Ikkyû Sôjun: der Weg des Irrens

buddha

Ich finde
Nicht Anfang, nicht Ende
in meinem Sinn.
Buddha-Wesen
wird uns nicht
in die Wiege gelegt;
Dass wir
als Buddha geboren würden,
gibt ein falsches  Bild.
Allen Lebenden gemeinsam
ist der Weg des Irrens.

aus: Ikkyû Sôjun,
„Im Garten der schönen Shin“

b

„Welchen spirituellen Weg gehst du denn?“ – „Ich gehe den Weg des Irrens.“ Hat doch was! Klingt allerdings, als ob ich mir diesen Weg ausgesucht hätte. Hab ich aber nicht. Ikkyû konnte das offensichtlich sehen, aber streute deshalb nicht Asche auf sein Haupt, sondern hinterließ uns zusätzlich diese Zeilen:

Meine Freunde, hier ist etwas für euch:
Erleuchtung bedeutet
Fehler um Fehler.

Menschliches Leben bedeutet Fehler um Fehler, Irrtum auf Irrtum. Und meine Eichhörnchen – irren die sich nicht? Klar können die sich irren, aber nicht in derselben Weise wie die Menschen. Ich habe jedenfalls bisher noch keinen Eichhörnchen-Philosophen entdeckt. Der Spruch „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ bedeute ja schließlich, dass Balsekars „denkender Verstand“ nicht allzu viel bzw. gar nichts mit dem zu tun hat, was ist, war oder sein wird. Insofern kann er gar nicht anders, als sich ununterbrochen zu irren. Das aber, meint Ikkyû wohl, ist „der Schlamm, aus dem die Lotusblume wächst“. Das ist der Stoff, der wirkliche Einsicht erst ermöglichen kann. Deshalb sagt er also: „Erleuchtung bedeutet Fehler um Fehler.“ Das bedeutet für mich: Auch ein sog. Erleuchteter ist nicht davor gefeit, irrige Gedanken zu produzieren. Ikkyû ist dafür ein gutes Beispiel. Das spielt nur nicht die geringste Rolle. Wenn klar ist, dass es keinen Denkenden gibt, verlieren alle Gedanken ihre Bedeutung. Sollen sie doch kommen und gehen wie die Wolken am Himmel. „Wen kümmert’s?“l

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Ikkyû Sôjun: der Weg des Irrens

  1. Brigitte schreibt:

    Meine Sekte erhält die höchste Form des Zen,
    wirft Ego und Umwelt beiseite
    und betritt die Dunkelheit des Daseinsgrundes.
    Wo jedoch sind spiritueller Friede
    und ein aufrechtes Leben verwirklicht?
    Am Ende aller Zeiten wird doch alles vernichtet.
    (Ikkyû Sôjun, „Gedichte von der verrückten Wolke“)

    Gefällt mir

  2. fredoo schreibt:

    „““Am Ende aller Zeiten wird doch alles vernichtet.“““

    … könnte man als der Depression Krönung erfahren … wenn man es ingsgeheim doch anders möchte …
    kann man auch als unbegrenzte Freiheit erleben … wenn es sich denn so für einen schickt …

    doch … auch dies … ob Depression oder Freiheit … wird am Ende vernichtet …
    der einzige Trost zu diesem „Ende“ … es hat ja nie einen Anfang gegeben …
    also … was könnte da von Bedeutung vernichtet werden ?
    Hey … wo ist mein Kaffee …😀

    Gefällt mir

  3. Eno Silla schreibt:

    In dieser Welt ist wirklich alles ausnahmslos
    unwirklich.
    Sogar der Tod
    ist eine Täuschung.

    Bin achtzig und schwach,
    scheiße und bringe dies Buddha dar.

    Ikkyû Sôjun

    Gefällt mir

  4. fredoo schreibt:

    zu eno …
    dieser ikkyu wird mir von zitat zu zitat immer sympatischer 🙂

    Gefällt mir

  5. ananda75 schreibt:

    Es irrt der Mensch, so lang er strebt
    Damit mal wieder was Neues entsteht
    So irren wir dann rum
    Und dichten die Gedichte
    Weil wir nicht ganz dicht sind
    und hoffen, dass es irgendwann mal dichtet
    oder so….

    Fröhliche Wieder-Vereinigung allerseits😉

    Gefällt mir

    • Brigitte schreibt:

      … auch das geht vorüber, oder so 😉

      Ein winziges Wölkchen,
      Losgelöst,
      Ein Punkt nur in des Himmels Blau –
      Einzige Sicherheit,
      Wirklichkeit unseres Seins
      Birgt es in sich.
      Im Traum gestern nacht
      Schwebte meine Seele
      Mit Fuzan auf Flügeln der Liebe,
      Der Morgen löscht die Bilder –
      Nur mehr die Spur
      Einer Erinnerung.
      Ikkyû Sôjun

      Gefällt mir

      • ananda75 schreibt:

        alles geht vorüber, alles geht vorbei🙂

        Mandelblütenzweig
        Im Frühlingstraum das Leben
        Rot verblasst in weiß

        für dich❤

        Gefällt mir

      • Brigitte schreibt:

        „Das Leben ist ein Traum, den du mit deinen Begriffen träumst. Wenn du sagst, dass es dir Spaß macht, dann macht dir das Leben Spaß. Wenn du dagegen glaubst, dass du es Leid hast, wirst du es Leid haben. Doch so viel du dich auch amüsieren magst, irgendwann wird es dir doch langweilig werden.
        Nichts im Leben steht fest: Glück erscheint bei näherem Hinsehen als Unglück, oder Unglück als Glück. In Wirklichkeit gibt es weder Glück noch Unglück, weder Freude noch Leid. Nichts muss auf irgendeine bestimmte Weise sein; alles ist gut, so wie es gerade kommt. Nur die Menschen machen ein großes Theater darum.“ (Kodo Sawaki)

        Gefällt mir

      • ananda75 schreibt:

        Ananda = Die Glückseligkeit jenseits von Freud und Leid
        oder auch
        Glücklich sein, egal, ob du glücklich oder unglücklich bist

        der Name ist Programm – zumindest, so lange, bis mir was Besseres einfällt😉

        Gefällt mir

  6. Kerstin Pauly schreibt:

    Hallo lieber Nitya,
    du schreibst:
    „Und meine Eichhörnchen – irren die sich nicht? Klar können die sich irren“
    Gestern gab es eine Kindersendung im TV, wegen des schlechten Wetters haben mein Enkel und ich diese angeschaut. Darin wurde erklärt, dass die Eichhörnchen einen Futter Vorrat für den Winter anlegen, dass sie aber manchmal ihre Verstecke nicht mehr wiederfinden.
    Ich kanns gar nicht so richtig glauben.
    Heute waren wir nun Eichhörnchen füttern, sie haben alles gleich verspeist, dabei hatte ich gehofft zuschauen zu können, wohin sie es schleppen.
    …..immer die Erwartungen, sogar an die Eichhörnchen. Ich vermute, die haben gestern trotz des schlechten Wetters diese TV-Sendung über sich selbst nicht angeschaut. Daher konnten sie nicht wissen, was ich von ihnen erwarte😉
    lieben Gruß von Herzen

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Liebe Kerstin,

      ich habe großes Verständnis für meine Eichhörnchen, wenn sie die Verstecke nicht mehr finden, an denen sie ihre Schätze verbuddelt haben. Ich komm ja auch kaum noch mit dem Nüsse-Nachschub hinterher. Fühlt sich oft wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Eichhörnchen an. Die buddeln und buddeln und wissen schon gar nicht mehr wohin damit. Unmöglich, sich all die Verstecke zu merken. Aber nach dem in der Natur eigentlich nichts verkommt, hoffe ich, dass einige stattliche Walnussbäume aus den vergessenen Vorräten wachsen werden.

      Herzlichst
      Wilhelm

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s