Henry David Thorau: Glück ist wie ein Schmetterling


sGlück ist wie ein Schmetterling:
Je mehr du hinter ihm her bist,
umso mehr wird es dir ausweichen.
Wenn du deine Aufmerksamkeit aber auf andere Dinge richtest,
wird es kommen und sanft auf deiner Schulter sitzen.

Henry David Thorau

Leo Hartong: Glück ist, was du bist

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Je mehr wir wollen, dass etwas anders ist, umso größer ist der Schmerz. Hier kommt es dem Anschein nach zu Widersprüchen. Denn wenn es den Wunsch gibt, dass etwas anders sein sollte, dann ist das so und sollte begrüßt werden.

Glück ist nichts, was du bekommst, vielmehr ist es das, was du bist. Es ist der Gewahre Raum, in dem die Gegensätze von Freude und Schmerz auftauchen. Es ist die tiefe Stille, aus der alles aufsteigt und in die es sich wieder auflöst. Es ist die nicht verursachte Freude, die nicht von Schwierigkeiten getrübt wird. Damit entspricht sie dem Spiegel, der von dem, was er reflektiert, nicht beeinflusst wird. Du bist der Spiegel, in dem beides auftaucht: „Du“ und der augenblickliche Schmerz.

Wenn das vom „Gewahre Raum“ erkannt und angenommen wird, ist Frieden. Auf der relativen Ebene könnte das Leiden weitergehen. Es könnte sich aber auch ein Ausweg eröffnen. Das, was du in Wirklichkeit bist, ist das Glück selbst und es gibt keinen „Gewahre Raum“, der ihm folgen oder der es erreichen kann. Es ist einfaches und reines Sein.

aus: Leo Hartong, „Beobachtungen vom Spielfeldrand“

(um Mariannes Gemüt nicht zu betrüben, habe ich mir erlaubt, in Leos Text ohne Rücksicht auf Verluste zweimal dieses „Du bist Das“ zu eliminieren und gleich viermal den Begriff „niemand“ durch „Gewahre Raum“ zu ersetzen)

fAlso ehrlich gesagt, geht mir dieses ständige „Du bist DAS.“ auch auf den Senkel, so wie alle gebetsmühlenartig wiederholten Formulierungen Aber so ist das nun mal mit der Sprache, dass sich alle Wiederholungen abnützen bzw. irgendwann geradezu allergische Reaktionen auslösen. Na ja, es gibt ja nicht wenige, die am liebsten den Rest aller Zeiten immer wieder dieselben Sprüche herunterbeten wollen. Das verleiht ihrem Leben so etwas wie eine scheinbare Sicherheitsstruktur. Für die anderen gilt wohl: Ein Bild an der Wand, das man täglich sieht, nimmt man gar nicht mehr wahr. Dasselbe trifft ja häufig auch für den langjährigen Partner zu. Also müssen immer wieder neue Worte und Bilder gefunden werden, die den Zuschauern und Zuhörern das Einschlafen ein bisschen erschweren.

3Leo: „Glück ist nichts, was du bekommst, vielmehr ist es das, was du bist. Es ist der Gewahre Raum, in dem die Gegensätze von Freude und Schmerz auftauchen.“ Wie anders wäre Buddhas Hinweis verständlich, dass Glücklich-Sein der Weg ist und es ansonsten keinen Weg zum Glück geben könne. Es dreht sich also alles um das, was der Übersetzer Daniel Herbst mit dem Begriff „Gewahre Raum“ belegt. Wenn der „Gewahre Raum“ nicht bewusst ist, hat jeder Mensch einfach schlechte Karten. Er wird zum totalen Spielball aller äußeren und inneren Geschehnisse und die sind nun mal grob geschätzt fifty-fifty. Na ja, das ist auch so für diejenigen, denen der „Gewahre Raum“ bewusst geworden ist. Die kriegen nämlich auch keine Besserbehandlung. Aber, um auf das zurückzugreifen, was Dschuang Dsï gestern gesagt hat: „Wenn ich sage, das einer ohne Leidenschaften ist, so meine ich damit, dass ein solcher Mensch nicht durch seine Zuneigungen und Abneigungen sein inneres Wesen schädigt.“ Na ja, das ist so ’ne Formulierung. Was wird denn da geschädigt? Wenn das innere Wesen dem Spiegel entspricht – kann der denn geschädigt werden? Er kann aus dem Bewusstsein geraten sein, aber geschädigt? Wenn er allerdings aus dem Bewusstsein geraten ist, dann sind die Folgen für das gesamte Lebensgefühl ziemlich beschissen. Man könnte den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Gefühl mit der Frage vergleichen: Wackelt der Hund mit dem Schwanz oder der Schwanz mit dem Hund?
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10 Antworten zu Henry David Thorau: Glück ist wie ein Schmetterling

  1. Marianne schreibt:

    (um Mariannes Gemüt nicht zu betrüben, habe ich mir erlaubt, in Leos Text ohne Rücksicht auf Verluste zweimal dieses „Du bist Das“ zu eliminieren und gleich viermal den Begriff „niemand“ durch „Gewahre Raum“ zu ersetzen)

    So viel Glück schon am frühen Morgen …🙂 Das ist jetzt schon ein wunderbarer Tag!

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  2. Keks schreibt:

    Und da der gewahre Raum (auch ein merkwürdiges Wort :p ) bei jedem vorhanden ist, ob er/sie es weiss oder nicht ist egal, gibt es keinen Grund irgendjemanden darüber zu belehren. Buddha, Krishna oder Jesus hätten auch ihre Klappe halten können oder es einfacher formulieren. Sie machten selbst eine Religion daraus wo der Raum religionslos ist. Alle schon wach.

    Ach da fällt mir ein, dass Untersuchungen des menschlichen Körpers mittels radioaktiver Isotopen und gestützt auf mathematische Berechnungen zweifelsfrei ergeben haben, dass unserem Körper eine Million Atome zu finden sind, die einst im Körper von Christus waren oder in dem von Buddha, Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Saddam Hussein. Na dann, Prost Mahlzeit.

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    • Nitya schreibt:

      „Und da der gewahre Raum (auch ein merkwürdiges Wort :p ) bei jedem vorhanden ist, ob er/sie es weiss oder nicht ist egal, gibt es keinen Grund irgendjemanden darüber zu belehren. Buddha, Krishna oder Jesus hätten auch ihre Klappe halten können oder es einfacher formulieren. Sie machten selbst eine Religion daraus wo der Raum religionslos ist. Alle schon wach.“

      Mein lieber Keks und Kupferstecher, ich weiß nicht, ob du schon einmal in die entsetzten Augen eines gerade in seiner Angstpsychose versunkenen Menschen geschaut hast. Es ist der nackte Horror. Wüsste dieser Mensch um den „Gewahre Raum“, wäre ihm bewusst, dass er dieser Raum ist, wäre er wohl kaum in seiner Psychose verschwunden. Es ist aus meiner Sicht alles andere als egal, ob dieses Bewusstsein existiert oder nicht.

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      • Keks schreibt:

        Eventuell hilft die Psychose das Bewusstsein zu erkennen ? Eventuell braucht es mehr Psychosen für eine vernünftigere Welt ? Verehrter Nitya, deine Sichtweise ist komisch sie du. Laut Asperger-Diagnose bin ich eh behindert und sehe alles anders, falscher Planet und so. Das ist dann auch der Grund warum ich wohl die entsetzen Augen des Angstmenschen nicht sehen werde da ich es vermeide in Gesichter zu schauen und somit Emotionen von anderen gar nicht oder nur sehr gering einordnen kann, wie meine eigenen übrigens auch.

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  3. Eno Silla schreibt:

    Jetzt wollte ich auch heute mal wieder meinen Senf dazugeben. Hatte auch schon was auf dem Monitor, aber dann wieder gelöscht… Ich möchte ja mal ein Wort finden, ein einziges Wort und aus, das wars, genug, mehr geht nicht… Leider gelingt es mir nicht. Worte nutzen sich so schnell ab, sie sind einfach nicht, worauf sie hinweisen. Sie sind nicht DAS! Und was ist DAS nun? Sorry, da fehlen mir die Worte. Aber schaut, hört, riecht, schmeckt, fühlt, denkt euch um!

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  4. Swami Prem Punito schreibt:

    Was für ein Glück – wieder Nitya-Senf geniessen zu dürfen .🙂
    Tag um Tag – guter Tag
    Punito

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    • Nitya schreibt:

      Hallo Punito, altes Haus. Komm an mein Herz! Wie schön, dass es dich wieder gibt!🙂

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      • Swami Prem Punito schreibt:

        Lieber Nitya ,
        die O.P. war so gut verlaufen , das ich nach 6 Tagen an der REHA teilnehmen konnte .
        Von den 68 Minuten Herzlungenmaschine und allem anderen Drumunddran konnte ich im O.P.Bericht lesen , welchen Aufwand die Herzchirurgen mt mir veranstaltet haben .
        Wach geworden fragte ich : “ Wann geht es denn los , mit der O.P. ? “ Sagte ein freundlicher Intensivpfleger : “ Gestern ! “ . Naja , die neuere Art der Bypass-O.P. , Umleitung der rechten oder linken Brustwandarterie hat was . Die Gefäße sind stärker als Venen und somit länger durchlässig . Keine Schnitte an den Unterschenkeln . Na, ja alles gut ! Die Lunge ist auch frei – nur die Koordination zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte bei den Hockerübungen klappt noch nicht so , wie erhofft . Bis 75 Watt bin ich zur Zeit belastbar , seit Gestern wieder zuhause – und danach gehe ich zur Herzsportgruppe . So , das wesentliche von mir in Kürze .
        Herzliche Grüße
        Punito

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    • Eno Silla schreibt:

      Lieber Punito,

      du bist echt ein zäher Knochen! Ich hätte schon längst schlapp gemacht. Es freut mich sehr, dass es Dich noch gibt!

      Herzliche Grüße

      Eno

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      • Swami Prem Punito schreibt:

        Lieber Eno ,
        wenn es drauf ankommt weist sich auch bei einem so`n sensibler Eno DAS Knochenzähigkeit !🙂
        Herzlichst
        Punito

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