Heraklit: Krieg ist aller Dinge Vater


h
Krieg ist Vater aller Dinge, aller Dinge König.
Die einen erweist er als Götter, die anderen als Menschen,
die einen macht er zu Sklaven, die andern zu Freien.

aus: Heraklit von Ephesos, „Fragmente“

Ein paar Gedanken zu diesem bekannten Heraklit-Zitat. Gestern hat Osho Lao-tse zu Wort kommen und das Hohe Lied der Natürlichkeit singen lassen. Die vermutlich von Heraklit herrührenden Fragmente wurden in späteren Zeiten betitelt „Über die Natur“. Weder Lao-tse noch Heraklit schien es um so etwas wie Moral zu gegangen zu sein. Sie waren einfach ganz nüchterne Naturbeobachter. Sie waren an den Dingen interessiert, wie sie sind, und nicht an den Dingen, wie sie angeblich sein sollten. An diesem Buch war Heraklit so wenig interessiert wie Lao-tse.

bDa gibt es diese Zeichnung, die Huineng darstellt, wie er gerade irgendwelche heiligen Schriften zerreißt. Mose hat uns u.a. das 2. Gebot hinterlassen: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! …“ Spätestens seit dem dritten Reich stehen Bücherverbrenner bei uns nicht hoch im Kurs und die IS mit ihrer Vernichtung jahrtausendalter Kulturdenkmäler auch nicht. Nazis und IS-Leute haben allerdings nur die einen Schriften und Bildnisse zerstört, um sie durch andere zu ersetzen. Die alten Ch’an-Meister waren echte Ikonoklasten – ganz im Sinne des zitierten 2. Gebots übrigens. Und sie gingen noch weiter, indem aus Ikonoklasten auch noch Autoklasten wurden. Alles musste zerstört werden, jedes Bild, jedes Konzept, jeder Gedanke, … bis nur noch übrig blieb, „was als Nächstes kommt“, wie das Steven Harrison sagen würde.

iHeilige und Gesetz-Bücher sind die Götzen, die die aus ihrer Natur gefallenen Menschen anbeten und natürlich das Goldene Kalb. An ihnen soll festgehalten werden. Sie sind der Kulturbesitz der Menschheit – und ihr Untergang, sagen die Ikonoklasten. Und damit bin ich wieder bei dem Heraklit-Zitat. Gestern hatte ich ein kleines Gespräch darüber, ob „mein“ Haus, „mein“ Haus ist. Hintergrund des Gespräches war, dass ich in der Nacht vorher mal wieder den nächtlichen  Besuch eines Steinmarders auf dem Dachboden hatte und dass ich diesen Halunken erfolgreich in die Flucht getrieben habe. Kürzlich habe ich einen Islamisten sagen hören: „Wieso gehört dieses Land den Deutschen? Es gehört uns. Wenn es den Deutschen nicht passt, können sie ja auswandern.“ Das hätte auch von meinem Steinmarder stammen können. „Eigentum ist Diebstahl“, kennen wir ja. Eigentum ist reine Fiktion, würde ich sagen. Man kann also höchstens eine Fiktion stehlen. Aber sind wir dann nicht wieder bei diesem primitiven „Recht des Stärkeren“? Wobei man sagen müsste, dass der Stärkere gar kein Recht braucht. Er holt sich, was er will. Den Steinmarder interessiert nicht mein Wohnrecht und schon gar nicht mein Eigentumsrecht und lesen kann und will er auch nicht. Er kommt, sieht und siegt – oder siegt eben nicht. Dann war ich halt der Stärkere.

g                                     m

Heraklit sagt also: „Krieg ist Vater aller Dinge, aller Dinge König. Die einen erweist er als Götter, die anderen als Menschen, die einen macht er zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Das ist kein Loblied auf den Krieg, sondern seine Feststellung nach nüchterner Betrachtung der Dinge. Ich erinnere an den klugen Satz von Egon Bahr: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten.“ Auf gut Deutsch: Es geht um das Recht des Stärkeren und all die schönen Worte sind nichts als False Flag Operationen. Und das gilt nicht nur für die internationale Politik. Das gilt auch für Steinmarder, nur dass die keine False Flag Operationen kennen. Sie sind  wahre Götter, sie sind die Freien, während die die anderen, gleichgültig ob Täter oder Opfer, nur Menschen sind, nur Sklaven. In der indischen Kastenhierarchie stehen ganz oben die Brahmanen (die Weisen), dann folgen die Kshatriyas (die Krieger), die Vaishyas (die Geschäftsleute) und die Shudras (die Handwerker, Bauern, Pächter, Dienstboten). Ich finde es interessant, dass die Kshatriyas die Vorstufe für die Brahmanen sind. Ein Krieger zieht in die Schlacht und riskiert jedes Mal sein Leben, während es den unteren Kasten nur um ihr Überleben geht. Jesus soll gesagt haben: „Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“ (mat 15,25) „Um meinetwillen“ ist der wesentlicher Zusatz. Ein Brahmane ist immer auch ein Krieger. Ein Krieger ohne Waffen vielleicht? Irgendwie verschwimmen da die Grenzen.

k

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Heraklit: Krieg ist aller Dinge Vater

  1. Keks schreibt:

    Spätestens beim nichtbezahlen der Grundsteuer gehört mein Eigentum jemand anderem. Verteidige ich mein Eigentum dann mit Waffengewalt bin ich der Böse. Die die es sich auch mit Waffengewalt nehmen sind die Guten, zumindest aus ihrer Sicht. Was gut und böse ist definiert demnach die Gesellschaft, was aber noch lange nicht mit meiner Sicht übereinstimmen muss. Ist der IS böse ? Aus denen ihrer Sicht nicht.

    Der tibetische Buddhismus stopfte Menschen in nasse Yakhäute und liess sie trocknen um sie anschliessend Berge runterzuwerfen. Ist der Ozean der Weisheit nun ein Vertreter der Guten ? Religionen sind somit grundsätzlich ein Übel. Und um herauszufinden was heute gut und böse ist darf ich jeden tag bei der neuen Wiedergeburt am Morgen beim Kaffee alles gestrige wegwerfen und alles neu hinterfragen. Sobald ich denke ich wäre der Gute könnte es eine Täuschung sein und ich sollte 20 Schritte zurücktreten um mir das erneut anzuschauen so dass gar nicht erst eingefahrene Denkstrukturen entstehen können.

    Meinungen, Meinungen Popeinungen :p

    Gefällt mir

  2. Swami Prem Punito schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Mein oder meins – ebenso das meinige – alles Besitzanzeigende sozusagen , ist weder gut noch nicht-gut , meiner Betrachttung nach . Nazürlich kann der Häuslebauer aus dem Fenster schauen
    und rufen : “ Alles meins ! “ , Wobei noch zu klären wäre ob am “ Alles Meins “ nicht noch der Kreditgeber seine Hände über das Eigentum hält .
    Einerseits , auch wenn das Erworbene schuldenentlastet als “ Meins “ betrachtet wurde , hat es doch einen einzigen Wert – den Wohnwert . Die materiellen Substanzen des Hauses , Steine , Holz , Stahl e.c.t , gleich in welcheForm gebracht – basieren doch alle auf einen Haufen Sand ,
    einen Baum , einem Berg und sehr viel Wasser .
    Ursprünglich ist da kein meins zu erkennen . Nur der Banker suggeriert das es erstrebenswert sei , diesem Hypotheken -meins eine besondere Bedeutung zukommen zu lassen .
    Da lobe ich mir den ollen Steinmarder , der ja kein meins sucht – sondern nur ein bisschen Wärme
    unter Nityas Dachgiebel : ;.)
    Liebe Grüße
    PUNITO

    Gefällt mir

  3. Brigitte schreibt:

    Der Keks schmeckt mir…

    Bin ich denn närrisch… untragbar… unhaltbar… unantastbar…? hehe…😉

    „Frei ist, wer in Ketten tanzen kann“

    …du kriegtst mich nicht😉

    …boah, ich habs heut mit dem Nietzsche *g*

    Das trunkene Lied
    O Mensch! Gib acht!
    Was spricht die tiefe Mitternacht?
    „Ich schlief, ich schlief -,
    aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
    Die Welt ist tief,
    und tiefer als der Tag gedacht.
    Tief ist ihr Weh -,
    Lust – tiefer noch als Herzeleid:
    Weh spricht: Vergeh!
    doch alle Lust will Ewigkeit -,
    – will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

    sorry, lieber Nitya, I’m crazy in love😉

    Gefällt mir

  4. Eno Silla schreibt:

    Liebe Brigitte, hast du dich von Werner und Edgar inspieren lassen?
    Schön dich tanzen zu sehen, in klirrenden Ketten!
    Weiter, besser, schöner – auch gut zeitweilig.
    Aber unvergleichlich:
    Tiefer und tiefer zu fallen,
    in die offenen Arme dessen
    was ist!
    Tanzende Grüße von
    Eno

    Gefällt mir

    • Brigitte schreibt:

      hahaha, lieber Eno, haste mich erwischt. Ich lass mich von allem, was da kreucht und fleucht inspirieren;) Und ja, die beiden mag ich einfach, die nehmen sich ned wirklich ernst und des gefällt mir halt.

      Nimmst mich mit in die Tiefe und die offenen Arme dessen was ist? Bin heut‘ so besoffen von meiner eigenen Nüchternheit🙂

      Liebe(s)grüße von
      Brigitte

      Gefällt mir

  5. Keks schreibt:

    Momentan bin ich auch sowas wie ein Marder, mit ALG2 in einer Sozialwohnung. Für „Mein-Menschen“ hört sich das schlimm an, ich fühlte mich aber in den letzten 12 Monaten frei und überaus zufrieden. Die Jahre davor war es ein Hinterherrennen nach Geld und ständige Sorge um Mitarbeiter und sich selbst.
    Kein Tv, kein Sofa und nur ein paar wenige Klamotten, Fahrrad, Handy und Notebook – herrlich.

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s