Osho: Die Wurzel aller Probleme ist der Geist selbst

oDie Wurzel aller Probleme ist der Geist selbst. Also gibt es nichts Wichtigeres, als zu verstehen, was dieser Geist ist, aus welchem Stoff er gemacht ist; ob er ein festes Ganzes ist oder nur ein Vorgang; ob er Substanz hat oder aus dem Stoff gemacht ist, aus dem die Träume sind. Denn bevor du nicht die Natur des Geistes verstanden hast, kannst du keines deiner Lebensprobleme lösen. Du kannst dich noch so sehr anstrengen: Wenn du immer nur einzelne, losgelöste Probleme bekämpfen willst, muss dir das notgedrungen misslingen – das ist absolut sicher. Denn in Wirklichkeit gibt es keine individuellen Probleme: Das Problem ist der Geist selbst. Wenn du dieses oder jenes Problem zu lösen versuchst, hilft dir das nicht weiter, weil die Wurzel der Probleme davon unberührt bleibt.

Es ist, als ob du die Bäume beschneidest, alle Blätter trimmst, aber nicht an die Wurzel gehst. Neue Blätter werden treiben, neue Äste werden sprießen – und zwar mehr als zuvor. Wenn du einen Baum beschneidest, wird er nur umso dichter. Wenn du nicht weißt, wie du ihn mit der Wurzel ausreißen kannst, hat dein Kampf keinen Sinn, ist er töricht. Du zerstörst nur dich selbst, nicht den Baum. Wenn du so kämpfst, vergeudest du deine Energie, deine Zeit, dein Leben – und der Baum wird immer nur stärker, dichter und üppiger. Und du kannst nicht begreifen, wie es dazu kommt: Du strengst dich wirklich an, versuchst ein Problem nach dem anderen zu lösen, und es werden immer noch mehr. Du löst ein Problem, und zehn neue setzen sich an seine Stelle. Versuch gar nicht erst einzelne losgelöste Probleme zu lösen – denn es gibt keine: Der Geist ist das Problem. Aber der Geist hält sich im Untergrund versteckt. Darum nenne ich ihn die Wurzel. Er ist bei Tageslicht nicht sichtbar. Wenn du auf ein Problem stößt, ist das Problem über dem Boden, du kannst es sehen – und davon lässt du dich täuschen. Denk immer daran, das Sichtbare ist niemals die Wurzel; die Wurzel bleibt immer unsichtbar, die Wurzel ist immer versteckt. Kämpfe nie mit dem Sichtbaren, sonst kämpfst du immer nur mit Schatten.

aus: Osho: „Tantra – die höchste Einsicht“

wEs geht also um den Geist, und gemeint ist hier offensichtlich das, wofür es im Englischen den Begriff „mind“ gibt. Mind ist ja viel umfassender als der deutsche Begriff „Verstand“. Mind schließt das gesamte Psychisch-Mentale ein. Den Dauerstreit zwischen den sog. Kopf- und den Gefühlsmenschen können wir also schon mal gleich vergessen. Es ist alles der gleiche Mind und das ist auch nur ein Wort und nicht das Ding, für das das Wort steht. Osho fragt, aus welchem Stoff der „Mind“ gemacht ist, ob er ein festes Ganzes ist oder nur ein Vorgang, ob er Substanz hat oder aus dem Stoff gemacht ist, aus dem die Träume sind. Das ist ja die Gefahr bei der Verwendung irgendwelcher Begriffe. Wir sagen „Verstand“ und glauben zu wissen, was das ist. Und dein Gesprächspartner tut auch so, als wüsste er. Keiner weiß, worüber er da redet. Na ja dann – fröhliche Unterhaltung!

Um auf Oshos Frage einzugehen: Natürlich sind weder Mind noch Verstand ein festes Ganzes, sie sind völlig substanzlos und „aus dem Stoff gemacht, aus dem die Träume sind.“ Wer sich an seine Träume erinnert, wird wissen, dass sie ihm einfach erschienen sind, dass die Bilder, Gedanken, Gefühle wie aus dem Nichts auftauchten und wieder verschwanden. Wer dann seine Alltagswahrnehmung betrachtet, wird feststellen, dass hier genau dasselbe geschieht – mit dem einzigen Unterschied, dass wir glauben, etwas zu sehen, was außerhalb von uns ganz real existiert. Aber glauben wir das nicht genauso im Traum? Beim Aufwachen wissen wir dann, dass das Lug und Trug ist.
bIch erinnere mich gerade an diese furchtbare Hexe, die auf dem Stuhl neben meinem Bett saß und die mich auf der Stelle umgebracht hätte, wenn sie bemerkt hätte, dass ich noch atme. Ich glaube, ich war fünf Jahre alt, und ich bin schier gestorben vor Angst. Ich war hellwach und versuchte, so wenig wie möglich zu atmen und mich ja nicht zu bewegen. Das ging stundenlang so und ich war schweißgebadet, als der Morgen graute. Irgendwann hörte ich, dass einer meiner Brüder aufgestanden war, und da traute ich mich zu gucken, ob die Hexe noch da war. Natürlich war der Stuhl leer. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich mir das alles nur eingebildet hätte, wäre ich sicher sehr verletzt gewesen. Wie ginge es denn dir, wenn ich frech behaupten würde, dass du dir alles, was du wahrnimmst, nur einbildest, dass alles Wahrgenommen von dir zwar für wahr genommen wird, aber in Wahrheit nur ein substanzloser Traum ist? Und noch als Zugabe sagen würde, dass du das für wahr Genommene bist? Was? Ich soll die böse Hexe gewesen sein? Ich war doch das Opfer dieses Monsters! Na gut, als aufgeklärter Zeitgenosse, werde ich jetzt zu meinem Analytiker gehen und mir erklären lassen, was da eigentlich abgelaufen ist. Und dann werden wir der Hydra schon ihre Köpfe abschlagen; einen nach dem anderen.

hGenau dabei hilft mir der Psychoanalytiker und genau deshalb ist eine Psychoanalyse auch eine never ending story. Statt der Hexe sitzt jetzt ein Psychoanalytiker neben dir. Und der fieselt alle deine Probleme und Traumata mit dir durch. Und solltet ihr je mit eurer Arbeit fertig werden, dann kannst du noch zum Reinkarnationstherapeuten gehen und mit ihm die letzten Jahrtausende durcharbeiten. Osho sagt: „Du löst ein Problem, und zehn neue setzen sich an seine Stelle. Versuch gar nicht erst einzelne losgelöste Probleme zu lösen – denn es gibt keine: Der Geist ist das Problem.“ Was war mein Problem mit der Hexe? Ich habe für wahr genommen, was ich wahrzunehmen glaubte. Wäre mir damals klar gewesen, dass ich gerade nur einen spannenden Horrorfilm angucke, hätte ich ihn vielleicht sogar genießen können. Huch, war der schön gruselig!

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13 Antworten zu Osho: Die Wurzel aller Probleme ist der Geist selbst

  1. alexandra schreibt:

    Zum Thema Kopf- bzw. Gefühlsmensch: ich würde als Kopfmenschen jemanden bezeichnen, der seine Gefühle unterdrückt hat, aus Angst vor negativen Gefühlen. Das Denken tritt sehr direkt in Erscheinung. Bei einem Gefühlsmenschen wirken sich die Gedanken, die oft erst mal sehr subtil sind, direkt auf das Gefühlsleben aus. Alles der gleiche mind… Das stimmt schon… Liebe Grüße

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  2. Marianne schreibt:

    Genau aus diesen von dir geschilderten Umständen überzeugt mich die buddhistische Psychologie, die zumindest nach den „Wurzeln des Leids“ forscht und sie im Wesentlichen auf die drei Ursachen „Angst“, „Gier“ und „Unwissenheit“ reduziert. Probleme sollten an der Wurzel angepackt werden …
    Ach ja, es gibt ja im Advaita keinen Handelnden, der das machen könnte, habe ich glatt vergessen …

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  3. ananda75 schreibt:

    „Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille“
    sagte mir heute Herr Friedrich Nietzsche – lassen wir ihm das groß oder klein mal durch gehen und außer acht, dass wir ja nirgendwo hin wollen – ist Stille doch immer eine gute Lösung – und nu frag mich bitte nicht, wofür🙂

    Einen schönen Tag dir❤

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  4. Eno Silla schreibt:

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  5. Keks schreibt:

    Die Wurzeln des Leids kommen vom Leider, ja wo isser denn ? Leider nicht gefunden ?
    Aus bewusstem Sein kommt „ich bin“. Man nennt es auch Bewusstsein.
    Wer erkennt dieses Bewusstsein ? Nennt diese heilige Scheisse bloss nicht Gott😀
    Oder meinetwegen nennt es Gott. Solange keiner Grenzzäune drumrumbauen kann – es hat eh schon hunderte Namen. Wegwerfen geht nicht, drauf spucken auch nicht so recht. Ausweglosigkeit als grösstes Glück weil endlich mal keiner irgendwas dran rumverändern kann.

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  6. alexandra schreibt:

    Der “ Denker“ versucht das Fühlen ganz zu vermeiden aus Angst vor negativen Gefühlen. Der „Gefühlsmensch“ versucht (vergeblich) die negativen Gefühle zu vermeiden. Bei beiden werden nur die Äste vom Baum gesägt.

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  7. fredoo schreibt:

    irgendwann ist mir mal etwas aufgefallen … jedesmal wenn ich ein problem gelöst hatte , tauchte alsbald ein neues auf , zwar manchmal anders dekoriert ( wie ich es heute nenne ) aber doch von estaunlich ähnlicher potenz … da kam mir der verdacht , das „problem“ lediglich der spielname einer speziellen form von energie im leben ist … ich nenne sie drama-potenz … es scheint mir also so , dass (bearbeitungs)-mühen zwar die jeweilige bekleidungsform der drama-potenz durchaus verändern können , wohl auch vermindernd , oder gar verschwindend … dass sich dann aber alsbald diese drama-potenz neu einkleidet … ich sage deshalb mir selbst , und anderen , die mühe der entkleidung macht nur da sinn , wo das dramakleid besonders unangenehm zwickt … wenn dem nicht so ist , bevorzuge ich sogar mitlerweile den mir bekannten dress , da weiß ich woran ich bin , hab die ein oder andere fertigkeit erworben , mit diesem dramakleid so halbwegs gut zurechtzukommen … und wer weiß , ob mir das mit dem neuen dress auch so gut gelingen wird … außerdem … bin ich bekennender faulpelz … also warum etwas unbedingt loswerden wollen , an das ich gewöhnt bin , macht nur ne menge arbeit und womöglich handele ich mir dann noch so richtig stressige neue bekleidung des dramas ein …😉

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    • Nitya schreibt:

      Mir fällt gerade ein Bekannter aus grauer Vorzeit ein, der mit einer Apothekerin verheiratet war. Er besuchte eines Tages ein Seminar und verliebte sich dort prompt in eine Teilnehmerin. „Die oder keine!“ fühlte er und machte sich daran, sich von seiner Frau zu trennen und alles für den regime change vorzubereiten. Wie es der Teufel will, musste er noch auf ein weiteres Fortbildungsseminar und was geschah? Er verliebte sich in einae andere Teilnehmerin. Wieder wusste er mit absoluter Sicherheit: „Jetzt habe ich meine wahre Liebe gefunden.“ Da er aber noch nicht vollkommen vertrottelt war, kam ihm das irgendwie komisch vor und er dachte: „Wenn das so weitergeht, bin ich nur noch mit dem Koffer unterwegs.“ Er kehrte reumütig zu seiner Ehefrau zurück. Immerhin hat die eine Apotheke, dachte er. Und so blieb er bei seiner Ehefrau, hatte zwischendurch seine Affären und wurde ansonsten ein rechtschaffener Familienvater. Und wenn er nicht gestorben ist …

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