Steven Harrison: Spirituelle Verwirklichung ist ein Märchen


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Spirituelle Verwirklichung ist ein Märchen, sie ist Teil der Mythologie einer Kultur des Suchens. Solche spirituellen Märchen machen sich gut in Büchern oder auf Vortragsreisen und natürlich, um Anhänger zu sammeln oder vor uns selber zu rechtfertigen, dass wir immer noch Schüler sind. Da gibt es einige, die ihre Erleuchtungsgeschichte erzählen, aber meist folgt solchen Verwirklichten eine Reihe von Skandalen oder sie sind mit messianischen Machttrips beschäftigt. Man könnte sich sehr wohl eine Person vorstellen, die immer im Zustand der Erleuchtung ist, aber so ein Mensch hätte vermutlich einen Hirnschaden, er stünde unter Drogen, oder er hätte ein Gehirn, das so abnorm wäre, dass es für andere keinerlei Nutzen hätte.

Gurus, Meister, Heilige, Anwälte, Buchhalter, Ladenbesitzer, Busfahrer, Mütter, Väter – all dies sind Rollen, die von wirklich netten Leuten gespielt werden. Sie alle tun, was sie innerhalb ihrer Identität glauben tun zu müssen. Das ist die Conditio humana, so funktionieren wir Menschen.

Das Risiko der Kreativität liegt im radikalen Vertrauen auf Transformation. Dies ist eine Beziehung zum Leben, die nicht im Widerstreit zu dem steht, was geschieht. Sie erkennt, dass das Leben die schöpferische Kraft ist und dass das Leben erschafft, was als Nächstes kommt.

aus: Steven Harrison, “ Was kommt?“

tDer einzige Satz, der mich gestört hat, ist: „Man könnte sich sehr wohl eine Person vorstellen, die immer im Zustand der Erleuchtung ist, aber so ein Mensch … hätte ein Gehirn, das so abnorm wäre, dass es für andere keinerlei Nutzen hätte.“ Als ob es je darum ginge, dass irgendetwas für irgendetwas einen Nutzen hätte! Was für einen Nutzen hat ein Tsunami? Klar, kann man sich jetzt sein Köpfchen anstrengen – irgendeinen Nutzen wird man schon herausquetschen können. Im Konstruieren von Behauptungen sind wir alle Weltmeister.

„Gurus, Meister, Heilige, Anwälte, Buchhalter, Ladenbesitzer, Busfahrer, Mütter, Väter – all dies sind Rollen“, sagt der Steven. Er nennt sie nicht einmal Personen und hätte auch Erscheinungen sagen können oder Traumfiguren. Nutzen gehört auch nur zu diesem Rollenspiel, scheinbarer Nutzen für scheinbare Personen. Da sind die Nutzmenschen und die Unmenschen, die Nutztiere und die Untiere, das Nutzkraut und das Unkraut – alles  wird mit diesem Maßstab gemessen, ob es für ein anderes Nutz oder Un nützlich oder schädlich erscheint. Ein einziger Albtraum, also ein Untraum. Klar gibt es auch Nutzträume. Zum Beispiel wenn ich im Traum sehe, wo Dagobert sein Gold vergraben hat. Und dann gibt es noch die sog. göttlichen Offenbarungen, für die Nutzmenschen Gott auf den Knien danken und zum Dank ganz viele Unmenschen meucheln. „Das ist die Conditio humana, so funktionieren wir Menschen“, sagt der Steven sehr treffend. „Halleluja“, sagt der Karl sehr treffend. Was soll man da auch sonst sagen!

hSüßes oder Saures?

„Das Risiko der Kreativität liegt im radikalen Vertrauen auf Transformation.“ Wer jetzt glaubt, dass dieses Vertrauen ihm irgendeinen Nutzen bringt, hat sich schon wieder ins eigene Fleisch geschnitten. „Das Leben erschafft, was als Nächstes kommt“ fügt Steven hinzu. Süßes oder Saures nicht nur an Halloween. Darauf ist Verlass. Das ist aber etwas anderes als das kindliche Vertrauen, dass der liebe Gott schon für mein Wohlergehen sorgen wird. Das zu glauben, ist ein bisschen anmaßend für eine Traumfigur.

Noch eines, Steven schließt seinen Text mit den Worten: „Dies ist eine Beziehung zum Leben, die nicht im Widerstreit zu dem steht, was geschieht. Sie erkennt, dass das Leben die schöpferische Kraft ist und dass das Leben erschafft, was als Nächstes kommt.“ Wer oder was könnte in dieser Beziehung zum Leben stehen ohne jeden Widerstreit zu dem, was geschieht? Die Traumfigur wohl kaum. Bleibt nur der von Daniel Herbst so genannte „Gewahre Raum“ oder das, was mit der Analogie „Spiegel“ angedeutet wird.

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Gefesselte, eingegrabene, gesteinigte und dabei gefilmte Frau
Allahu akbar Allahu akbar Allahu akbar Allahu akbar Allahu akbar

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2 Antworten zu Steven Harrison: Spirituelle Verwirklichung ist ein Märchen

  1. fredoo schreibt:

    verwirklichen …. ?
    hat mich schon immer irgendwie genervt diese Vokabel …
    wie könnte sich Etwas ( was sich womöglich für „wirklich“ hält ) ver-wirklichen ?
    meint das wirklicher als wirklich ?
    selbst wenn da ein „wirklich“ wäre , wie könnte es ein wirklicher als wirklich geben ?…

    sympatisch ist mir da eher eine etwas provozierebnde deutung des „verwirklichens“ …
    denn im sinne eines „ver-“ das wie in ver-lust oder ver-hungern oder ver-wirken oder ver-suchen eine ver-geglichkeit meint , scheint mir dann „ver-wirklichen“ durchaus eine passende vokabel , für den ver-geblichen ver-such wirklichkeit zu ver-ursachen …

    ver- ver- flixt noch mal … ver-rückte gedanken von ver-folgenden ver-bindenden assoziationen …
    😉

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  2. Elwood schreibt:

    „Du fragst mich, ob es irgend einen Unterschied
    gibt zwischen dem ’normalen‘ Zustand gewöhnlicher Leute und dem von
    Menschen, die sich ‚verwirklicht‘ haben. Was haben sie denn verwirklicht? Nur
    das, was wirklich in ihnen selbst vorhanden ist. Doch was in ihnen wirklich ist,
    ist gleichermaßen wirklich in dir. Worin liegt da der Unterschied?“
    „Ramana Maharshi“

    „Du kannst nicht den Geist benutzen, um den Geist zu suchen“
    „Geist und das Objekt seiner Suche sind eins.“
    (Huang-po)

    Ich steh in einem See und schrei die ganze Zeit nach Wasser…..

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