zu folgen. Verstehen zwecks Leben bedeutet, der Vernunft, den Tatsachen, und deinem eigenen Kopf und Herzen zu folgen, egal wohin sie dich führen.“ Egal wohin sie dich führen – für den Erfolgsjäger eine unerträgliche Vorstellung. Ich könnte es auch ausdrücken als absichtsvoll vs. absichtslos. Jed McKenna sagt: „Das klingt, als gäbe es aus einer simplen Einsicht eine Menge zu lernen, aber das haben Einsichten und der Prozess des Nichtswerdens so an sich.“ Laotse im Kapitel 48: „Betreibe den Weg: So minderst du dich täglich. Mindern und abermals mindern Führt dich zum Ohne-Tun. Bleib ohne Tun – Nichts, das dann ungetan bliebe.“

Und wer entscheidet sich jetzt für den einen bzw. den anderen Weg? Keine Ahnung. Ich habe mich jedenfalls nie entschieden. Ich fand es immer einfach so vor, so wie ein Hund, wenn er pinkeln muss.
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6 Antworten zu Jed McKenna: Maya erkennen heißt, sie zu zerstören

  1. Elwood schreibt:

    Beim Begriff Authentizität fällt mir auch immer gleich der Klaus ein.

    Wer seinen Horizont erweitert, verkleinert den Himmel.
    Klaus Kinski

    Ich selbst bin aus Angst vor der Gewalt der Menschen wohl sehr anbiedernd, außer wenn diese Gewalt auch aus mir herausbricht.
    Da es mir dabei aber nicht um den Erfolg geht, beobachte ich mich auch bei meinen Verlust von Authentizität.

    Zurzeit stolper ich oft über das Thema Vergebung.
    Vorgestern ist mir mein Kindheitstraum mit dem hinabsteigen Jesus von diesem schrecklichen Kreuz in einem Film wieder begegnet. In dem Folgefilm von „Wie im Himmel“
    jetzt “Wie auf Erden“:

    Im Finale steigt Jesus vom Kreuz, allerdings war in meinem Traum auch keine Dornenkrone mehr, sondern nur noch strahlendes Licht und offene Hände der Vergebung, die Akzeptanz meiner selbst, endlich darf jeder Horizont dort sein wo er ist.
    Sich selbst zu vergeben hat für mich die Kraft eines platzenden Ballons.

    Aber dieses morbide Symbol von Jesus am Kreuz hat für mich mehr den Ausdruck der Aufrechterhaltung unseres Schuldgefühls und dient, aus meiner begrenzten Sicht, mehr dem Machterhalt der Kirche.
    So hat mich auch ein zweiter Film beeindruckt, wo thematisiert wird, wie Vergebung oft kaum zu schaffen ist.

    Ein Authentischer Mensch in Pfaffenrobe hat mit den Auswirkungen des Kindesmissbrauchs seiner Kollegen zu kämpfen.

    Leider hat auch Pola Kinski mit den Kindesmissbrauch von ihrem Vater zu kämpfen.
    Die Kinder sind immer die ersten Opfer…

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    • Nitya schreibt:

      Muss ich nicht, um zu vergeben, erst mal schuldig gesprochen haben? Solange ich nicht aufhöre,schuldig zu sprechen, kann das mit dem Vergeben wohl nix werden. Also ich habs nicht so mit der Vergeberei. Wer bin ich denn? Ein Priester – absolvo te – oder gar der da oben, da ja in seinem Namen freigesprochen wird? Erst wirst du schuldig gesprochen und dann darfst du um Vergebung winseln? Komisches Spiel.

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      • Elwood schreibt:

        Genau dieses komische Spiel wollte aus meiner Sicht Jesus beenden, doch es ist zu vorteilhaft für die Herrschaft um es nicht weiter am leben zu erhalten und Kinder laufen zu oft in diese Falle, sodass die Erkenntnis der Vollkommenheit allen Seins sich wie eine Selbstvergebung anfühlt. Stimmt schon, der Begriff hält auch die Schuld am Leben, aber ein Zerplatzen ist es allemal.

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  2. Keks schreibt:

    Um dem Leben hinterherzulatschen müsste man erstmal wissen was genau das sein soll dieses Leben, sonst rennt man da etwas hinterher was gar nicht Leben ist sondern irgendwas anderes. Aber was soll Leben sein ? Ein Auto ? Also zumindest atomt es in und um das Auto, soll ich nun Autos hinterherrennen ? Oder Ameisen ? Mir selbst hinterherflitzen ? Worte…wer die erfunden hat dem sollte man eine Bratpfanne auf den Kopf schlagen. Buddhas Blümchen ist viel schöner. Zumal ich gar nicht sagen kann ob ich nun der Herde hinterherzuckele oder lieber nicht. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und ergibt sich irgendwie, je nachdem, oder auch nicht. Im besten Fall trete ich einen Schritt zurück und mache gar nichts, hocke mich hin weil ich mich weder für das eine noch für das andere entscheiden kann, starre ins Gras und suche 4Blätterige Kleeblätter . Da wo eines ist sind meist auch noch andere entdeckte ich als Kind, später las ich dann, dass Mutationen meist zu mehreren auftreten.
    Hm um was gings nochmal ?

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  3. alexandra schreibt:

    Tja, da haben wir es wieder. Wie war das noch? „Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt bei der Quelle an.“ Aber genauso: einfach nichts tun, sich mit dem Strom treiben lassen…. vielleicht kommt es darauf an, als was ich das Wasser betrachte. Mit dem Strom des Lebens schwimmen ( bzw. / sich treiben lassen) bedeutet häufig, gegen Erwartungen von anderen zu handeln. Man muss sich in dieser Welt schon ein bisschen abkämpfen, um anerkannt zu werden. Und. Otte nicht zu sehr aus der Reihe treten. Dann kriegt man im ordentlichen braven Deutschland ein echtes Problem.wie die Grashalme mit der Nagelschere geschnitten werden. Ok. Wir bekamen neulich auf dem heimatabend der Kirmes hier am Ort eine Hacke geschenkt. Gegen das „Unkraut“. Was solls?

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  4. zenpunito schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Maya hin , Maya her , mir reicht es keine Vorstellungen zu hegen , wenns gelingt . Da kommt zutage was an früheren Hirngespinsten in mir rumspukte . May a ist ein wunderbare Projektionsfläche die Selbstverantwortung anderen die Schue zu schieben . Muß ich mich revolutionieren – für oder gegen etwas ? Nix muß ich – außer ein und auszuatmen und Tag um Tag das herauszuholen , was da mir so entgegen kommt .
    Herzliche Grüße
    Punito
    P.S. Tust du etwas Gutes, so bleibst du stecken in deinem Bewusstsein, etwas Gutes zu tun. Hast du ein „Satori“, dann bleibst du stecken in dem Bewusstsein, „Satori“ zu haben. Da ist es besser, von „Gutem“ und „Satori“ die Finger zu lassen. Du musst vollkommen offen und frei sein. Ruhe dich nicht auf irgendwelchen Lorbeeren aus!
    Kodo Sawaki

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