Heinz Butz: Spüren Sie’s?

 

© Gerlinde Drexler
zugehöriger Artikel in den Aichacher Nachrichten

Hin und wieder guck ich im Netz, ob es etwas Neues über Heinz Butz gibt und kürzlich fand ich sein Bild in den Aichacher Nachrichten. Die Fotografin Gerlinde Drexler erlaubte mir dankenswerter Weise, das Bild in meinen Blog zu stellen. Ich hab mich natürlich riesig gefreut, ihn noch einmal abgebildet zu sehen.

Heinz Butz wird im Dezember 91 Jahre alt und wenn ich sein Bild betrachte, so glaube ich zu erkennen, dass er absolut nichts von seinem wachen, schauenden Blick verloren hat. Es war eines der Dinge, die mich so faszinierten bei ihm. Ich denke an das Aktzeichnen, an dieses vollkommen unpersönliche Schauen, an den Stift in seiner Hand, der den abzubildenden Menschen geradezu zärtlich zu streicheln schien. Es war reine Poesie, absolute Andacht. Es war seine Andacht, die auf mich übersprang, ohne dass ich irgendetwas hätte tun müssen. Oder besser ausgedrückt: Seine Andacht erzeugte in mir eine Resonanz, die mich gewahr werden ließ, dass sie auch „in mir“ immer schon anwesend war. Aber sie war derart verschüttet, dass ich den Glauben schon längst aufgegeben hatte, dass so etwas überhaupt möglich sei. Ich denke, ich war seinerzeit ein ziemlich zynisches Arschloch, das auf dem besten Weg war, zum absoluten Misanthropen zu werden. Heinz Butz lebte in derselben beschissenen Welt wie ich, hatte sogar als Soldat kämpfen müssen und war in russische Kriegsgefangenschaft geraten und doch schien es ihm möglich zu sein, in einem Raum unbestechlicher Achtsamkeit und liebevoller Zugewandtheit zu leben, der mir so noch nie begegnet war.

Im Zen heißt es: „Ist der Schüler bereit, erscheint der Meister.“ Aber das ist mir schon wieder zu – wie soll ich sagen? – zu didaktisch, zu kausal. Wenn – dann … Nein, da geschieht einfach etwas ohne jeden Grund. Nein, ich war kein bisschen bereit. Wenn überhaupt, dann war ich bereit, die ganze korrupte, bigotte Gesellschaft auf den Mond zu schießen. Und doch muss ja irgendetwas in meinen tiefsten Tiefen bereit gewesen sein, sich für diese Andacht zu öffnen und sich ihr hinzugeben – und zwar von dem Augenblick an, als ich Heinz Butz das erste Mal sah.

Ich vermute, ich erzähle die Geschichte von der Blume in Buddhas Hand und Mahakashyapa deshalb so gern und immer wieder, weil sie für mich so deutlich auf das Wesentliche hinweist. Wortlosigkeit in der alles gesagt ist. Selbst das „Spüren Sie’s“, das Heinz Butz da flüsterte, war im Grunde nicht nötig. Mahakashyapa war ja ein strenger Praktizierer der Empfehlungen Buddhas, das war ich nun wirklich mitnichten. Wenn überhaupt dann war ich eher ein Angulimala als ein Mahakashyapa. Es hat nicht das Geringste mit irgendeinem Verdienst zu tun, sondern eher mit dem, wie es Tilopa sagt: „Jedes beliebige Licht vertreibt in einem Augenblick die Dunkelheit ganzer Zeitalter.“ Ich könnte das jetzt spirituell erhöhen und von einer „dunklen Nacht der Seele“ faseln, aber ich sage lieber: Damals war alles absolut beschissen. Und Heinz Butz war für mich einfach das Licht in der Finsternis. Ich wollte nie etwas von ihm. Mir genügte vollkommen, dass es ihn gibt. Für mich war das ein einziges Wunder. Und es gibt ihn immer noch. Welche Freude!

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Eine Antwort zu Heinz Butz: Spüren Sie’s?

  1. Keks schreibt:

    “ Wenn – dann … Nein, da geschieht einfach etwas ohne jeden Grund. Nein, ich war kein bisschen bereit. Wenn überhaupt, dann war ich bereit, die ganze korrupte, bigotte Gesellschaft auf den Mond zu schießen.“

    Jaaaaa, passt, perfekt. So war es bei mir auch. Erst kamen Lügenmärchen der WHO, dann vom DKFZ, danach von etablierten Professoren aus aller Welt. Ich fing an alles zu hinterfragen und am Ende auch mich selbst. Ein kurzes Vergnügen durch alle Bücher quer durchs esoterische Gemüsebeet – hingeglegt und selber geguckt. Da ich eh schon alle Regeln über den Haufen geworfen hatte war mir „sitzen“ von vornerein zu dämlich:. Als Autist musste ich glücklicherweise mich nie mit „Gefühlen“ herumplagen, die sind bei mir alle auf einer Linie vermischt und keines wirklich erkennbar. Nun ist allerdings ein neues Problem für die Gesellschaft aufgetreten, nicht für mich – ich habe kein Interesse mehr mit meinen 42 Jahren für irgendeinen Drecksstaat den Sklaven zu spielen oder zu Arbeiten. Vermutlich war ich auch gerade darum schon immer selbstständig weil ich Vorgesetzte und Lehrer noch nie mochte. Lehrer die einem etwas beibringen ohne es mal selbst hinterfragt zu haben ob das was sie da sagen überhaupt stimmt. Da kann man monatelang weiterschreiben über eine Regierungsstruktur die jenseits von gut und böse ist und so wie sie ist gar nicht mehr in mein Weltbild passt.Beim wie nennen es die Spiris ? „Erwachen“ geht alles kaputt :p

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