Ikkyû Sôjun: Unser Geist kennt keinen Anfang und kein Ende


iUnser Geist kennt keinen Anfang und kein Ende.
Der ursprüngliche Geist
kann nicht Buddha-Natur werden.
Die ursprüngliche Buddha-Natur
ist Buddhas bösartiges Geschwätz,
der ursprüngliche Geist fühlender Wesen
ist deren Täuschung.

aus: Ikkyu Sôjun, „Gedichte von der verrückten Wolke“

Ich hatte dieses Gedicht von Ikkyû schon einmal im Blog. Keine Ahnung, was mir damals dazu eingefallen ist. Bin zu faul um nachzugucken. Eigentlich kann man dazu gar nichts schreiben, da man sich erst mit Ikkyû über seine Begriffsdefinitionen verständigen müsste. Was versteht er unter „Geist“ und was unter dem „ursprünglichen Geist“, was unter der „Buddha-Natur“ und was unter der „ursprünglichen Buddha-Natur“? Ohne diese Informationen sind die folgenden Gedanken einfach nur meine Assoziationen, die beim Lesen der Zeilen von Ikkyû in mir aufsteigen und deshalb möglicherweise absolut nichts mit dem zu tun haben, was Ikkyû zu sagen hatte.

Ikkyû scheint einen Unterschied zu machen zwischen einerseits dem „Geist“ und dem „ursprünglichen Geist“ und zwischen andererseits der „Buddha-Natur“ und der „ursprünglichen Buddha-Natur“. Und dann gibt es noch den „ursprünglichen Geist“ und „den „ursprünglichen Geist fühlender Wesen“, die Ikkyû unterscheidet. Also da wird der Hund in der Pfanne verrückt! Wieso ist mir heute bloß dieses Gedicht zugefallen?
vAlso, die ursprüngliche Buddha-Natur scheint für Ikkyû nicht zu existieren, er nennt sie Buddhas bösartiges Geschwätz und den ursprünglichen Geist fühlender Wesen deren Täuschung. Wenn ich davon ausgehe, dass alle fühlenden Wesen nur Traumfiguren, also nur scheinbar real existierende Wesen sind, dann kann natürlich auch „deren“ ursprünglicher Geist nur eine Täuschung sein.

„Der ursprüngliche Geist kann nicht Buddha-Natur werden.“ Ich mutmaße mal: Er kann nicht werden, was er schon immer gewesen ist. Die ganze Idee ist verrückt. „Unser Geist kennt keinen Anfang und kein Ende.“ Er ist einfach nur „offene Weite“ von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und natürlich ist da „nichts von heilig“, weil damit schon wieder das Unheilige kreiert worden wäre. „Buddha-Natur“ ist möglicherweise deshalb für Ikkyû „Buddhas bösartiges Geschwätz“, weil auch die Bezeichnung „Buddha-Natur“ ihr Gegenteil kreiert und zu einem möchte-ich-auch-haben führt. Wenn sich aber Buddha-Natur in nichts vom ursprünglichen Geist unterscheidet, wozu diesen dann überhaupt Buddha-Natur nennen? Huang-po: „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert.“

Und jetzt – mein Gott, ich glaub, meine Birne ist von den Antibiotika immer noch ziemlich zugedröhnt – jetzt mog i nimmer. Ich hänge auf dem Stuhl so vor mich hin und nichts zu suchen das ist mein Sinn.

h

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2 Antworten zu Ikkyû Sôjun: Unser Geist kennt keinen Anfang und kein Ende

  1. alexandra schreibt:

    „Und jetzt – mein Gott, ich glaub, meine Birne ist von den Antibiotika immer noch ziemlich zugedröhnt – jetzt mog i nimmer. Ich hänge auf dem Stuhl so vor mich hin und nichts zu suchen das ist mein Sinn“ –
    Lieber Nitya, da wünsche ich dir erst mal ganz profan eine gute Genesung!
    Herzliche Grüße Alexandra

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